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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

11.319 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Wald, Entführung, Radio ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

16.05.2018 um 10:21
Zitat von ErwinKösterErwinKöster schrieb:Gerichtsgutachterin
Es war keine Gerichtsgutachterin sondern eine Mitarbeiterin des Bayerischen LKA. Und das hat sich den Untersuchungsauftrag selbst gegeben. Das Strafgericht hat kein einziges Gutachten veranlasst, sondern nur vorhandene vorlesen lassen.
Zitat von ErwinKösterErwinKöster schrieb:Das konnte er nicht ahnen, dazu fehlte ihm die Fachkenntnis.
Das konnte er nicht ahnen, weil er das Tonbandgerät gar nicht dafür benutzt hatte. Auch die Gutachterin hat es dafür nicht benutzt.
Sie behauptete lediglich, dass es geeignet wäre, damit einen Zusammenschnitt für die Telefonanrufe zu produzieren.
Es wäre das Mindeste gewesen, zum Beweis ihrer Theorie genau so eine Vorlage für die Telefonübertragung anzufertigen. Ratet einmal, warum sie das nicht gemacht hat.

Gruß RoBernd


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

17.05.2018 um 00:36
Zitat von roberndrobernd schrieb:Es war keine Gerichtsgutachterin sondern eine Mitarbeiterin des Bayerischen LKA. Und das hat sich den Untersuchungsauftrag selbst gegeben. Das Strafgericht hat kein einziges Gutachten veranlasst, sondern nur vorhandene vorlesen lassen
Und wie hat Karlsruhe diese Vorgangsweise bewertet?

Ich würde außerdem trotz allem vorher gerne hören was Frau Dr.B. zu sagen hat. Audiatur et altera pars.

Dr.Rubach begeht mit seiner Belastungsstrategie gegenüber W. im übrigen möglicherweise den Fehler, den Fall Karin W. isoliert zu sehen. Wir haben aber in der Region zeitnah nicht einen solchen Fall sondern drei - Würz/Maschkowa/Berchner. Alle drei 1970. Und vorher den "Augsburger Dirnenmörder". Wurde da jemals ein Zusammenhang untersucht?
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:M hat diesen merkwuerdigen Schreibstil, an dem man ihn sofort erkennt
Mal schreibt er für einen Mann seiner Ausbildung mit durchaus geschliffenem Ausdruck, dann strauchelt er wieder an Syntax oder Grammatik. Es passt irgendwie nicht zusammen. Aber auch seine Sprechweise ist eigenartig. Ich habe so etwas noch nicht gesehen. Irritierendes Selbstbewusstsein iVm so einer Art "Ihr könnt mir gar nix"-Coolness. Und dazu die merkbare Empathielosigkeit. ZB Die Art wie er im Interview bezüglich des Klingeldrahtes das Wort "geSPANNT" ausspricht wirkt befremdend.

Gruß EK


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

17.05.2018 um 00:43
@ErwinKöster

Ich glaube, er sagte "verspannt", mit leicht abwertendem und verwundertem Ausdruck. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass es sich hier um eine dilettantische Idee handelte, etwas, das er nicht getan haette. Das wundert mich nicht.

M verwendet manchmal etwas ueberhebliche Ausdruecke, zB spricht er davon, dass sogar ein "Mittelklassegermanist" etwas erkennen koennte - naemlich, dass P seine Aussage nicht selbst geschrieben hat. Damit stellt er sich selbst auch auf dieselbe Stufe wie einen Germanisten. Das ist ziemlich charakteristisch. Und dann baut er grundsaetzlich zu viele Details ein, und es dauert ein wenig, bis er wieder den Faden findet. Da verraet sich eben, dass er keine hoehere Bildung hat.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

17.05.2018 um 01:05
@robernd

Ich verstehe bis heute nicht, wie und wo das Belueftungssystem angebracht war. Bei der nachgebauten Kiste ist es oben am unmittelbaren Deckel angebracht. Es muesste also zwischen den beiden Deckeln sitzen, sozusagen. Stimmt das? Wieso sieht man es dann bei den Tatortphotos nicht?

Und bedeckte der obere Deckel sozusagen die gesamte Kiste, als Regrnschutz? Oder nur den Teil des unteren Deckels, den man hochklappen konnte?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

17.05.2018 um 07:47
Zitat von ErwinKösterErwinKöster schrieb:Und wie hat Karlsruhe diese Vorgangsweise bewertet? (kein Gerichtsgutachten)
Keine Ahnung.
Zitat von ErwinKösterErwinKöster schrieb:Ich würde außerdem trotz allem vorher gerne hören was Frau Dr.B. zu sagen hat.
Das würde ich auch gerne. Ich vermute, sie wird so wenig sagen, wie möglich.

Werner Ms. Formulierungen
Die unterschiedliche Darstellungsweise hängt vielleicht damit zusammen, wie gut die Ausführungen überlegt sind, wie weit er sich an aufgeschriebene Vorlagen hält und ob es sich dabei um Zitate handelt. Es gibt eine ganze Reihe fertiger Texte, weil er an einem Buch seines Falls bastelt. Der Urteilstext ist zumindest für mich als Techniker sehr gewöhnungsbedürftig. Für M. vielleicht auch. Vielleicht übernimmt er deshalb genüsslich besonders skurile Formulierungen. "Gespannt" im Bezug zum Klingeldraht taucht auch im Urteilstext auf. Vorher war die Rede davon, dass der Draht um Zweige gewickelt war. Da spannt sich natürlich nichts.
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:Ich verstehe bis heute nicht, wie und wo das Belueftungssystem angebracht war.
Das ist im Urteilstext für mich kaum nachvollziehbar formuliert. Das Zuluftrohr kommt von ziemlich weit unten, führt nach oben und oben um einen Teil der Kiste herum. Das Abluftrohr setzt horizontal an einem T-Stück im feststehenden Teil des Deckels an und verläuft dann in Schlangenlinien auf diesem Teil des Deckels. Dort ist es mit Schellen befestigt. Abluft- und Zuluftrohr laufen relativ weit dicht parallel, um dann nebeneinander zu enden. Das kurze vertikale Ende des T-Stücks ist das sog. Sprachrohr. Darüber hinaus gibt es sehr ausführliche Beschreibungen der Kripo samt Sachverständigen, die sich kaum alle finden lassen.

Der obere Deckel (Haube) befand sich nur über der klappbaren Einstiegsöffnung und nicht über dem festen Teil des Deckels, also nicht über den Rohren. Die lagen in der Erde.

Gruß RoBernd


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17.05.2018 um 08:38
@robernd

Was war denn dann der Sinn und Zweck der Haube? Schutz gegen Regenwasser kann es kaum gewesen sein, und auch nicht Schutz des Rohre.

Vielen Dank fuer die Erlaeuterungen. Ich glaube, die Rekonstruktionen wurden einfach nur aus einem merkwuerdigen Winkel photographiert. Jetzt ist es mir klarer.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

17.05.2018 um 08:44
@AnnaKomnene
Man brauchte so nur deutich weniger Erde zum tarnen darüber. So war es deutlich leichter, dass Opfer dort unterzubringen und später - falls die Entführung länger gedauert hätte - noch mit Vorräten zu versoregen.


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17.05.2018 um 10:26
@ErwinKöster

Er sagte definitiv “verspannt”. Damit will er auf die ungewoehnliche Verdrillung hinaus.

Youtube: Ich war es nicht! Zwei Urteile und viele Zweifel (37 Grad ZDF 26.04.2016)
Ich war es nicht! Zwei Urteile und viele Zweifel (37 Grad ZDF 26.04.2016)


Circa 18:50 in diesem Video. Die Art, in der er das sagt, soll meiner Meinung nach zum Ausdruck bringen, dass er sehr viel schlauer als der wirkliche Taeter gewesen waere.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

17.05.2018 um 11:49
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:Was war denn dann der Sinn und Zweck der Haube? Schutz gegen Regenwasser kann es kaum gewesen sein, und auch nicht Schutz des Rohre.
Wahrscheinlich das Einfachste. Die Riegel und Scharniere sollten wohl nicht im Dreck stecken. Sonst hätte man sie zum Öffnen erst einmal reinigen müssen. Außerdem können Reste der Erde in die geöffnete Kiste rieseln.
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:Er sagte definitiv “verspannt”. Damit will er auf die ungewoehnliche Verdrillung hinaus.
Das nenne ich Full-Service. Gleich die richtige Stelle ohne zu suchen. Danke!

Ich sehe in der Betonung keine spezielle Bedeutung. Wahrscheinlich hat er kurz nachgedacht, welches Wort passen könnte. Wie würdet ihr die Art der Verlegung einer Leitung zwischen den Zweigen nennen? Ich hätte vielleicht gesagt "in die Bäume gehängt". Da kling "verspannt" schon professioneller. Verspannt im üblichen Sinne des Wortes ist eine Leitung, die um Zweige gewickelt ist, sicher nicht. Verspannt sind z.B. Masten auf einem Boot mit Stahlseilen und Spannvorrichtungen. Einen Zusammenhang mit der Verbindungen mehrere Drahtstücke untereinander (das meinst du wahrscheinlich mit Verdrillung) kommt mir auch nicht in den Sinn.

Wenn wir "verspannt" schon auf die Goldwaage legen, käme ich eher auf die Idee, dass er die Leitung nicht verlegt hat, sonst hätte er nicht nach einem passenden Wort suchen müssen. Für Dinge, die man einmal gemacht hat, hat man auch meistens eine Beschreibung parat.

Gruß RoBernd


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17.05.2018 um 12:48
@AnnaKomnene

Auf diesem Bild der tz sieht man sowohl den Rahmen als auch die Decke die darüber gelegt wurde.

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Gruß EK


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17.05.2018 um 14:46
@robernd

Ach so, ich dachte, diese Art der Verdrillung wuerde nur funktionieren, wenn die Drahtstuecke gespannt sind. Ansonsten wuerden diese Schlaufen doch nur lose dahaengen, und sich nicht unbedingt beruehren, so sie sollten.

Einen Klingeldraht in einem Stueck kann man auch locker auf die Zweige legen, wie bei der Beleuchtung am Christbaum.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

17.05.2018 um 16:19
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:Ach so, ich dachte, diese Art der Verdrillung wuerde nur funktionieren, wenn die Drahtstuecke gespannt sind.
Du hast Recht, wenn der Draht locker auf dem Boden liegt, wird diese Art von Verbindung keinen Kontakt haben. Durch die Zweige gehängt, wird das Eigengewicht des Drahts sicher ausreichen.

Aus dem Urteilstext:
"Der Zeuge Andreas S., der seinerzeit Schüler des Landerziehungsheims Schondorf war, ... schilderte glaubhaft, dass er im April/Mai 1982 gemeinsam mit seinem Schulkameraden Dirk S. einen dünnen, grün isolierten Draht gefunden habe, der etwa 10 bis 20 m parallel zum Seeweg auf der von See abgewandten Seite verlaufen sei und um dünne Fichtenstämmchen gewickelt gewesen sei. ...
... Dass der Klingeldraht bereits im September 1981 vorhanden war, belegten die übereinstimmenden Aussagen der Zeugen KOM K. und KOM B.. Der Zeuge K. führte aus, dass er bereit am 16.09.1981 gemeinsam mit seinem Kollegen B. in unmittelbarer Tatortnähe eine 2-adrige, grüne Telefonlitze bemerkt habe, die an den Bäumen und Büschen festgemacht worden sei und vom Fahrradauffindungsort in Richtung Eching verlaufen sei...
... Dies bestätigte Zeuge B., der sich noch daran erinnern konnte, dass der grüne Draht, dem man damals keine Bedeutung beigemessen habe, in einer Höhe von 2,50 m über 3 - 4 Bäume gelaufen sei."


Hier fallen mir zwei Dinge auf:

Es ist zunächst von einem "grün isolierten Draht" die Rede. Später ist es eine "2-adrige, grüne Telefonlitze". Genau genommen sind das zwei unterschiedliche Dinge, denen das Gericht eigentlich hätte nachgehen müssen. Wahrscheinlich würde man sie in dem Fall als nur unerhebliche Abweichung durchgehen lassen. Das Urteil ist aber auch mit anderen ähnlich unpräzisen Ausführungen gespickt, ohne dass es jemand bemerkt, hinterfragt oder korrigiert hätte. Die können natürlich auch zu falschen Schlüssen führen. Oder schlimmer: Unpräzise Ausführungen können auch die Ursache falscher Schlüsse sein.
Das soll heißen: Wo immer wir mehr oder weniger zufällig in Details herumstochern, stoßen wir auf Ungereimtheiten und Widersprüche. Egal, ob Klingeldraht, Transistorradio, Autobatterie oder Tonbandgerät. In einem derartig schwerwiegenden Strafprozess ist das nicht tragbar.

Dem Draht haben die Beamten zunächst keine Bedeutung beigemessen. Vielleicht entspricht diese Aussage sogar der Realität. Erst nachdem die Schüler die mitgenommene Leitung der Polizei übergeben haben, hatte sie plötzlich eine Bedeutung. Wo diese Bedeutung plötzlich her kam, bleibt unklar. Vielleicht hatte die Leitung im Zusammenhang mit der Entführung niemals eine Bedeutung.

Gruß RoBernd


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17.05.2018 um 17:44
@robernd

Das stimmt schon. Der Zeuge bemerkte eine gruene Telephonlitze, dh das war seine Wahrnehmung. So hatte er das in Erinnerung. Gefunden wurde schliesslich ein gruener Klingeldraht. Da sehe ich keinen Widerspruch.

Es stimmt aber, dass es merkwuerdig ist, dass dieser Draht seinen Status aenderte, als er von einer dritten Person eingereicht wurde. Wieso war er auf einmal von Interesse?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

18.05.2018 um 07:29
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:Das stimmt schon. Der Zeuge bemerkte eine gruene Telephonlitze, dh das war seine Wahrnehmung. So hatte er das in Erinnerung. Gefunden wurde schliesslich ein gruener Klingeldraht. Da sehe ich keinen Widerspruch.
So ist das mit der Wahrnehmung. In diesem speziellen Fall zweifelt niemand an der Aussage.
Wie ist es aber, wenn keine Gegenüberstellung der grünen Telefonlitze mit grünem Draht vorhanden ist? Wenn kein Draht vorliegt, und wenn nur ein Zeuge von der grünen Telefonlitze berichtet? Ist das glaubwürdig?
Grüne Telefonlitze gibt es nicht. Telefonleitungen sind prinzipiell Draht und zweifarbig.

Zugegeben, dieses Beispiel ist Haarspalterei. Im Zusammenhang mit dem bunten Betttuch (Umwicklung der Lüftungsrohre) und dem Zugang von Werner M. zu einer Lagerhalle (in der genau dieses Tuch gelegen haben soll) ist die Situation nicht so plausibel. Außerdem bestand der Zugang zur Halle, allein weil sie nicht verschlossen war. Jeder hätte Zugang gehabt. Was deutet hier noch auf M. hin? Nur dass er sie einmal von innen gesehen hatte?

Gruß RoBernd


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

18.05.2018 um 08:41
@robernd

Ja das stimmt. Es wird immer so getan, als wuerde eine Menge gegen M sprechen, dabei bleibt bei genauer Betrachtung nicht viel uebrig. Natuerlich heisst das nur, dass man ihm das Verbrechen nicht nachweisen kann, er koennte trotzdem damit zu tun haben.

Es bleibt eigentlich nur uebrig, dass er ein unangenehmer Zeitgenosse ist, der Geld brauchte, und handwerklich geschickt ist - wobei normalerweise uebersehen wird, dass er einige Dinge deshalb wohl besser gemacht haette.

Ich glaube schon, dass die Polizei damals genau diesen Draht gesehen hat. Wieso sie ihn nicht zumindest photographiert oder sonstwie beschrieben hat, erschliesst sich mir nicht. Das war der *Tatort*. Zumindestens nachdem das Fahrrad gefunden worden war, mussten sie davon ausgehen, dass es sich hier um ein Verbrechen handelt. Junge Maedchen bleiben freiwillig nicht nach Einbruch der Dunkelheit im Wald. Und einen Fahrradunfall konnte man eigentlich ausschliessen, da sie ja nicht in der unmittelbaren Naehe gefunden wurde.

Was mich uebrigens schon eine ganze Weile beschaeftigt, ist die Frage, ob man damals den Ammersee mit Tauchern abgesucht hat. Denn das waere die naheliegendste Variante gewesen, eine Leiche zu beseitigen. Ist das geschehen?


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18.05.2018 um 10:41
@AnnaKomnene
Der Ammersee ist ein sogenannter Zungenbeckensee, der durch den eiszeitlichen Gletscher entstanden ist, und ist daher recht tief (bis 80m). Auch fallen die Ufer meist rasch ab, so dass Tauchvorgänge am Ammersee sehr aufwendig gewesen wären und bei der Größe des Sees wohl kaum erfolgsversprechend.

Ich würde jedenfalls verstehen, dass das zunächst nicht erfolgt ist und die Suche erstmal in dem Wald vorgenommen wurde.


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18.05.2018 um 13:28
@SCMP77

Trotzdem wundert es mich irgendwie. Wie stark faellt der Grund denn in Ufernaehe ab? Waren die Boote am Anleger zugaenglich?

Die Polizei hat ein normalerweise ein Protokoll, dem man in solchen Faellen folgt. Das basiert einfach nur auf Erfahrungswerten. Wenn ein Maedchen nicht zuhause ankommt, und man sicher festgestellt hat, dass es sich nicht bei Freunden oder auf irgendeinem Spielplatz befindet, und es dunkel wird, und es auch keine Vorgeschichte gibt, dh dass das Kind frueher noch nie weggelaufen ist, dann wird die Wegstrecke abgesucht, und da vor allem auch Boeschungen, Strassengraeben, Gebuesch am Wegesrand. Das muss schnell gehen, denn es koennte sich ja um einen Fahrradunfall handeln, mit einem verletzten und bewusstlosen Opfer.

Zeitgleich schrillen natuerlich auch die Alarmglocken, dass es sich hier um ein Toetungsdelikt handeln koennte. Hier geht man dann auch erst einmal von der normalen Wegstrecke aus, und sucht zunaechst mal nach dem Fahrrad, denn das haette ein Taeter nicht mitgenommen.

Nun findet man das Fahrrad, es ist dunkel, und dann arbeitet man sich von diesem nun doch wahrscheinlichen Tatort weiter vor. Erfahrungsgemaess will ein Taeter zwei Dinge, das Opfer verstecken, und nicht mit dem Opfer gesehen werden. Das moechte er, damit er nicht gefasst wird. Auch wenn er nur ein paar Stunden gewinnt, so steigt dadurch doch seine Chance, unbeobachtet zu fliehen und sich vielleicht sogar noch ein Alibi zu verschaffen.

Er steckt also in diesem Dilemma. Weiter weg transportieren heisst bessere Chancen, die Leiche zu verbergen, aber auch das Risiko, gesehen zu werden. Und Erfahrungsgemaess sind hier Gewaesser besonders beliebte Orte, eine Leiche schnell loszuwerden, und damit eine Menge Zeit zu gewinnen.

Die Polizei haette also, nach Fund des Fahrrades normalerweise zuerst davon ausgehen sollen, dass die Leiche im Ammersee ist, oder alternativ in einem Umkreis von vielleicht hundert Metern im Wald irgendwo grob verscharrt oder hastiv mit Aesten bedeckt.

Die zweite Moeglichkeit waere, dass sie mit einem Auto weiter weg transportiert worden sein koennte. Hier kaemen Waldgebiete so im Umkreis von vielleicht mal zehn Kilometern in Frage. Mit einem Auto haette der Taeter ein aehnliches Problem wie mit einer Leiche ueber der Schulter. Weiter weg heisst bessere Moeglichkeit der Verschleierung, aber auch die Gefahr, mit der Leiche im Kofferraum irgendwo erwischt zu werden.

So, wie es die ersten beiden Tage aussah, haette sich die Suche auf einen relativ kleinen Umkreis um den Tatort konzentrieren muessen, und den See. Dazu wuerden sie im Hintergrund alle einschlaegig bekannten Kinderschaender der Region ueberpruefen, und noch andere Waldgebiete im Umkreis.

Es wuerde fuer den Taeter ein ziemliches Risiko bedeuten, die Leiche mit einer Schaufel vor Ort zu vergraben. Man wuerde eher von einem hastigen Verscharren ausgehen, oder einem Taeter, der ein bereits vorhandenes Loch kannte, zB einen Schacht oder aehnliches.

Das Vorgehen der Polizei finde ich einfach nur ungewoehnlich. Es muss irgendwelche Hinweise gegeben haben, dass sich das Kind weiterhin in diesem Waldstueck befand. Und das ist uebrigens bei Entfuehrungsfaellen auch meistens nicht der Fall. Da wird das Opfer weiter weg transportiert, tot oder lebendig, ansonsten wuerde die Erpressung ja gar nicht funktionieren.


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18.05.2018 um 14:57
@AnnaKomnene

Wenn das Entführungsopfer weiter verbracht worden wäre, wären Suchaktionen aussichtslos gewesen. Einen gewissen Hinweis hatten die Ermittler schon. Da es ein Lebendbeweis nach dem Verschwinden nie gegeben hat, war die Annahme, dass das Opfer direkt nach dem Verschwinden umgebracht worden war, nicht ganz fernliegend. Und unter diesem Gesichtspunkt ist die nähere Umgebung des Entführungsortes eine Option.

Da sogar der Ort des geplanten Festhaltens nicht all zuweit vom Entführungsort entfernt war, haben die Ermittler vermutlich nicht angenommen.
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:Es wuerde fuer den Taeter ein ziemliches Risiko bedeuten, die Leiche mit einer Schaufel vor Ort zu vergraben. Man wuerde eher von einem hastigen Verscharren ausgehen, oder einem Taeter, der ein bereits vorhandenes Loch kannte, zB einen Schacht oder aehnliches.
Ich schätze so etwas ähnliches haben die Ermittler auch angenommen. Bei dieser Suche dürfte ihnen dann aber dieser künstlich arrangierte Ort aufgefallen sein. Ich glaube, dass die Suche selber auch nur recht oberflächlich war.


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18.05.2018 um 23:20
@AnnaKomnene
@2r2n
Zitat von AnnaKomneneAnnaKomnene schrieb:Das Vorgehen der Polizei finde ich einfach nur ungewoehnlich. Es muss irgendwelche Hinweise gegeben haben, dass sich das Kind weiterhin in diesem Waldstueck befand
Ursula war nachmittags beim Turnunterricht, anschließend besuchte sie noch ihre Cousine in Schondorf. Da es ihr erster Tag am Gymnasium war ist es kein Wunder, dass es ein bisschen später wurde, die Mädels werden einiges an Gesprächstoff gehabt haben. Um viertel nach 7 kam der Anruf ihres Vaters, als sie um 8 noch nicht da war, begannen er und sein Bruder den Weg abzusuchen. Erst anschliessend wurde die Polizei alarmiert.
Es gibt in den Medien aber noch die zweite Variante, dass die Eltern sofort die Polizei angerufen haben, aber von den Beamten beschwichtigt wurden.

(2r2n möge mich bitte korrigieren wenn das nicht den Tatsachen entspricht)

Zunächst wäre einmal auch ein Unfall plausibel gewesen. Der Abhang am rechten Wegesrand fällt ziemlich steil zum See ab. Wer dort mit dem Rad hinunterstürzt tut sich mit Sicherheit ziemlich weh. Haben die Einsatzkräfte bis 23 Uhr auch dort gesucht?

Gegen 23 Uhr wurde dann das Fahrrad gefunden, ordentlich an einen Baum gelehnt (Ordnung musste offenbar sein). Ab diesem Zeitpunkt war klar dass es sich um ein Verbrechen handeln muss.

- Frage: Die Polizeihunde die es gefunden haben, haben offenbar eine Spur verfolgt. Warum nur bis zum Rad und nicht weiter bis zur Kiste? Um auf deine Frage zu kommen: Vielleicht gab es noch Spuren in den Wald hinein, die sie verfolgt haben, sodass klar wurde dass sie irgendwo hier gewesen sein musste?

Anschliessend suchte eine Hundertschaft an Polizei das Waldgebiet ab und wurde dabei auch durch Hubschrauber unterstützt. Sieht eigentlich ganz professionell aus, jedenfalls im Vergleich zu dem, was dann folgte (das reinste Drehbuch zu "Kottan ermittelt"). Normalerweise wird ein Suchgebiet in Sektoren unterteilt, die nach und nach von einer jeweiligen Einheit abgesucht werden. Trotzdem war es ein Wunder dass die Kiste gefunden wurde. Die Stelle muss derart unzugänglich gewesen sein dass nicht mal die Revierjäger dort hineingingen. Ein Beamte trat mehr durchh Zufall auf die Decke und entdeckte die Kiste, die er zunächst für ein Erddepot von Wilderern hielt. Sonst wäre die Kiste womöglich erst später einmal beim Ausforsten entdeckt worden.

- Die rotbraune Decke stammte nachweislich von einem Sonderverkauf aus dem Jahr 1980 (limitierte Auflage) Warum gab es keine Fahndungsfotos davon bzw. wurde intensiver unter den Käufern ermittelt?

- Was hatte Ursula in der Kiste an? Ihre Sportsachen sicher nicht. Wo ist dann der Turnbeutel hingekommen?

Gruß EK


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

19.05.2018 um 00:02
@robernd

Ich habe mal eine Frage zur Physik. Inwieweit wuerde sich in einer solchen geschlossenen Kiste CO2 unten absetzen? Wuerde das ueberhaupt passieren, oder wuerde die Luft durch den Atem und Thermik, also durch die Koerperwaerme, soweit verwirbelt, das man das vernachlaessigen kann?

Ich kenne es eigentlich nur von Hoehlen oder Bergwerken, dass sich dort gefaehrliche Mengen an CO2 in Bodennaehe ansammeln koennen (daher der obligatorische Vogelkaefig am Boden), das waere aber eher eine Ausduenstung aus der Erde und daher wahrscheinlich schon einmal sehr viel hoeher konzentriert.

Und in welchem Masse wuerden sich "Lagen" von irgendwelchen Gasen in einer solchen Kiste bilden, zB auch von Sauerstoff?


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