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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

457 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Sexualverbrechen, BAO Cold Cases ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

10.12.2025 um 21:40
@Coscoroba das Gegenteil ist der Fall. Die ganze Argumentation hier im Forum ist völlig auf den aktuellen politisch korrekten Zeitgeist fokussiert, der am Rand aller Spielplätze nur Pädophile lauern sieht, so dass er die Realität einer Zuwanderer-Enklave in einem Dorf der achtziger Jahre komplett ausblendet oder als rassistisch abzutun versucht.
Zitat von MehlfensMehlfens schrieb am 28.11.2025:Es gibt viele Parallelen zu dem hier beschriebenen Fall in der Türkei:
https://www.dw.com/de/mord-an-kind-in-der-t%C3%BCrkei-das-schweigende-dorf-tavsantepe-in-der-n%C3%A4he-von-diyarbakir/a-70268000

Die Winterlit-Siedlung in Neuenrade war eine rein türkische Enklave von Familien aus Bafra. Die Ermittler konnten die kulturelle Mauer des Schweigens nicht durchbrechen
Ausdrücklich ausgenommen von dieser einseitigen Sichtweise ist @blackeagle der die Dinge differenziert betrachtet und zu bedenken gab, dass es unwahrscheinlich ist, wenn sich ein solcher Sühnemord gegen ein Mädchen richtet. Das ist ein starkes Argument gegen meine Hypothese.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

10.12.2025 um 22:17
Der zitierte Beitrag von blackeagle wurde gelöscht. Begründung: Antwort auf gelöschten Beitrag
Das ist zumindest einer der intelligenteren Versuche, meine unbequemen Wahrheiten in die rechte Ecke zu stellen. Er entkräftet aber die Korrektheit meiner Argumentation nicht.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

10.12.2025 um 22:22
Der zitierte Beitrag von Coscoroba wurde gelöscht. Begründung: Antwort auf gelöschten Beitrag
Wir haben nicht viele Informationen. Auf den ersten Blick mag es wie ein Sexualmord erscheinen, aber das könnte auch vorgetäuscht sein. Zumindest würde ich das nicht ausschließen. Ein Sexualverbrechen ist natürlich auch im Bereich des Möglichen. Zeynep könnte auch ungewollt Zeugin von etwas geworden, was sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht sehen sollte. Aber einen Racheakt kann ich ebenfalls nicht ausschließen, da ich viel zu wenig Hintergrundinformationen habe. Nun könnte man annehmen, dass sich niemand stellvertretend an einem kleinen Kind rächt. Aber trifft der Mord an einem kleinen Kind die ganze Familie nicht besonders hart?


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

11.12.2025 um 09:57
Warum zur damaligen Zeit niemand mit den Ermittlern kooperieren wollte, hatte wahrscheinlich den Hintergrund dass niemand in Kontakt mit der Polizei stehen wollte. Oft ist es so dass Zeugen schon Dinge beobachtet haben von denen sie dachten diese seien nicht relevant und haben sich erst später der Polizei anvertraut bis dann raus kam dass die damalige Sichtung doch von Bedeutung war.
Auch in diesem Fall kann es gut möglich sein dass vielleicht Dinge beobachtet wurden die nie bis hin zu den Ermittlern gelangt sind aufgrund der Angst ihr Name könnte in Verbindung zur Polizei stehen. Angst vor Ausgrenzung innerhalb der Community und vor allem auch die Angst wieder in die Heimat zurück zu müssen.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

11.12.2025 um 11:19
Zitat von dergärtner01dergärtner01 schrieb:Warum zur damaligen Zeit niemand mit den Ermittlern kooperieren wollte, hatte wahrscheinlich den Hintergrund dass niemand in Kontakt mit der Polizei stehen wollte. Oft ist es so dass Zeugen schon Dinge beobachtet haben von denen sie dachten diese seien nicht relevant und haben sich erst später der Polizei anvertraut bis dann raus kam dass die damalige Sichtung doch von Bedeutung war.
Auch in diesem Fall kann es gut möglich sein dass vielleicht Dinge beobachtet wurden die nie bis hin zu den Ermittlern gelangt sind aufgrund der Angst ihr Name könnte in Verbindung zur Polizei stehen. Angst vor Ausgrenzung innerhalb der Community und vor allem auch die Angst wieder in die Heimat zurück zu müssen.
Du hast die Situation wirklich zusammenfassend dargestellt. Auch ich befürchte, dass es genau gewesen sein könnte. Insofern hoffe ich, dass viele nach so vielen Jahren, sich bereit erklären Aussagen zu machen.


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11.12.2025 um 11:32
Zitat von dergärtner01dergärtner01 schrieb:Warum zur damaligen Zeit niemand mit den Ermittlern kooperieren wollte, hatte wahrscheinlich den Hintergrund dass niemand in Kontakt mit der Polizei stehen wollte. Oft ist es so dass Zeugen schon Dinge beobachtet haben von denen sie dachten diese seien nicht relevant und haben sich erst später der Polizei anvertraut bis dann raus kam dass die damalige Sichtung doch von Bedeutung war.
Auch in diesem Fall kann es gut möglich sein dass vielleicht Dinge beobachtet wurden die nie bis hin zu den Ermittlern gelangt sind aufgrund der Angst ihr Name könnte in Verbindung zur Polizei stehen. Angst vor Ausgrenzung innerhalb der Community und vor allem auch die Angst wieder in die Heimat zurück zu müssen.
Da stimme ich dir zu. Aus meiner Sicht ist die Aussage nachvollziehbar als andere, die eher aus einer voreingenommenen Perspektive getroffen werden. Mein Eindruck ist, dass manche hier vorschnell urteilen und ein entsprechendes Siegel vergeben, ohne ausreichend Fakten abzuwarten.


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11.12.2025 um 11:36
Fakten gibt es halt in diesem Fall bisher sehr wenige. Immerhin hat die Präsentation des Falles bei AZ XY in den letzten Wochen zu weiteren Hinweisen und zur Nennung von Namen geführt.

Inwieweit man nach knapp 40 Jahren nun in der Lage ist, einer Person tatsächlich eine Tatbeteiligung nachzuweisen, wird spannend zu sehen sein.

Hinsichtlich des Verhaltens damals passen die Ausführungen von @dergärtner01 sehr gut ins das Bild rein.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

11.12.2025 um 12:13
Zitat von dergärtner01dergärtner01 schrieb:Warum zur damaligen Zeit niemand mit den Ermittlern kooperieren wollte, hatte wahrscheinlich den Hintergrund dass niemand in Kontakt mit der Polizei stehen wollte. Oft ist es so dass Zeugen schon Dinge beobachtet haben von denen sie dachten diese seien nicht relevant und haben sich erst später der Polizei anvertraut bis dann raus kam dass die damalige Sichtung doch von Bedeutung war.
Auch in diesem Fall kann es gut möglich sein dass vielleicht Dinge beobachtet wurden die nie bis hin zu den Ermittlern gelangt sind aufgrund der Angst ihr Name könnte in Verbindung zur Polizei stehen. Angst vor Ausgrenzung innerhalb der Community und vor allem auch die Angst wieder in die Heimat zurück zu müssen.
Ja, ich finde, genauso kann man sich das sehr gut vorstellen.

Ich denke, dass das auch ein dynamischer Prozess war und nicht gleich bei allen ab dem ersten Ermittlungstag Vorbehalte bestanden haben. Das man eventuelle Beobachtungen anders/falsch einschätzt und vor allem auch, dass man niemanden aus dem eigenen Bekanntenkreis so eine Tat zutraut und auch vor diesem Hintergrund Beobachtungen anders interpretiert, ist doch einfach nur menschlich und hat nichts damit zu tun, dass es hier um Menschen mit türkischen Wurzeln ging. Das hätte damals (und auch heute!) in jeder Siedlung, in der nur Deutsche leben, genauso passieren können: dem Nachbarn, dem Verwandten, dem Freund, dem Arbeitskollegen traut man so eine Tat einfach nicht zu, vor allem, wenn man prinzipiell gut mit denen auskommt und sie immer nett und freundlich waren.
Man will selbst nichts mit der Polizei zu tun haben und will auch niemanden Scherereien einbrocken, weil man ihn ungerecht verdächtigt. Einen Verdacht gegen eine Person aus dem eigenen Umfeld wegen so einer Tat der Polizei zu melden, ist schon ein großer Schritt. Jeder sagt sich: "Also in so einem schlimmen Fall muss man aber doch als Zeuge alles sagen, was man gesehen hat, sowas will doch keiner decken!" Wenn man die Tat beobachtet hat oder jemand einem die Tat gestanden hat, ganz sicher, aber es geht eben oft auch um vage Vermutungen, um Beobachtungen, die auch durch ander harmlose Gründe erklärt werden können, um Dinge, die nicht quantifizierbar sind (z.B. Verhaltensänderungen nach der Tat, die einfach auch damit zusammenhängen, dass alle von so einem Ereignis erschüttert sind).
Man hört es doch auch immer wieder, dass Familien, in denen jemand vermisst wird oderjemand zum Opfer einer Straftat wurde, sich darüber ärgern, dass die Polizei angeblich wertvolle Zeit damit verschwendet hat, in der Familie und im direkten Umfeld des Opfers zu ermitteln, statt den mysteriösen unbekannten Mister X zu jagen, der zufällig auf der Durchreise war und dabei eine Straftat begangen hat. Ich denke, dass das hier auch eine Rolle gespielt hat, gerade weil das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Siedlung durch die familiären Bezüge, die gemeinsame Herfkunft aus einer türkischen Stadt und durch das relative Abgeschottetsein gegenüber den Deutschen (einmal rein geographisch durch die Lage der Siedlung am Stadtrand und dann auch durch die Sprachbarriere) recht groß war und man es dann als unfair, ungerechtfertigt, nicht zielführend empfunden hat, dass die Polizei offensichtlich vor allem innerhalb der Gemeinschaft nach einem Täter sucht. Das wird dann schnell dadurch interpretiert und erklärt, dass die Polizei Vorurteile gegen Türken/ Ausländer hat. Und auch das kann dann im Laufe der Zeit dazu führen, dass man allgemein ungern mit der Polizei zusammenarbeitet, sich von denen nicht ernst genommen und als Mitglied der Gemeinschaft auch vorverurteilt fühlt.
Hinzu kommen eben noch, wie schon angesprochen, die Angst, vielleicht ausgewiesen zu werden, die Arbeitsstelle und damit auch das Aufenthaltsrecht zu verlieren, wenn man allzuviel mit der Polizei zu tun hat. Das muss nicht tatsächlich juristisch so gewesen sein, aber ich denke dass es solche Ängste, egal ob real begründet oder irrational eben durchaus gegeben haben kann.
Und eben die Sprachbarriere, die selbst mit Dolmetschern ein Problem und eine weitere Beeinträchtigung bei der Zusammenarbeit mt der Polizei darstellt.

Dass es in der türkischen Gemeinschaft in der Winterlit also Vorbehalte gegen die Polizei gab und da, wie es oft heißt "gemauert" wurde, kann man also denke ich als gegeben ansehen. Aber ich bin der Meinung, dass man das nicht zwangsläufig so interpretieren darf, dass die einige (oder sogar alle) in der Gemeinschaft wussten und wissen, wer der Täter ist und diesen decken. Das ist ein Trugschluss und Interpretationen, dass die schlechte Zusammenarbeit belegt, dass es "ein Ehrenmord war", dass "die türkische Mafia dahintersteckt, die de Familie durch die Ermordung Zeyneps einschüchtern wollte", dass "die Türken das schon nach ihren eigenen Gesetzen und Regeln geregelt und gesühnt haben" etc. sind ziemlich an den Haaren herbeigezogen und zeugen tatsächlich von Vorurteilen gegenüber anderen Kulturkreisen, in die man selbst wenig Einblick hat.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

11.12.2025 um 16:25
Zitat von GrillageGrillage schrieb:Man will selbst nichts mit der Polizei zu tun haben und will auch niemanden Scherereien einbrocken, weil man ihn ungerecht verdächtigt. Einen Verdacht gegen eine Person aus dem eigenen Umfeld wegen so einer Tat der Polizei zu melden, ist schon ein großer Schritt. Jeder sagt sich: "Also in so einem schlimmen Fall muss man aber doch als Zeuge alles sagen, was man gesehen hat, sowas will doch keiner decken!" Wenn man die Tat beobachtet hat oder jemand einem die Tat gestanden hat, ganz sicher, aber es geht eben oft auch um vage Vermutungen, um Beobachtungen, die auch durch ander harmlose Gründe erklärt werden können, um Dinge, die nicht quantifizierbar sind (z.B. Verhaltensänderungen nach der Tat, die einfach auch damit zusammenhängen, dass alle von so einem Ereignis erschüttert sind).
Zitat von GrillageGrillage schrieb:Hinzu kommen eben noch, wie schon angesprochen, die Angst, vielleicht ausgewiesen zu werden, die Arbeitsstelle und damit auch das Aufenthaltsrecht zu verlieren, wenn man allzuviel mit der Polizei zu tun hat. Das muss nicht tatsächlich juristisch so gewesen sein, aber ich denke dass es solche Ängste, egal ob real begründet oder irrational eben durchaus gegeben haben kann.
Und eben die Sprachbarriere, die selbst mit Dolmetschern ein Problem und eine weitere Beeinträchtigung bei der Zusammenarbeit mt der Polizei darstellt.
Diese Zusammenfassung ist sehr interessant. Ich versetze mich in die Rolle eines Jugendlichen oder eines jungen Vaters (es kann auch eine ältere Person sein), der in ein fremdes Land kommt, die Sprache kaum beherrscht, dort wenig Anerkennung und Wertschätzung für die eigene Person und für Menschen mit ähnlichem Hintergrund erfährt und versucht, sich eine neue Existenz aufzubauen.

In diesem Zusammenhang werde ich Zeuge oder beobachte etwas, das sich als Information erweist, die damals möglicherweise wichtig und ausschlaggebend gewesen wäre. Wie bereits oben von @Grillage verschiedene mögliche Gründe für Ängste genannt worden sind, könnte auch dies erklären, warum der mögliche Zeuge damals eventuell nicht gesprochen hat.

Möglicherweise wohnt der potenzielle Zeuge inzwischen nicht mehr in Neuenrade und hat deshalb nicht erfahren, dass der Fall neu untersucht wird, oder die betreffende Person lebt nicht mehr. Auch dieses Szenario ist vorstellbar.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

11.12.2025 um 16:43
Zitat von blackeagleblackeagle schrieb:Möglicherweise wohnt der potenzielle Zeuge inzwischen nicht mehr in Neuenrade und hat deshalb nicht erfahren, dass der Fall neu untersucht wird, oder die betreffende Person lebt nicht mehr. Auch dieses Szenario ist vorstellbar.
Oder er ist zurü ck in die Heimat gegangen.
Und wenn ich jetzt mal so überlege, selbst Deutsche in Deutschland tun sich schwer die Polizei zu rufen oder mit ihnen zu reden, aus welchen Gründen auch immer. Und wenn ich mir vorstelle ich wäre in einem für mich fremden Land, spreche die Sprache nicht oder nur gebrochen,und es ist auch kein Vertrauen da vielleicht aus persönlichen Gründen, dann würde ich mich auch sehr schwer tun , mit der Polizei zusprechen.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

15.12.2025 um 14:24
Bei der Suche nach vergleichbaren Taten im Zusammenhang mit dem Fall Zeynep bin ich auf einen Fall in Frankreich aus dem Jahr 1984 gestoßen, ebenfalls in einem kleinen Dorf. Dazu gibt es mehere Dokumentation, die ich bereits gesehen habe, sowie eine Verfilmung. In diesem Fall wurde ein vierjähriger Junge getötet und auch in der Nähe des Elternhauses aufgefunden. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Was mich besonders verwundert. Das mediale Interesse war dort deutlich größer und ist teilweise bis heute weiterhin sehr präsent. Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage, warum der Mord an Zeynep nicht in ähnlichem Ausmaß medial aufgegriffen wurde und offenbar weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Hätte eine stärkere mediale Berichterstattung damals möglicherweise zu mehr öffentlichem Druck und damit zu intensiveren Ermittlungen geführt? Wie schätzt ihr das ein?

Quelle:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/wer-hat-den-kleinen-gregory-getoetet-grausamer-mordfall-laesst-frankreich-nicht-los-li.5034
https://www.stern.de/panorama/verbrechen/der-fall-gr%C3%A9gory--mord-an-vierjaehrigem-laesst-frankreich-nicht-los-9091006.html
Wikipedia: Affäre Gregory
Wikipedia: Murder of Grégory Villemin


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

15.12.2025 um 18:47
Zitat von blackeagleblackeagle schrieb:Bei der Suche nach vergleichbaren Taten im Zusammenhang mit dem Fall Zeynep bin ich auf einen Fall in Frankreich aus dem Jahr 1984 gestoßen, ebenfalls in einem kleinen Dorf. Dazu gibt es mehere Dokumentation, die ich bereits gesehen habe, sowie eine Verfilmung. In diesem Fall wurde ein vierjähriger Junge getötet und auch in der Nähe des Elternhauses aufgefunden. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Was mich besonders verwundert. Das mediale Interesse war dort deutlich größer und ist teilweise bis heute weiterhin sehr präsent. Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage, warum der Mord an Zeynep nicht in ähnlichem Ausmaß medial aufgegriffen wurde und offenbar weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Hätte eine stärkere mediale Berichterstattung damals möglicherweise zu mehr öffentlichem Druck und damit zu intensiveren Ermittlungen geführt? Wie schätzt ihr das ein?
Meiner Ansicht nach lag das weniger an der Tat selbst, sondern an den Umständen. Viele Gastarbeiterfamilien waren damals sehr zurückhaltend, hatten Angst vor Behörden und wollten nicht auffallen. Das führte dazu, dass kaum Öffentlichkeit gesucht wurde.

Hinzu kommt, dass auch die Familie die Sache später offenbar nicht mehr aktiv öffentlich verfolgt hat, vermutlich aus Erschöpfung, Resignation oder dem Wunsch nach Ruhe. Ohne medialen Druck, ohne öffentliche Präsenz und ohne Eskalation geriet der Fall zunehmend in Vergessenheit. Für mich zeigt das, wie schnell stille Fälle verschwinden, obwohl das Leid genauso groß ist.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

16.12.2025 um 06:15
Zitat von GrillageGrillage schrieb am 11.12.2025:sind ziemlich an den Haaren herbeigezogen und zeugen tatsächlich von Vorurteilen gegenüber anderen Kulturkreisen, in die man selbst wenig Einblick hat.
...an den Haaren herbei gezogen oder einfach Realität aus der Schublade "sowas kann sich der Gutmensch aus der bürgerlichen Mitte nicht vorstellen, also gibt es so etwas nicht.". Beides möglich. Ich habe beruflich sehr sehr viel zu tun mit anderen Kulturkreisen und es ist mit Nichten so dass es immer(!) so ist wie von XY dargestellt, dass in so einer Siedlung (Haus, Gegend, Familie, ....) immer eitel Sonnenschein ist und jeder jeden mag und supportet etc. pp.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

16.12.2025 um 10:14
Zitat von blackeagleblackeagle schrieb:Das mediale Interesse war dort deutlich größer und ist teilweise bis heute weiterhin sehr präsent. Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage, warum der Mord an Zeynep nicht in ähnlichem Ausmaß medial aufgegriffen wurde und offenbar weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Hätte eine stärkere mediale Berichterstattung damals möglicherweise zu mehr öffentlichem Druck und damit zu intensiveren Ermittlungen geführt? Wie schätzt ihr das ein?
Das ist ein Punkt, den ich in diversen Threads, in denen es um französische Fälle geht, immer wieder aufgreife: der riesige Unterschied zwischen der Berichterstattung in Frankreich zu der in Deutschland. In Deutschland rutscht jeder Fall ganz schnell von Seite 3 auf Seite 49, bis er ruckzuck von der Bildfläche verschwindet. Der deutschen Presse ist jeder umgefallene Sack Reis in China bemerkenswerter. In Frankreich wird die ganze Nation vollumfänglich in Kenntnis gesetzt.

Exemplarisch hier aus dem Thread Delphine Jubillar:
Zitat von JamesRockfordJamesRockford schrieb am 07.10.2025:Und für mich zeigt sich wieder der große Unterschied zu Deutschland, wo ein solcher Prozess in einem Zweispalter in der regionalen Presse erwähnt wird. In Frankreich geht die ganze Nation mit. Auch die überregionalen Zeitungen berichten detailliert.
Den von Dir genannten Fall Gregory kennt in Frankreich jeder.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

16.12.2025 um 10:35
Zitat von FL106772FL106772 schrieb:Ich habe beruflich sehr sehr viel zu tun mit anderen Kulturkreisen und es ist mit Nichten so dass es immer(!) so ist wie von XY dargestellt, dass in so einer Siedlung (Haus, Gegend, Familie, ....) immer eitel Sonnenschein ist und jeder jeden mag und supportet etc. pp.
Ein Beginn einer Ermittlung gibt es immer einen Generalverdacht auf dem Umfeld des Opfers, auch dann, wenn die nähere Umgebung des Opfers einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Rassistisch wäre es nur von vorneherein andere Möglichkeiten auszuschließen als eine Tat, die mit der kulturellen Herkunft zu tun hat. Apropos Rassismus. Die Opfer haben in der Regel selbst Migrationshintergrund. Auch es könnte auch zu Rassismus fuehren, wenn aus Gründen politischer Correctness bei Taten, die auf fragwürdigen Traditionen beruhen, weggesehen wird, nur weil die Täter Migrationshintergrund haben. Oder gelten die Menschenrechte gelten für Opfer mit anderen kulturellen Hintergrund nicht?


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Zitat von blackeagleblackeagle schrieb am 29.11.2025:. Zum einen war die Gemeinschaft damals in Deutschland noch relativ neu, um eine solche Tat auf europäischem Boden zu planen, das Risiko erwischt zu werden, wäre zu hoch,
Wenn es so gewesen wäre, wäre der Täter bis jetzt jedenfalls auf freien Fuß.
Zitat von JamesRockfordJamesRockford schrieb am 10.12.2025:Auf den ersten Blick mag es wie ein Sexualmord erscheinen, aber das könnte auch vorgetäuscht sein. Zumindest würde ich das nicht ausschließen. Ein Sexualverbrechen ist natürlich auch im Bereich des Möglichen.
Was könnte der Grund sein, wenn es kein sexueller Übergriff gewesen wäre?

Aber vielleicht hatte er auch schlicht Angst, das Mädchen könne ihn belasten und sie wurde als Zeugin ausgeschaltet.

Könnte es nicht auch ein Täter sein, der mal dort gewohnt hat und daher wusste, dass alles relativ frei zugänglich ist. Dann könnte er von außen kommen sein, türkische Sprachkenntnisse haben und sich daher ohne Sprachbarriere dem Mädchen genähert haben.

-Wenn die Räume so frei zugänglich waren, könnte auch jemand das Taschenmesser nicht direkt aus der türkischen Teestube entnommen habe, sondern zum Beispiel aus einem der Kellerräume.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

16.12.2025 um 16:30
Zitat von JamesRockfordJamesRockford schrieb am 10.12.2025:Auf den ersten Blick mag es wie ein Sexualmord erscheinen, aber das könnte auch vorgetäuscht sein.
Viele Verbrechen auf dieser Welt könnten vorgetäuscht sein - aber die allerwenigsten sind es. Deshalb sollten wir auch hier zunächst mal annehmen, dass es sich wahrscheinlich um die Art von Verbrechen handelt, nach der es aussieht. Wir sollten uns nicht darauf versteifen, klar, und für andere Erklärungen offen bleiben, aber die Pädophilie-Hypothese muss doch unsere erste und wichtigste Arbeitshypothese sein.

Nicht so die Mehrheit der Diskutanten hier: Sie favorisiert hitzig eine Hypothese (z. B. Rachemord), die statistisch deutlich unwahrscheinlicher ist, und für die es zudem nicht den geringsten konkreten (= materiellen) Anhaltspunkt gibt. Einfach mal grundlos die gesammelten Erfahrungen der Kriminalistik auf den Kopf stellen und die Ausnahme zur Regel erklären - warum nicht? Und dann auch noch denen, die, die sich an den echten, schwarz-auf-weiß dokumentierten Wahrscheinlichkeiten orientieren, vorwerfen, sie verschlössen die Augen vor der sog. "Realität".

Stellt Euch doch mal ehrlich die Frage: Wieviel Prozent der halbnackt und ermordet aufgefundenen fünfjährigen Mädchen sind in der deutschen Kriminalgeschichte Opfer von a) Pädophilen oder b) "Rachemördern, die einen Sexualmord vortäuschen" geworden? Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber ich bin mir doch ziemlich sicher, dass die pädophilen Täter hier, sagen wir, einen gewissen Vorsprung haben.

Höfliche Bitte: Bitte verschont mich von weltanschaulich-politischen Reaktionen auf meinen unpolitischen Kommentar. Ich würde gerne bei dem konkreten Kriminalfall und dessen kriminalistischer Betrachtung bleiben.


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16.12.2025 um 17:30
Zitat von CoscorobaCoscoroba schrieb:
Zitat von JamesRockfordJamesRockford schrieb am 10.12.2025:Auf den ersten Blick mag es wie ein Sexualmord erscheinen, aber das könnte auch vorgetäuscht sein.
Viele Verbrechen auf dieser Welt könnten vorgetäuscht sein - aber die allerwenigsten sind es. Deshalb sollten wir auch hier zunächst mal annehmen, dass es sich wahrscheinlich um die Art von Verbrechen handelt, nach der es aussieht. Wir sollten uns nicht darauf versteifen, klar, und für andere Erklärungen offen bleiben, aber die Pädophilie-Hypothese muss doch unsere erste und wichtigste Arbeitshypothese sein.
Da mein Zitat aus dem Kontext und dem Zusammenhang gerissen wurde, fühle ich mich nicht angesprochen. Aus meinem damaligen Text ist eindeutig zu erkennen, dass ich keine Hypothese ausschließe.

Aber nett, dass du die erste und wichtigste Arbeitshypothese für uns festlegst.

Aus der Diskussion bis ich sowieso raus.


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Mord an der fünfjährigen Zeynep I. in Neuenrade (NRW), 1986

16.12.2025 um 22:06
Zitat von WMWM schrieb:Was könnte der Grund sein, wenn es kein sexueller Übergriff gewesen wäre?

Aber vielleicht hatte er auch schlicht Angst, das Mädchen könne ihn belasten und sie wurde als Zeugin ausgeschaltet.

Könnte es nicht auch ein Täter sein, der mal dort gewohnt hat und daher wusste, dass alles relativ frei zugänglich ist. Dann könnte er von außen kommen sein, türkische Sprachkenntnisse haben und sich daher ohne Sprachbarriere dem Mädchen genähert haben.

-Wenn die Räume so frei zugänglich waren, könnte auch jemand das Taschenmesser nicht direkt aus der türkischen Teestube entnommen habe, sondern zum Beispiel aus einem der Kellerräume.
Ich glaube nicht, dass das Messer von Anfang an als Tatwaffe gedacht war. Eher, dass ein sexueller Übergriff geplant war, der aber aus irgendeinem Grund abgebrochen oder gestört wurde. Möglich ist auch, dass es schon vorher über längere Zeit zu körperlichen Übergriffen wie Berührungen kam und der Täter in dieser Nacht seinen Drang nicht mehr kontrollieren konnte.

Dieses Mal hat sich das Mädchen vielleicht gewehrt oder etwas gesagt, das ihm Angst gemacht hat. Aus Wut, Kontrollverlust oder Angst, erkannt zu werden, ist die Situation dann eskaliert und er hat sie getötet. Das würde eher zu einer spontanen Eskalation passen als zu einer lange geplanten Tat.


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17.12.2025 um 11:08
Zitat von JamesRockfordJamesRockford schrieb:Da mein Zitat aus dem Kontext und dem Zusammenhang gerissen wurde, fühle ich mich nicht angesprochen. Aus meinem damaligen Text ist eindeutig zu erkennen, dass ich keine Hypothese ausschließe.
Du warst auch nicht angesprochen, denn ich hatte durchaus gelesen, dass Du keine Hypothese ausschließt. Zitiert habe ich Dich auch nicht, um Dir irgendetwas vorzuwerfen, sondern weil mir das mit den vorgetäuschten Verbrechen ein guter Einstieg in die Wahrscheinlichkeits-thematik schien, über die ich in meinem Post schreiben wollte und geschrieben habe.

Aus dem Kontext reißen wollte und konnte ich dabei aus meiner Sicht nicht viel, denn es ging mir ja nicht darum, Deine gesamte Meinung zu dem Fall darzustellen (und dann zu kritisieren), sondern es ging mir um das Thema "vorgetäuschte Verbrechen", das Du mit Deinem Satz dazu angetextet hattest. Was Du geschrieben hast, ist ja auch nicht falsch, denn bekanntermaßen gibt es vorgetäuschte Verbrechen bzw. vorgetäuschte Motive - sie sind eben nur extremst selten. Das war mein Aufhänger.

Es tut mir leid, dass Du Dich angegriffen fühlst. Es war wirklich nicht so gedacht ...


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17.12.2025 um 19:44
Zitat von JamesRockfordJamesRockford schrieb:Das ist ein Punkt, den ich in diversen Threads, in denen es um französische Fälle geht, immer wieder aufgreife: der riesige Unterschied zwischen der Berichterstattung in Frankreich zu der in Deutschland. In Deutschland rutscht jeder Fall ganz schnell von Seite 3 auf Seite 49, bis er ruckzuck von der Bildfläche verschwindet. Der deutschen Presse ist jeder umgefallene Sack Reis in China bemerkenswerter. In Frankreich wird die ganze Nation vollumfänglich in Kenntnis gesetzt.
Leider bekommt der Fall von Zeynep jetzt aktuell auch nicht die Aufmerksamkeit, die es bräuchte und gerät dadurch schnell wieder in Vergessenheit. Ich denke, dass größerer medialer Druck dabei helfen könnte, mögliche Mitwisser oder Zeugen besser zu erreichen, insbesondere diejenigen, die nicht mehr in Neuenrade leben. Ich finde es sehr schade, dass der Fall wenig Beachtung findet. Meiner Meinung nach gehört dieser Mord zu den besonders kaltblütigen Taten in Deutschland und würde entsprechend mehr Aufmerksamkeit verdienen.


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