Mordfall Hinterkaifeck
gestern um 16:19Das muss nicht zwangsweise so sein. Aus den Geschichten geht nicht hervor, welche Funktion dieser deutschsprachige Offizier hatte, bzw. dessen Zugehörigkeit. Wenn er vom NKWD oder NKGB war, dann dürften die Akten noch mit Sperrfrist belegt sein, gerade dann, wenn er Kriegsgefangene und Zivilisten liquidiert hat oder deren Liquidierung angeordnet hat oder daran beteiligt war, gerade im Rahmen der "Deutschen Operation" oder den Betrieb der "Speziallager" in der SBZ ab 1945.MissMietzie schrieb:Wenn Karl Gabriel tatsächlich nach Russland deportiert oder dort irgendwo registriert worden wäre, wäre es aber vermutlich schon der Fall, dass sich Spuren in den deutschen Akten, Militär‑ oder Zivilregistraturen finden lassen würden.
100 Jahre Sperrfrist, ist man beim Jahre 2045, manchmal werden zu Personen auch die Sperrfristen ab Todestag der Person an festgelegt, 75, 80 oder 100 Jahre. Da ist man dann auch schnell nach 2050. Zu Jelzins Zeiten, war die Aufarbeitung minimal angefangen, Sperrfristen noch lange nicht abgelaufen. Unter der jetzigen Administration, deren Präsident der Sowjetunion nachtrauert und glorifiziert sowie den Zerfall selbiger bedauert und gerne rückgängig machen möchte, brauch man vor Ablauf der Existenz der Administration nicht damit rechnen, dass solche Akten freigegeben werden. "Denn die Sowjetunion hat glorreich, sauber und voller Ehre das Deutsche Reich besiegt." (So ähnlich wird man morgen sicher wieder zu hören bekommen.) Da könnte in solchen Akten nur störendes zu finden sein.
Es gab ja zig tausende Emigranten aus Deutschland nach dem ersten Weltkrieg ins Zarenreich und dann in die Sowjetunion, gerade als der rechte Terror immer stärker wurde, sind eben Linke oder Kommunisten dort hin gegangen. Ein Großteil der DDR-Gründungs-Oberen lebte ja lange in der Sowjetunion.
Dass es solche Geschichten gab, durchaus. Ich würde es nicht mal verneinen, dass es genau diese beschriebene Begebenheit gab, auch dass der Offizier behauptete, er sei Karl Gabriel und der Mörder. Kann man aber eher dahin verorten, dass er aus der Gegend stammt, vom Fall damals gehört hat, und da die Gefangenen dann auch aus seiner Herkunftsregion waren, diese Aussage getätigt hat, um von seiner wahren Identität abzulenken. Und auch so ein psychologisches Spiel: "Seht her, ich hab schon brutal sechs Menschen, darunter zwei Kinder ermordet. Ich kann das auch mit euch machen. Also schätzt euch glücklich, dass ich euch gehen lasse."
Aber Karl Gabriel? Tendenz im Pomillebereich. Natürlich gabs 50-60 Jahre später auch erfolgreiche Desertierungen im Vietnamkrieg, wo die Deserteure die Marken mit denen gefallener Kameraden tauschten, und, sofern nicht schon ansich beim zu Tode kommen geschehen, dafür gesorgt, dass man am Gesicht nicht viel erkennen kann. Gabs sicher im ersten und im zweiten Weltkrieg, aber er wurde ja doch recht eindeutig identifiziert.
