321meins schrieb:Eigentlich müssten sich Leute aus der Umgebung doch auch gefreut haben dass sich wieder jemand um den Hof kümmert und etwas daraus macht. Zusehen wie alles verwildert und die Gebäude verfallen ist doch bestimmt auch nicht schön würde ich denken.
Das ist logisch gedacht, geht aber an der Wirklichkeit auf dem Land völlig vorbei.
Ich komme aus der Stadt und wohne jetzt im Dorf und wundere mich seitdem nur noch. Hier steht ein sehr altes und sehr großes Haus, das unter Denkmalschutz steht, als ganz normales Familien-Wohnhaus nicht zu benutzen, da viel zu groß. Das wurde von dem Besitzer, der Gemeinde, für einen Spottpreis zum Verkauf angeboten und keiner wollte es, schätzungsweise 10 Jahre lang. Dann kaufte es ein "Auswärtiger" (bedeutet: jemand, der 50 km weiter weg wohnt). Die Leute hier waren stinksauer, ich habe mehr als einmal gehört: "na dann hätte ich es ja auch kaufen können". Auf die Frage, warum derjenige es denn nicht gemacht habe, gab es natürlich keine Antwort. Der Käufer ist dann aber (vermutlich zu seinem Glück) nie eingezogen, sondern verkaufte es seinerseits zum doppelten Preis, der immer noch extrem niedrig war für so ein Gebäude. Das ist inzwischen gefühlt auch so an die sechs, sieben Jahre her, und junge Birken wachsen aus den Treppenstufen. Nichts geschieht. Warum, ist (mir) nicht ganz klar, aber vermutlich gibt es keinen Plan, was mit dem Haus zu machen ist, der den neuen Besitzer und die Gemeinde gleichzeitig befriedigt.
Die "Logik" dahinter ist: Das Haus steht in dem Dorf, also gehört das Haus "eigentlich" dem Dorf. Wenn der Besitzer ein seit vielen Generationen zugehöriger Dorfbewohner ist, gibt es da auch keine Differenzen. Anders, wenn man als Fremder dort ein Haus kauft (also ein altes; neu gebaut ist was völlig anderes). Du bist dann schon irgendwie der Besitzer, aber die ansässigen Leute haben trotzdem das Gefühl, dass das ja eigentlich "ihr" Haus ist. Klar, nicht auf dem Papier und nicht offiziell und sie würden das so eindeutig auch nicht sagen, aber von ihrem Gefühl her ist das schon so.
Ich kann mir die Atmosphäre rund um DE's Hof gut vorstellen. Da pachtet jemand von "woanders her" den Hof, der 10 Jahre leer stand und macht auch noch was draus. Und zwar "alternativ", also kein Hotel o.ä., was der Gemeinde indirekt zugute käme (Letzteres besonders wichtig). Das kann, je nachdem wie konservativ die Umgebung ist, böses Blut geben, auf jeden Fall, das kann hochexplosiv sein.