Jular schrieb:So etwas könnt ich mir gut vorstellen, gerade so kurz nach dem Krieg
Eigentlich wollte ich auf dieses Altmaterial ja gar nicht eingehen, aber diese Geschichte ist vollkommen hirnverbrannt und zeigt höchstens, dass guter Journalismus offenbar schon 1999 sehr selten geworden war. Die üblichen Geisterkarl-Geschichten wollen uns ja weismachen, dass er seinen Tod 1914 nur vorgetäuscht habe, dann pfiffigerweise desertiert und vier Jahre lang untergetaucht sei (wobei man sich fragt, warum das nicht Millionen getan haben, wenn es doch scheinbar so einfach war). Aber Oma Öhme stellt das locker in den Schatten, denn ihr Karl bleibt nach seinem vorgetäuschten Tod noch vier Jahre an der Westfront und kämpft unerkannt weiter mit! Das nenne ich Pflichtbewusstsein! Und obwohl er schon 1914 fiel, bekam er ein Jahr später noch ganz offiziell Heimaturlaub bewilligt. Als er dann später laut diesem Märchen einfach die Identität eines Toten annahm, fiel dies keinem Menschen aus dem Umfeld der beiden Soldaten jemals auf. Kameraden, Vorgesetzte und Angehörige waren wohl entweder von Blindheit geschlagen oder haben diese Heldentat gemeinschaftlich gedeckt. Nur rechnen konnte der Karle nicht, denn Weihnachten 1915 wunderte er sich über die Schwangerschaft seiner Frau, obwohl das Kind zu diesem Zeitpunkt schon ein Jahr alt war. (Diese Klage würde übrigens auch an Weihnachten 1914 keinen Sinn ergeben, denn der Krieg begann bekanntlich im August, und Cäzilia hielt keineswegs den damaligen Weltrekord als 5 Monats-Frühchen.) Also, Oma Öhme, geh mal schön wieder zurück zum Bridgeturnier mit meiner Erna und lass dir von unserm Nachbarn Günter erzählen. Der hat auch allerhand Wundersames erlebt.