Rätselhafter Mord an Norbert Stolz, 23. Juni 1989
gestern um 13:00Ja, es ist schon richtig, dass ein Auffliegen des Schmuggelringes für die beteiligten Soldaten gravierende Konsequenzen gehabt hätte. Das ist keine Frage. Und es ist auch keine Frage, dass man bei ungeklärten Fällen kein Motiv zu 100% ausschließen kann. ABER: Es gibt nun einmal Motive, die (deutlich) wahrscheinlicher sind als andere und - umgekehrt - Motive, die (deutlich) weniger wahrscheinlich sind als andere. Und woher wissen wir (und die Polizei), welche Motive für ein Tötungsdelikt wie wahrscheinlich sind? Wir wissen es (grob) aus der Analyse vergangener Tötungsdelikte. Und da zeigt sich:Gast_01 schrieb am 25.07.2026:Auch auf die Frage, warum jemand wegen des Umschlages von vermeintlichen "Kleinigkeiten" mordet, so sollte man sich vor Augen führen, dass nach der Entdeckung einer solchen Tat eine BW-Karriere für Zeit- oder Berufssoldaten vorbei wäre.
Die "Beseitigung" von Zeugen, die - als unbescholtene Normalbürger - zufällig Kriminelle beim Schmuggeln oder anderen kriminellen Aktivitäten beobachtet haben, ist ein Motiv, das im echten Leben unglaublich selten ist. Ich kann nicht mit genauen Zahlen aufwarten, da die Motive die Täter, ja nirgendwo statistisch erfasst werden. Aber Ihr könnt Euch ja alle mal fragen, ob Ihr (also TrueCrime-Kenner mit überdurchschnittlichem Wissen über Mord und Totschlag) überhaupt nur einen einzigen Fall nennen könnt, in dem so etwas passiert ist. Einen Fall in einem zivilisierten Land, in dem ein Menschenleben etwas wert ist, und in dem die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten irgendwo bei 95% +- 3% liegt (wie eben z. B. in Deutschland). Wenn Ihr einen Fall kennt, wäre ich sehr interessiert daran. Und wenn Ihr zwei kennt, erst recht - wobei auch zwei Fälle aus fünf Jahrzehten nicht dafür sprächen, dass es sich um ein besonders häufiges Motiv handelt.
Und das ist ja erst der Anfang, denn auch die Kriminalitätsform "Schmuggler-Ring in Kaserne" dürfte nach allem was wir wissen, auch extrem selten sein. Auch hier kenne ich persönlich keinen Fall, nicht einmal einen aus grauer Vorzeit. Aber ich lade Euch auch hier gerne ein, mal in Eurem Gedächtnis zu kramen. Vielleicht findet Ihr etwas.
In der Summe wird hier also ein sehr seltenes Verbrechen (Schmuggeln in Kaserne) unterstellt, das auf eine empirisch seltene Weise "verdeckt" werden soll (Sofort-Ermordung eines Normalos). Eine niedrige Wahrscheinlichkeit mit einer anderen niedrigen Wahrscheinlichkeit multipliziert ergibt eine Wahrscheinlichkeit, die nicht gleich 0 ist, aber sich scharf darauf zu bewegt. Mir ist das zuwenig, um da lange drüber nachzudenken. Mich interessieren eher Motive, von denen wir aus Erfahrung wissen, dass sie bei Tötungsdelikten oft im Spiel sind: Rache, Eifersucht, Liebeswahn, Enttäuschung, Kränkung, Neid und Habgier - wobei die Habgier hier vermutlich keine Rolle spielt, weil es beim Opfer unseren Wissens nach kaum etwas zu holen gab. Dass Opfer und (vielleicht auch) Täter Soldaten waren, bedeutet ja nichts zwangsläufig, dass die Tötung etwas mit dem Soldatendasein oder dem Kasernenleben zu zu hatte.


