watnu schrieb:auch wenn man überzeugt davon bist, dass W.M. zurecht verurteilt wurde, hat man hier doch nichts zu verlieren, wenn man sich auf das Gedankenspiel einlässt, er und sein Umfeld wären unschuldig.
darauf lasse ich mich gerne ein!
watnu schrieb:O. g. Aussage ist nicht korrekt. Der u. g. Link zu seinen div. Erklärungen steht auch im Wiki. Du bist schon lange im Thread aktiv. Hast du das nun vergessen, oder bewusst die Unwahrheit geschrieben? Ich will dich mit der Frage nicht ärgern, sondern dir nur aufzeigen, dass du W.M. absprichst, was jedem passieren kann: Man kann sich irren und man kann von voreingenommenen Dritten schnell verdächtigt werden, zu lügen.
Point taken ;-) Ja, Fehler passieren, man erinnert sich falsch oder lückenhaft. Im konkreten Fall was mich betrifft: es ist manchmal schwer noch auseinanderzuhalten, was stand im Urteil, was war in Podcast xy und was in welcher Doku zu dem Fall gesagt. Natürlich wäre es immer am besten, man gleicht das vorher mit dem Urteil ab, aber man ist sich manchmal einfach sicher so war es und nicht anders. Wenn und wann immer mir aber ein solcher Irrtum unterläuft, korrigiere ich den. Anders übrigens als WM, der hat an seinen falschen Erinnerungen (ich sage Erinnerungen, ich unterstelle nun bewusst keine vorsätzliche Falschaussage) weiter festgehalten, auch wenn sie widerlegt wurden. Deswegen hinkt da der Vergleich ein wenig, wenngleich ich die Intension natürlich verstehe und auch im Kern akzeptiere. WM hätte möglicherweise mit einer anderen, einer offensiveren Verteidigungsstrategie einen Freispruch aus Mangel an Beweisen erreichen können. Meiner Ansicht nach hätte er dafür aber eben bestimmte Positionen räumen müssen. Wenn die Polizei nachweist, dass er zumindest mal nicht vor der Dämmerung auf dem besagten Flohmarkt war, ist es nicht klug als WM daran festzuhalten, man wäre da eben noch VOR der Dämmerung gewesen usw. So gibt es ja viele Beispiele. Ich spreche WM bewusst nicht ab, dass er grundsätzlich und vorsätzlich die Unwahrheit sagt. Ich formuliere meine schon oft dargelegte Position nochmal deutlich:
ich halte es für unwahrscheinlich, dass er sich in allen Fragen irrt, was seine Erinnerung betrifft, zu denen objektiv andere Aussagen existieren. Ich habe immer mit der Stochastik und ihrer Wahrscheinlichkeit argumentiert. Ich bin weit weg von "wer einmal lügt dem glaubt man nicht". Ich bin aber auch weit weg von "wer sich in jeder Frage versehentlich falsch erinnert" (was ja nur zu menschlich ist wie Du
@watnu zu Recht einforderst, das auch WM zu zugestehen!) muss unschuldig sein. Am Ende lebt die Kriminalistik und Forensik ja davon, Spuren, Indizien, Beobachtungen, Verhalten und Wahrscheinlichkeiten zusammen zu tragen und in ihrer Gesamthaftigkeit zu interpretieren. Man kann gegen jedes einzelne Indiz stichhaltige Gegenargumente bringen, kaum ein einzelnes Indiz trägt sich aus sich heraus. Aber so argumentiert ja das Gericht auch nicht. Es spricht wie oft in Indizienprozessen von der Gesamtschau. Die Fülle der Spuren, der anonyme Hinweis aus WM, die Belastung des P., sein eigens Verhalten etc., ich führte all das aus, legen nahe, dass er tatbeteiligt war.
Ich lasse mich gern ins Zweifeln bringen. Aber seit ich das Urteil gelesen habe, sind die Zweifel, die auch ich mal hatte, kleiner geworden. Warum? Weil ich gesehen habe, wie akribisch allen potentiellen Entlastungsspuren nachgegangen wurde und wie sehr sich die Aussagen des Verurteilten zu einem Muster aus falschen Aussagen fügte. Aber ich stehe hier nicht und stand hier nie felsenfest in meinem Urteil, das würde ich mir nie anmaßen, das wäre weit von dem weg, was ich mir zutrauen würde. Aber interpretieren auf dem was man vorfindet darf man ja schon, und daher bleibt meine aktuelle Position so wie oben beschrieben- bis zum Zeitpunkt neuer Erkenntnisse. Die hat es hier schon gegeben, z.B. war ich tatsächlich immer davon ausgegangen, die Telefonnummer sei "geheim" gewesen. Das sie es nicht war ändert meinen Blick schon ein wenig, wenn auch (noch) nicht fundamental.
Ich bleibe weiter gespannt, was sich hier noch erfahren lässt im Austausch.