Lanza schrieb:Die WELT Autorin Fatina Keilani hält obige Themen diskussionswürdig als Konsequenz aus der Tat
Bin eher kein WELT-Leser und sehe auch die aktuelle politische Richtung, NGOs einschränken zu wollen, teilweise kritisch. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass es in dem Bereich völligen Wildwuchs gibt. NGOs finde ich sinnvoll in den "Staaten", die nicht wirklich funktionieren, "failed states". Oder in Staaten, die funktionieren, aber in Bereichen, die den Staat nicht interessieren, Beispiel foodwatch.
Aber in dem Bereich hier sehe ich den Sinn in Parallelstrukturen nicht. Alles an Fragen in diesem Bereich könnte von Fachleuten bei Jugend- und Sozialämtern abgedeckt werden. Wer als Klient das Gefühl hat, nicht richtig behandelt zu werden, kann sich einen spezialisierten Anwalt nehmen. Man kann Widerspruch gegen Entscheidungen einlegen, der Anwalt kann einen beraten, ggf. gibts Prozesskostenbeihilfe. Eigentlich gibt es alles. Parallel wird aber eine undurchschaubare Masse an Vereinen, die sich um irgendetwas kümmern, aufgezogen. Wenn man in diesem Zusammenhang von den Jahresetats liest, da kann einem als Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst im gleichen Themenfeld nur Unglauben befallen.
Wenn man im Umfeld Jugendhilfe in einer neuen Stadt zu Arbeiten anfängt, braucht man erstmal längere Zeit, bis man weiß, wer überhaupt noch in der Region i.R. von Vereinen mitmischt und was deren Arbeit taugt. Der Bereich ist m.E. schlecht kontrolliert, sowohl was Finanzierungen als auch Qualifikationen angeht. Manche leisten tolle Arbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aber eben nicht alle. Auf der einen Seite gibts die pensionierte Lehrerin, die ohne je einen Cent zu sehen mit ihren Lesebüchern durch die Kindergärten tingelt und auf der anderen Seite scheint es Vereine zu geben, deren Führungspersonen sich Managergehälter aus der freien Wirtschaft auszahlen. Im Bereich der Obdachlosenhilfe gabs um 2010 den Skandal um die "Treberhilfe".
Treberhilfe Berlin 2010. Ich glaube, solche Dinge sind eher die Spitze vom Eisberg und in dem Bereich wird zu wenig hingeschaut.