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Mordfall Hinterkaifeck

47.732 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Bauernhof, Hinterkaifeck ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Mordfall Hinterkaifeck

Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 01:15
Zu dem Satz: "Dös wär ja no scheener" - das ist ein neutraler Ausruf des Erstaunens und passt eigentlich immer als Lückenfüller statt der Stoiberschen Ähhhs, wenn man etwas hört, was man momentan nicht einsortieren kann oder es für unglaubwürdig hält. Daher würde ich diesem Satz keine Bedeutung zumessen.

AngRa, Deine Einschätzung bezüglich des unehelichen Kindes teile ich nicht. Es gab damals sehr viele sogenannte illegale Kinder, Verhütung gabs nicht und Abtreibungen waren zu riskant, zu teuer und außerdem kam man dafür in die Hölle. Uneheliche Kinder waren nicht erbberechtigt, von daher hatte LTV ja auch keine Probleme mit den eigenen Kindern zu erwarten, es gab das Wort Umgangsrecht noch gar nicht und regelmäßige Alimente mussten ja auch nicht erbracht werden. LTV konnte ja auch gar nicht sicher sein, ob er nicht doch der Vater des Kindes war. Viel interessanter in dem Zusammenhang finde ich eigentlich, dass LTV dann eine neuerliche Inzestanklage ins Rollen brachte - was hat ihn dazu bewogen? War das lediglich ein geschickter Schachzug, um die Abfindungssumme, die für den kleinen Josef zu bezahlen war, aus den Grubers/Gabriels rauszuholen? Gesellschaftlich gesehen hat er sich damit nämlich zum Deppen gemacht - er schläft mit der Vic, die wird schwanger und anschließend kommt raus, dass sie zeitnah auch noch Verkehr mit ihrem Vater hatte, das lässt LTV nicht gerade als umwerfenden Liebhaber erscheinen, sondern das ist ja fast schon so, als habe Vic ihm Hörner aufgesetzt. Und obwohl ihm klar gewesen sein muss, dass das durch die Anzeige ins Blickfeld der örtlichen Stammtischbüder geraten muss, hat er sich dieser Blöße hingegeben.

Wem gegenüber kann LTV so verpflichtet gewesen sein, ein Treffen dieses Unbekannten mit Vic zu arrangieren? Offensichtlich war es ja niemand aus der näheren Umgebung, denn wenn LTV Haus und Hof hüten musste, um dem Täter die Flucht zu ermöglichen (je länger, desto besser), dann hätte ja irgendjemand aus den Reihen der näheren Umgebung fehlen müssen. Und darüber ist doch nichts bekannt, oder?


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 09:46
>>Zu dem Satz: "Dös wär ja no scheener" - das ist ein neutraler Ausruf des Erstaunens und passt eigentlich immer als Lückenfüller statt der Stoiberschen Ähhhs, wenn man etwas hört, was man momentan nicht einsortieren kann oder es für unglaubwürdig hält. Daher würde ich diesem Satz keine Bedeutung zumessen.<<




Dieser Satz ist mir persönlich nicht geläufig, das sagt aber weiter nichts.
Er zeigt allerdings, daß ich Recht hatte, als ich neulich davon schrieb,
daß man bei er Beurteilung des HK-Falles nicht auf die Berücksichtigng lokaler Eigenheiten verzichten kann.
Das Beispiel zeigt ja, daß ansonsten aus einer an sich bedeutungslosen Floskel
schnell ein messerscharfes Indiz für einen Mörder wird.

Überhaupt scheint es sich beim LTV um einen Persönlichkeitstyp zu handeln,
den ich selbst noch erlebt habe, der aber in einer Welt nahezu ausgestorben ist,
die mehr und mehr von stromlinienförmigen Mainstreamleuten dominiert wird.

Ich meine diesen Typ Mensch, der noch ohne unsere Massenmedien groß geworden worden ist, dessen Leben nur Arbeit war und der durch Krieg und andere Schicksalsschläge gezeichnet war. Dieser Typ Mensch reagiert vorallem in Ausnahmesituationen aus unserer heutigen Sicht eher außergewöhnlich.

Irgendwie muss der LTV aber eine Persönlichkeit gewesen sein,
sonst hätte er es ja nicht bis zum Ortsführer gebracht.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 10:54
Vielleicht gibt es Regionen Bayerns, wo man "Dös waar ja no scheener!" als "neutralen Ausruf des Erstaunens" auffassen kann.

Im Regelfall dürfte es aber die Erwiderung auf eine angetragene Zumutung sein.

Viel Gewicht würde ich der Äußerung aber nicht geben, selbst wenn sie mir nicht ganz passend erscheint. Das kann aber der Situation geschuldet sein.

Ob das mit der Anspannung und Überforderung des LTV zusammenhängt, auf dem Nachbarhof im Stadel vier Leichen zu entdecken, oder mit der Anspannung und Überforderung, den großen Staatsschauspieler zu geben, kann (wie immer) jeder für sich beurteilen.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 11:05
Nachtrag zu meinem gestrigen Beitrag zur Aussage von Michael Plöckl, (teilweise) wiedergegeben durch Staatsanwalt Pielmaier:

Auffällig erscheint auch, daß Pielmaier keine Uhrzeit angibt. Dabei wäre es durchaus von Bedeutung, ob sich der Vorfall (beispielsweise) um 20:00h oder um 23:00h zugetragen hat.
Man könnte dies als weiteres Indiz ansehen, daß hier nicht sauber zitiert wird, z.B., weil Pielmaier die Aussage zum Zeitpunkt der Niederschrift nicht unmittelbar vorliegen hatte, sondern diese lediglich aus dem Gedächtnis zusammenfasst.


@all

In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob denn Reingruber in seinem siebenseitigen Bericht die Beobachtungen Plöckls erwähnt!?
In München liegen die ersten vier Seiten dieses Berichts nicht mehr vor - anscheinend aber in Augsburg!?


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 11:29
Ich würde den satz so deuten: " Spinnst jetzt?"


geschauspielert???


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 14:29
Meine Meinung dazu ist folgende:


"Dös wär ja no scheener" bedeutet, dass man das, was der andere sagt, so nicht ganz glauben mag, es 'abtut', es als falsch, unsinnig, unmöglich etc. zurückweist. Der Satz ist irgendwie von dem abhängig, was zuvor gesprochen wurde, "noch schöner" ist ja eine Steigerung: dem Satz ist bereits eine geringfügige Meinungsverschiedenheit vorausgegangen, und dann wird eine weitere Bemerkung abqualifiziert - noch unmöglicher als das, was der andere eben gesagt hat. Die 3 Auffindungszeugen werden zuvor alles mögliche besprochen haben, insbesondere:

* warum sind die Gruber/Gabriel so stumm, die letzten Tage - vielleicht verreist?
* dürfen sie da 'einbrechen' (immerhin wurde ja ein Tor beschädigt)
* was werden sie da finden? Wenn niemand da ist, was bedeutet das dann?
* was können die Konsequenzen ihres Tuns sein (vorallem, wenn die Gruber/Gabriel nur verreist sind)

Dass sie auf 6 Leichen stossen, damit haben sie ziemlich sicher nicht fest gerechnet, es aber vielleicht - ausgesprochen oder nicht - in ihren Gedanken erwogen. Vielleicht haben sie auch einen Unfall erwogen, Kohlenmonoxidvergiftungen ganzer Familien durch undichte Kamine gibt es ja sogar heute noch (Ein Dahinraffen durch Krankheit eher nicht, denn dann hätte es in den 4 Tagen noch Notsignale aus HK gegeben)

Die Stimmung der 3 vor dem Auffinden (!) nach kann ich mir vorstellen, dass sie eine Mischung war aus etwas "mulmig und auf Überaschungen gefaßt", etwas "schaun wir mal dann sehen's wir schon" und "mal was neues, beim Nachbarn offiziell eine Türe aufzubrechen" - jedenfalls nicht unbedingt todernst, eher mit einer firschen Prise Humor - eher so "dass wir mal auf HK einbrechen haben wir uns auch nicht gedacht".

Die 3 werden vielleicht auch unterschiedliche Meinungen gehabt haben: von "das geht uns nichts an" bis "wir müssen da unbedingt nachschaun". Die ängstlichen werden nachgetrottet sein, die (oder der) forschere wird vorausgegangen sein. Vielleicht auch der mit der größten Ortskenntnis.


So gesehen hat der LTV mit der Bemerkung "Dös wär ja no scheener" gesagt, dass er es nicht glaube, dass da ein Fuß ist. (natürlich nur, bis er ihn selbst gesehen hat).


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 14:37
Treffend und sehr schön erklärt Münchner!


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 14:55
Es ist natürlich schon weit hergeholt, von einem einzigen Satz auf alles zu schließen. Aber es könnte wirklich so sein, dass der LTV erstmal nicht glaubte, dass da was schlimmes passiert ist, und von anderen gedrängt wurde, nachzusehen. Da passt in dieses Bild, dass er - wenn ich das richtig in Erinnerung habe - erstmal die Buben hinschickt, die solln nachschaun. Das macht man, wenn man selbser unwillig ist, schlimme Ahnungen als dummes Zeug ansieht und doch gedrängt wird: "was meinst Du denn???". Soll nicht doch der Ortsvorsteher nachschaun? Der reagiert dann so halbherzig, "ich sag´s den Buam, die solln mal vorbeischaun, ich selber kümmere mich nicht um das dumme getrasch der Leute", vielleicht auch etwas "ich doch nicht, ich der berühmte Kini ... ähm ... Ortsvorsteher von Gröbern". Dann sieht der Plöckl einen Fuß im Stadl und er reagiert: "Dös wär ja no scheener"

Als sich der 6xMord herausstellt, ist er natürlich blamiert - "der L.S. hat´s verpennt, alle haben was geahnt, aber er hat´s wieder mal nicht gecheckt"

Das erklärt dann auch, warum er danach so geschäftig reagiert hat, quasi "Chef" am Tatort, die Obrigkeit vor Ort, d.h. er will sich nicht mit den anderen vom Ort auf eine Ebene begeben, sondern Teil des Obrigkeitsapparates sein.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 14:56
@ Die Nachbarn haben sicher nicht angenommen, dass die Leute von HK verreist waren. Es ist absolut unmöglich, dass eine ganze Familie verreist, wenn Stallarbeit zu machen ist. Es war früher auch nicht üblich, einen Hof mehrere Stunden ganz alleine zu lassen. Und wenn es auf dem Hof z.B. eine Viehseuche gegeben hätte, bei der die Leute auch Ausgehverbot hatten, hätten sie an die Straße ein Schild stellen müssen.
Wenn wirklich keiner der Nachbarn etwas von dem Mord gewußt hat, haben sie vielleicht angenommen, dass alle krank im Bett liegen, vielleicht mit letzter Kraft abwechselnd rauskriechen, um die Kühe notdürftig zu versorgen und dann halbtot wieder zurückfallen.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 15:07
natürlich war es absolut unüblich, doch kann ich mir vorstellen, dass bei wichtigen Dingen (Beerdigungen? Hochzeiten? in der weiteren Verwandtschaft) die ganze Familie weg war, und nur die Magd am Hof war. Die war neu, unbekannt, wohl etwas "unflink", vielleicht scheu, vielleicht ängstlich - die wird halt in der Stube hocken und zusperren.

Sowas könnte man sich gedacht haben? Wobei ja niemand genau 1 Meinung dazu hatte, sondern das nur als eigenartig empfunden hat, und so eine dubiose Meinungswolke dazu in seinem Kopf hatte, was alles möglich war.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 18:20
Ich nehme an dass sich die nächsten Nachbarn schon Gedanken machten, jedoch aufgrund der etwas seltsamen Art der HK`ler nicht reinschneien und sich womöglich noch einen dummen Spruch einfangen wollten.

Zu einem Nachbarn mit dem ich gut stehe schaue ich schnell mal wenn es mir zu ruhig ist, bei einem der den Kontakt nicht sucht und dazu noch griesgrämig ist, überleg ich dreimal, das wird auch damals nicht anders gewesen sein. (behaupte ich jetzt einfach mal ganz dreist)

Dass der LTV den Unterhalt zurückwollte bewerte ich für mich nicht dahingehend dass er sich damit verdächtig macht.
Das Kind war tot, das Geld quasi umsonst, fertig.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 19:41
Dem "Dös waar ja no scheener" messe ich keine große Bedeutung bei.

Eine ganz passende und zu erwartende Wendung war es aber keinesfalls.
Wenn einem jemand mitteilt, daß da eine Leiche liegt, wäre die Formulierung des derberen Zeitgenossen: "Ja mi leckst´ am O****." Etwas ´zurückhaltendere Charaktere´ würden mit einiger Sicherheit "Um Gott´s Wui´n!" oder "Um Himme´s Wui´n!" ausrufen.

Daß der "Fahndungstrupp" nach vier Tagen Ruhe auf HK auf Tote stoßen würde, kann nicht völlig überraschend gewesen sein, auch wenn man das natürlich innerlich von sich schiebt.
Der Blick ging ja auch nicht zufällig in den Dachraum des Stadels, weil man befürchtete, daß die HKer sich aufgehängt haben könnten.

Der LTV soll im übrigen ähnliches schon beim Zusammentrommeln der Nachbarn geäußert/befürchtet haben.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.05.2008 um 20:07
Gute Frage ist das auch mit den 4 Tagen. Das ganze war nach 2 oder 3 Tagen noch nicht so eigenartig, dass das ganze Dorf dortgewesen wäre, um durch die Fenster zu schaun - im Gegenteil eher sehr wenige Personen, und die auch mehr oder weniger nur zufällig im Vorübergehen.

So eine "halbe Erkundungsaktion" - hingehen und vor verschlossenen Türen kehrtmachen - hat es wohl nicht gegeben, ausser durch irgendwelche Buben.

"Der LTV soll im übrigen ähnliches schon beim Zusammentrommeln der Nachbarn geäußert/befürchtet haben."

Gibt es in dieser Quelle auch jemand, der berichtet, ob LTV die treibende Kraft war, oder nur widerwillig mitging? Dass er diese Befürchtung geäußert hat, kann ja auch heissen, dass er damit nur sagte "wir gehen hin, weil xy meint, da ist vielleicht ein Verbrechen geschehen".


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Mordfall Hinterkaifeck

11.05.2008 um 21:31
NEWS über AKTUELLE POLIZEIARBEIT am Fall von Hinterkaifeck!!!

@all:

Sorry für den Reißer-Titel, aber in einem so gut besuchten Forum muß man schon versuchen, etwas zusätzliche Aufmerksamkeit zu erheischen.

Also, es gibt tatsächlich aktuelle Polizeiarbeit zum Mordfall Hinterkaifeck, aber leider etwas anders, als wir alle uns das vorstellen/wünschen würden.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck, Oberbayern, gibt es einen Einödhof namens "Jexhof". nachdem dieser von den letzten Landwirten, die ihn bewirtschafteten, aufgegeben wurde, hat ihn das Landratsamt gekauft und ein Bauernhofmuseum daraus gemacht. Neben der "Bauernhof in alter Zeit"-Dauerausstellung gibt es dort öfters mal spezielle Ausstellungen, oder auch kulturelle Veranstaltungen (Musik/Theater).

Und momentan tatsächlich eine Ausstellung der Polizeifachhochschule FFB zum Mordfall HINTERKAIFECK!

Nachdem ich im LK FFB arbeite, werde ich die Ausstellung mal besuchen, hab's zum Glück nicht weit dorthin. Wenn dort das Fotografieren erlaubt ist, schieß' ich ein paar Bilder und poste sie dann hier, wenn's Euch recht ist.

Hier der Link:
http://www.lra-ffb.de/akt/presse2008/press091.shtml

Dort heißt es u.a., "der Fall wurde neu aufgerollt", kann mir aber kaum vorstellen, daß dabei entscheidend Neues aufkam, sonst wüßten wir es längst.

Ich werde erst übernächste Woche hinfahren, weil ich momentan Urlaub habe, aber die Ausstellung geht noch bis Ende Oktober, also keine Eile. Wie gesagt, Bericht und Fotos kommen dann hier im Forum.

Viele Grüße von

departure


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Mordfall Hinterkaifeck

12.05.2008 um 13:57
@departure

du bist ein schatz "knutsch links und rechts"

das mit dem jexhof ist schon länger bekannt, aber wenn du die gelegenheit hast und es nicht weit weg von dir ist, fahr hin und, wenn möglich, knipse bis die kamera qualmt.
vielleicht bringst du das eine oder andere "neue" auch noch in erfahrung.

viel erfolg und danke für deine bemühungen

liebe grüße hulla


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Mordfall Hinterkaifeck

12.05.2008 um 20:13
@Münchner

Protokolle vom 05.04.1922:

Michael Pöll:
"Am Dienstag den 4.4.22 nachm. gegen 5 Uhr kam der Bauer Lorenz Schlittenbauer zu mir in meine Behausung, daß bei Gabriel sich nicht(s) mehr rühre. Er ersuchte mich dann mit ihr (Anm.: gemeint "ihm") zur (Anm.: oder "zum"?) Gabriel zu gehen. Auch Jakob Siegl schloß sich uns an. Dabei bemerke ich, daß mir schon am 1. und 3.4.22 Im Hause von Gabriel die ausserordentliche Stille aufgefallen ist, insbes. hat sich der dortige Hund nicht mehr gerührt. An den beiden gen. Tagen war ich auf dem Felde in der Nähe von Gabriel beschäftigt."
(...)
Schlittenbauer ging voraus u. zwar auf die Stalltüre zu. Ich sah in dabei etwas stolpern. Ich folgte ihm unmittelbar u. suchte mit meinen Füssen am Boden, weil es schon etwas finster war. Ich stoss dabei an etwas an u. sagte dann zu den beiden Begleitern: "da liegt schon was." Schlittenbauer ging dann etwas zurück u. hob glaublich erst ein Brett auf u. griff dann an einem frei sichtbaren Fuß. Er zog diesen weiter hervor und erkannten wir in der Person den Andreas Gruber. Wir haben dann noch weitere drei Personen unter dem Heu liegen sehen. Das Mädchen lag an der Wand neben der Stalltüre. Er nahm es und legte es etwas rückwärts gegen die Häckselmaschine in der Scheune. Ich und Siegl gingen dann sofort aus der Scheune heraus."

Jakob Sigl:
Am Dienstag den 4.4.22 nachm. gegen 5 Uhr kam in mein Haus der Schlittenbauer u. sagte zu mir, beim Gabriel müße was los sein, entweder haben sie sich aufgehängt oder es ist etwas anderes los.
Ferners erwähnte er noch, daß der Monteur, der den Motor bei Gabriel herrichtete auch niemand treffen noch hören konnte.
(...)
Schlittenbauer stieg über ein Brett zur Stalltür. Ich folgte unmittelbar nach und stieß mit einem Fuße an etwas an. Ich glaubte, es war ein Fuß von einem am Boden liegenden Kalbe. Daraufhin erklärte Pöll: "Da habts ihn schon, das ist der Gruber." Auf dieses hin ging Schlittenbauer wieder zurück, packte den Fuß an und zog ihn hervor." (...)

- Rest folgt -


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Mordfall Hinterkaifeck

12.05.2008 um 20:47
Lorenz Schlittenbauer:

"Ich bin Ortsführer hier in Gröbern Gem. Wangen u. bin mit den Eheleuten Gruber sowie mit deren Tochter der verw. Viktoria Gabriel geb. Gruber gut bekannt gewesen. Letztere hat ein aussereheliches Kind 2 Jahre alt zu dem ich mich als Vater bekannt habe."

L.S. erwähnt dann in seiner Aussage vom 05.04.22 zuerst den Kaffeehändler, der am Samstag, den 01.04.22, bei seiner Frau vorstellig war und berichtet hatte, daß er auf HK niemand angetroffen habe.
Dann berichtet er vom Monteur, der "etwa um 3 Uhr herum" seiner Tochter Viktoria vom reparierten Motor berichtet habe, und daß man dies den HKern ausrichten möge, die er nicht angetroffen habe.

"Dies alles erfuhr ich um die Vesperzeit." Auch die Sache mit dem Kaffeehändler habe ihm seine Frau da erst berichtet.

"Mir ist diese Sache verdächtig vorgekommen u. habe mir gedacht, da muss nachgesehen werden. Ich habe dann meine zwei Söhne Johann Schlittenbauer 16 Jahre alt und Josef Dick 9 Jahre alt beauftragt, sich zu Gabriel zu begeben u. an den Fenstern klopfen u. an den Fenstern in den Zimmern hineinsehen, ob niemand im Hause sei. Ausserdem sagte ich ihnen, wenn sie von der Familie Gabriel jemand sehen, zu sagen, der Motor sei jetzt hergerichtet. Kurz darauf kamen meine Söhne wieder zurück u. gaben an, dass sie Niemand angetroffen haben, dass sie etwas winseln hörten und das Vieh im Stalle schreie.
Ich habe daraufhin meine Nachbarn Michael Pöll und Jakob Siegl veranlasst mit mir in die Behausung des Gabriel zu gehen.
Es war dies am Dienstag den 4.4.22 um 5 Uhr nachm. herum.
(...)
Ich ging voraus gegen die Stalltüre. Vor dieser war Heu gelagert. Ich trat auf dasselbe u. stolperte dabei gegen die Türe. (...) Mein Stolpern beachtete ich nicht weiter. Dagegen rief der hinter mir gehende Pöll: "Da ist ja ein Fuß". Ich erwiderte darauf: "Das wäre ja noch schöner." Ich wendete mich schnell um u. griff nach dem Fusse, zog ihn zurück u. erkannte, dass dies der Andreas Gruber sei.
Ich schaute den Platz näher an und bemerkte dabei, dass noch mehr Personen auf dem Boden liegen. Ich bemerkte dann dann den andern Begleitern ob denn diese Personen schon tot sind u. zog 2 davon, nämlich den Gruber und die Cäzilie Gabriel aus dem Heu hervor. Letztere legte ich ca. 1 1/2 m weiter nach links gegen die Maschine hin. Ich hatte dabei geglaubt, dass der 2 1/2 Jahre alte Josef Gabriel, mein Sohn, auch dabei sein könnte und vielleicht noch zu retten wäre."

(...)

"So viel mir bekannt, war die Familie Gabriel gut situiert. Ich rechne, daß sie etwa 100 000 M Bargeld besassen. Auch Hartgeld dürfte noch in ihrem Besitze gewesen sein. Ferners haben sie auch Pfandbriefe von verschiedenen Banken im Besitze. Der Hinterlegungsort des Geldes und der Wertpapiere ist mir nicht bekannt."
(...)
Wie mir mein Sohn Josef Dick sagte, ist die Cäcilie Gabriel seit Samstag den 1.4.22 nicht mehr in die Schule Waidhofen gekommen."


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Mordfall Hinterkaifeck

12.05.2008 um 21:04
Bernhard Gruber, Bruder von Andreas Gruber, ebenfalls 05.04.1922:

"Ich habe keine Kenntnis ob u. welche Wertsachen, Gold, Silber, Pfandbriefe usw. mein verlebter Bruder Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäcilie, sowie deren Tochter Gabriel besessen haben.
Mein Bruder war in solchen Sachen sehr zurückhaltend u. hat sich mir gegenüber in solchen Sachen nicht ausgesprochen."

Er berichtet dann, daß er seinen Bruder vor sechs und vor zwei Wochen in Schrobenhausen getroffen habe. Vor sechs Wochen habe sein Bruder einen Knecht einstellen wollen, den er auch gesehen habe. Dieser Knecht, den er dann beschreibt, sei aber nicht zu halten gewesen und sei zu seinem früheren Arbeitgeber zurückgekehrt.


Cäzilie Starringer, Tochter von Cäzilia Gruber und Halbschwester von Viktoria Gabriel, ebenfalls 5.4.1922:

"Ich bin nicht in der Lage Angaben zu machen, ob u. welche Wertsachen, Pfandbriefe, Gold, Silber oder sonstiges Vermögen (Anm.: zu ergänzen wäre "die Verstorbenen" o.ä.) besessen haben. Ich habe mich um diese Sachen nicht gekümmert u. die Verlebten selber haben sich hierüber nicht geäusssert."
Im Oktober 1921 habe sie Vikoria Gabriel 5000 M zwecks Ankaufs eines Motors geliehen, im Februar 1922 dann 3000 M: "(...), sie gab an diesen Betrag zum Bezahlen eines Dreschwagens zu gebrauchen, ich habe ihr diesen Betrag auch gegeben."


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Mordfall Hinterkaifeck

12.05.2008 um 21:20
Ein Artikel aus der Zeitung "Bayerischer Kurier" v. 08.04.1922:

(...)

"Am Dienstag, 4. April, reparierte ein Arbeiter den Motor des Kaifeckers, ging dann nach dem nahen Gröbern und erzählte, daß da draussen niemand zu Hause sei und daß das Vieh im Stalle schreie, man solle Mitteilung machen von seiner Arbeit. Ein Bub ging und fand alles verschlossen, sah durch ein Fenster eine Leiche, rannte zurück und machte Lärm. Gröbern rückte aus und fand zunächst ein Stück Vieh von der Kette los...(...)"

Der vollständige Artikel wird - sage ich jetzt mal ;-)) - von ´stalinstadt´ nach seinem Urlaub auf hk.net eingestellt werden.
Viele Angaben in diesem Artikel sind nachprüfbar und korrekt.
Was von der Angabe zu halten ist, der Bub habe eine Leiche gesehen, sei dahingestellt.
Aber eventuell hat er das Bettzeug auf dem Boden gesehen, unter dem die Leiche von Maria Baumgartner lag, und davon berichtet.
L.S. erwähnt dies in seiner Aussage jedenfalls nicht.


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Mordfall Hinterkaifeck

12.05.2008 um 21:54
Jakob Sigl, 10.01.1952:

"Kaum daß ich (Anm.: zwischen 16.00h und 17.00h nach einer Fahrt nach Hohenried) daheim war, kam Schlittenbauer zu mir in die Wohnung und sagte folgendes: "Der Monteur, der in Hinterkaifeck eben gearbeitet hatte, sagte zu mir, daß sich dort niemand rührt und ich glaube, die habens alle erschlagen oder die haben sich aufgehängt." Gleichzeitig forderte Schlittenbauer mich auf, daß ich mit ihm zum Anwesen Hinterkaifeck gehen solle, um Nachschau zu halten. Ich erwiderte ihm, daß ich mit ihm allein nicht zum Anwesen Hinterkaifeck gehe, er solle auch noch den Nachbarn Pöll mitnehmen. Schlittenbauer und ich gingen nun von meiner Wohnung zum Anwesen Pöll. Während ich auf der Straße wartete, ging Schlittenbauer in das Anwesen Pöll. Unmittelbar darauf kamen Schlittenbauer und Pöll zu mir auf die Straße und wir setzten dann unseren Weg zum Anwesen Hinterkaifeck fort."
(...)
"An eine Haustüre oder an ein Fenster sind wir nicht gegangen und haben, wie es allgemein üblich ist, um Einlaß begehrt. Auf Geheiß von Schlittenbauer gingen wir vom Hof aus an das Scheunentor. Dieses war zu, jedoch von innen nicht versperrt. Ich sagte, daß man von hier aus nicht in das Anwesen kommen könne. Schlittenbauer sagte zu kir, ich solle ihm anziehen helfen, das Tor gehe schon auf."

Bei der Beschreibung der Auffindesituation erwähnt er 1952 abweichend zu obigen Darstellungen, daß L.S. auch die Leichen der Fauen bewegt habe. "Eine Beschreibung der Bekleidung der beiden Frauen (Gruber und Gabriel), sowie über deren Verletzungen kann ich keine Angaben machen. Ich weiß nur, daß sämtliche Leichen das Gesicht voll Blut hatten und daß die Frauen Haare in den Händen festhielten."

(Anm.: Das dürfte nicht korrekt sein, Haare in den Händen scheint nur das Mädchen gehabt zu haben.)


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