megavolt schrieb:Es ist ja nicht ganz klar m.W., wie der Schreitest ausgegangen wäre, wenn definitiv die Verbindungstüren offen gewesen wären. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dann nichts hört. So groß und verwinkelt ist das Anwesen ja nicht gewesen.
Ja, in der Tat. Insgesamt schade, dass dieses Detail, bei geschlossener Tür oder nicht, nicht explizit Eingang in den Bericht gefunden hat.
Auf irgend eine Weise ist es ihnen gelungen, eine Person nach der andern durch den Stall bis zu der Türe, die in den Stadel führt, zu locken und dort niederzuschlagen. Selbst wenn die Person, die gerade im Stadel niedergeschlagen wurde, schrie, so konnte das in der Mägdekammer u.im Schlaf- u.Wohnzimmer nicht gehört werden. Es wurden mehrere Hörproben vorgenommen, der Richter begab sich in die Mägdekammer u. in das Wohnzimmer u. ließ durch zwei Personen an der Stelle im Stadel, wo die Leichen gefunden worden waren, ein mächt. Geschrei aufführen. Die Uhr des Richters und der Personen war vorher genau auf die Minute gleich eingestellt u. genau zur verabredeten Zeit wurde geschrien. Von den Schreien war weder in der Mägdekammer noch im Wohnzimmer irgend etwas zu hören.
Quelle:
https://wiki.hinterkaifeck.net/wiki/Berichte:_1922-04-06_Wiessner_Konrad,_OberamtsrichterVielleicht kann man den Text aber auch so angehen, indem man die Aussageintention des Berichtsverfassers beleuchtet, trotz bzw. eben wegen dieser unvollständigen Faktenlage des Berichts.
Letztlich scheint es dem Verfasser des Berichts ja darum gegangen zu sein, dass es auf die Ermittler verwunderlich gewirkt hat, warum eine Person nach der anderen überhaupt in den Stadel bzw in die Falle gelockt werden konnte, wenn diese doch durch die Geräusche gewarnt gewesen wären. Eine Erklärung wäre die gewesen, dass eben keine Geräusche im Wohnbereich zu hören gewesen waren, trotz offener Türen, was man durch den Schreitest eben erklären bzw messbar bestätigen wollte.
Es ist doch eigentlich davon auszugehen, dass die Ermittler ihren damaligen Möglichkeiten entsprechend weitestgehend professionell vorgingen, wenn sie schon akribisch einen Schreitest durchführten, mit Zeitmessung und Allem. Bzgl des Schreitests, waren sie auch mWn erfahren genug.
Es könnte zumindest so gewesen sein, vielleicht aufgrund eines lauten Geräuschpegels im Stall selbst durch die Kühe oder durch die holz- und lehmartige Beschaffenheit der Wände und Böden, dem herum liegenden Heu, Stroh, etc, dass Schreie im Wohnbereich trotz offener Tür nicht hörbar waren.