Shiloh schrieb:Ich denke, der Mann war völlig verzweifelt.
Grundsätzlich stimme ich zu, dass in diesem Fall vieles für eine mögliche Selbsttötung zu sprechen scheint. Andererseits bin ich der Meinung, dass sich die Gesellschaft gerade dann nicht mit diesem Deutungsmuster zufrieden geben kann, wenn erstens der Verbleib des Mannes völlig ungeklärt ist, und zweitens gerade nicht, wie in vergleichbaren Fällen, das Verschwinden "nicht in Verbindung mit einer Straftat steht".
Ganz offensichtlich wurde nämlich unbefugt Geld vom Konto des Mannes abgehoben, und auch wenn die genaue Höhe des Betrages letztlich unerheblich ist, handelt es sich bei EUR 1000,- auch heute noch um eine ganze Menge Geld. So lange man den Geldabheber nicht identifiziert hat. kann man auch nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass hier jemand eine Karte samt PIN gefunden hat, und einfach nur die Gunst des Augenblicks dazu ausgenutzt hat, sich fremdes Geld anzueignen.
Kein Leichenfund und eine unberechtigte Geldabhebung, und ich vermute, dass die Polizei auch weitere Gründe, die sie uns freilich nicht offenlegen muss, dafür hat, den Fall im Rahmen von Aktenzeichen XY zu präsentieren.
Dass sich die Geldforderung letztlich als Fehler erwiesen hat, ist natürlich ein besonders tragischer Umstand, wenn diese dann unberechtigte Forderung ursächlich für das Verschwinden des Mannes sein sollte. Hier sollte man vielleicht noch erwähnen, auch wenn der Filmfall anderes dargestellt hat, dass gerade ältere Menschen hier oft fälschlich von einer realen Person ausgehen, die ihnen eine Rechnung sendet oder Forderungen erhebt - und man sich oft durch Telefonschleifen und Callcenter quälen muss, bis man überhaupt jemanden persönlich in der Angelegenheit sprechen kann. Oft handelt es sich um "Computerfehler", für die keine konkrete Person verantwortlich zu machen ist.
Die Resilienz älterer Menschen gegen die Tücken und Widrigkeiten des Alltags nimmt oft ab - die Beobachtung, dass sich gerade die Menschen, die objektiv über die meiste Zeit verfügen, über Verzögerungen oder Pannen am meisten aufregen, deutet in diese Richtung.
Dennoch bleibt für mich unklar, ob der Vorfall mit der Nachforderung der Krankenversicherung überhaupt in Zusammenhang mit dem Verschwinden steht. Der Filmfall hat das Einsteigen in einen Zug zumindest für möglich gehalten - aber eben auch dargestellt, dass die Polizei Pavo M. auf den Überwachungsvideos nicht identifizieren konnte. Geruchsspur kontra Ü-Kamera - hier steht quasi "Aussage gegen Aussage".
Wenn ich es recht erinnere, ist Pavo M. im Filmfall erst 2022 in den Ruhestand getreten - sein Verschwinden könnte also durchaus noch etwas mit seinem Beruflseben zu tun haben, das dann zum Zeitpunkt des Verschwindens noch nicht so weit zurücklag.