@JoachimFranz :
JoachimFranz schrieb:Auffallend bei den Beiträgen hier ist, dass fast keiner an die Jugendlichen als Täter glaubt, während die Polizei das seit 45 Jahren sehr wohl glaubt.
Wenn man den Fall S.H., 1981, isoliert betrachtet, was die Polizei über die ganze Zeit getan hat, dann kann man sehr leicht auf den Gedanken verfallen, dass ein ungewönhlicher Vorgang ( Gruppe Jugendlicher zerrt eine weibliche Jugendliche herum, die ruft um Hilfe ) die Vorstufe zu einem Mord ( eine weibliche Jugendliche wird ermordet aufgefunden ) war. Absolut verständlich, naheliegend
aber nicht automatisch
zwingendDie neuere Entwicklung in dem Fall, nämlich die Verbindung zum Fall Marion Baier, 1973 wirft, aber hierbei zwangsläufig Fragen auf. Wenn man aus der in mittlerweile zwei, acht Jahre auseinanderliegenden Fällen, aufgefundenen DNS schließt, dass die vom Täter stammt, dann fällt ein Jugendlicher als Täter rechnerisch mit hoher Wahrscheinlichkeit raus. Selbst der ominöse "Chrissy", Mopedfahrer, jüngster "Tatumfeldbekannter" aus dem Fall M.B., wäre acht Jahre älter und damit kein "Jugendlicher" mehr gewesen.
Damit rutschen die Jugendlichen von 1981 ganz deutlich aus der ersten Reihe der Verdächtigen raus und man muss auch den zeitlichen Ablauf nicht zurechtbiegen. Das ist natürlich kein 100%iger Ausschluss, aber man kann sich etwas beruhigen.
JoachimFranz schrieb:Wenn das Mädchen, das durch Thingers geschleift wurde, nicht SH war, warum hat sie sich dann nie bei der Polizei gemeldet? Keine Anzeige, dass es von Jugendlichen angegriffen wurde, nichts den Eltern und Freundinnen erzählt.
Abgesehen davon, dass "gezerrt" nicht "geschleift" ist, muss sich das Mädchen gar nicht ernsthaft "angegriffen" gefühlt haben. Man beachte die zunehmende Dramatisierung, Aufregung der Wortwahl.
JoachimFranz schrieb:Mit dem Begriff "harmlos eingeschätzt" wäre ich vorsichtig. Ich bin da eher bei "mangelnder Zivilcourage". Ich weiß nicht wie Sie dazu kommen Hilferufe eines Mächens, das von einer Gruppe Jugendlichen abgeführt wird in die Rubrik "harmlos" einzuordnen. Was hätte denn das Mädchen noch rufen sollen, damit sie die Situation nicht in Rubrik "harmlos" einordnen?
"Abgeführt", jetzt komm´ mal runter. "Mangelnde Zivilcourage" ist eher heute ein beklagenswertes Phänomen, im Süddeutschland der 80er-Jahre habe ich das so nicht in Erinnerung. Wenn ich mal fragen darf: Was
hat denn das Mädchen gerufen ( wörtlich bitte ), wenn Du schon fragst, was es denn "noch" hätte rufen sollen?
Bitte auch bei der Betrachtung dieses Fallaspekts nicht eine evtl. im Filmfall dargestellte Szene 1:1 übernehmen.
Die Anwohner haben das als eine harmlose Rangelei, als ein nach einem Fest etwas aus dem Ruder gelaufenes "Fangerles"-Spiel eingestuft. Da wird schon mal gejuchzt, gekreischt oder auch "Hilfe" gerufen. Zu dieser Zeit kein Grund zum Alarm. Dass sowas
heute etwas anders betrachtetet werden muss, ist ebenfalls bedauernswert.
Dass sich kein anderes Mädchen im Nachgang gemeldet hat, ist ebenfalls kein zwingender Grund dafür, dass es sich um S.H. gehandelt haben muss.
Abgesehen davon, dass die Situation nicht ernsthaft bedrohlich gewesen sein
muss, kann es sein, dass die Betreffende nur in den Ferien in Kempten war, zwischen Ereignis und Fahndungsbeginn weggezogen ist, aufgrund von Alkoholgenuss keine oder eine verzerrte Erinnerung an die Nacht hatte, Ärger mit Eltern befürchtete, wenn die Polizei kontaktiert wurde, vielleicht heimlich so spät noch unterwegs war und Strafe fürchtete und was der Dinge mehr sein mögen.
Jetzt, also nach all´ den Jahren kann es allen Beteiligten in Vergessenheit geraten sein, ja sie müssen nicht mal mehr leben.
MfG
Dew