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Doppelmord Babenhausen

22.403 Beiträge, Schlüsselwörter: Mord, 2009, Nachbar, Toll, Darsow, Doppelmord Babenhausen, Schalldämpfer

Doppelmord Babenhausen

14.09.2018 um 12:28
Rick_Blaine schrieb:das Gericht hätte sicherlich sich nur dann bereitgefunden, diese Dinge in Erwägung zu ziehen, wenn Darsow die Tat gestanden und die besonderen Gründe, wie z.B. diesen Leidensdruck, selbst dargelegt hätte.
A.D. schweigt nach wie vor…
Rick_Blaine schrieb:Darsow und seine Verteidiger wollten offensichtlich nicht das Risiko eingehen, dass das Gericht hier keine ausserordentlichen Milderungsgründe sieht. Sie haben lieber darauf bestanden, dass die Anklage die Tat nachweist und gehofft sie könne das nicht.
Exakt, das ist der springende Punkt.


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14.09.2018 um 12:35
@Rick_Blaine

Bei der hier begangenen Tat - regelrechte Hinrichtung Arg- und Wehrloser nebst versuchter Ermordung einer geistig Behinderten - hätte sich aus meiner Sicht keine Kammer der Republik bereitgefunden, Strafmilderung zu erwägen - gleich, ob der Angeklagte geständig und reuig gewesen wäre oder nicht. Zum Glück.


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14.09.2018 um 12:56
Rick_Blaine schrieb:Das heisst nicht, dass man die Tat gutheisst, entschuldigt usw. Das kann aus dem Verstehen resultieren, aber muss nicht. Verstehen kann ich einen Ehemann, der seine Frau mit ihrem Liebhaber erwischt und beide sofort tötet. Der Gesetzgeber übrigens auch, er nennt so etwas Affekttat.
Ich bin mit allem einverstanden was Du schreibst, nur hier möchte ich einhaken: Das dürfte weniger eine Tat im Affekt sondern vielmehr eine Impulstat sein.

Vielleicht interessiert es den Einen oder Anderen: Tatsächlich kennt das StGB nicht den Begriff "Affekt" oder "Affekttat". Es ist aber schon sehr lange allgemein anerkannt, dass es Taten im Affekt gibt und dass eine im Affekt begangene Tat milder bestraft werden muss oder gar ein Schuldausschließungsgrund darstellt. Im StGB findet man in § 20 die Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen und für sog. Affektaten praxisrelevanter in § 21 die verminderte Schuldfähigkeit.

Man muss sich dabei aber deutlich vor Augen führen, dass nahezu alle Tötungen in einem gewissen Erregungszustand begangen werden. Der Spielraum für die Annahme einer verminderten Schuldunfähigkeit wegen eines Affekts ist daher entsprechend gering.


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14.09.2018 um 12:59
Deus_ex_Machin schrieb:hätte sich aus meiner Sicht keine Kammer der Republik bereitgefunden, Strafmilderung zu erwägen
Es geht hier nicht um eine etwaige Strafmilderung, sondern um die Feststellung der "besonderen Schwere der Schuld". Wie @Rick_Blaine bereits schrieb, macht die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld in der Praxis mal eben 10 Jahre mehr aus.

Vielleicht (und nur vielleicht) hätte das Gericht von der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld abgesehen, wenn AD geständig gewesen wäre und seine Motive geschildert hätte.


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14.09.2018 um 13:42
@Lichtenberg

Ich bezog mich auf die Ausführungen von Rick_Blaine zur sog. Strafzumessungslösung.

Besondere Schwere der Schuld wird bei mehrfachem Mord in den allermeisten Fällen festgestellt. Hier kommen noch der Mordversuch an einem behinderten Menschen sowie eine besonders grausame Tatbegehung hinzu.

In Hessen sitzen wegen Mordes Verurteilte bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld durchschnittlich nicht unter 23 Jahren ein.


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14.09.2018 um 14:11
Frau.N.Zimmer schrieb:Mildernde Umstände, für einen Doppel- und geplanten Dreifachmord weil einem die Nachbarn nicht genehm sind.
Eine recht eigentümliche Ausdrucksweise dafür, dass ein Mensch jahrelang in seiner Lebensqualität eingeschränkt und ihm der Schlaf geraubt wird.


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14.09.2018 um 14:36
Gut möglich, dass er am Ende wirklich fertig und zermürbt war. Ich glaube auch, dass das Gericht dies evtl.zu seinen Gunsten berücksichtigt hätte, wenn er gestanden und die aus seiner Sicht in seinem damaligen Zustand ausweglos erscheinende Situation geschildert hätte.


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14.09.2018 um 15:03
@muscaria

Es hätte zahlreiche legale Lösungsmöglichkeiten dafür gegeben. @Rüdiger wird hierzu vermutlich mal einen Ratgeber schreiben.

@Andante: Die allermeisten Mörder wähnen sich in einer ausweglosen Lage. Das ist m.E. kein Argument.


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14.09.2018 um 15:18
@Deus_ex_Machin

Die ausweglose Lage wäre es ja nicht allein, sondern im Zusammenhang mit einem Geständnis, Reue etc. Aber es ist natürlich spekulativ, wie das LG in diesem Fall geurteilt hätte.


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14.09.2018 um 16:57
muscaria schrieb:Eine recht eigentümliche Ausdrucksweise dafür, dass ein Mensch jahrelang in seiner Lebensqualität eingeschränkt und ihm der Schlaf geraubt wird.
So unterschiedlich sind wir halt :) Du möchtest mildernde Umstände für einen eiskalt geplanten Dreifachmord. Dass die Tochter schwerst verletzt überlebt hat, war ja nicht Darsows Ziel.
Ich könnt schon über so eine Vorstellung von mildernden Umständen erbrechen.

Der Kerl hat das lange geplant, den Schalldämpfer gebaut, Vorbeireitungen getroffen, die Waffe organisiert, zigfach abgedrückt, nachgeladen und wieder abgedrückt.

Wieviel Möglichkeiten zu stoppen gab es wohl? Meldet sich da nicht irgendwann das, was wir Gewissen nennen?Meine Güte, wenn es denn so schlimm war, hätte er halt umziehen müssen. Konnte die Frau mit ihrer Behinderung, was dafür dass die Darsows scheinbar so knapp finanziert waren, dass das nicht ging?

Augen auf bei der Finanzierung. Es kann immer was dazwischen kommen. Vllt. hätte er auch bessere Nerven gehabt, hätte er nicht zusätzlich die ganzen Nebenjobs machen müssen? Das weiss man nicht.

Drei Morde rechtfertigt der größte Lärm nicht.


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14.09.2018 um 18:23
Frau.N.Zimmer schrieb:Drei Morde rechtfertigt der größte Lärm nicht.
Selbstverständlich nicht. Die Verurteilung wegen Mordes steht ja auch außer Frage. Es geht in diesem Rahmen halt nur darum, ob in gewissem Umfang bei einem frühen Geständnis eine Strafmilderung in Betracht gekommen wäre.

Dagegen hätte die Nebenklägerin Astrid T., vertreten durch ihre Betreuungsperson aber sicherlich protestiert.

Ich frage mich sowieso, ob die Free-Darsow-Bewegung medial soviel Erfolg hätte, wenn Astrid Toll gesund wäre und in gleicher Weise in den Medien das Ganze aus der Sicht des selbst betroffenen Opfers, das zudem bei der Tat beide Eltern verloren hat, vertreten könnte.


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14.09.2018 um 19:23
nein, sicher nicht!

ich finde dieses ganze "Free Darsow" ziemlich widerlich und zynisch.

Frau Darsow mag ja eine nette Frau sein, aber ich kann sie einfach nicht mehr sympathisch finden...habe gestern zufällig mal wieder "Mein Mann ist kein Mörder" gesehen, deshalb komme ich darauf.


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Doppelmord Babenhausen

14.09.2018 um 20:29
Guten Tag,

ich verstehe ihre m. M. n. sinnlose Diskussion nicht wirklich, da Herr D. sicher kein umfängliches Geständnis abgeben kann, er müsste ja all seine Mitwisser nennen (Waffenbeschaffung, Versteck der Tatwerkzeuge und sämtliche Planungen etc.) und u. U. könnten auch Familienangehörige belastet werden.

Da ein ausreichendes Quantum an Fragen ansteht, wird er wohl oder übel mit seiner Strafe leben müssen.

PS: Habe die Akte gelesen

Protoplasma


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14.09.2018 um 20:36
@Protoplasma

Es muss keine Mitwisser gegeben haben. Zu Darsows Persönlichkeit würde es passen, dass er die Tat im stillen Kämmerlein lange und akribisch plante.

Außerdem wird er ohnehin mit seiner Strafe leben müssen. Es wäre verfehlt anzunehmen, dass es jetzt, mehr als sieben Jahre nach der Verurteilung, relevanten Strafrabatt gäbe, nur weil er auspacken würde.


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14.09.2018 um 21:56
Ich bezweifle, dass Herr D. keine Mitwisser hatte, er ist nicht der Typ Mann, der ohne Absprachen ein Leben gestalten, geschweige denn, „seiner“ eigenen Familie (im weitesten Sinne) Schaden zufügen kann. Umgangssprachlich würde ich solche Menschen als „doof“ bezeichnen.

Protoplasma


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14.09.2018 um 22:00
@Protoplasma
Protoplasma schrieb:Ich bezweifle, dass Herr D. keine Mitwisser hatte, er ist nicht der Typ Mann, der ohne Absprachen ein Leben gestalten, geschweige denn, „seiner“ eigenen Familie (im weitesten Sinne) Schaden zufügen kann
Das sind doch völlig unterschiedliche Dinge, ob man sich im Alltag oder der Zukunftsplanung abspricht oder ob man einen Mord plant. Es ist unglaublich schwierig, hier konkret einen „Typ Mensch“ zu definieren und ob Darsow dann in diese Gruppe passen würde weiß auch nur er selbst.


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14.09.2018 um 22:24
Protoplasma schrieb:PS: Habe die Akte gelesen
Und was steht da so drin, was nicht im Urteil auftaucht, aber ganz neue Erkenntnisse bringen würde, wie es hier schon mal angedeutet wurde? Oder passt der Akteninhalt zum Urteil?


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14.09.2018 um 23:15
@jaska

sicher sind die Dinge unterschiedlich, das wird nicht bezweifelt. Ihn zu definieren ist doch gar nicht so schwer, Herr D. ist aber auf Grund seiner Vita a) nicht als geistesgestört zu bezeichnen, b) als moralverantwortlicher Mensch nicht tauglich, c) demnach kann er nur „doof“ sein.


@ Seps13

Ich würde sagen, nach dieser Akte und polizeilichen Ermittlungen (die sehr verwirrend sind), kann man dem Urteil schon zustimmen, wenngleich Fragen auftauchen, wie dieser Kerl es geschafft hat, keine DNA Spuren zu hinterlassen und selbst die Hunde seinen Geruch nicht orten konnten.

Er muss in einem Vollkörper-Gummi/Stoffanzug gesteckt haben ...

Bei all dieser Vorsicht und Akribie der Planung, brach ihm dann eine entscheidende Nachlässigkeit (PC - PDF-Schalldämpferplan) das Genick.

Zu welchem Schluss sollte man denn da sonst kommen?

Protoplasma


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14.09.2018 um 23:22
Protoplasma schrieb:Zu welchem Schluss sollte man denn da sonst kommen?
Na, zum gegenteiligen Schluss: Das Verbrechen hat er sehr schlau geplant und es hätte fast geklappt. Aber ihm sind Fehler unterlaufen, die zum Glück den meisten Mördern passieren. Das perfekte Verbrechen ist eben sehr schwer und hängt von zu vielen Faktoren ab.

Man darf auch nicht vergessen, dass Darsow kurz nach einem Telefonat mit seiner Frau die Anleitung recherchierte und ausdruckte. Eine Kurzschlusshandlung ist da das wahrscheinlichste; und das ist nicht doof, sondern allzu menschlich (nicht in dem Sinne, dass ich das gerechtfertigt sähe, sondern dahingehend, dass es menschlich ist, Fehler zu machen, wenn man emotional aufgewühlt ist).

Wäre Darsow doof, gäbe es diesen Thread nicht, da dann ein Indizienprozess nicht vonnöten gewesen wäre und es klare Sachbeweise gäbe.


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15.09.2018 um 05:59
Andante schrieb:Ich frage mich sowieso, ob die Free-Darsow-Bewegung medial soviel Erfolg hätte, wenn Astrid Toll gesund wäre und in gleicher Weise in den Medien das Ganze aus der Sicht des selbst betroffenen Opfers, das zudem bei der Tat beide Eltern verloren hat, vertreten könnte.
Ich finde es so widerlich. Man nutzt es aus und drängt sich vor die Opfer, bis niemandem mehr die unglaublich schreckliche, perfide Tat einfällt.

Immer gehts nur um die "armen" Darsows und die "bösen" Tolls. So schwarz und weiss funktioniert das Leben aber eigentlich nie. Wer weiss was da vorher war? Vllt. wurde Toll auch provoziert? Vllt. wurde er gar bedroht? WIR wissen es nicht.

Davon abgesehen, dass es eine Familie schon arg verändern kann, wenn das Kind eine schwere Behinderung hat. Einige werden verbittert.
Das haben sie sich auch nicht ausgesucht. Ebenso kann man sich seine Nachbarn nie zu 100% aussuchen. Das ist doch jedem klar, der sich an Eigentum, mit Nachbarschaft "Wand an Wand" bindet.
Schulden bis zum Stehkragen für Reihenhaus? Das sagen doch viele Menschen: " Nur über MEINE Leiche" Darsow, nahm den Weg über 3 andere Leichen..

Ich kenne solch "spitze Schreie" zur Genüge aus meinem Berufsleben. Ja, das ist schlimm, wenn man nicht daran gewöhnt ist. Noch schlimmer ist es natürlich, wenn man eh schon an seiner Belastungsgrenze, durch eigene Probleme wie Schulden, Überarbeitung, und Familie ist.
Wenn er wegen seiner eigenen Kinder schon Ohrstöpsel brauchte? Irgendwie kam er dann wohl nie zu der Ruhe.


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