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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

12.411 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Wald, Entführung, München ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

25.05.2026 um 22:33
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Eine Überlegung wäre zum Beispiel, dass bestimmte Personen aus dem Umfeld des LEH damals zwar Kenntnisse über Teile der Tat, über Abläufe oder über einzelne Hintergründe hatten, aber deswegen nicht automatisch die eigentlichen Täter gewesen sein müssen. Vielleicht waren manche lediglich Mitwisser, haben Gerüchte gehört, nachträglich Informationen erfahren oder einzelne Details gekannt, die später sehr belastend wirkten. Gerade in kleinen sozialen Strukturen verbreiten sich Informationen manchmal schneller, als man denkt. Wenn einzelne Jugendliche oder junge Erwachsene damals Bruchstücke mitbekommen haben, könnte das später den Eindruck erzeugt haben, sie müssten direkt beteiligt gewesen sein, obwohl die eigentlichen Haupttäter möglicherweise ganz woanders zu suchen wären.

Also ich bin generell für jedwede Hypothese, Theorie oder sonstigen Erklärungsansatz in Richtung Jugendliche/jugendliche Erwachsene/LEH usw. offen. Allerdings muss ich an dieser Stelle auch betonen das meine eigenen Überlegungen bisher zu keinem Ergebnis geführt haben. Selbst nach längerer Betrachtung ergab nichts irgendwo einen Sinn, alles war irrational und unnötig, ein ständiges Drehen im Kreis.

Deshalb kann ich auch diesem obigen Ansatz momentan nicht wirklich etwas abgewinnen bzw. müsste das natürlich viel detaillierter formuliert werden. Was genau sollten Personen vom LEH denn mitbekommen haben, welche Gerüchte gehört haben, von was genau sollen sie etwaige Mitwisser gewesen sein usw. usf. Es stellt sich dann außerdem die entscheidende Frage wenn ein gewisser Personenkreis etwas vernommen haben sollte warum haben sie dann geschwiegen wenn sie nicht involviert waren auf irgendeine Art und Weise? Sie hätten ihre Beobachtungen/Hörensagen/Wissen einfach der Polizei mitteilen können und fertig.

Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Ein weiterer Gedanke: Vielleicht war der Fall insgesamt arbeitsteiliger organisiert, als man bisher annimmt. Also keine einfache Einzeltätergeschichte, sondern mehrere Personen mit unterschiedlichen Rollen. Der eine organisiert etwas technisch, der nächste übernimmt Beobachtungen, wieder jemand anders kümmert sich um Transport oder Kommunikation. Dadurch könnte auch erklärbar werden, warum manche Dinge bis heute widersprüchlich oder schwer nachvollziehbar erscheinen.

Dieser Ansatz wäre vom Grunde her erst einmal nicht abwegig. Allerdings ergeben sich daraus dann auch wieder Widersprüche gerade was die Kommunikation mit der Familie Herrmann angeht. Weil was sollte dann dieser Blödsinn mit diesen ellenlangen Erpresserbriefen und seltsam gespickten Details, die Durchdruckspuren von Wahrscheinlichkeitsbaum, die Erpresseranrufe mit dem Bayern 3 Jingle usw. Alles nur Jux-und-Dollerei oder gar bewusste Taktik des oder der Täter um die Polizei abzulenken, irrezuführen oder wollten sie am Ende nur Psychoterror betreiben?

Und wie passt eine solche irrationale Vorgehensweise wiederum mit dem völlig rationalen, planvollen, Tatvorbereitungen angefangen beim Graben eines entsprechenden Erdlochs im Weingarten über den Bau, Ausstattung, Transport und Verbringung der Kiste dorthin zusammen? Warum sollten, eine arbeitsteilige Vorgehensweise vorausgesetzt, Profis oder planvolle Täter dann gleichzeitig mit solch dilettantischen Amateuren zusammenarbeiten die rational anscheinend nichts auf die Reihe bekommen? Man könnte jetzt noch ewig so weitermachen.

Das Ende vom Lied: Fragen über Fragen auf die es weder eine Antwort noch eine logische Erklärung gibt...!

Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Ich glaube deshalb, dass man bewusst versuchen sollte, gedanklich noch einmal ganz von vorne anzufangen – ohne sich sofort auf die bekannten Namen oder die bekannten Theorien festzulegen.

Man müsste mal so eine Art Brainstorming machen und versuchen alle bekannten Fakten, Details etc. niederschreiben, sortieren, kategorisieren und einordnen weil der Fall ist unglaublich komplex. Wichtig wäre auch mal einen detaillierten chronologischen Verlauf, also mit Datum und Uhrzeit, zu erstellen an dem man sich orientieren kann. Denn so mancher Gedankengang ergibt schon aus zeitlicher Sicht keinen Sinn oder stellt einen Widerspruch dar.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 11:27
Hier gibt es eine sehr ausführliche Fernsehdoku zu dem Fall mit vielen interessanten Aspekten:

https://www.ardmediathek.de/video/ein-maedchen-verschwindet-neue-spuren-im-fall-ursula-herrmann/folge-1-ein-maedchen-verschwindet-die-entfuehrung/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIwMDQ0ODA

https://www.ardmediathek.de/video/ein-maedchen-verschwindet-neue-spuren-im-fall-ursula-herrmann/folge-2-ein-maedchen-verschwindet-verraeterisches-tonband/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIwMDQ1MDY?startTime=0

https://www.ardmediathek.de/video/ein-maedchen-verschwindet-neue-spuren-im-fall-ursula-herrmann/folge-3-ein-maedchen-verschwindet-neue-zweifel/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIwMDQ1MTA?startTime=0

Ich finde jedoch, dass Matzurek hier relativ gut wegkommt. Die Urteilsbegründung mit dem Tonband ist natürlich totaler Quatsch! Der Tonkopf lässt sich mit einem kleinen Schraubenzieher leicht in seiner Neigung verändern und einstellen. Das hat früher fast jeder mit seinem Cassettenrecorder so gemacht, um bei fremden Aufnahmen das optimale Klangbild zu erreichen.

Trotzdem bin ich von seiner Unschuld nicht vollständig überzeugt. Was ist, wenn er nur der Anstifter war und die Jungs aus dem Internat mit der Tat beauftragt hätte?

Es muss in jedem Fall eine ganze Gruppe von jungen und naiven Tätern gewesen sein, die planlos und unkoordiniert zusammenarbeitete


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 14:29
Ich frage mich ehrlich gesagt schon seit längerer Zeit, weshalb überhaupt immer wieder darüber spekuliert wird, Werner Mazurek hätte angeblich irgendeine Gruppe Jugendlicher „angestiftet“, gelenkt oder im Hintergrund gesteuert.
Je länger man darüber nüchtern und logisch nachdenkt, desto weniger Sinn ergibt diese Theorie eigentlich.
Denn wenn man dieses Szenario einmal konsequent zu Ende denkt, entstehen sofort massive Widersprüche.
Die wichtigste Frage lautet doch:
Warum hätte Mazurek dann geschwiegen?
Welchen realen Vorteil hätte er davon gehabt, die eigentlichen Täter zu decken — insbesondere dann, wenn er selbst dadurch als Hauptverantwortlicher verurteilt wird und lebenslang im Gefängnis sitzt?
Das ergibt doch vorne und hinten keinen Sinn.
Man muss sich die Situation einmal konkret vorstellen:
Da sitzt jemand wegen eines der bekanntesten Kriminalfälle Deutschlands jahrzehntelang im Gefängnis. Gleichzeitig soll er angeblich wissen, dass andere Personen tatsächlich unmittelbar an der Tat beteiligt waren — und trotzdem nennt er niemals deren Namen?
Warum?
Aus Angst?
Vor wem denn genau?
Vor Jugendlichen, die damals vielleicht 16 oder 17 Jahre alt gewesen wären und Jahrzehnte später längst ein eigenes Leben geführt hätten?
Aus Loyalität?
Warum sollte jemand eine solche Loyalität entwickeln, wenn er dafür selbst lebenslang verurteilt wird?
Oder aus Selbstschutz?
Auch das erscheint unlogisch. Denn sobald weitere Beteiligte existiert hätten, hätte dies den gesamten Fall grundlegend verändert:
die Planung,
die Rollenverteilung,
die technische Umsetzung,
die Verantwortung einzelner Beteiligter,
die Frage der eigentlichen Initiative,
mögliche Motive,
mögliche Mitwisser.
Das Gericht hätte den gesamten Sachverhalt vollkommen neu bewerten müssen.
Und genau deshalb passt diese Theorie überhaupt nicht zu dem Umstand, dass Mazurek später ein Wiederaufnahmeverfahren angestrebt hat.
Denn gerade dort wäre ein solches Konstrukt doch mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann aufgeflogen.
Ein Wiederaufnahmeverfahren bedeutet schließlich nicht einfach nur „nochmal über alles reden“.
Damit öffnet man praktisch den gesamten Fall erneut:
alte Aussagen,
alte Kontakte,
Telefonverbindungen,
mögliche Mitwisser,
frühere Ermittlungsansätze,
technische Details,
Ungereimtheiten,
Widersprüche.
Wenn irgendwo tatsächlich eine Gruppe Jugendlicher existiert hätte, die von Mazurek gesteuert worden sein soll, dann wäre genau das vermutlich einer der ersten Punkte gewesen, die erneut überprüft worden wären.
Vor allem Journalisten, Ermittler oder auch private Rechercheure hätten sich mit Sicherheit auf genau diesen Punkt gestürzt.
Warum sollte also jemand freiwillig ein Wiederaufnahmeverfahren forcieren, wenn dabei eine angeblich jahrzehntelang verschwiegene Mittäterschaft ans Licht kommen könnte?
Das wäre doch vollkommen widersprüchlich.
Hinzu kommt noch etwas anderes:
Viele dieser Theorien wirken inzwischen fast so, als müsse zwanghaft irgendeine Verbindung zu Mazurek konstruiert werden — selbst dann, wenn die eigentliche Gedankenkette immer dünner und spekulativer wird.
Man hat teilweise das Gefühl, dass jede noch so entfernte Möglichkeit sofort in Richtung Mazurek interpretiert wird, während andere denkbare Szenarien oft gar nicht mehr ernsthaft diskutiert werden.
Dabei sollte man sich vielleicht wieder stärker auf die eigentlichen Kernfragen konzentrieren:
• Welche Fakten sind wirklich gesichert?
• Welche Aussagen waren damals tatsächlich belastbar?
• Welche technischen Aspekte der Kiste sind bis heute ungeklärt?
• Welche ursprünglichen Ermittlungsansätze wurden möglicherweise nie vollständig verfolgt?
• Welche Personen standen damals tatsächlich im erweiterten Umfeld des Tatortes?
• Welche Zufälle wurden vielleicht überbewertet — und welche möglichen Hinweise eher unterschätzt?
Gerade die technische Komplexität der Kiste wirft doch bis heute Fragen auf.
War wirklich alles von Anfang an exakt so geplant?
Gab es nachträgliche Veränderungen?
Wurden bestimmte Dinge improvisiert?
Wurden möglicherweise Spuren später verändert oder beseitigt?
Warum wurden bestimmte Konstruktionen überhaupt so ausgeführt?
Allein über diese Punkte könnte man vermutlich deutlich sinnvoller diskutieren als über immer neue spekulative Jugendgruppen-Theorien.
Denn irgendwann muss man sich auch die Frage stellen:
Wird eine Theorie noch deshalb vertreten, weil sie logisch überzeugend ist — oder nur deshalb, weil man an einer bereits festgelegten Tätervorstellung festhalten möchte?
Nur weil man theoretisch irgendein Szenario formulieren kann, wird es dadurch noch lange nicht plausibel.
Und genau das scheint mir bei dieser Vorstellung eines von Mazurek gesteuerten Jugendkreises zunehmend das Problem zu sein.
Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr neue Widersprüche entstehen.
Am Ende bleibt dann oft nur noch eine Konstruktion übrig, die vor allem deshalb existiert, weil sie eine bereits bestehende Theorie irgendwie künstlich stabilisieren soll.
Gerade bei einem derart komplexen und emotional aufgeladenen Fall sollte man sich aber davor hüten, immer neue Hilfskonstruktionen aufzubauen, nur damit eine bestimmte Tätertheorie weiterhin funktioniert.
Denn echte Aufklärung entsteht nicht dadurch, dass man zwanghaft an einer Richtung festhält — sondern dadurch, dass man auch bereit ist, unbequeme logische Fragen konsequent zu Ende zu denken.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 18:14
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Da sitzt jemand wegen eines der bekanntesten Kriminalfälle Deutschlands jahrzehntelang im Gefängnis. Gleichzeitig soll er angeblich wissen, dass andere Personen tatsächlich unmittelbar an der Tat beteiligt waren — und trotzdem nennt er niemals deren Namen?
Warum?
Was hätte nach der rechtskräftigen Verurteilung die Nennung der Mittäter an seiner eigenen Strafe geändert, wenn er der Täter gewesen sein sollte?
Und während des Strafverfahrens hätte er aufgrund eines Geständnisses/der Nennung der Mittäter nicht darauf hoffen können, dass die Indizien nicht ausreichen, um ihn zu verurteilen.



Nach meiner spontanen Idee, die Abdeckhaube hätte u. a. zum Erhalt der Tarnschicht fungieren können, habe ich nach vergleichbaren Verstecken recherchiert und sog. "Spider Holes" gefunden.
Im u. g. Video graben 2 Männer gemeinsam ein kleineres Loch (als das der Kiste) für ein "Spider Hole". Der kl. Deckel incl. Tarnung bleibt auf dem Kopf des Mannes, wenn er aus dem Loch klettert (sieht man ziemlich am Anfang).
Ich habe das Video nur durchgeklickt. An Stellen, die ich sah, mussten sie kein Wurzelwerk entfernen und brauchten trotzdem mehrere Stunden bzw. für den vertikalen Schacht.

Wie schon geschrieben, kann ich mir nicht vorstellen, dass Pf. alleine grub. Aber soweit ich weiß, kam er nie auf die Idee, Helfer/Mittäter zu nennen. Bei seinen diversen Aussagen wundert es mich schon eher als bei W.M..
What’s a Spider Hole?
Der Begriff gewann während des Vietnamkriegs in diesem Land breite Akzeptanz (…) Er erscheint aber auch in zahlreichen amerikanischen Berichten über die Kämpfe im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs. Japanische Verteidiger in Orten wie Iwo Jima und den Philippinen sollen sich oft in "Spider Holes" versteckt haben.
(…)
McBride beschreibt, wie Vietcong-Soldaten große Tontöpfe in die Löcher hinabließen und sich darin versteckten. Wenn die Gefäße zerbrachen, so sagt er, musste der Kämpfer unter Umständen seinen Platz mit giftigen Schlangen teilen.
Quelle: https://slate.com/news-and-politics/2003/12/what-s-a-spider-hole.html , übersetzt mit Deepl

Anstatt einer Holzkiste wurden in Vietnam o. g. große Tongefäße verwendet.
Fall U. H.:
Gem. u. g. Zeichnung war die Decke, die der Polizist entfernen musste, der die Kiste fand, nur auf dem Aufsatz. (Artikel, die ich gelesen hatte, habe ich anders verstanden.)
Konstruktionszeichnung der Kiste mit lesbaren Beschriftungen:
https://www.theguardian.com/news/2019/sep/24/ursula-herrmann-germany-kidnapping-mystery


„Ein japanisches Spinnenloch graben“
Youtube: Ein japanisches Spinnenloch graben (und darin schlafen!!!)
Ein japanisches Spinnenloch graben (und darin schlafen!!!)
Externer Inhalt
Durch das Abspielen werden Daten an Youtube übermittelt und ggf. Cookies gesetzt.


O. g. Video findet man auf YT auch auf Englisch:
"Digging a Japanese Spider Hole"


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 18:32
Es war ja auch nur eine Überlegung mit Mazurek als Anstifter. Es gibt jedoch Berichte, wonach er in Verhören und Abhörprotokollen mehrfach aus der Perspektive des Täters gesprochen und nach Entschuldigungen gerungen hätte, so als wollte er irgendwie dafür plädieren, dass alles nur ein Unfall gewesen sei. Damit verriet er sich fast schon selbst, ohne es zu bemerken. Seltsamerweise ist in der Fernsehdoku davon nirgendwo die Rede.

Das mit dem Hund im Eisschrank und noch mehr mit dem Tonband ist natürlich als notgedrungenes Pseudo-Indiz völlig an den Haaren herbeigezogen. Letzteres sollte dem Urteil lediglich einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich geben, obwohl es jeglicher Logik entbehrt. Doch damit wurde eher das Gegenteil erreicht, weil es das Urteil umso anfechtbarer macht. Mich wundert, dass dieser Punkt von Mazureks Verteidigung nicht viel stärker genutzt wurde.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 20:16
Zitat von HistokratHistokrat schrieb:Seltsamerweise ist in der Fernsehdoku davon nirgendwo die Rede.
Weil manches so nicht zutrifft, wie du es dir zusammengereimt hast. Kritikwürdig ist also nicht die Doku.

Nicht zutreffend:
Zitat von HistokratHistokrat schrieb:mehrfach aus der Perspektive des Täters gesprochen
Lauschangriff ergebnislos:
Bei den Ermittlungen im Entführungsfall Ursula Herrmann hat es einen Großen Lauschangriff gegeben: Im Juni 2008 wurden die Wohnung und das Auto der Verdächtigen verwanzt und deren Telefon abgehört.

Das kam am Dienstag vor demLandgericht Augsburg bei der Zeugenvernehmung eines Ermittlungsbeamten ans Licht. Die Maßnahme habe aber offenbar keine Erkenntnissen im Hinblick auf das Verbrechen gebracht.
Quelle: https://www.merkur.de/bayern/mm-fall-herrmann-lauschangriff-gegen-verdaechtige-158368.html

"Ausbeute" der ca. 7000 abgehörten Telefonate 9/2007 bis 6/2008:
Zitat von watnuwatnu schrieb am 22.04.2026:Dieters erneute Vorladung zum Verhör für den 13.11.2007 und ein molekulargenetischer Beschluss waren der Grund. Erst am Telefon versuchte D. J. am 10.11. im Internet herauszufinden:
wurde vorwiegend erörtert, warum und wieso der ursprüngliche Vorwurf des
Mordes fallen gelassen worden sei und welche Verjährungsfristen für den
nunmehr erhobenen Vorwurf der räuberischen Erpressung mit Todesfolge
einschlägig seien.
versuchte ^^^^^^^ während der
Telefonate über das Internet die einschlägigen Paragraphen zur Verjährüng
herauszufinden, was ihm zunächst nicht gelang.

Nach dem Telefonat am 10.11.2007 um 12.32.08 Uhr faxte der Angeklagte
Mazurek seinem Freund den Beschluss wegen der
molekulargenetischen Untersuchung und man erörterte im Gespräch am
10.11.2007 um 12:46:09 Uhr u.a. die Gründe des Beschlusses und die
rechtliche Würdigung. Hierbei kam es zu folgendem Dialog
Quelle: Urteil, ab S. 257 https://www.allmystery.de/dateien/gnezh5mphfbt_Strafurteil-anonym.pdf
Fallbezogene Telefonate des abgehörten Harald W. wurden anders gewertet:
Beitrag von watnu (Seite 618)

- - -
Zitat von HistokratHistokrat schrieb:nach Entschuldigungen gerungen hätte, so als wollte er irgendwie dafür plädieren, dass alles nur ein Unfall gewesen sei
Ursulas Tod war offensichtlich nicht gewollt. Wenn man sich darüber unterhält, ist es daher logisch, dass man von einem Unfall spricht. Das findest du auch im Thread (mit der Threadsuche).


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 20:19
Also normal ist das nicht.
Zitat von ErwinKösterErwinKöster schrieb am 04.02.2017:Auffallend ist nämlich, dass das Einsperren in eine Tiefkühltruhe und das Einsperren in eine Holzkiste ähnliche, rücksichtslose Taten sind. Normalerweise werden Entführungsopfer nicht unterirdisch verscharrt. Und das "der Hund in Sibirien" und der "Betriebsunfall" Ursula Herrmann ähnlich zynische Formulierungen sind, die nachweislich von der gleichen Person stammen. 



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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 21:00
Mir ist beim nochmaligen Durchdenken des gesamten Falls eine Theorie eingefallen, über die meiner Meinung nach erstaunlich wenig gesprochen wird.
Ich will ausdrücklich niemanden beschuldigen und das Ganze nur als Gedankenspiel verstanden wissen. Aber vielleicht lohnt es sich, gewisse Abläufe einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten.
Was mich schon länger beschäftigt: Für die Vorbereitung einer solchen Tat brauchte man vermutlich Ortskenntnis, Ruhe, Zeitfenster ohne großes Aufsehen und ein gewisses technisches/praktisches Verständnis. Gleichzeitig musste die Person oder die Gruppe einen plausiblen Grund haben, sich häufiger in der Gegend aufzuhalten, ohne dass dies irgendjemandem besonders auffällt.
Genau an diesem Punkt finde ich den Gedanken interessant, ob eventuell jemand beteiligt gewesen sein könnte, der beruflich oder organisatorisch ohnehin Zugang zu Gebäuden, Grundstücken, Werkstätten, Lagerräumen oder abgelegenen Bereichen hatte. Also jemand, der durch seine Tätigkeit quasi „unsichtbar“ wird, weil man solche Personen automatisch als normal wahrnimmt und ihnen selten besondere Aufmerksamkeit schenkt.
Wenn man sich die Gegend Anfang der 80er Jahre anschaut, wird das Ganze für mich sogar noch interessanter.
Der Bereich rund um die Kaagangerstraße war damals meines Wissens deutlich „verklüfteter“ und wesentlich ruhiger als heute. Viele Grundstücke waren größer, dichter bewachsen oder lagen etwas abgeschieden. Zudem gab es dort offenbar etliche Wochenendhäuser bzw. Häuser wohlhabender Besitzer, die nicht dauerhaft vor Ort waren. Gerade unter der Woche dürfte dort zeitweise fast gespenstische Ruhe geherrscht haben.
Und genau das ist aus meiner Sicht ein enorm wichtiger Punkt:
Wer sich dort regelmäßig bewegte oder arbeitete, fiel vermutlich kaum auf. Ein Fahrzeug, das tagsüber irgendwo stand, ein Mensch mit Werkzeug oder Arbeitskleidung, gelegentliche Geräusche – all das hätte man wahrscheinlich eher als normale Tätigkeit eingeordnet. Heute würde sofort jemand aufmerksam werden, damals möglicherweise deutlich weniger.
Die Kiste selbst wirkt auf mich außerdem nicht wie ein spontanes Bastelprojekt. Vieles deutet eher darauf hin, dass praktische Erfahrung im Umgang mit Holz, Werkzeugen, Befestigungen oder improvisierten technischen Lösungen vorhanden gewesen sein könnte. Nicht hochwissenschaftlich – eher pragmatisch. Genau diese Art von Fähigkeiten findet man oft bei Menschen, die beruflich ständig reparieren, improvisieren oder technische Probleme lösen müssen.
Was mich dabei besonders irritiert, ist der Aufbau mit dem zusätzlichen weißen Deckel über dem eigentlichen Verschlusssystem. Rein funktional hätte man vieles einfacher lösen können. Dieser Aufbau wirkt fast so, als habe man die darunterliegenden Schubriegel bewusst schützen wollen. Und genau an diesem Punkt kam mir ein anderer Gedanke:
Vielleicht war die Kiste ursprünglich gar nicht als Entführungskiste geplant.
Vielleicht war sie anfangs eher als eine Art „cooles“ unterirdisches Versteck gedacht – für wen auch immer. In so einem Fall wäre es eigentlich deutlich logischer gewesen, die Schubriegel innen anzubringen und nicht außen. Außenliegende Verriegelungen machen bei einer normalen Nutzung als Versteck nur bedingt Sinn.
Möglicherweise entstand die eigentliche Entführungsidee also erst später, nachdem die Kiste bereits im Waldboden vergraben war. Dann hätte man improvisieren und nachträglich Änderungen vornehmen müssen.
Und genau dort wird es für mich interessant:
Der später eingebaute beziehungsweise ausgesägte „Toilettensitz“ wirkt im Vergleich zum restlichen Aufbau fast erstaunlich dilettantisch. Nicht wie ein sauber geplanter Bestandteil einer professionell vorbereiteten Konstruktion, sondern eher wie eine hektische Nachbesserung.
Wenn die Kiste bereits vergraben war, wäre das Arbeiten daran natürlich extrem unpraktisch gewesen. Heute würde man vermutlich einfach mit einer Akku-Stichsäge arbeiten. Aber Anfang der 80er Jahre waren solche Werkzeuge längst nicht so verbreitet wie heute. Vielleicht musste man deshalb mit einfachen Handsägen oder improvisierten Werkzeugen arbeiten – was die unsauberen Ausschnitte erklären könnte.
Interessant finde ich auch die Frage, ob manche Dinge an der Kiste ursprünglich vielleicht anders gedacht waren als sie später vorgefunden wurden.
Beispielsweise die Belüftung:
War diese von Anfang an mangelhaft?
Oder wurde nachträglich etwas verändert, weil die Täter irgendwann merkten, dass die Situation außer Kontrolle geraten war?
Wenn tatsächlich später Spuren beseitigt oder Öffnungen absichtlich verschlossen wurden, würde das bedeuten, dass die Täter nochmals zur Kiste zurückkehrten und relativ routiniert gearbeitet haben könnten. Das wiederum würde zu Menschen passen, die gelernt haben, ruhig und methodisch vorzugehen.
Hinzu kommt noch ein psychologischer Aspekt:
Menschen, die beruflich ständig „im Hintergrund“ arbeiten, werden häufig unterschätzt. Sie bewegen sich in Gebäuden, Werkstätten, Wohnanlagen oder auf Grundstücken, ohne große Aufmerksamkeit auszulösen. Niemand merkt sich genau, wann jemand kommt oder geht. Gerade in einer damals vergleichsweise ruhigen und wenig frequentierten Gegend könnte das ein enormer Vorteil gewesen sein.
Ich finde deshalb, dass man vielleicht zu oft nur in Richtung „großer organisierter Täterkreis“ oder „technisches Superhirn“ gedacht hat. Eventuell lag die Wahrheit viel näher an einem eher unscheinbaren praktischen Milieu: Menschen mit handwerklicher Routine, Ortskenntnis und der Fähigkeit, sich unauffällig zu bewegen.
Wie gesagt: reine Theorie.
Aber manchmal lohnt es sich vielleicht, weniger nach dem klassischen „Genie-Verbrecher“ zu suchen, sondern eher nach Personen, die praktisch denken, improvisieren können und gleichzeitig gelernt haben, im Alltag kaum wahrgenommen zu werden.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 22:32
Damit habe ich schon gerechnet, dass du den Begriff "Betriebsunfall" aus dem Kontext gerissen präsentierst und nicht den Abschnitt aus dem Urteil zitierst, @JosephConrad . Btw eine vorsorgliche Erinnerung: Bitte vergiss künftig nicht wieder, gem. dem roten Hinweis die Seitenzahlen anzugeben, falls du Akten o. das Urteil zitierst.

"Betriebsunfall" ist die Beschreibung dessen, was passiert ist: Dass der Betrieb der Belüftungsanlage versagte, war ein Unfall (keine gewollte Tötung).
Dass Ursula erstickt ist, war schon längst bekannt und wurde erst 2006 wieder in den Medien erwähnt (zur 25. Jährung des Falls).
W.M. sagte den Begriff im Telefonat mit Dieter, dessen Anlass ich im vorherigen Post erwähnte (Urteil S. 257/258). Und innerhalb des Kontextes ist der Begriff weder zynisch noch eine Entschuldigung. Es ist eine Feststellung.
Auch redeten die Abgehörten über den Täter in der 3. Person und sagten nicht wir/ich.
"Warum lassen se den Mord weg", bezog sich darauf, dass der Fall juristisch nicht als Mord qualifiziert wurde.

Strafurteil S: 258
Mazurek W.: „... Denn normalerweise, warum lassen se den Mord weg, ganz
einfach, weil's ja im Prinzip, wenn m an’s mal so rein nüchtem
betrachtet, war’s ‘n Betriebsunfall, ne. Es wollt'ja keiner, dass das Kind
stirbt“.
[D.:] „Ja, aber es war voraus, vor, vorherzusehen“.
Mazurek W.: „Sonst hätt' er sich nicht so ‘ne Mühe gegeben, dann is‘ halt
irgendwas anderes schief gegangen, also ...“.
Quelle: Link zum Urteil steht im Wiki

@Histokrat, o. g als Ergänzung zum vorherigen Post

Artikel aus 2006:
https://www.mz.de/panorama/kriminalitat-mord-an-ursula-herrmann-nach-25-jahren-noch-ungeklart-2774985


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

28.05.2026 um 23:29
Es ist maßlos zynisch, im Zusammenhang mit einer Kindesentführung von "Betriebsunfall" u. ä. zu sprerchen! Allein durch diese Entührung ist das Kind lebenslang so traumatisiert, daß es einer Tötung gleichkommt!
Ein "Betriebsunfall" sind allenfalls die Menschen, die das tun.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

29.05.2026 um 00:20
Zitat von HistokratHistokrat schrieb:Es ist maßlos zynisch, im Zusammenhang mit einer Kindesentführung von "Betriebsunfall" u. ä. zu sprerchen! Allein durch diese Entührung ist das Kind lebenslang so traumatisiert, daß es einer Tötung gleichkommt!
Das Verbrechen und der Tod des Kindes sind an Grausamkeit kaum zu überbieten.

Ich würde den Begriff auch nicht verwenden wie W.M., habe aber auch keinen Handwerker-Background.
Und da ich auch an anderer Stelle seine Wortwahl als eigen empfinde, glaube ich ihm seine Erklärung bzw. Begriffs-Definition, die auch in der TV-Doku zu sehen war. Auch wenn man dieselbe Muttersprache spricht, können Begriffe individuell belegt sein bzw. unterschiedlich benutzt und gewertet werden.
WM schilderte in der TV-Doku ein fiktives Szenario, in dem sich jemand an einer Kreissäge(?) verletzte, um seine Definition von Betriebsunfall darzulegen. (Evtl. auch im BR-Podcast zu hören.)

Was ist zynisch an dem Ausschnitt aus dem Telefonat, wenn du "Betriebsunfall" durch "Unfall" ersetzt? @Histokrat
Es geht mir nicht darum, W.M. in Schutz zu nehmen, sondern um eine unvoreingenommene Betrachtung.

Zynisch finde ich das Verhalten des Ex-Polizisten H.W. am Telefon, weil er wusste, dass er die Ermittlungsarbeit beeinflusste und behinderte, wenn es wahr ist, dass er davon ausging, abgehört zu werden:
dass man damals die Lauscher bewusst habe provozieren
wollen und deshalb falsche Spuren gelegt habe. (…) Sie hätten damals angenommen,
dass man sie abhöre und hätten daher absichtlich öfters über die Polizei am
Telefon geschimpft. Als „Kopf der Bande“ habe er sich deshalb in einem
Telefongespräch bezeichnet
, da ihm der Polizeibeamte vorgehalten
habe, welchen Einfluss er auf ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ habe und dass er sinngemäß
der Kopf sei.
Urteil S. 287 oder im heute schon verlinkten Post:
Beitrag von watnu (Seite 618)


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

29.05.2026 um 08:20
Mazurek ist ein zynischer Verbrecher, der seine Strafe zu Recht abgesessen hat.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

29.05.2026 um 10:23
Zitat von watnuwatnu schrieb:Es geht mir nicht darum, W.M. in Schutz zu nehmen, sondern um eine unvoreingenommene Betrachtung.
Richtig. Dazu gehört auch, den Kontext eines solchen Gesprächs zu betrachten: Das war ein persönliches, privates, vertrauliches Gespräch mit einer anderen Person am Telefon. Hätte Mazurek gewusst, dass er abgehört wird, hätte er vielleicht andere Worte gewählt.

Ich für mich kann nicht ausschließen, dass ich in einem persönlichen Gespräch den Tod des Kindes als "Betriebsunfall" bezeichne - und damit kein Zyniker bin. Denn im Raum von Privatheit muss man eben nicht aufpassen, was man sagt. Das ist keine Öffentlichkeit, auch wenn es später öffentlich in einem Prozess behandelt und im Urteil zitiert wird.

Die Abluftvorrichtung an der Kiste war übrigens falsch geplant, der Luftaustausch viel zu schwach, um das CO2 aus der Kiste zu transportieren.
Zitat von JosephConradJosephConrad schrieb:Also normal ist das nicht.
Ne. Aber würden wir alle Menschen einsperren, die "nicht normal" sind, die Tiere quälen, ihre Ehemänner betrügen oder nassen SM bevorzugen, dann wären wir schnell ein Volk von Strafgefangenen.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

29.05.2026 um 15:29
Zitat von FranzFerdinandFranzFerdinand schrieb am 25.10.2025:Es gab übrigens auch einen Nachbarn von Herrmanns der eine interessante Beobachtung gemacht hatte:
In den Wochen vor der Tat gab es aus einer Garage von einem Nachbargrundstück stundenlanges Gehämmere und Gebohre und Sonstiges aus einer großen Garage von ihm unbekannten Jugendlichen.
Den Nachbarsjungen kannte der Zeuge.
Der war es aber nicht.
Der Vater des Nachbarsjungen sagte später es sei sein Sohn gewesen der sein Auto in der Garage repartiert hatte.
Jetzt sagt aber einer der beiden nicht die Wahrheit.
Dieser Sache wurde natürlich nicht richtig nachgegangen.
Denn ganz interessant hierbei ist das der Zeuge auch von einem Erpresserbrief von 1978 an seine Familie berichtet, der der Polizei vorlag aber nie mit dem Fall Ursula Herrmann in Verbindung gebracht wurde.
Es gab also 1978 schon einen Erpresserbrief aus dem Bereich Kaagangerstraße.
Jetzt die Frage an die Mathematiker:
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit das diese Erpresserbriefe von 1978 und von 1981 von unterschiedlichen Personen erstellt worden sind?

Hinweis anoymisiert

Erpresserschreiben anoymisiert
Je länger ich mich mit dem Fall Ursula Herrmann beschäftige, desto mehr wundert mich eigentlich ein Gedanke, der nach meinem Eindruck erstaunlich selten wirklich konsequent diskutiert wird:
Warum geht man fast automatisch immer von einzelnen Tätern oder von lockeren Gruppen aus – aber kaum jemals ernsthaft von einer familiären Täterstruktur?
Dabei gibt es durchaus Punkte, die zumindest in diese Richtung denken lassen könnten.
Ein Aspekt, der für mich immer wieder heraussticht:
In der Tatkiste wurde bekanntlich auch weibliche DNA gefunden, die definitiv nicht von Ursula stammte. Natürlich beweist das isoliert betrachtet überhaupt nichts. Dafür gibt es viele mögliche Erklärungen. Aber trotzdem finde ich bemerkenswert, dass dieser Punkt gefühlt nie wirklich in eine breitere Richtung weitergedacht wurde.
Denn sobald man den Gedanken „familiäre Beteiligung“ einmal zulässt, ergeben sich plötzlich ganz andere mögliche Dynamiken.
Vor allem beim Thema jahrzehntelanges Schweigen.
Wenn man sich vorstellt, die Täter wären tatsächlich nur eine Gruppe Jugendlicher oder Schüler gewesen, dann erscheint es mir persönlich extrem schwer nachvollziehbar, dass über mittlerweile 44 Jahre absolut niemand ernsthaft ausgepackt hätte.
Gerade Jugendliche verändern sich im Laufe ihres Lebens massiv:
Freundschaften zerbrechen.
Menschen ziehen weg.
Ehen scheitern.
Es gibt Alkoholprobleme, finanzielle Krisen, Streitigkeiten, Schuldgefühle, Krankheiten oder religiöse Veränderungen.
Irgendwann reden Menschen normalerweise.
Vor allem bei mehreren Beteiligten steigt statistisch doch das Risiko enorm, dass irgendjemand einmal etwas andeutet, sich verplappert oder indirekt Hinweise liefert.
Bei einer Familie könnte ich mir ein dauerhaftes Schweigen dagegen deutlich eher vorstellen.
Familien funktionieren oft wie abgeschlossene Systeme.
Nach außen wird dicht gehalten.
Man schützt sich gegenseitig.
Vielleicht aus Loyalität.
Vielleicht aus Angst.
Vielleicht auch, weil man gemeinsam längst in eine Art psychologischen Ausnahmezustand geraten ist, aus dem man Jahrzehnte später nicht mehr herauskommt.
Und genau deshalb finde ich es interessant, dass im Grunde nur bei der Familie Mazurek früh überhaupt in familiären Rollen gedacht wurde.
Dort haben Ermittler ja durchaus überlegt, wer theoretisch welche Aufgabe übernommen haben könnte:
Wer baut?
Wer transportiert?
Wer beobachtet?
Wer kennt das Gelände?
Wer könnte schweigen?
Aber warum wurde dieses Denkmuster scheinbar nicht breiter angewandt?
Welche anderen Familien im Umfeld hat man damals eigentlich näher betrachtet?
Welche vielleicht überhaupt nicht?
Wer wohnte damals noch in räumlicher Nähe?
Wer hatte technische Fähigkeiten?
Wer hatte Zugang zu Werkzeugen, Fahrzeugen oder abgelegenen Grundstücken?
Wer kannte die Gegend besonders gut?
Gerade Anfang der 1980er Jahre war das Gebiet rund um den Kaaganger ja vielerorts noch deutlich ruhiger und teilweise fast abgeschottet. Dort gab es nicht nur normale Wohnhäuser, sondern auch Wochenendhäuser und Grundstücke wohlhabenderer Besitzer. Unter der Woche dürfte es in manchen Bereichen relativ menschenleer gewesen sein.
Das eröffnet theoretisch ganz andere Möglichkeiten für ungestörte Vorbereitungen oder Transporte, als man sie heute vielleicht intuitiv annehmen würde.
Und noch etwas fällt mir auf:
Wenn man statt an Kinder eher an ältere Jugendliche oder junge Erwachsene denkt – vielleicht Ende Teenageralter oder Anfang 20 –, dann wirken viele praktische Aspekte plötzlich realistischer.
Etwa:
– das nächtliche Arbeiten im Wald
– das Ausheben einer größeren Grube
– das unauffällige Transportieren von Holzplatten oder Werkzeug
– das technische Basteln an der Kiste
– organisatorische Absprachen über längere Zeiträume hinweg
Auch die Kiste selbst wirkt auf mich teilweise nicht wie die spontane Arbeit einiger „halber Kinder“, sondern eher wie etwas, an dem unterschiedliche Fähigkeiten beteiligt gewesen sein könnten.
Und genau deshalb glaube ich, dass manche Denkansätze vielleicht zu früh ausgeschlossen wurden.
Ich sage ausdrücklich nicht, dass eine bestimmte Familie dahintersteckte.
Und ich sage auch nicht, dass diese Theorie „die Lösung“ wäre.
Aber ich finde schon, dass die grundsätzliche Überlegung einer familiären Täterstruktur deutlich weniger absurd ist, als sie oft dargestellt wird.
Vielleicht liegt gerade in den Dingen, die damals nie wirklich umfassend untersucht oder gedanklich weitergeführt wurden, noch immer ein Teil der offenen Fragen dieses Falles.
Zusätzlich finde ich einen weiteren bislang eher wenig beachteten Hinweis äußerst interessant:

Dieser wurde am 25.1.2205 von dem ehemaligen User FranzFerdinand gepostet:

Ein Nachbar der Familie Herrmann schilderte später eine Beobachtung von Tagen vor der Tat, die für mich zumindest bemerkenswert klingt. Demnach habe er aus einer Garage eines benachbarten Grundstücks über längere Zeit Hämmern, Bohren und sonstige Werkstattgeräusche gehört. Der Zeuge kannte die Jugendlichen aus der Nachbarschaft grundsätzlich. Er ging deshalb zunächst davon aus, dass dort lediglich Jugendliche an einem Fahrzeug oder Projekt arbeiteten.

Später erklärte der Vater jedoch angeblich, es sei nur sein Sohn gewesen, der in der Garage am Auto gearbeitet habe. Der Zeuge hatte daran allerdings offenbar Zweifel.

Besonders interessant wird dieser Hinweis für mich deshalb, weil derselbe Zeuge laut Unterlagen bereits von einem Erpresserbrief aus dem Jahr 1978 berichtete, der damals der Polizei vorgelegen haben soll, aber offenbar nie wirklich mit dem späteren Fall Ursula Herrmann in Verbindung gebracht wurde.

Wenn das tatsächlich zutrifft, dann existierte im Bereich Kaagangerstraße offenbar bereits Jahre vor der Entführung eine Art Erpressungsschreiben oder Drohkulisse. Genau das wirft für mich eine spannende Frage auf:

Natürlich kann das ein Zufall sein. Aber je länger man darüber nachdenkt, desto mehr stellt sich für mich die Frage, ob bestimmte Entwicklungen oder Denkweisen möglicherweise schon deutlich früher im Umfeld vorhanden waren, als man heute annimmt.

Ich finde deshalb, dass genau solche frühen Randhinweise vielleicht viel stärker gesamtheitlich betrachtet werden müssten, anstatt sie isoliert nebeneinander stehen zu lassen.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

30.05.2026 um 18:30
Zitat von OriginesOrigines schrieb:Ich für mich kann nicht ausschließen, dass ich in einem persönlichen Gespräch den Tod des Kindes als "Betriebsunfall" bezeichne - und damit kein Zyniker bin.
Im Kontext des Telefonats sehe ich keinen Unterschied zu anderen Begriffen, die auf Todesursachen hindeuten können (wie z. B. Motorrad-, Fahrrad-, Auto-, Arbeits-, Bade-, Jagd- , Berg- oder Haushaltsunfall).
Ich bete aber auch nicht mantrahaft vor mich hin, dass W.M. der Täter ist, und ich muss nicht zwanghaft alles in die eine oder in die andere Richtung deuten. Bezüglich der ungeklärten Fragen, die mich beschäftigen und des Bedauerns darüber, dass potenzielle MittäterInnen nicht identifiziert wurden, muss ich mich nicht darauf festlegen, ob er der Täter ist oder nicht.

Interessant ist, was Ursulas Bruder dazu schrieb:
Zitat von 2r2n2r2n schrieb am 01.10.2019:Sie hatten J. ja auch im Visier, mussten aber dann feststellen, dass er als Mittäter nicht taugt. Trotzdem haben sie das Telefonat mit dem Betriebsunfall als konspirativ gewertet.
Da haben sie sich schon ein wenig widersprochen...
Zitat von 2r2n2r2n schrieb am 07.08.2018:Hier fiel auch die Bezeichnung "Betriebsunfall", als er Mutmaßungen über die schlechte Vorgehensweise der Täter anstellte.
@Origines, herzlichen Glückwunsch zum Allmy-Geburtstag, viele fruchtbare Diskussionen und wenig Ärger :sun:

- - -
Wie "Betriebsunfall" kann man u. g. Aussage auch anders sehen:
Zitat von FranzFerdinandFranzFerdinand schrieb am 25.10.2025:In den Wochen vor der Tat gab es aus einer Garage von einem Nachbargrundstück stundenlanges Gehämmere und Gebohre und Sonstiges aus einer großen Garage von ihm unbekannten Jugendlichen.
Den Nachbarsjungen kannte der Zeuge.
Der war es aber nicht.
Der Vater des Nachbarsjungen sagte später es sei sein Sohn gewesen der sein Auto in der Garage repartiert hatte.
Jetzt sagt aber einer der beiden nicht die Wahrheit.
Dieser Sache wurde natürlich nicht richtig nachgegangen.
Alternative: Das muss keine Lüge von Vater oder Sohn sein. Der Sohn kann am Auto gewerkelt haben und die Kumpels können vorbeigeschaut haben. Der Nachbar kannte sicherlich nicht den ganzen Freundeskreis und der Vater führte sicherlich kein Buch darüber, wann wer mit seinem Sohn in der Garage war.
Soviel mir bekannt ist, hat 2r2n nicht moniert, dass den Garagen-Geräuschen nicht genug nachgegangen wurde. Er dürfte auch längst Kenntnis davon haben.
Fehler passieren, aber es wäre schon dämlich und würde nicht zu anderen Vorsichtsmaßnahmen passen, die Kiste in einer schalldurchlässigen Garage anzufertigen, und auch noch zeitnah zum Verbrechen, in der Nähe von Ursulas Zuhause. Der Nachbar wird nicht der Einzige gewesen sein, der die Geräusche gehört hatte.

- -
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Besonders interessant wird dieser Hinweis für mich deshalb, weil derselbe Zeuge laut Unterlagen bereits von einem Erpresserbrief aus dem Jahr 1978 berichtete, der damals der Polizei vorgelegen haben soll, aber offenbar nie wirklich mit dem späteren Fall Ursula Herrmann in Verbindung gebracht wurde.
Ich gehe davon aus, dass der o. g. Zeuge nicht gezahlt und dennoch die Erpressung überlebt hat, falls es eine echte gewesen sein sollte. Es wirkt auf mich eher, als wollte ihm eine unreife Person, die sich über ihn geärgert hatte, Angst einjagen.
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:im Bereich Kaagangerstraße offenbar bereits Jahre vor der Entführung eine Art Erpressungsschreiben oder Drohkulisse.
Solche Erpressungen konzentrier(t)en sich vermutlich v. a. auf Gebiete, in denen reiche Personen wohn(t)en.
Jedes Jahr werden in Deutschland hunderte Erpresserbriefe wie dieser verfasst und an Supermarktketten, Lebensmittelhersteller, Banken oder die Familien von Entführungsopfern verschickt. Die wenigsten dieser Schreiben gelangen an die Öffentlichkeit.
Quelle: https://www.spiegel.de/geschichte/freigegebene-erpresserbriefe-a-946524.html

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Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb:Welche anderen Familien im Umfeld hat man damals eigentlich näher betrachtet?
Wenn die Kinder der überprüften Personen zu jung waren, erübrigte sich das.
Wie ich aus ihrer Zeugenaussage vor Gericht schließe, dürfte z. B. auch die Ehefrau von H.W. überprüft worden sein. Und als pot. Mittäterin des W.M. wurde ja auch die Ehefrau von Dieter J. überprüft.
Ich frage mich schon, ob alle tatsächlichen MittäterInnen zusätzlich zur Last, ungewollt ein Kind getötet zu haben, dem Druck der Vernehmungen und der Durchsuchungen standgehalten haben bzw. hätten.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

30.05.2026 um 19:00
Zitat von watnuwatnu schrieb:herzlichen Glückwunsch zum Allmy-Geburtstag, viele fruchtbare Diskussionen und wenig Ärger
Wusste ich gar nicht... Vielen herzlichen Dank! :)

Und vielen Dank auch für Deine akribische Forschung hier im Thread, so wie zum "Betriebsunfall" und dem zutreffenden Einwand des Bruders, dass die Bewertung des Gesprächs durch die Ermittler nicht plausibel ist.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

31.05.2026 um 17:44
Frage an Google-KI:
Wo bzw. wofür könnten die u. g. Bestandteile des Anstrichs in den 1970er /1980er Jahren noch verwendet worden sein, außer für u. g. Straßenmarkierungen?


Normalerweise halte ich nichts von KI-Befragungen, weil ich auf Allmy schon genug KI-Ergebnisse gelesen habe, die in einen Fantasy-Roman passen. Ich kann die Plausibilität der u. g. Ergebnisse nicht beurteilen, finde aber die Antwort Bedachungen/Flachdächer (also Mustertafel aus Dachdecker-/Spengler-Betrieb) interessant. Vielleicht hat hier jemand entsprechende Kenntnisse oder Interesse, die Ergebnisse zu prüfen:

"Gefüttert" habe ich die KI mit folgenden Infos aus Teil 3 der ARD-Doku:
Bestandteile des Anstrichs des Kistendeckels: Minute 12.34, Einblendung der Liste (unkenntlich gemachter) Firmen, die damals "evtl. Anstrichmittel herstellen auch auf Bitumenbasis".
12.45 Im Aktenauszug ist zu lesen, dass man 1.707 Lack-Hersteller anschrieb, die Aluminiumpigmente oder Polystyrol von 2 bestimmten Lieferanten bezogen hatten.
Ab ca Min. 21.24: Vorsitzender des dt. Asphaltverbands spricht über Bestandteile der Lackierung. Lackierung könnte ursprünglich für Straßenmarkierungen gewesen sein.
21.43: Über der Lackierung sind Farben aufgetragen. Die Lackierung selbst besteht z. T. aus Bitumen. Das ist üblich für Verwendung im Straßenbau. Doch im Lack befindet sich auch amerikanische Kieselgur. (Teuer, für Privatperson schwer zu beschaffen.)
22.40: Verwendung z. B. für Fahrbahnmarkierung. Evtl. wurde diese Platte für Testzwecke erstellt, um verschiedene Farben für Straßenmarkierungen zu präsentieren (Mustertafel). Es ist möglich, dass die Lackierung in einem kleineren Betrieb eher zufällig (und nur einmal) für einen bestimmten Zweck hergestellt wurde.

Antwort Google-KI:
Die in der Dokumentation genannte Kombination aus Bitumen, Polystyrol, Aluminiumpigmenten und teurer amerikanischer Kieselgur deutet in den 1970er/80er Jahren auf einen industriellen Spezialanstrich hin, der über Straßenmarkierungen hinausging. Neben Brückendichtungsbahnen im Ingenieurbau kamen Antidröhnbeschichtungen im Fahrzeugbau oder chemikalienresistente Industrieböden als Verwendungszweck in Betracht. Die Holzplatte diente höchstwahrscheinlich als Prüf- oder Mustertafel aus dem Umfeld eines Spezialbetriebs für Beschichtungen.
Als ich vorher die KI mit weniger Infos (z. B. ohne Mustertafel) befragte, nannte sie zudem Bedachungen. Deshalb hakte ich nach: Zuvor nanntest du auch Bedachungen (Dachbahnen). Was ist damit?
Hervorhebungen in beiden AW durch mich:
Die Verwendung bei Dachbahnen und im Bedachungsbereich ist neben der Straßenmarkierung die historisch und chemisch plausibelste Alternative für diese exakte Materialkombination. In den 1970er und frühen 1980er Jahren wurden bituminöse Anstriche mit genau diesen Komponenten für sehr spezifische, hochqualitative Dacharbeiten eingesetzt. Wenn der Anstrich nicht von einer Mustertafel für Straßenmarkierungen stammte, kam er mit großer Wahrscheinlichkeit aus diesem Bereich:
1. Hochwertige Reflexions- und Sanierungsanstriche für FlachdächerFlachdächer (wie sie bei Industriehallen, Garagen oder Bungalows in den 70ern extrem populär wurden) wurden mit Bitumenbahnen ("Teerpappe") gedeckt. Diese Bahnen litten unter der UV-Strahlung und der Hitze im Sommer. Um sie zu schützen, gab es spezielle Flüssiganstriche: Das Bitumen diente als flüssige Reparaturmasse, um Risse im bestehenden Dach abzudichten. Die Aluminiumpigmente (daher auch der Name "Aluminium-Bitumen-Dachlack") erzeugten eine silberne Oberfläche. Sie reflektierten das Sonnenlicht, damit sich das Dach und das Gebäude darunter im Sommer nicht aufheizten und das Bitumen nicht schmolz. Das Polystyrol wurde beigemischt, um den Lack elastisch zu machen. Da Dächer bei Frost schrumpfen und bei Hitze sich ausdehnen, verhinderte der Kunststoff, dass der spröde Bitumenanstrich sofort wieder riss. Die amerikanische Kieselgur erfüllte hier eine entscheidende Funktion: Sie diente als Anti-Absetzmittel und Mattierungsmittel. Ohne Kieselgur würden die schweren Aluminiumpigmente in der zähen Bitumenmasse während der Lagerung im Eimer sofort auf den Boden sinken. Zudem verhinderte die Kieselgur, dass das Aluminium zu stark blendete oder der Lack bei Hitze Blasen warf.
2. Spezial-Klebemassen für Dämmplatten auf Dächern. In den 70er Jahren begann man verstärkt, Flachdächer zu dämmen. Dafür wurden Hartschaumplatten (oft aus Polystyrol/Styropor) auf den Beton geklebt. Hierfür wurden Bitumen-Kaltkleber verwendet. Damit der heiße oder kovalente Bitumenkleber die empfindlichen Polystyrol-Dämmplatten nicht chemisch auflöste oder zerfraß, mussten die Kleber mit Spezialfüllstoffen wie Kieselgur rezeptiert werden, um die chemische Reaktion zu puffern und die Standfestigkeit zu erhöhen.
Warum das zu der "Zufallsmischung" oder der Mustertafel passt: Die Doku erwähnt, dass der Lack eventuell in einem kleineren Betrieb eher zufällig oder für Testzwecke gemischt wurde. Auch das passt perfekt zum Dachbereich: Die Test-Dachfläche / Mustertafel: Genau wie bei Straßenmarkierungen wurden auch bei neu entwickelten Dachbeschichtungen Testplatten (z. B. aus Holz oder Metall) angefertigt. Auf diese trug man das Bitumen-Gemisch auf und übermalte es testweise mit verschiedenen hellen Schutzfarben (was die in Minute 21.43 erwähnten Farben über der Lackierung erklären würde), um die UV-Beständigkeit im Freilandversuch zu prüfen.
Die Restmischung im Dachdeckerbetrieb: Kleinere, spezialisierte Betriebe für Bauchemie oder Isoliertechnik mischten solche Rezepturen oft für ein ganz bestimmtes Großprojekt (z. B. die Sanierung eines großen Industriedachs) an. Blieb davon etwas übrig, wanderte der Eimer oft in die Werkstatt eines Handwerkers oder Bastlers.
Zusammenfassend: Wenn diese beschichtete Platte des Kistenaufsatzes keine ausrangierte Mustertafel für Fahrbahnmarkierungen war, stammte sie höchstwahrscheinlich aus einem Versuchsaufbau oder Restbestand für die industrielle Flachdach-Isolierung/Sanierung der damaligen Zeit.
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Zitat von camelotcamelot schrieb am 17.05.2026:Firmen angefragt
Siehe o. g. Infos aus der Doku
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EDIT
Zitat von Pusteblume2026Pusteblume2026 schrieb am 25.05.2026:Umfeld des LEH
Trotz o. g. Alternative finde ich den Zufall bemerkenswert (aber nicht unwahrscheinlich), dass ausgerechnet einer der LEH-Schüler, die den Klingeldraht hatten, einen Bezug zum Unternehmen in Kaufering hatte.
Warum haben die Schüler den Klingeldraht nicht zeitnah zur Polizei gebracht, wenn sie vermuteten, er könne mit dem Verbrechen zusammenhängen?
Warum übergaben sie ihn erst zu dem Zeitpunkt, als die Polizei im Internat war. Ich war nicht dabei, aber die Übergabe erfolgte sehr wahrscheinlich ungefragt, da die Polizei den Zusammenhang zwischen Draht und Tat noch nicht hergestellt hatte. Befürchteten die Schüler, dass der Draht sowieso bei einer Durchsuchung gefunden wird?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

06.06.2026 um 15:09
Ich habe mir in den letzten Tagen wieder einige ältere Diskussionen hier im Thread angesehen und dabei ist mir etwas aufgefallen.
Egal auf welcher Seite man in dieser Sache steht, egal ob man die Verurteilung für richtig hält oder nicht, drehen wir uns inzwischen seit Jahren immer wieder um dieselben Argumente. Das ist auch verständlich, weil der Fall extrem komplex ist und viele Fragen bis heute offen sind.
Trotzdem frage ich mich mittlerweile, ob wir uns nicht viel zu sehr auf Personen konzentrieren und viel zu wenig auf die eigentlichen Spuren.
Ich habe oft den Eindruck, dass zuerst eine Theorie feststeht und danach die vorhandenen Informationen so eingeordnet werden, dass sie möglichst gut zu dieser Theorie passen. Das betrifft übrigens beide Seiten gleichermaßen.
Vielleicht wäre es sinnvoller, wieder einen Schritt zurückzugehen und sich zu fragen:
Was wissen wir eigentlich wirklich?
Nicht was wir vermuten. Nicht was wir für wahrscheinlich halten. Sondern was tatsächlich gesichert ist.
Für mich bleibt die Kiste nach wie vor das zentrale Element des gesamten Falles. Über Telefontechnik, Aussagen, Gutachten und Zeugenerinnerungen kann man endlos diskutieren. Aber die Kiste existierte real. Sie musste geplant, gebaut, transportiert und vergraben werden.
Jemand hat sich Gedanken über die Konstruktion gemacht.
Jemand hat die Materialien beschafft.
Jemand hat die Arbeiten ausgeführt.
Jemand hat den Ort ausgewählt.
Und jemand musste sich sicher sein, dass die Kiste ihren Zweck zumindest für einen gewissen Zeitraum erfüllen würde.
Genau deshalb halte ich die Kiste für wesentlich aussagekräftiger als viele Zeugenaussagen, die Jahrzehnte später gemacht wurden.
Vielleicht sollte man sich weniger fragen, welche Person man mit der Kiste in Verbindung bringen kann, sondern vielmehr, was die Kiste selbst über ihren Erbauer aussagt.
Welche Fähigkeiten waren nötig?
Welche Werkzeuge?
Welche Erfahrungen?
Welche Ortskenntnisse?
War das die Arbeit einer einzelnen Person oder eher mehrerer Personen?
Das sind für mich die wirklich interessanten Fragen.
Persönlich halte ich mittlerweile den Ansatz für am sinnvollsten, der sich vollständig von bereits festgelegten Täterbildern löst und stattdessen bei der Planung und Vorbereitung der Tat ansetzt.
Wenn man die Tat nüchtern betrachtet, dann erscheint mir die Kiste nicht wie das Werk eines spontanen Entschlusses oder eines typischen Gewaltverbrechens. Der Bau der Kiste, die technische Ausführung, die Auswahl des Vergrabungsortes und die Durchführung der Entführung deuten für mich eher auf eine längere Vorbereitungsphase hin.
Deshalb würde ich weniger danach suchen, wer irgendwann einmal verdächtig wirkte, sondern vielmehr danach, wer damals überhaupt die Fähigkeiten, die Möglichkeiten und die Gelegenheit gehabt hätte, ein solches Vorhaben umzusetzen.
Besonders interessant finde ich dabei die Frage, ob die Kiste tatsächlich von einer einzelnen Person gebaut wurde oder ob mehrere Personen beteiligt waren.
Je länger man sich mit den einzelnen Arbeitsschritten beschäftigt, desto mehr drängt sich zumindest mir die Überlegung auf, dass Planung, Materialbeschaffung, Bau, Transport, Vergrabung und Entführung zusammen eine erhebliche organisatorische Leistung darstellen.
Das bedeutet natürlich nicht automatisch mehrere Täter. Aber ausschließen würde ich diese Möglichkeit ebenfalls nicht.
Ein weiterer Punkt ist die heutige Technik.
Viele Diskussionen hier beziehen sich auf den Stand der Ermittlungen von damals oder auf spätere Bewertungen. Aber die technische Entwicklung ist in den letzten Jahrzehnten enorm gewesen.
Deshalb frage ich mich, ob nicht sämtliche noch vorhandenen Sachbeweise noch einmal komplett neu untersucht werden sollten.
Nicht mit dem Ziel, eine bestimmte Theorie zu bestätigen.
Sondern mit dem Ziel, herauszufinden, ob moderne Methoden heute etwas erkennen können, was früher schlicht nicht möglich war.
Gerade Sachbeweise halte ich für deutlich wertvoller als Erinnerungen.
Menschen können sich irren.
Erinnerungen verändern sich.
Aussagen werden im Laufe der Zeit oft unbewusst angepasst.
Sachbeweise hingegen ändern sich nicht.
Man kann sie falsch interpretieren, aber sie erzählen heute dieselbe Geschichte wie vor vierzig Jahren.
Deshalb würde ich einen modernen Cold-Case-Ansatz für sinnvoll halten.
Stellen wir uns einmal vor, ein unabhängiges Team bekäme heute sämtliche noch vorhandenen Sachbeweise auf den Tisch, ohne die jahrzehntelangen Diskussionen, ohne die Lagerbildung und ohne die Vorprägung durch frühere Ermittlungsrichtungen.
Zu welchen Ergebnissen würde dieses Team kommen?
Welche Fragen würden die Ermittler stellen?
Welche Spuren würden sie priorisieren?
Welche Zusammenhänge würden sie vielleicht erkennen, die bisher niemand gesehen hat?
Gerade weil sich über Jahrzehnte bestimmte Denkmuster verfestigt haben könnten, erscheint mir ein völlig neuer Blickwinkel möglicherweise wertvoller als die erneute Diskussion bereits bekannter Argumente.
Außerdem habe ich manchmal das Gefühl, dass in den Diskussionen Ermittlungsfehler und Täterschaft miteinander vermischt werden.
Dabei sind das eigentlich zwei völlig unterschiedliche Fragen.
Selbst wenn man der Meinung ist, dass Fehler gemacht wurden, folgt daraus nicht automatisch, dass die falsche Person verurteilt wurde.
Genauso wenig folgt aus einer möglichen Täterschaft, dass alle Ermittlungen perfekt gewesen sein müssen.
Beides sollte man meiner Meinung nach strikt voneinander trennen.
Man kann die damaligen Ermittlungen kritisch sehen und trotzdem bestimmte Beweise für belastbar halten.
Genauso kann man die Beweislage kritisch sehen, ohne gleich sämtliche Ermittlungsarbeit pauschal als wertlos zu betrachten.
Mir fällt außerdem auf, dass viele Theorien letztlich nur Teilbereiche des Falles erklären.
Die wirklich überzeugende Theorie müsste aber sämtliche wesentlichen Punkte gleichzeitig erklären können.
Die Auswahl des Opfers.
Die Entführung.
Die Vorbereitung.
Die Kiste.
Die Materialbeschaffung.
Die Ortskenntnisse.
Die Lösegeldforderung.
Die Telefonkontakte.
Das Verhalten nach der Tat.
Den Verbleib von Wissen über die Tat über Jahrzehnte hinweg.
Wenn eine Theorie nur drei oder vier dieser Punkte erklärt, die übrigen aber offenlässt, dann ist sie für mich zumindest noch nicht vollständig.
Was ich ebenfalls für einen interessanten Ansatz halte, ist die Herkunft der verwendeten Materialien.
Oft wird darüber diskutiert, was genau verwendet wurde.
Vielleicht wäre aber die wichtigere Frage, woher die Materialien kamen und wer damals Zugang dazu hatte.
Denn manchmal verraten Beschaffungswege deutlich mehr über einen Täter als das Material selbst.
Wenn man die Tat als Gesamtprojekt betrachtet, dann musste jemand Materialien beschaffen, Werkzeuge besitzen oder organisieren, einen geeigneten Ort auswählen, die Kiste bauen, sie transportieren und vergraben, die Entführung durchführen und anschließend die Kommunikation mit den Angehörigen organisieren.
Allein diese Vielzahl an Schritten spricht für mich dafür, dass die Vorbereitungsphase möglicherweise wichtiger ist als viele der später diskutierten Einzelaspekte.
Vielleicht liegt der Schlüssel gar nicht in einer einzelnen Zeugenaussage, einem einzelnen Telefonat oder einem einzelnen Gutachten.
Vielleicht liegt er in der Gesamtheit aller vorbereitenden Handlungen.
Nach über vierzig Jahren wird dieser Fall wahrscheinlich nicht durch die tausendste Wiederholung bekannter Argumente gelöst werden.
Falls es überhaupt noch neue Erkenntnisse geben kann, dann vermutlich durch eine möglichst unvoreingenommene Neubewertung der objektiven Spuren.
Letztlich erscheint mir der erfolgversprechendste Weg nicht die Suche nach immer neuen Theorien zu sein, sondern die systematische Frage:
Welche objektive Spur besitzt heute noch das Potenzial, unabhängig von Meinungen, Lagerbildungen und persönlichen Überzeugungen überprüfbar zu einer Person oder Personengruppe zu führen?
Genau dort würde ich die größten Chancen sehen, nach all den Jahren vielleicht doch noch einen Schritt näher an die tatsächlichen Abläufe heranzukommen.
Ich glaube jedenfalls, dass die Wahrheit weder auf der Seite der lautesten Theorie noch auf der Seite der überzeugendsten Diskussion liegt.
Am Ende entscheidet nicht die Theorie.
Am Ende entscheidet die Spur.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

07.06.2026 um 12:57
Nach inzwischen 44 Jahren stellt sich für mich weniger die Frage, wer heute Recht behält, sondern vielmehr die Frage, ob es überhaupt noch eine realistische Chance gibt, bislang unbekannte Tatsachen ans Licht zu bringen.
Nehmen wir einmal rein hypothetisch an, Werner Mazurek wäre nicht der Täter gewesen. Dann hätte der oder hätten die tatsächlichen Täter vier Jahrzehnte lang davon profitiert, dass die Ermittlungen und die öffentliche Diskussion sich auf andere Personen konzentriert haben. Die entscheidende Frage wäre dann: Wie könnte man nach so langer Zeit überhaupt noch jemanden dazu bewegen, sein Schweigen zu brechen?
Ich glaube nicht, dass dies durch weitere endlose Debatten über bereits bekannte Gutachten, Zeugenaussagen oder Gerichtsbeschlüsse gelingt. Jeder, der sich seit Jahren mit dem Fall beschäftigt, kennt die Argumente der jeweiligen Lager inzwischen auswendig.
Interessanter erscheint mir die menschliche Komponente.
44 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Menschen verändern sich. Freundschaften zerbrechen. Familienkonstellationen ändern sich. Manche Beteiligte leben nicht mehr. Andere sind inzwischen in einem Alter angekommen, in dem sie Bilanz über ihr Leben ziehen.
Falls mehrere Personen beteiligt gewesen sein sollten, dann wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Wissen über die Tat nicht nur bei den unmittelbaren Tätern vorhanden war. Vielleicht gab es Mitwisser. Vielleicht gab es Personen, denen gegenüber sich jemand in einem schwachen Moment geäußert hat. Vielleicht existieren bis heute Erinnerungen an seltsame Verhaltensweisen unmittelbar nach der Tat, die damals bedeutungslos erschienen.
Deshalb denke ich, dass ein Aufruf heute nicht nur an mögliche Täter oder Mitwisser gerichtet sein sollte, sondern auch an einen anderen Personenkreis, über den erstaunlich selten gesprochen wird.
Gemeint sind Menschen, die damals beruflich oder ehrenamtlich mit dem Fall befasst waren. Ehemalige Ermittler, Polizeibeamte, Kriminaltechniker, Mitarbeiter von Behörden, Gutachter, Journalisten, Anwälte oder sonstige Personen, die im Laufe der Jahre Einblick in Teile des Verfahrens erhalten haben.
Gerade in einem derart komplexen Verfahren dürfte es Menschen gegeben haben, die bereits damals Zweifel hatten, bestimmte Ermittlungsansätze kritisch sahen oder den Eindruck hatten, dass man sich zu früh auf eine bestimmte Richtung festgelegt hatte. Solche Gedanken werden im laufenden Verfahren oft zurückgestellt. Niemand möchte Kollegen öffentlich widersprechen oder laufende Ermittlungen beeinträchtigen.
Doch nach über vier Jahrzehnten stellt sich die Situation anders dar.
Vielleicht gab es Ermittlungsansätze, die nie konsequent weiterverfolgt wurden.
Vielleicht gab es Hinweise, die als unwichtig eingestuft wurden, obwohl sie rückblickend betrachtet doch Bedeutung hätten haben können.
Vielleicht gab es Personen innerhalb der Ermittlungsbehörden, die schon damals das Gefühl hatten, dass bestimmte Schlussfolgerungen nicht vollständig überzeugend waren.
Vielleicht gab es Journalisten, die während ihrer Recherchen auf Widersprüche gestoßen sind, die nie veröffentlicht wurden.
Vielleicht gab es sogar Menschen im direkten Umfeld des Verfahrens, die bis heute mit einem unguten Gefühl auf einzelne Entwicklungen zurückblicken.
Niemand erwartet, dass dadurch plötzlich die gesamte Wahrheit ans Licht kommt. Aber viele historische Kriminalfälle wurden nicht durch den einen spektakulären Beweis gelöst, sondern durch das Zusammenfügen vieler kleiner Mosaiksteine.
Und genau diese Mosaiksteine könnten heute noch existieren.
Vielleicht liest hier jemand mit, der sich seit Jahrzehnten über eine bestimmte Aussage, ein bestimmtes Verhalten oder einen bestimmten Vorfall wundert.
Vielleicht hat jemand kurz nach dem Verschwinden von Ursula Herrmann eine Bemerkung gehört, die er nie einordnen konnte.
Vielleicht erinnert sich jemand daran, dass eine Person plötzlich ungewöhnlich nervös wurde, als der Fall damals in den Medien präsent war.
Vielleicht hat jemand alte Briefe, Notizen, Tonbandaufnahmen, Fotos oder Erinnerungen, die heute in einem völlig anderen Licht erscheinen könnten.
Wer tatsächlich Wissen besitzt, muss nicht öffentlich auftreten. Es gibt Ermittlungsbehörden, Anwälte, Journalisten oder andere vertrauenswürdige Stellen, an die man sich wenden kann.
Falls die falsche Person verurteilt wurde, dann lebt irgendwo die Wahrheit bis heute weiter – nicht zwingend in Form eines Beweismittels, sondern möglicherweise in den Erinnerungen von Menschen.
Und genau deshalb halte ich den Fall auch nach 44 Jahren noch nicht für abgeschlossen.
Die eigentliche Frage lautet für mich nicht, ob man heute noch den perfekten technischen Beweis finden kann.
Die Frage lautet vielmehr:
Gibt es irgendwo noch einen Menschen, der damals etwas gesehen, gehört oder erkannt hat, dessen Bedeutung ihm erst heute bewusst wird?
Und ebenso:
Gibt es jemanden aus dem damaligen Ermittlungs- oder Verfahrensumfeld, der bereits vor Jahrzehnten Zweifel hatte, diese aber nie öffentlich geäußert hat?
Wenn nur einer dieser Menschen den Mut findet, sein Wissen zu teilen, könnte das wertvoller sein als jede weitere Diskussion über die immer gleichen Aktenbestandteile.
Denn nach 44 Jahren besteht die größte Chance auf neue Erkenntnisse möglicherweise nicht mehr in der Technik – sondern im Gewissen und in der Erinnerung der Menschen, die damals näher am Geschehen waren, als wir es heute noch nachvollziehen können.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

13.06.2026 um 12:54
Schade, dass ich auf dieses Posting nach inzwischen fast einer Woche keine einzige Antwort erhalten habe.
Vielleicht bedeutet das, dass es niemand gelesen hat, der etwas weiß.
Vielleicht bedeutet es aber auch, dass die richtigen Menschen bisher einfach noch nicht erreicht wurden.

Deshalb habe ich einen Vorschlag:
Nehmt diesen Beitrag und verbreitet ihn auf anderen Plattformen, in anderen Gruppen und an anderen Orten im Internet. Teilt ihn dort, wo Menschen aus der Region leben, wo Zeitzeugen unterwegs sind oder wo sich Menschen mit ungelösten Kriminalfällen beschäftigen.


Nach 44 Jahren kann niemand sagen, wo sich der entscheidende Hinweis noch verbirgt.
Vielleicht liest diesen Text jemand, der damals etwas gesehen hat.
Vielleicht liest ihn jemand, der vor Jahrzehnten eine Bemerkung gehört hat, die ihm damals unbedeutend erschien.
Vielleicht liest ihn jemand, der seit Jahren mit einem Wissen lebt, das er nie ausgesprochen hat.
Oder vielleicht erreicht er einen Menschen, der einen Mitwisser kennt.
Jede zusätzliche Reichweite erhöht die Chance, dass dieser Aufruf die richtigen Menschen erreicht.
Wenn ihr helfen wollt, dann teilt diesen Text.
Kopiert ihn.
Verbreitet ihn.
Lasst ihn weiterwandern.
Denn manchmal genügt ein einziger Mensch, der den richtigen Beitrag zur richtigen Zeit liest.
Und vielleicht wartet die Wahrheit seit 44 Jahren genau auf diesen Moment.

44 Jahre.
Vierundvierzig Jahre voller Fragen.
Vierundvierzig Jahre, in denen ein kleines Mädchen nie erwachsen werden durfte.
Vierundvierzig Jahre, in denen eine Familie jeden Geburtstag, jedes Weihnachten und jeden wichtigen Moment ihres Lebens mit einem leeren Platz erleben musste.
Ein Platz, der niemals wieder gefüllt werden kann.
Wenn wir über diesen Fall sprechen, diskutieren wir oft über Akten, Gutachten, Urteile, Beweise und Widersprüche.
Doch hinter all diesen Dokumenten steht ein Mensch.
Ursula Herrmann.
Ein Kind.
Ein Kind, das nach Hause hätte kommen sollen.
Ein Kind, dessen Leben nicht mit zehn Jahren hätte enden dürfen.
Und hinter diesem Kind steht eine Familie.
Eine Familie, die seit 44 Jahren mit Fragen leben muss, die vielleicht nie vollständig beantwortet wurden.
Fragen, die jeden Tag ein wenig leiser werden, aber niemals verschwinden.
Fragen, die man mit ins Bett nimmt und morgens wieder mit sich trägt.
Fragen, die ein Leben lang bleiben.
Vielleicht gibt es Menschen, die diesen Beitrag lesen und den Fall nur aus den Medien kennen.
Vielleicht gibt es aber auch Menschen, die damals näher am Geschehen waren.
Näher, als irgendjemand ahnt.
Vielleicht gibt es Menschen, die etwas gesehen haben.
Etwas gehört haben.
Etwas geahnt haben.
Vielleicht gibt es Menschen, die seit Jahrzehnten ein Wissen mit sich tragen, dass sie niemals ausgesprochen haben.
Und vielleicht gibt es Menschen, die sich selbst seit 44 Jahren erzählen, dass es heute ohnehin keine Rolle mehr spielt.
Doch vielleicht spielt es gerade heute eine Rolle.
Mehr als jemals zuvor.
Denn Zeit löst nicht alles.
Manche Fragen werden mit den Jahren nicht kleiner.
Manche Wahrheiten verschwinden nicht.
Sie warten.
44 Jahre sind lang genug, um ein ganzes Leben zu verändern.
Menschen, die damals jung waren, sind heute Großeltern.
Manche Beteiligte leben nicht mehr.
Andere stehen an einem Punkt im Leben, an dem sie zurückblicken.
Und irgendwann kommt für jeden Menschen ein Moment, in dem nicht mehr die Frage zählt, was andere über ihn denken.
Sondern die Frage, ob er mit sich selbst im Reinen ist.
Ob er alles getan hat, was er hätte tun können.
Ob er eine Wahrheit mit sich trägt, die eigentlich jemand anderem gehört.
Vielleicht gibt es jemanden, der seit Jahrzehnten jede Nachricht über diesen Fall verfolgt.
Jemanden, dessen Gedanken sofort zurück in das Jahr 1981 wandern, sobald der Name Ursula Herrmann fällt.
Jemanden, der bei jedem Bericht, jeder Dokumentation und jeder Diskussion denselben Gedanken hat:
„Wenn die anderen nur wüssten, was ich weiß.“
Vielleicht gibt es auch Menschen, die damals beruflich mit dem Fall befasst waren.
Menschen, die Spuren ausgewertet haben.
Menschen, die Vernehmungen geführt haben.
Menschen, die Akten gelesen und Entscheidungen vorbereitet haben.
Menschen, die sich vielleicht bis heute an einzelne Fragen erinnern, die nie vollständig beantwortet wurden.
An Hinweise, die nie ganz aus dem Kopf gingen.
An Gedanken, die man im Alltag eines langen Verfahrens irgendwann beiseitelegen musste.
Vielleicht gibt es Mitwisser.
Vielleicht gibt es Beobachtungen.
Vielleicht gibt es Erinnerungen, die jahrzehntelang bedeutungslos erschienen und erst heute in einem anderen Licht gesehen werden können.
Und vielleicht gibt es Menschen, die glauben, dass es für die Wahrheit inzwischen zu spät sei.
Doch solange Menschen leben, die damals etwas gesehen, gehört oder gewusst haben, ist es nicht zu spät.
Niemand verlangt eine öffentliche Erklärung.
Niemand verlangt einen Auftritt vor Kameras.
Niemand verlangt, dass jemand alleine diese Last trägt.
Manchmal genügt ein einziges Gespräch.
Mit einer Vertrauensperson.
Mit einem Anwalt.
Mit einem Journalisten.
Mit einem Seelsorger.
Mit einem Ermittler.
Mit einem Menschen, dem man vertraut.
Denn die Wahrheit muss nicht laut beginnen.
Manchmal beginnt sie mit einem einzigen Satz.
Mit einem Anruf.
Mit einem Brief.
Mit den Worten:
„Es gibt etwas, das ich Ihnen erzählen muss.“
Vielleicht wird dadurch nicht jede Frage beantwortet.
Vielleicht wird dadurch nicht jede Wunde geheilt.
Aber vielleicht erhält eine Familie endlich Antworten, auf die sie seit 44 Jahren wartet.
Vielleicht erhält die Geschichte von Ursula Herrmann ein Stück Wahrheit zurück.
Und vielleicht erhält auch derjenige Frieden, der dieses Wissen so lange mit sich getragen hat.
Falls irgendwo noch ein Mensch lebt, der mehr weiß, als bisher bekannt ist, dann möchte ich ihm nur einen einzigen Gedanken mitgeben:
Die Vergangenheit kann niemand mehr ändern.
Aber was Sie heute tun, kann verändern, wie diese Geschichte endet.
Für Ursula.
Für ihre Familie.
Für die Wahrheit.
Und vielleicht auch für Ihr eigenes Gewissen.


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