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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

12.443 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Wald, Entführung, München ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

27.07.2026 um 10:11
@Pusteblume2026

Das der Klingeldraht Bestandteil der Entführung war ergibt sich daraus, dass ein gelbes Klebeband am Klingeldraht identisch war mit dem gelben Klebeband, das bei der Radioantenne in der Kiste gefunden wurde.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

27.07.2026 um 10:16
Wenn der Draht so viel später erst gefunden wurde- warum bringen ihn die Schüler zur Polizei? Warum konnten sie den Draht direkt mit dem Verbrechen in Verbindung bringen?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

27.07.2026 um 10:26
@Pusteblume82

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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

27.07.2026 um 16:20
@camelot: genau das meine ich:
Wir können bisher nur präzise sagen dass Teile des gelben Klebebandes an der Radioantenne waren und eben auch an dem grünen Klingeldraht.
Aber mehr auch nicht.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

27.07.2026 um 21:12
@Pusteblume2026

Man kann Indizien nie vollständig isoliert betrachten. Sie ergeben nur in der Gesamtheit eine Deutung, die natürlich auch nie100% sicher ist.

Aber wenn das Isolierband an dem Klingeldraht von dem der Antenne nicht unterscheidbar war, dann kann man sich recht sicher sein, dass der Klingeldraht für die Entführung eine Bedeutung hatte, sprich Hypothese 1 wird sehr wahrscheinlich zutreffen.

Außerdem wäre es kontraproduktiv gewesen, wenn eine Person aus der S-Kurve in den Weg eingebogen wäre, wo das Opfer entführt wurde. Ein Zeuge aus dieser Richtung hätte den kompletten Entführungsplan zunichte gemacht. Daher musste diese S-Kurve überwacht werden. In die andere Richtung konnte man m.W. weit sehen, so dass von dort keine Gefahr drohte.

Eine Zeichnung befindet sich unter den Bildern in diesem Thread, wie genau sie ist, wird sicher hier niemand wissen, aber das Grobe wird sie schon richtig darstellen und das reicht m.M.n..

Und unter diese beiden sehr wahrscheinlichen Annahme mit den damaligen Möglichkeiten wird er der Signalisierung gedient haben. Rein theoretisch hätte natürlich ein Walkie-Talkie mit einem weitaus geringeren Aufwand ausgereicht, aber so etwas hatten die Täter wahrscheinlich nicht, denn andernfalls hätten sie wahrscheinlich diesen Aufwand nicht getrieben.

Welche genaue Form die Signalisierung hatte, das weiß man nicht, rein theoretisch könnte damals jemand auch ein Telefonanlage mit eigenen Batterien mit vielen Metern Klingeldraht verwendet haben. So etwas gab es damals, mehr als Spielzeug für Jugendliche (genau ein solches beḱamen mein Bruder und ich mal gemeinsam zu Weihnachten in der damaligen Zeit geschenkt). Weniger kompliziert wäre es mit einem Taster an dem Beobachtungsposition am S-förmigen Abschnitts des Weges gegangen, mit einem Lämpchen und Batterie auf der Seite, wo die Entführung des Opfers begann. Man einigte sich für einen bestimmte Blinkart. Natürlich sind weitere Möglichkeiten denkbar, was wirklich verwendet wurde, ist in Wirklichkeit egal, wenn man den wahrscheinlichsten Zweck kennt. Ich persönlich würde da eher die Taste/Lampe vorziehen, da die Signalisierung lautlos erfolgte.

Die Hypothese 2 ist aus den obigen Zusammenhängen, die sich aus dem Gesamtbild ergeben einfach sehr unwahrscheinlich, die meisten Fragen könnte man dann auch nicht beantworten, sprich Ockhams Rasiermesser würde auch die Hypothese 1 allein schon aus diesen Gründen bevorzugen.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.07.2026 um 08:59
Eines finde ich im Zusammenhang mit dem Klingeldraht seltsam. Man kann sich vorstellen, das Mazurek die Kiste konstruiert und Pfaffinger das Loch im Wald gräbt, aber das Mazurek und/oder Pfaffinger diesen Klingeldraht im Wald anbringen passt irgendwie nicht ins Bild. Das wäre eher ein Indiz für jugendliche Täter oder für eine dritte Person zu Mazurek und Pfaffinger. Ähnlich verhält es sich auch mit Erpresserbrief/Geldübergabe Bedingungen.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.07.2026 um 11:53
Zitat von camelotcamelot schrieb:Eines finde ich im Zusammenhang mit dem Klingeldraht seltsam. Man kann sich vorstellen, das Mazurek die Kiste konstruiert und Pfaffinger das Loch im Wald gräbt, aber das Mazurek und/oder Pfaffinger diesen Klingeldraht im Wald anbringen passt irgendwie nicht ins Bild. Das wäre eher ein Indiz für jugendliche Täter oder für eine dritte Person zu Mazurek und Pfaffinger. Ähnlich verhält es sich auch mit Erpresserbrief/Geldübergabe Bedingungen.
Jugendliche waren zu jeder Zeit technikaffin. Sie hätten CB-Handfunkgeräte benutzt, die waren damals "in".


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.07.2026 um 12:43
Wir sind schon wieder bei Namen.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.07.2026 um 14:46
Zitat von camelotcamelot schrieb:Eines finde ich im Zusammenhang mit dem Klingeldraht seltsam. Man kann sich vorstellen, das Mazurek die Kiste konstruiert und Pfaffinger das Loch im Wald gräbt, aber das Mazurek und/oder Pfaffinger diesen Klingeldraht im Wald anbringen passt irgendwie nicht ins Bild.
Es könnten auch eine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein (wie die vielen Riegel). Eine Signalübertragung über Kabel ist zuverlässiger bzw. weniger störanfällig.
Wie im Thread schon gemutmaßt wurde: Evtl. hatten die TäterInnen auch Bedenken, dass unbeteiligte Dritte den Funk mitbekommen könnten.
Und machten z. B. Walkie-Talkies nicht Knackgeräusche, sobald die Kommunikation gestartet oder beendet wurde?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.07.2026 um 16:36
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:[...] ein Versuch, die Diskussion neu zu starten

Also ich begrüße es durchaus das du versuchst die Diskussion zu diesem Fall am laufen zu halten und neuen Input mit hineinbringst. Allerdings habe ich den Eindruck dass dies möglicherweise den Rahmen sprengt eben weil es überaus komplex als auch umfangreich ist. Deine Aufschlüsselung allein über das Indiz "Klingeldraht" ist gut gemacht aber ich zweifle ehrlich gesagt dass da jemand tiefergehend mit einsteigen wird denn eine Diskussion auf einem solch detaillierten Niveau und quasi "seziertem" Indiz erfordert eine umfassende Kenntnis der Thematik!

All die Details, Möglichkeiten, Widersprüche und Wahrscheinlichkeiten zu berücksichtigen erfordern einen nicht unerheblichen Arbeitsaufwand und viel Zeit. Keine Ahnung ob da jemand mit einsteigen wird oder ob das nicht eine Aufgabe ist die hier im Forum wohl eher nicht zu bewältigen ist. Das wollte ich an dieser Stelle einfach anmerken.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.07.2026 um 16:58
Einige der aufgeworfenen Fragen wurden längst geklärt und die Antworten sind u. a. im Thread zu finden, z. B. in Post des Bruders @2r2n. Oder in den Quellen, die unter dem Link ganz unten zu finden sind.
Zitat von Rigel92Rigel92 schrieb:@Pusteblume2026

Man kann Indizien nie vollständig isoliert betrachten. Sie ergeben nur in der Gesamtheit eine Deutung, die natürlich auch nie100% sicher ist.
Das kann man auch auf die Analysen des Klingeldrahts übertragen. Es war das Gesamtergebnis div. Analysen, das zur Feststellung des Zusammenhangs führte (s. u.).
Mein Eindruck ist, dass auch schon zuvor geäußerte Zweifel an der Tatrelevanz des Klingeldrahts u. a. damit zusammenhängen, dass man nicht weiß, was genau durch jeweilige Analysen feststellbar ist o. festgestellt wurde. (Womit ich nicht sage, dass ich es weiß.)

Ein Bsp., bei dem man evtl. nur an die Feststellung der Herkunft denkt:
Die Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie (IRMS) ist die Untersuchung natürlicher und synthetischer Proben auf der Grundlage ihrer Isotopenverhältnisse. Das Isotopenverhältnis eines Materials variiert je nach seiner Quelle und Herkunft sowie Prozessen, die während der Lebensdauer dieses Materials auftreten können.
Quelle: https://www.thermofisher.com/de/de/home/industrial/mass-spectrometry/isotope-ratio-mass-spectrometry-irms.html?erpType=Global_E1
(…)
Verschiedene forensische Fragestellungen, die mittels Isotopenmethoden bearbeitet wurden:
(…)
Herkunfts- und Identitätsprüfung von verschiedenen forensisch relevanten Materialien: Medikamente, Tierproben, Pflanzenmaterial, Marmelade, Zigaretten, u.a.
Quelle: https://www.rechtsmedizin.med.uni-muenchen.de/wissenschaft/isotopengutachten/index.html
oder
https://www.bmi.gv.at/104/wissenschaft_und_forschung/siak-journal/siak-journal-ausgaben/jahrgang_2010/files/lehn_4_2010.pdfv , SIAK-Journal – Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis, Lehn, Christine (2010)

Allgemein:
(Halb-)wissen, gepaart mit Voreingenommenheit - egal, ob gegenüber dem Verurteilten WM, allen Ermittlern oder den Gerichten - kann zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Ein Zusammenhang zwischen Klingeldraht und Tat wurde auch nicht zum ersten Mal hinterfragt:
Zitat von 2r2n2r2n schrieb am 14.08.2018:Es wurde nicht nur eine Analyse durchgeführt, sondern mehrere. Daraufhin hat es eine unmissverständliche Einstufung gegeben, dass die beiden Klebebänder identisch seien. So mein Kenntnisstand aus den Akten. Vielleicht gibt es da aber unterschiedliche Analysen,(…)
Wenn man den ganzen Post liest, sieht man, dass die Diskussion wohl auch zuvor schon geführt wurde:
Beitrag von 2r2n (Seite 102)

Und z. B. die etwaige Höhe und Verlauf des noch hängenden Drahtes sind im Thread und/oder im Urteil beschrieben (Zeugenaussagen).
Und auch die Info, dass die Polizisten 1981 den Draht hängen ließen, weil sie keinen Zusammenhang zur Tat erkennen konnten. Einheimische hatten darauf hinwiesen, dass dort im Wald Kinder spielen, denen der Draht gehören gekonnt hätte (Quelle Thread o. BR-Podcast).

- -
Zitat von Pusteblume82Pusteblume82 schrieb:Wenn der Draht so viel später erst gefunden wurde- warum bringen ihn die Schüler zur Polizei? Warum konnten sie den Draht direkt mit dem Verbrechen in Verbindung bringen?
@Pusteblume82 , evtl. war deine Frage so wie meine gemeint (s. u.)?
Zitat von watnuwatnu schrieb am 31.05.2026:Warum haben die Schüler den Klingeldraht nicht zeitnah zur Polizei gebracht, wenn sie vermuteten, er könne mit dem Verbrechen zusammenhängen?
Warum übergaben sie ihn erst zu dem Zeitpunkt, als die Polizei im Internat war. Ich war nicht dabei, aber die Übergabe erfolgte sehr wahrscheinlich ungefragt, da die Polizei den Zusammenhang zwischen Draht und Tat noch nicht hergestellt hatte. Befürchteten die Schüler, dass der Draht sowieso bei einer Durchsuchung gefunden wird?
- - -
Zitat von hZr26hZr26 schrieb am 19.07.2026:über die ZDF-Doku von dem Fall erfahren.
Der BR-Podcast ist informativer. Wer sich für den Fall interessiert, sollte sich die Infos nicht entgehen lassen, solange sie verfügbar sind. Ich habe hier die Links zusammengefasst:
Beitrag von watnu (Seite 628)


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

14.08.2026 um 10:37
Jemand wie W.M. wusste ja das man ein Walkie Talkie leicht abhören konnte, deswegen ist so ein Klingeldraht nicht so ungewöhnlich.

Der Draht wurde ja tagsüber gefunden, als sich die Schüler auf Eulenjagd bzw. Verfolgung befunden haben. Die Medien waren anscheinend verwirrt warum dies tagsüber gewesen sei, denn Eulen sind nachtaktiv. Daraufhin sagte kürzlich in dem BR3 Podcast der damals 18jährige Schüler, Eulen würde man nur tagsüber sehen können. Macht ja eigentlich auch Sinn aber gelingt das so einfach diese tagsüber aufzuschrecken?

Etwas seltsam finde ich das der Schüler heute aussagt das er sich nicht mehr erinnern kann, warum er den Draht "aufgehoben" habe und dann später übergeben hat. Das macht es doch etwas verdächtig, weil der Draht ja eben definitiv mit dem Fall in Verbindung steht wenn dort das gleiche Klebeband wie an der Antenne verwendet wurde. Also das geht schon ein wenig in die Richtung das die Schüler damals wussten, wofür der Draht verwendet wurde und sie übergaben ihn ja auch erst, als eine Durchsuchung im Landschulheim angedroht wurde.

Zu dem Erpresserbrief von 1978, da gibt es wohl keine gesicherten Gemeinsamkeiten zu diesem Fall. Nur der Schreibstil ist erstaunlich ähnlich. Es ging wohl damals um einen Arzt aus München. Man erkennt das der Täter wohl neidisch auf den Arzt ist, siehe Anrede mit "Dockterchen" und das er ihn verachtet. Zu einem Schüler hätte das aber nicht gepasst finde ich, eher zu jemand mit einem niedrigerem Bildungsgrad wie W.M.

Ich glaube rein mit Indizien aus Gegenständen wird man nicht weiterkommen, eher mit Aussagen die von Leuten gemacht werden.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

14.08.2026 um 12:03
@xrated2

Ein Walkie Talkie kann man genauso verwenden wie einen Klingeldraht, einmal klicken, zweimal klicken. Da muss man sich nicht unterhalten. Dagegen ist es eher mühsam, einen Klingeldraht im Wald zu verlegen, zumal da die Gefahr bestanden hat, gesehen zu werden bzw. das der Klingeldraht vor der Tat möglicherweise entdeckt werden hätte können und wieder entfernt werden hätte können. Und man legt zusätzlich Spuren, die man eigentlich vermeiden will. Dieses Indiz passt für mich besser zu Jugendlichen als zu Mazurek/Pfaffinger. Bei anderen Indizien verhält es sich umgekehrt. Warum das in den 1980er Jahren nicht für eine Verurteilung gereicht hat, Jahrzehnte später ohne neue Erkenntnisse doch für eine Verurteilung gereicht hat, ist die Frage.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

15.08.2026 um 13:50
Bei Walkie Talkie gibt es ein Haufen laute Störgeräusche und die Reichweite im dichten Wald war auch nicht sonderlich hoch wenn man keine lange Antenne benutzte. Da ging es auch um Zuverlässigkeit.


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