Vorab:
@Pusteblume2026, ich habe deine letzten Beiträge durchaus zur Kenntnis genommen, allerdings ist da ziemlich viel zusammengekommen und wirkt recht unübersichtlich. Ich fasse das Ganze deshalb mal in Blöcken zusammen.
Pusteblume2026 schrieb am 28.05.2026:Ich frage mich ehrlich gesagt schon seit längerer Zeit, weshalb überhaupt immer wieder darüber spekuliert wird, Werner Mazurek hätte angeblich irgendeine Gruppe Jugendlicher „angestiftet“, gelenkt oder im Hintergrund gesteuert.
Je länger man darüber nüchtern und logisch nachdenkt, desto weniger Sinn ergibt diese Theorie eigentlich. Denn wenn man dieses Szenario einmal konsequent zu Ende denkt, entstehen sofort massive Widersprüche. |
Das ist halt einer der möglichen Spuransätze die sich aus den Recherchen von Michael Herman ergeben und auf das Schondorfer Landheim hindeuten. Unter der voraussetzenden Annahme das mögliche jugendliche Mittäter/Beihelfer/Komplizen alleine nicht die notwendige kriminelle Energie, Entschlossenheit und Fähigkeiten besitzen wäre der Gedankengang eines möglichen erwachsenen Haupttäters, eines „Masterminds“, der diese Jugendlichen anführt erst einmal nicht unplausibel.
Natürlich beinhaltet ein solches Szenario etwaige Widersprüche, Unwahrscheinlichkeiten, Fragezeichen die nicht zusammenpassen aber das trifft auf so ziemlich alle Konstellationen zu, egal wie man diese auch dreht:
- Erwachsener Haupttäter << --- >> jugendliche Mittäter/Komplizen
- Jugendliche Haupttäter << --- >> erwachsener Mittäter/Komplize
- Jugendliche Alleintäter ohne weitere Tatbeteiligte oder Komplizen
- Erwachsene Täter ohne jugendliche Tatbeteiligte oder Komplizen
Egal welches Szenario man nun bevorzugt oder ablehnt man kann für jedes Argumente finden die sowohl dafür als auch dagegen sprechen. Gleiches gilt für den bekannten Kreis an potenziellen Verdächtigen, ob es sich nun um
- Werner Mazurek
- Klaus Pfaffinger
- Harald Wilhelm
- Jugendliche vom Landschulheim Schondorf
oder
- Unbekannter Täter von Außerhalb aka „Mr. X“
handelt, man kann für alles und jeden ein Pro oder Contra anführen. Das ist es ja was diesen Fall so mysteriös und schwierig zugleich macht. Nichts scheint zu zusammenzupassen egal welches Szenario oder Verdächtigen man favorisiert. Ständig gibt es diese Brüche in der Logikkette. Das ist auch der Grund warum es bis jetzt niemand geschafft hat ein vollständiges, in sich stimmiges, Gesamtszenario zu präsentieren.
Pusteblume2026 schrieb am 28.05.2026:Die wichtigste Frage lautet doch: Warum hätte Mazurek dann geschwiegen? Welchen realen Vorteil hätte er davon gehabt, die eigentlichen Täter zu decken — insbesondere dann, wenn er selbst dadurch als Hauptverantwortlicher verurteilt wird und lebenslang im Gefängnis sitzt?
Das ergibt doch vorne und hinten keinen Sinn. Man muss sich die Situation einmal konkret vorstellen: Da sitzt jemand wegen eines der bekanntesten Kriminalfälle Deutschlands jahrzehntelang im Gefängnis. Gleichzeitig soll er angeblich wissen, dass andere Personen tatsächlich unmittelbar an der Tat beteiligt waren — und trotzdem nennt er niemals deren Namen? Warum? Aus Angst? Vor wem denn genau? Vor Jugendlichen, die damals vielleicht 16 oder 17 Jahre alt gewesen wären und Jahrzehnte später längst ein eigenes Leben geführt hätten? Aus Loyalität? Warum sollte jemand eine solche Loyalität entwickeln, wenn er dafür selbst lebenslang verurteilt wird? Oder aus Selbstschutz?
|
Das ist durchaus ein Argument zumal gerade so eine Person wie Werner Mazurek von seinem Charakter und Auftreten überhaupt nicht wie jemand erscheint der für andere den Kopf hinhalten würde. Das öffentliche Bild was über ihn, gerade auch durch das Urteil, entstand ist das eines grobschlächtigen, gefühlskalten, Kriminellen welcher nicht zögerte selbst ein Kind zu entführen um den großen finanziellen Reibach zu machen. Da passt die Vorstellung des loyalen Komplizen welcher für andere sogar ins Gefängnis geht überhaupt nicht ins Bild.
Zumal ja, und das darf man an dieser Stelle wirklich nicht vergessen, bei der ganzen Entführung für die Täter nichts herausgekommen ist! Im Gegenteil man es wurde ein nicht unerheblicher Zeit- und Arbeitsaufwand investiert welcher sich jedoch überhaupt nicht ausbezahlt hat da schlussendlich kein Lösegeld geflossen ist. Für Mazurek hätte sowohl 1981 als auch bei seinem späteren Prozess kein ersichtlicher Grund bestanden etwaige weitere Tatbeteiligte zu decken.
Darüber hinaus kann man diesen Punkt auch umdrehen und ebenfalls als weiteres Argument gegen mögliche jugendliche Tatbeteiligte anführen. Denn es erscheint auch hier eher unwahrscheinlich das Jugendliche im Polizeiverhör, wenn es wirklich zur Sache geht, dichtgehalten hätten über einen möglichen erwachsenen Haupttäter. Gerade hier wäre der Ansatz einer möglichen Verständigung nicht völlig unrealistisch zumal sie ja dann auch nach Jugendstrafrecht verurteilt worden wären. Das in Kombination mit der Aussicht glimpflicher aus einer Sache herauszukommen bei Nennung von Tatbeteiligten macht den gesamten Aspekt insgesamt doch recht unglaubwürdig.
Pusteblume2026 schrieb am 28.05.2026:Dabei sollte man sich vielleicht wieder stärker auf die eigentlichen Kernfragen konzentrieren:
• Welche Fakten sind wirklich gesichert? • Welche Aussagen waren damals tatsächlich belastbar? • Welche technischen Aspekte der Kiste sind bis heute ungeklärt? • Welche ursprünglichen Ermittlungsansätze wurden möglicherweise nie vollständig verfolgt? • Welche Personen standen damals tatsächlich im erweiterten Umfeld des Tatortes? • Welche Zufälle wurden vielleicht überbewertet — und welche möglichen Hinweise eher unterschätzt?
Gerade die technische Komplexität der Kiste wirft doch bis heute Fragen auf. War wirklich alles von Anfang an exakt so geplant? Gab es nachträgliche Veränderungen? Wurden bestimmte Dinge improvisiert? Wurden möglicherweise Spuren später verändert oder beseitigt? Warum wurden bestimmte Konstruktionen überhaupt so ausgeführt?
|
Der gesamte Fragenkatalog ist sicherlich berechtigt zeigt aber gleichzeitig die unglaubliche Komplexität des Falles Herrmann auf. Nicht umsonst plädiere ich ja dafür das Ganze noch einmal grundlegend zu durchleuchten, die Themenfelder und Details zu sortieren und zu kategorisieren schon allein um endlich mal etwas Struktur und Übersichtlichkeit dort hineinzubringen. Auch eine genaue chronologische Darstellung mit Datum bis hin zur Uhrzeit, wenn vorhanden, wäre hier sehr wichtig.
Jedoch ist das eine absolute Sisyphusarbeit bei der nichts ausgelassen oder unberücksichtigt bleiben darf. Und eine solche werden wir hier im Thread wohl kaum leisten können! Dafür ist ein Diskussionsforum nicht der richtige Ort zumal auch gar nicht die notwendige Kapazität für ein derartiges Vorhaben vorhanden ist. So etwas wäre eigentlich Aufgabe der Ermittlungsbehörden oder alternativer Stellen welche diesen intensiven Zeit- und Arbeitsaufwand auch tatsächlich bewältigen können und denen ganz andere Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stehen.