Kriminalfälle
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

12.442 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Wald, Entführung, München ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

14.06.2026 um 15:44
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Schade, dass ich auf dieses Posting nach inzwischen fast einer Woche keine einzige Antwort erhalten habe.
Das könnte evtl. auch daran liegen, dass du selbst nicht auf Posts eingegangen bist bzw. nicht antwortest – angefangen bei diesem Post:
Zitat von MauserMauser schrieb am 25.05.2026:kann ich auch diesem obigen Ansatz momentan nicht wirklich etwas abgewinnen bzw. müsste das natürlich viel detaillierter formuliert werden.
O. g. trifft m. E. auf einen Großteil deiner langen Monologe bzw. des aktuellen Lamentos zu.
Weitere Punkte, auf die du z. B. im o. g. Post nicht eingegangen bist:
Beitrag von Mauser (Seite 627)


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

14.06.2026 um 17:54
Zitat von watnuwatnu schrieb:
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Schade, dass ich auf dieses Posting nach inzwischen fast einer Woche keine einzige Antwort erhalten habe.
Das könnte evtl. auch daran liegen, dass du selbst nicht auf Posts eingegangen bist bzw. nicht antwortest – angefangen bei diesem Post:
Zitat von MauserMauser schrieb am 25.05.2026:kann ich auch diesem obigen Ansatz momentan nicht wirklich etwas abgewinnen bzw. müsste das natürlich viel detaillierter formuliert werden.
O. g. trifft m. E. auf einen Großteil deiner langen Monologe bzw. des aktuellen Lamentos zu.
Weitere Punkte, auf die du z. B. im o. g. Post nicht eingegangen bist:
Beitrag von Mauser (Seite 627)
Ich glaube, mein Posting wurde möglicherweise etwas missverstanden.

Der Beitrag richtete sich nicht in erster Linie an die regelmäßigen Diskutanten hier im Thread, sondern bewusst an einen deutlich größeren Personenkreis: mögliche Zeitzeugen, Mitwisser, ehemalige Ermittler, Journalisten oder andere Personen, die damals näher am Geschehen waren, als wir es heute noch nachvollziehen können.

Deshalb war mein Ziel auch nicht, eine weitere Tätertheorie zu präsentieren oder eine bereits bestehende Theorie zu verteidigen. Davon gibt es nach 44 Jahren bereits mehr als genug.

Natürlich habe ich die Antworten und Einwände anderer Nutzer gelesen. Auf einige bin ich auch eingegangen. Bei anderen Punkten hatte ich schlicht nichts Wesentliches hinzuzufügen oder konnte keine belastbare Antwort geben. Nur um des Antwortens willen wollte ich keine weiteren Spekulationen produzieren.

Der eigentliche Gedanke meines Beitrags war ein anderer:

Nach über vier Jahrzehnten sind die bekannten Argumente weitgehend ausdiskutiert. Die meisten regelmäßigen Leser kennen die unterschiedlichen Positionen inzwischen sehr genau. Falls es überhaupt noch eine realistische Chance auf neue Erkenntnisse gibt, dann vermutlich nicht durch die tausendste Wiederholung bereits bekannter Argumente, sondern durch Menschen, die bislang geschwiegen haben oder die Bedeutung ihrer Beobachtungen damals nicht erkannt haben.

Genau deshalb habe ich den Fokus bewusst auf Erinnerungen, Mitwisser, ehemalige Verfahrensbeteiligte und mögliche bislang unbekannte Informationen gelegt.

Ob dieser Ansatz Erfolg haben kann, weiß ich nicht. Aber nach 44 Jahren erscheint er mir zumindest genauso sinnvoll wie das erneute Drehen um dieselben bekannten Streitpunkte.

Und selbst wenn sich daraus am Ende keine neue Erkenntnis ergibt, halte ich es für legitim, gelegentlich den Blickwinkel zu verändern und zu fragen, ob die Wahrheit möglicherweise noch irgendwo außerhalb der seit Jahren geführten Standarddebatten liegt.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

15.06.2026 um 08:09
@Pusteblume2026

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Internetnutzers ist sehr kurz. Wenn man sich schon nicht ausführlich mit diesem Thema beschäftigt, wird so ziemlich jeder an deinem Beitrag vorbeiscrollen, vor allem wenn da 20 „vielleicht“-Sätze aufeinanderfolgen die einem keinen Informationsgehalt liefern. Wenn du damit Leute erreichen willst, reduzier das auf 3 Sätze.


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

15.06.2026 um 10:37
Zitat von bornheimbornheim schrieb:@Pusteblume2026

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Internetnutzers ist sehr kurz. Wenn man sich schon nicht ausführlich mit diesem Thema beschäftigt, wird so ziemlich jeder an deinem Beitrag vorbeiscrollen, vor allem wenn da 20 „vielleicht“-Sätze aufeinanderfolgen die einem keinen Informationsgehalt liefern. Wenn du damit Leute erreichen willst, reduzier das auf 3 Sätze.
Ich verstehe deinen Einwand. Für Außenstehende, die den Fall Ursula Herrmann nicht intensiv verfolgt haben, enthält ein langer Text mit vielen „Vielleicht“-Formulierungen tatsächlich wenig konkrete Information. Wir normalen Leser können meist gar nicht beurteilen, welche Hinweise oder offenen Fragen in diesem Fall noch relevant sind.

Der Text richtet sich ja nicht an die breite Öffentlichkeit, sondern an Personen, die damals in der Region lebten, den Fall aus nächster Nähe erlebt haben und möglicherweise über bisher unbekanntes Wissen verfügen.

Genau um dieses bisher unbekannte Wissen geht es.

Für diese Zielgruppe könnte eine kürzere und prägnantere Fassung aber tatsächlich wirkungsvoller sein die auch gleich kommt:

Kurzversion!

Seit 44 Jahren gibt es im Fall Ursula Herrmann offene Fragen.
Vielleicht lebt noch jemand, der damals etwas gesehen, gehört oder erfahren hat, das bisher nie weitergegeben wurde.
Auch eine Erinnerung, die damals belanglos erschien, könnte heute wichtig sein.
Niemand muss damit an die Öffentlichkeit gehen.
Ein Gespräch mit einem Anwalt, Journalisten, Seelsorger oder Ermittler genügt.
Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, aber die Wahrheit kann noch ans Licht kommen.
Vielleicht warten Ursulas Familie und die Öffentlichkeit bis heute auf genau diesen Hinweis.
Wenn Sie etwas wissen, teilen Sie es mit einer Person Ihres Vertrauens.
Jeder Hinweis kann bedeutsam sein.
Für Ursula, ihre Familie und die Wahrheit


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

18.06.2026 um 21:37
Ich habe mich hier registriert weil mich der Fall in der meiner Kindheit schwer geschockt hatte, ich war damals 6 und wohnte in Schondorf. Meine Eltern wurden damals befragt und wohl das ganze Dorf, wir sind allerdings noch nicht lange im Ort gewesen.

Wenn man das 300seitige Urteil durchliest sind die Indizien ja wirklich sehr erdrückend, vor allem auch die Aussagen aus den Telefonaten. Man liest oft das die Ermittlung schlampig gewesen soll. Wenn man sich aber mal so durchliest wieviele Details da drinstecken, finde ich überhaupt nichts schlampig. Vor allem hatte man damals noch nicht soviele technische Möglichkeiten wie heute.

Bei K.P. hatte ich gelesen das er erst nur auf Belohnung aus war und dann erst später realisiert hatte das er sich damit ja selber belastet.

Bei W.M. bin ich mir ziemlich sicher das dieser mindestens involviert gewesen sein musste. Tonband Gerät hin oder her, alleine schon das der ein Band mit dem BR3 Jingle hatte oder die Sache mit dem Bettlaken oder Gürtel sind zwar nur Indizien aber in der Gesamtheit mit seinen ganzen Aussagen am Telefon über Verjährung und dem "Betriebsunfall" oder beim Schneiderwirt "die erwischen uns nie", alles mehr als nur ein Zufall. Ich weiß nicht warum der Bruder von Ursula sich so auf das Tonband versteift auch wenn es nach heutigem Stand nicht gereicht hätte ihn zu verurteilen. In einem späteren Gutachten eines bekannten Engländers wurde ja festgestellt das es wohl nicht dieses Tonbandgerät gewesen sein soll.

Ich vermute auch das es schlichtweg eine Verwechslung des Kindes war. Kurz vorher soll sich Ursula die Haare haben schneiden lassen und sah einem Nachbarjungen sehr ähnlich, der auf dem Landschulheim war. Danach konnte W.M. ja einfach sagen, dass es keinen Sinn macht das Kind einer armen Familie zu entführen. Was ich aber auch nicht so richtig verstehe warum er am Telefon sagte das die Familie das Geld schon irgendwie aus dem Bekanntenkreis ranschaffen werde.


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.06.2026 um 12:20
Zitat von xrated2xrated2 schrieb am 18.06.2026:weil mich der Fall in der meiner Kindheit schwer geschockt hatte,
Alle Angehörigen hat es wohl noch tiefer getroffen als dich. Allein aus Respekt vor ihnen solltest du sorgfältiger damit sein, was du über den Bruder verbreitest:
Zitat von xrated2xrated2 schrieb am 18.06.2026:Ich weiß nicht warum der Bruder von Ursula sich so auf das Tonband versteift auch wenn es nach heutigem Stand nicht gereicht hätte ihn zu verurteilen. In einem späteren Gutachten eines bekannten Engländers wurde ja festgestellt das es wohl nicht dieses Tonbandgerät gewesen sein soll.
Er hat sich nicht nur auf das Tonband versteift. Das war einer der für ihn fragwürdigen Punkte, der ihm aufgrund seiner eigenen Sachkenntnis schon im Strafprozess gegen W.M. aufgefallen ist. M. H. hat sich u. a. intensiv mit den Akten beschäftigt, wie du aus seinen Posts im Thread erfahren kannst.
- -
Zitat von xrated2xrated2 schrieb am 18.06.2026:Bei K.P. hatte ich gelesen das er erst nur auf Belohnung aus war und dann erst später realisiert hatte das er sich damit ja selber belastet.
Deine o. g. Angabe ist unvollständig. Du kannst im Wiki eine Zusammenstellung seiner Aussagen finden. Außerdem wurden sie auf vorherigen Seiten im Thread wieder thematisiert. Z. B. unter u. g. Link stehen Gründe dafür, warum die Ermittler K.Ps. Aussagen ursprünglich nicht für Glaubwürdig hielten:
Beitrag von watnu (Seite 625)
- -
Zitat von xrated2xrated2 schrieb am 18.06.2026:Was ich aber auch nicht so richtig verstehe warum er am Telefon sagte das die Familie das Geld schon irgendwie aus dem Bekanntenkreis ranschaffen werde.
So steht das nicht im Urteil. Du wirfst einiges durcheinander. Bitte poste künftig die Quelle für deine Aussagen. Dann kannst du auch selbst nochmals nachlesen, ob dich deine Erinnerung nicht trügt. Den Regeln entsprechend, sind Aussagen spätestens auf Nachfrage zu belegen. Wenn du deine Angaben vor dem Posten selbst prüfst, erspart uns das Antworten und Nachfragen wie diesen (meinen) Post.
- -
Offenbar hat z. Zt. niemand Lust auf die nächste Wiederholungsrunde. Ich auch nicht. Es ging mir nur um Richtigstellung der o. g. Angaben.

Nur noch zur Info, falls du im Thread nachliest:
Screenshots, die ohne Seitenzahl gepostet wurden, sind mit Vorsicht zu genießen und entsprechen nicht den Vorgaben (siehe unter Infos u. rote Hinweise im Thread). U. g. hat seinen guten Grund. Aus ihrem Kontext gerissen können auch Angaben in den Screenshots verzerrt dargestellt werden:
Außerdem ist zu beachten:

- wenn ein Screenshot/ein Zitat aus einem Gutachten oder einer Akte eingestellt wird, muss eine genaue Quellenangabe dazu gemacht werden, damit andere es nachvollziehen können.

- es dürfen nur Quellen benutzt und besprochen werden, auf die ALLE User freien Zugang haben!
(…)
Quelle: https://www.allmystery.de/ng/thread_overview?thread=120390


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.06.2026 um 18:42
Natürlich trifft es die Familie viel härter und meine Auswirkungen stehen da in keiner Relation. Aber es hat gereicht das ich mich in diesen Wald nicht reintraute.
Ihr Bruder hat sich wahrscheinlich so intensiv wie niemand anders mit der Geschichte auseinander gesetzt, vermutlich hat es einfach nicht offengelegt warum er W.M nicht mehr verdächtigt.

Zu der Aussage von W.M. steht im Urteil auf Seite 300, es war allerdings nicht telefonisch oder aus dem Bekanntenkreis wie ich fälschlicherweise in Erinnerung hatte:
Dass die Eheleute Herrmann nach ihren Angaben nicht in der Lage waren,
die Lösegeldforderung in Höhe von 2 Millionen aus eigener Kraft
aufzubringen, spricht nicht gegen ein geplantes Entführungsopfer Ursula
Herrmann. Zum einen sprach schon der Grundbesitz der Familie Herrmann
in einer auch damals bereits bevorzugten Wohnlage am Ammersee dafür,
dass sie nicht gänzlich unvermögend sein konnten. im Übrigen hatte der
Angeklagte Mazurek nach der Entführung selbst im Bekanntenkreis
verbreitete, dass hinsichtlich der Lösegeldzahlung notfalls Staat oder Kirche
einspringen würden, wie der Zeuge bestätigte.
War wohl keine so kluge Aussage aber die im Schneiderwirt (Seite 257) war ja auch nicht besser:
„Wir waren es nicht, aber wenn wir es gewesen sind, erwischen tut uns keiner“



melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.06.2026 um 21:41
In Bezug auf das Landschulheim habe ich einige Fragen und entschuldigung falls das schon geklärt wurde:

1. wie hätten die so eine Kiste in den Werkstätten bauen können und vor den anderen verbergen?
2. wie hätten die Schüler an einem Werktag den Brief im Postamt München aufgeben können?
3. war es so das der Klingeldraht erst während der Hausdurchsuchung freiwillig offenbahrt wurde oder unabhängig davon?


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.06.2026 um 00:42
Zitat von xrated2xrated2 schrieb:In Bezug auf das Landschulheim habe ich einige Fragen und entschuldigung falls das schon geklärt wurde:
Vorab: Ja, Antworten findest du u. a. im Thread. Der Link zur Thread-Suchfunktion steht unter dem Thread-Titel. Am Handy findet man ihn unter "Mehr".
Und die u. g. Produktionen von ARD und ZDF sind sehr informativ.
Zitat von xrated2xrated2 schrieb:1. wie hätten die so eine Kiste in den Werkstätten bauen können und vor den anderen verbergen?
Nicht nur im LEH gab es Werkstätten. In mindestens einer der u. g. TV-Dokus wird gesagt, dass dort manchmal nachts Licht brannte.
Es waren ja aber auch Schüler aus dem Umkreis auf dem LEH, z. B. der Sohn des späteren Rüstungslobbyisten aus Kaufering, der damals noch das Unternehmen für Straßenmarkierungen besaß.
Zitat von xrated2xrated2 schrieb:2. wie hätten die Schüler an einem Werktag den Brief im Postamt München aufgeben können?
Eine der AW: Beitrag von 2r2n (Seite 131)
Zitat von xrated2xrated2 schrieb:3. war es so das der Klingeldraht erst während der Hausdurchsuchung freiwillig offenbahrt wurde oder unabhängig davon?
Ich kann mich nicht erinnern, wo jedes Detail zu finden ist, glaube aber, die ehemalige LEH-Schülerin und Focus-Crime-Journalistin Christa von B. sagt das so in u. g. Podcast:
https://open.spotify.com/episode/5Ls3SOts9JR8ozMKBhaH0o
ansonsten evtl. hier o. unter u. g. Links, evtl. Teil 6 des Podcasts (oder Suchfunktion)
Beitrag von watnu (Seite 626)

7-teiliger Podcast BR
https://www.ardsounds.de/sendung/entfuehrt-der-fall-ursula-herrmann/urn:ard:show:1053ecd1c742263e/

3-teilige Doku ARD
https://www.ardmediathek.de/serie/ein-maedchen-verschwindet-neue-spuren-im-fall-ursula-herrmann/staffel-1/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xODQ1/1

ZDF-Doku (früher SKY)
https://www.zdf.de/video/dokus/zdfinfo-taeterjagd-in-deutschland--100/zdfinfo-taeterjagd-in-deutschland-das-maedchen-in-der-kiste-100


1x verlinktmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.06.2026 um 12:00
Vorab: @Pusteblume2026, ich habe deine letzten Beiträge durchaus zur Kenntnis genommen, allerdings ist da ziemlich viel zusammengekommen und wirkt recht unübersichtlich. Ich fasse das Ganze deshalb mal in Blöcken zusammen.

Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb am 28.05.2026:Ich frage mich ehrlich gesagt schon seit längerer Zeit, weshalb überhaupt immer wieder darüber spekuliert wird, Werner Mazurek hätte angeblich irgendeine Gruppe Jugendlicher „angestiftet“, gelenkt oder im Hintergrund gesteuert.

Je länger man darüber nüchtern und logisch nachdenkt, desto weniger Sinn ergibt diese Theorie eigentlich. Denn wenn man dieses Szenario einmal konsequent zu Ende denkt, entstehen sofort massive Widersprüche.

Das ist halt einer der möglichen Spuransätze die sich aus den Recherchen von Michael Herman ergeben und auf das Schondorfer Landheim hindeuten. Unter der voraussetzenden Annahme das mögliche jugendliche Mittäter/Beihelfer/Komplizen alleine nicht die notwendige kriminelle Energie, Entschlossenheit und Fähigkeiten besitzen wäre der Gedankengang eines möglichen erwachsenen Haupttäters, eines „Masterminds“, der diese Jugendlichen anführt erst einmal nicht unplausibel.

Natürlich beinhaltet ein solches Szenario etwaige Widersprüche, Unwahrscheinlichkeiten, Fragezeichen die nicht zusammenpassen aber das trifft auf so ziemlich alle Konstellationen zu, egal wie man diese auch dreht:

  • Erwachsener Haupttäter << --- >> jugendliche Mittäter/Komplizen
  • Jugendliche Haupttäter << --- >> erwachsener Mittäter/Komplize
  • Jugendliche Alleintäter ohne weitere Tatbeteiligte oder Komplizen
  • Erwachsene Täter ohne jugendliche Tatbeteiligte oder Komplizen

Egal welches Szenario man nun bevorzugt oder ablehnt man kann für jedes Argumente finden die sowohl dafür als auch dagegen sprechen. Gleiches gilt für den bekannten Kreis an potenziellen Verdächtigen, ob es sich nun um

  • Werner Mazurek
  • Klaus Pfaffinger
  • Harald Wilhelm
  • Jugendliche vom Landschulheim Schondorf
  • oder
  • Unbekannter Täter von Außerhalb aka „Mr. X“

handelt, man kann für alles und jeden ein Pro oder Contra anführen. Das ist es ja was diesen Fall so mysteriös und schwierig zugleich macht. Nichts scheint zu zusammenzupassen egal welches Szenario oder Verdächtigen man favorisiert. Ständig gibt es diese Brüche in der Logikkette. Das ist auch der Grund warum es bis jetzt niemand geschafft hat ein vollständiges, in sich stimmiges, Gesamtszenario zu präsentieren.

Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb am 28.05.2026:Die wichtigste Frage lautet doch: Warum hätte Mazurek dann geschwiegen? Welchen realen Vorteil hätte er davon gehabt, die eigentlichen Täter zu decken — insbesondere dann, wenn er selbst dadurch als Hauptverantwortlicher verurteilt wird und lebenslang im Gefängnis sitzt?

Das ergibt doch vorne und hinten keinen Sinn. Man muss sich die Situation einmal konkret vorstellen: Da sitzt jemand wegen eines der bekanntesten Kriminalfälle Deutschlands jahrzehntelang im Gefängnis. Gleichzeitig soll er angeblich wissen, dass andere Personen tatsächlich unmittelbar an der Tat beteiligt waren — und trotzdem nennt er niemals deren Namen? Warum? Aus Angst? Vor wem denn genau? Vor Jugendlichen, die damals vielleicht 16 oder 17 Jahre alt gewesen wären und Jahrzehnte später längst ein eigenes Leben geführt hätten? Aus Loyalität? Warum sollte jemand eine solche Loyalität entwickeln, wenn er dafür selbst lebenslang verurteilt wird? Oder aus Selbstschutz?

Das ist durchaus ein Argument zumal gerade so eine Person wie Werner Mazurek von seinem Charakter und Auftreten überhaupt nicht wie jemand erscheint der für andere den Kopf hinhalten würde. Das öffentliche Bild was über ihn, gerade auch durch das Urteil, entstand ist das eines grobschlächtigen, gefühlskalten, Kriminellen welcher nicht zögerte selbst ein Kind zu entführen um den großen finanziellen Reibach zu machen. Da passt die Vorstellung des loyalen Komplizen welcher für andere sogar ins Gefängnis geht überhaupt nicht ins Bild.

Zumal ja, und das darf man an dieser Stelle wirklich nicht vergessen, bei der ganzen Entführung für die Täter nichts herausgekommen ist! Im Gegenteil man es wurde ein nicht unerheblicher Zeit- und Arbeitsaufwand investiert welcher sich jedoch überhaupt nicht ausbezahlt hat da schlussendlich kein Lösegeld geflossen ist. Für Mazurek hätte sowohl 1981 als auch bei seinem späteren Prozess kein ersichtlicher Grund bestanden etwaige weitere Tatbeteiligte zu decken.

Darüber hinaus kann man diesen Punkt auch umdrehen und ebenfalls als weiteres Argument gegen mögliche jugendliche Tatbeteiligte anführen. Denn es erscheint auch hier eher unwahrscheinlich das Jugendliche im Polizeiverhör, wenn es wirklich zur Sache geht, dichtgehalten hätten über einen möglichen erwachsenen Haupttäter. Gerade hier wäre der Ansatz einer möglichen Verständigung nicht völlig unrealistisch zumal sie ja dann auch nach Jugendstrafrecht verurteilt worden wären. Das in Kombination mit der Aussicht glimpflicher aus einer Sache herauszukommen bei Nennung von Tatbeteiligten macht den gesamten Aspekt insgesamt doch recht unglaubwürdig.

Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb am 28.05.2026:Dabei sollte man sich vielleicht wieder stärker auf die eigentlichen Kernfragen konzentrieren:

• Welche Fakten sind wirklich gesichert?
• Welche Aussagen waren damals tatsächlich belastbar?
• Welche technischen Aspekte der Kiste sind bis heute ungeklärt?
• Welche ursprünglichen Ermittlungsansätze wurden möglicherweise nie vollständig verfolgt?
• Welche Personen standen damals tatsächlich im erweiterten Umfeld des Tatortes?
• Welche Zufälle wurden vielleicht überbewertet — und welche möglichen Hinweise eher unterschätzt?

Gerade die technische Komplexität der Kiste wirft doch bis heute Fragen auf. War wirklich alles von Anfang an exakt so geplant? Gab es nachträgliche Veränderungen? Wurden bestimmte Dinge improvisiert? Wurden möglicherweise Spuren später verändert oder beseitigt? Warum wurden bestimmte Konstruktionen überhaupt so ausgeführt?

Der gesamte Fragenkatalog ist sicherlich berechtigt zeigt aber gleichzeitig die unglaubliche Komplexität des Falles Herrmann auf. Nicht umsonst plädiere ich ja dafür das Ganze noch einmal grundlegend zu durchleuchten, die Themenfelder und Details zu sortieren und zu kategorisieren schon allein um endlich mal etwas Struktur und Übersichtlichkeit dort hineinzubringen. Auch eine genaue chronologische Darstellung mit Datum bis hin zur Uhrzeit, wenn vorhanden, wäre hier sehr wichtig.

Jedoch ist das eine absolute Sisyphusarbeit bei der nichts ausgelassen oder unberücksichtigt bleiben darf. Und eine solche werden wir hier im Thread wohl kaum leisten können! Dafür ist ein Diskussionsforum nicht der richtige Ort zumal auch gar nicht die notwendige Kapazität für ein derartiges Vorhaben vorhanden ist. So etwas wäre eigentlich Aufgabe der Ermittlungsbehörden oder alternativer Stellen welche diesen intensiven Zeit- und Arbeitsaufwand auch tatsächlich bewältigen können und denen ganz andere Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stehen.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.06.2026 um 13:14
Hallo Mauser,

vielen Dank für deinen ausführlichen und sehr sachlichen Beitrag.
Gerade deine Überlegungen zum möglichen Schweigen eines erwachsenen Haupttäters halte ich für einen der stärksten Einwände gegen die These eines von Mazurek gesteuerten Jugendlichen Netzwerks.
Wenn man davon ausgeht, dass Mazurek tatsächlich Kenntnis von weiteren unmittelbar Beteiligten gehabt hätte, stellt sich tatsächlich die Frage, welchen Vorteil ihm jahrzehntelanges Schweigen gebracht haben sollte.
Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Entführung letztlich scheiterte, kein Lösegeld floss und er selbst die schwersten Konsequenzen zu tragen gehabt hätte.
Genau dieser Punkt ist aus meiner Sicht nicht leicht aufzulösen.
Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass wir bei diesem Fall aufpassen müssen, nicht vorschnell einzelne Szenarien vollständig auszuschließen. Das eigentliche Problem scheint mir zu sein, dass nahezu jede bekannte Theorie an irgendeiner Stelle auf erhebliche Widersprüche stößt.
Genau deshalb wird der Fall ja seit Jahren so kontrovers diskutiert.
Besonders interessant finde ich deshalb deinen Hinweis auf die Kernfragen.
Vielleicht wäre es tatsächlich sinnvoller, weniger von einzelnen Verdächtigen auszugehen und stattdessen die gesicherten Fakten systematisch neu zu ordnen. Eine chronologische Gesamtdarstellung mit klarer Trennung zwischen gesicherten Tatsachen, Zeugenaussagen, Ermittlungsannahmen und späteren Interpretationen könnte helfen, einige der immer wiederkehrenden Gedankenschleifen aufzubrechen.
Nur wer wäre als Privatperson in der Lage dies leisten zu können?
Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, welchen der von dir genannten Punkte du heute für den wichtigsten hältst.
Sind es eher die ungeklärten technischen Aspekte der Kiste, die damaligen Ermittlungsansätze oder die Frage nach dem tatsächlichen Umfeld des Tatortes?


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.06.2026 um 22:08
Man hätte die Kiste theoretisch schon im LEH bauen können aber das hätte man alles in einer Nacht machen müssen, sonst wäre es irgendwann später jemanden aufgefallen. Spätestens als man die Kiste im Fernsehen sehen und erkennen würde, das hätte niemand riskiert der klar bei Sinnen war.

W.M. hat im ARD Video H.W. als Hauptverdächtigen angegeben. Wenn er immer noch auf unschuldig plädiert und es nicht wäre, kann er ja auch schlecht sagen das es Person X war, sonst macht er sich unglaubwürdig als Opfer. Da das Tonband heute nicht mehr als Beweismittel zählen würde, hätte er auch sehr hohe Chancen an Geldausgleich zu kommen.

Zu dem Fiat 600, war das wirklich nur Spinnerei aus Clever&Smart oder hatte der irgendeine spezielle Funktion? Das Auto ist ja recht schmal und passt durch extrem enge Stellen aber es sollte ja nur das Geld aus dem Fenster geworfen werden soviel ich gelesen habe.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.06.2026 um 22:35
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Nur wer wäre als Privatperson in der Lage dies leisten zu können?

Also es ist von vornherein klar das eine einzelne Person dieses intensiven Arbeitsaufwand alleine absolut nicht wird bewältigen können, das ist und bleibt eine Aufgabe für einen größeren Personenkreis. Die Ermittlungsbehörden scheiden an dieser Stelle aus weil für die der Fall mit der rechtskräftigen Verurteilung von Werner Mazurek abgeschlossen ist und müssten erst wieder aktiv werden, falls überhaupt, wenn dessen Unschuld zweifelsfrei festgestellt würde.

Bleiben dann eigentlich nur noch diejenigen Personen übrig welche ohnehin in den Fall involviert sind oder sich bereits damit beschäftigt haben und somit Kenntnis des Falles, der Thematik, der Akten, der Details & Co. mitbringen. Meiner Meinung nach müssten sich Werner Mazurek, Michael Herrmann, Barbara Zipser, Christa von Bernuth, Axel Petermann und wer sonst noch dazu passt alle mal treffen und zusammensetzen. Dort können dann die verschiedenen Standpunkte ausgetauscht werden, Prioritäten festgelegt und eventuelle Maßnahmen, Vorgehensweisen diskutiert werden. Schon allein um endlich mal etwas Struktur und Übersichtlichkeit in diesen äußerst verworrenen Kriminalfall zu bekommen. Solange nämlich jeder für sich quasi seine eigenen Spuren verfolgt kommt nicht viel dabei heraus weshalb es geboten wäre das ganze mal zu zentralisieren und zu koordinieren.

Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, welchen der von dir genannten Punkte du heute für den wichtigsten hältst.
Sind es eher die ungeklärten technischen Aspekte der Kiste, die damaligen Ermittlungsansätze oder die Frage nach dem tatsächlichen Umfeld des Tatortes?

Im Grunde genommen alle! Weil es wäre ein sehr großer Fehler, in einem solch frühen Stadium wenn es darum geht nochmal mit frischem Blick über den gesamten Fall zu schauen, irgendetwas auszuschließen oder abzutun mit der Begründung das daran schon nichts sein wird. Jeder Aspekt ist auf seine Weise wichtig und darf nicht vernachlässigt werden. Am vielversprechendsten erscheint mir nach wie vor jedoch der Spuransatz der Tatortkiste mit dem speziellen Bitumenlack des Deckels zu sein da dort noch viele Fragen offen sind. Wenn man das Rätsel um diese Deckelbeschichtung lösen und zurückverfolgen kann ergeben sich möglicherweise eine neue Spur und dann vielleicht auch ein neuer Name außerhalb des bekannten Kreises an Verdächtigen.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

25.06.2026 um 10:03
@Mauser

Der spezielle Bitumenlack (Experimentier-Lack?) des Deckels könnte möglicherweise von einer ortsansässigen Firma stammen. Die Frage wäre dann, wo diese Firma Abfallprodukte gelagert/entsorgt hat und wer dort Zugang hatte. Daraus könnte sich ein entsprechend kleiner aber auch großer Personenkreis ergeben. Wie Du, würde ich diesen Spurenansatz auch verfolgen.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

26.06.2026 um 14:04
Ja, genau diesen Spurenansatz würde ich auch verfolgen, gerade weil wir im Fall Ursula Herrmann nicht nur alte Verdachtsmomente wiederholen, sondern nach wirklich neuen, überprüfbaren Ansätzen suchen müssen.
Der spezielle Bitumenlack bzw. ein möglicher Experimentier-Lack am Deckel könnte ein wichtiger materieller Hinweis sein. Wenn dieser Lack nicht handelsüblich war, sondern aus einer bestimmten Produktion, Versuchsreihe oder industriellen Anwendung stammte, wäre die Herkunft möglicherweise eingrenzbar.
Dann müsste man prüfen, ob eine ortsansässige Firma einen solchen Lack hergestellt, verarbeitet, getestet oder entsorgt hat.
Besonders interessant wäre anschließend nicht nur die Firma selbst, sondern die gesamte Abfall- und Zugriffskette:
Wo wurden Reste, Fehlchargen, Versuchsmaterialien oder beschichtete Teile gelagert?
Wurden sie auf dem Firmengelände, in Containern, auf einer Deponie, bei einem Entsorger, in einem Bauhof oder über Dritte entsorgt?
Und vor allem: Wer hatte dort Zugang?
Daraus könnte sich ein sehr kleiner Personenkreis ergeben — etwa Mitarbeiter, Handwerker, Fahrer, Entsorger oder Personen mit Schlüssel- bzw. Geländezugang.
Es könnte aber auch ein größerer Kreis sein, falls das Material frei zugänglich, schlecht gesichert oder über Abfallwege weiterverbreitet wurde.
Wichtig wäre, diesen Ansatz sachlich und ohne Vorverurteilung zu prüfen: keine Firma und keine Person wären dadurch automatisch verdächtig.
Da der Lack ja tatsächlich ungewöhnlich war, könnte seine Herkunft ein objektiver Ankerpunkt sein, um neue Personen- und Bewegungsprofile zu rekonstruieren.
Gerade solche materiellen Spuren könnten helfen, den Fall aus einer neuen Richtung aufzurollen.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

26.06.2026 um 16:26
Das Problem das sich stellt ist vermutlich die Zeit. Nach fast 45 Jahren dürfte es schwer bis unmöglich sein, die Gegebenheiten von 1981 lückenlos nachzuvollziehen. Die handelnden Personen sind womöglich verstorben oder verzogen. Es wäre ein Zufallstreffer, aber wenigstens ein Ansatz.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

27.06.2026 um 20:28
Genau deshalb darf man den Faktor Zeit nicht nur als Hindernis sehen. Mit jedem Jahr gehen zwar Erinnerungen und Spuren verloren, gleichzeitig entwickeln sich aber die Möglichkeiten der Kriminaltechnik weiter. Was früher als belanglos galt, kann heute in einem völlig neuen Zusammenhang stehen. Selbst wenn eine möglicherweise beteiligte Person inzwischen verstorben sein sollte, können – sofern verwertbare Spuren vorhanden sind und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind – moderne DNA-Analysen oder Vergleiche mit nahen Angehörigen noch wichtige Hinweise liefern. Oft reicht ein kleines, bislang übersehenes Detail, um eine neue Richtung einzuschlagen. Solange noch berechtigte Fragen offen sind, sollte ein Fall nicht allein wegen seines Alters zu den Akten gelegt werden.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

19.07.2026 um 12:10
Ich habe gestern zum ersten Mal über die ZDF-Doku von dem Fall erfahren. Die Theorie des Bruders schien mir sehr plausibel. Sie basiert ja auf der Analyse der Historikerin (aus England).

Wurde schon darüber diskutiert, dass die Kiste womöglich schon in der Erde lag? Könnte es nicht sein, dass jemand sie entdeckte, daran herumwerkelte, sie umbaute? Das würde zumindest das Problem des Transports lösen.

Wäre nicht ein Szenario denkbar, in dem Jugendliche sich das ausdenken und umsetzen, aber Erwachsene (Eltern und deren Verbündete) sie schützen, weil dieser "Streich" derart schief gegangen ist?


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.07.2026 um 21:38
Die Kiste wurde mutmaßlich vom Sperrmüll oder ähnlich entwendet und dann umgebaut. Aber wohl eher nicht am Tatort, dass wäre viel zu riskant gewesen.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

27.07.2026 um 09:01
Der Fall ohne Namen – ein Versuch, die Diskussion neu zu starten

Ich möchte hier bewusst keine neue Tätertheorie vorstellen und auch keine weitere Person ins Spiel bringen.
Ebenso soll dieser Beitrag weder das rechtskräftige Urteil bestätigen noch widerlegen.

Mein Vorschlag ist ein anderer:

Wir blenden für einen Moment sämtliche Namen aus und prüfen zuerst, wie belastbar die Grundlagen sind, auf denen unsere Tätertheorien beruhen.
Im Fall Ursula Herrmann wird seit Jahren darüber diskutiert, wer bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten gehabt haben könnte. Dabei geschieht meiner Meinung nach schnell etwas Problematisches:
Eine zunächst unsichere Spur wird mit einer Person verbunden.
Anschließend wird die Verbindung zu dieser Person wiederum als Argument dafür verwendet, dass die Spur zur Tat gehören müsse.

So entsteht ein Kreislauf:

Die Spur passt zum Verdächtigen – und der Verdächtige passt zur Spur.
Aber was passiert, sobald wir den Namen entfernen?
Ein Tätermodell darf nicht seine eigenen Voraussetzungen beweisen
Ich schlage vor, jede wichtige Annahme künftig zunächst einer von vier Kategorien zuzuordnen:

A – zeitnah dokumentierter materieller Befund
B – zeitnahe Aussage eines Zeugen oder Ermittlers
C – spätere Erinnerung, Bewertung oder Rekonstruktion
D – Schlussfolgerung beziehungsweise Tätertheorie

Diese Ebenen sollten nicht gleichbehandelt werden.
Eine spätere Erinnerung kann richtig sein, ist aber nicht dasselbe wie ein zeitnah angefertigtes Foto.
Eine Ermittlungsannahme kann plausibel sein, ist aber noch kein materieller Befund. Und eine gerichtliche oder private Interpretation bleibt eine Interpretation, auch wenn sie häufig wiederholt wurde.
Als ersten Testfall möchte ich den grünen Klingeldraht nehmen.
Nicht, weil der Klingeldraht bisher zu wenig diskutiert worden wäre.
Das Gegenteil ist der Fall.
Neu wäre vielmehr, ihn zunächst vollkommen unabhängig von jeder verdächtigten Person zu untersuchen.
Was wissen wir über den Klingeldraht wirklich?
Nach den vorliegenden Akten wurde die aufgewickelte Rolle grünen Klingeldrahts am 18. Januar 1983 von zwei Schülern des Landheims Schondorf an die Polizei übergeben.
Das geschah also deutlich nach der Tat.
Bereits daraus ergibt sich eine wichtige Frage:
Wie lückenlos lässt sich der Weg dieses Drahtes vom angeblichen Auffindeort bis zur Übergabe an die Polizei rekonstruieren?
Eine weitere bemerkenswerte Aktenstelle findet sich in einem Vermerk aus dem Jahr 2005 über die Befragung eines Beamten, der an der Spurensicherung nach Auffindung der Kiste beteiligt gewesen war.
Nach der dort festgehaltenen Erinnerung des Beamten wurde der Tatortbefundbericht später noch einmal erheblich erweitert.
Die Passage über den grünen Klingeldraht sei auf Anweisung in den Bericht aufgenommen worden.
Der Beamte selbst habe aufgrund der damals vorgefundenen Gesamtsituation zunächst keinen Zusammenhang zwischen dem Draht und der Entführung angenommen.
Auch hierbei ist eine saubere Einordnung notwendig:

Der Vermerk aus dem Jahr 2005 dokumentiert eine viele Jahre später wiedergegebene Erinnerung.
Er beweist daher nicht, dass der Draht nichts mit der Tat zu tun hatte.
Er beweist aber ebenso wenig das Gegenteil.
Er zeigt vor allem, dass wir zwei voneinander getrennte Fragen beantworten müssen:

1. Wo befand sich der Draht?
2. Wodurch wurde nachgewiesen, dass er zur Entführung gehörte?

Die bloße Nähe zu einem möglichen Tatbereich macht einen Gegenstand noch nicht automatisch zum Tatmittel.

Zwei gleichberechtigte Arbeitshypothesen

Für eine ergebnisoffene Diskussion müssten zunächst beide Möglichkeiten zugelassen werden:

Hypothese 1

Der Klingeldraht gehörte zur Tat und hatte eine konkrete Funktion.

Dann müsste geklärt werden:
• Wo begann und wo endete der Draht genau?
• War sein Verlauf vollständig dokumentiert?
• Womit war er verbunden?
• Welche Funktion konnte er technisch erfüllen?
• Gibt es Spuren, die eine Benutzung zur Tatzeit belegen?
• Weshalb wurde er nicht unmittelbar nach der Auffindung der Kiste als Tatmittel gesichert?
• Was erklärt der Draht, dass ohne ihn nicht erklärt werden kann?

Hypothese 2

Der Klingeldraht befand sich zwar in diesem Waldgebiet, hatte mit der Entführung aber nichts zu tun.

Dann müsste geklärt werden:
• Wer könnte ihn unabhängig von der Tat dort angebracht haben?
• Wie lange hatte er dort gelegen?
• Welche bekannte Tätertheorie verliert ohne den Draht ein wesentliches Argument?
• Welche Tätertheorie bleibt auch ohne den Draht vollständig bestehen?
• Welche anderen Spuren wurden möglicherweise erst durch die angenommene Bedeutung des Drahtes interpretiert?

Beide Hypothesen müssen denselben Prüfungsmaßstab erhalten.
Es reicht weder zu sagen, der Draht passe gut zu einer bestimmten Person, noch genügt der Hinweis, auch andere Menschen hätten mit einem solchen Draht umgehen können.
Die entscheidende Frage lautet vorher:
Ist seine Verbindung zur Tat selbst ausreichend belegt?
Der eigentliche neue Ansatz: eine Abhängigkeitskarte
Der Klingeldraht soll nur der Anfang sein.
Anschließend könnten wir für jede größere Tätertheorie eine Art Abhängigkeitskarte anlegen.

Beispiel:

Eine Theorie setzt voraus, dass der Täter …

• Ursula gezielt ausgewählt hatte,
• ihre Familie und deren finanzielle Verhältnisse kannte,
• den regelmäßigen Fahrtweg kannte,
• die Kiste selbst gebaut hatte,
• das Erdloch selbst vorbereitet hatte,
• die Entführung allein durchführen konnte,
• mit der Lösegeldkommunikation vertraut war,
• und die Gegend nach der Tat weiterhin beobachten konnte.

Nun müsste zu jedem einzelnen Punkt gefragt werden:
Ist das durch einen Befund belegt oder ergibt es sich nur daraus, dass die Theorie sonst nicht funktioniert?
Vielleicht stammen Kiste, Erdloch, Entführung und Lösegeldforderung tatsächlich von derselben Person.
Vielleicht waren mehrere Personen beteiligt.
Vielleicht wurden vorhandene Gegenstände für die Tat umgebaut.
Vielleicht war Ursula vorher ausgewählt worden.
Vielleicht war sie ein Gelegenheits- oder Verwechslungsopfer.
Vielleicht gehört eine viel diskutierte Spur gar nicht zur Tat.
In dieser ersten Phase sollte keine Möglichkeit bevorzugt werden. Entscheidend ist nur, welche Annahmen für welche Theorie unverzichtbar sind.
Mein Vorschlag für die weitere Diskussion
Für die erste Runde würde ich gern ausschließlich den Klingeldraht untersuchen und noch keine Täter daraus ableiten.

Hilfreich wäre bei Antworten folgende Struktur:

1. Behauptung oder Annahme
Was genau wird als Tatsache vorausgesetzt?

2. Früheste Quelle
Wo taucht diese Information erstmals auf?

3. Art der Information
Materieller Befund, zeitnahe Aussage, spätere Erinnerung, Ermittlungsbewertung oder eigene Schlussfolgerung?

4. Unabhängige Bestätigung
Gibt es eine zweite Quelle, die nicht lediglich die erste Quelle wiedergibt?

5. Gegenhypothese
Welche andere Erklärung ist mit denselben Befunden ebenfalls vereinbar?

6. Bedeutung für Tätertheorien
Welche Theorie benötigt diese Annahme zwingend und welche funktioniert auch ohne sie?

Dabei sollten wir meiner Meinung nach auf Folgendes verzichten:

• keine neuen Namen bisher nicht öffentlich beschuldigter Personen,
• keine Verdächtigungen von Angehörigen,
• keine Schuldzuweisung allein aufgrund eines Berufs oder einer Fähigkeit,
• keine Vermischung von Akteninhalt und eigener Interpretation,
• keine Formulierungen wie „kann nur so gewesen sein“, solange Alternativen nicht ausgeschlossen sind.

Warum ich diesen Versuch für sinnvoll halte:

Der Fall ist nicht deshalb so schwer zu diskutieren, weil es zu wenige Informationen gibt. Möglicherweise ist das Gegenteil das Problem:
Es gibt sehr viele Informationen, spätere Aussagen, Gutachten, Bewertungen und Theorien, die im Laufe der Jahrzehnte miteinander verbunden wurden.
Dadurch ist teilweise kaum noch erkennbar, welche Erkenntnis unabhängig feststeht und welche nur innerhalb eines bestimmten Tätermodells Bedeutung erhält.
Mein Ziel ist deshalb zunächst kein Konsens über einen Täter.
Mein Ziel wäre ein kleinerer, aber vielleicht erreichbarer Konsens:
Welche Tatsachen müssen von jeder denkbaren Tatversion erklärt werden – unabhängig davon, wen man persönlich für schuldig oder unschuldig hält?
Bei allem theoretischen Interesse sollte außerdem nicht vergessen werden, worum es im Kern geht: Ursula war ein Kind, das unter entsetzlichen Umständen ums Leben kam. Eine sachliche und faire Diskussion, schulden wir in erster Linie ihr.

Daher meine konkrete Einstiegsfrage:

Welche zeitnahen und unabhängig überprüfbaren Belege zeigen, dass der grüne Klingeldraht tatsächlich ein Bestandteil der Entführung war – und welche Erkenntnisse sprechen lediglich dafür, ohne es sicher zu beweisen?


1x zitiertmelden