Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung

Der Somerton-Mann

623 Beiträge, Schlüsselwörter: Somerton, Adelaide, Taman Shud

Der Somerton-Mann

17.03.2019 um 17:29
Ich befasse mich alle paar Jahre mit dem Fall und bin mittlerweile der Meinung, dass dieser gar nicht so spektakulär ist, wie allgemeinhin angenommen wird.

Der Mann wird mit einem Zettel in der Hosentasche aufgefunden, der aus einem Buch stammt, in dem die Telefonnummer einer Krankenschwester notiert ist. Die Krankenschwester gibt an, den Mann nicht zu kennen. Wie kommt ihre Telefonnummer in das Buch? Zufälligerweise hat aber ausgerechnet diese Krankenschwester Jahre zuvor ein Exemplar des genau selben Buches an einen anderen Mann verschenkt. Ich weiß nicht, wie populär ein persischer Gedichtband zu damaliger Zeit im Westen war. Aber selbst wenn mehrere Leute diesen Band besaßen, so ist es doch ein komischer "Zufall", dass in dem des Toten die Nummer der Dame gefunden wird, die nachweislich ja einen solchen Band schon mal besessen und verschenkt hat. Es liegt irgendwie auf der Hand, dass die Frau das Buch einfach für so toll empfand, dass sie sich mehrere Exemplare besorgte und es einfach zweimal verschenkte. Oder, nachdem sie das erste verschenkt hatte, wollte sie sich das Buch wieder zulegen und hat es dann später einfach nochmal verschenkt.
Irgendwo habe ich auch gelesen, dass die Tochter der Krankenschwester vor einigen Jahren andeutete, dass ihre Mutter den Mann wohl gekannt hätte. Wenn es wirklich stimmt, dass die Krankenschwester einen Sohn hat, der seltene Gesichtsmerkmale hat, die auch der Somerton-Mann hatte, dann ist es wohl mehr als wahrscheinlich, dass der Tote der Vater des Kindes ist. Es müsste schon ein (weiterer) großer Zufall sein, dass dem nicht so ist. Zusammen mit der Telefonnummer und dem Buch ein paar Zufälle zuviel in meinen Augen.

Warum waren die Worte "Tamam Shud" aus dem Buch herausgerissen? Möglicherweise wurde dies dem Toten nachträglich in die Hosentasche gesteckt, als "Zeichen" für sein Ende. Da die Hosentasche allerdings als eine Art "Geheimfach" eingenäht war, glaube ich das nicht unbedigt. Ein Dritter hätte ihm den Zettel wohl in die normale Tasche gesteckt. Vielleicht fand der Tote den persischen Ausdruck einfach schön und wollte ihn sich als "Mutmacher" behalten, vielleicht um die Krankenschwester zu konfrontieren und irgendetwas ein Ende zu setzen. Vielleicht wollte er auch die Tatsache endlich gegenüber ihrem Mann öffentlich machen, dass er als Vater des Kindes in Frage kommt (oder er wusste, dass er der Vater ist). Vielleicht wollte er auch endgültig mit der Krankenschwester abschließen und sie ein letztes Mal treffen. Deswegen hat er das Buch dann weggeschmissen, weil es für ihn keine Bedeutung mehr hatte.
Den "Code" erachte ich persönlich als nicht so wichtig. Ich hab auch schon Anfangsbuchstaben als Gedächtnisstütze aufgeschrieben und auswendig gelernt, z.B. für Klausuren. Vielleicht wollte er ein Gedicht auswendig lernen oder sich sonst irgendwas damit merken. Es mag für ihn eine große Bedeutung gehabt haben, aber ich denke nicht, dass es wichtig für den Fall ist. Eher eine persönliche Notiz.

Er könnte schon durchaus ein Soldat gewesen sein. Die Krankenschwester hatte das andere Exemplar des Buches ja einem Offizier geschenkt, der im Krankenhaus behandelt wurde. Während des Krieges dürfte eine Krankenschwester recht häufig mit Soldaten in Kontakt gekommen sein.

Die Todesursache mit Gift scheint nicht zu 100% festzustehen. Man liest in verschiedenen Quellen, dass es sich auch um einen natürlichen Tod gehandelt haben könnte. Es kommt also alles Mögliche in Frage. Man kann also wohl nicht sagen, ob es Mord war. Eine Krankenschwester hätte eventuell Möglichkeiten gehabt, an irgendwelche Gifte zu gelangen. Aber vielleicht wären diese nachweisbar gewesen. Wobei ich jetzt auch nicht weiß, welche Substanzen damals wie lange oder überhaupt nachweisbar waren. Vielleicht gab es da Gifte, die heute leicht erkannt werden können, damals aber nicht.
Irgendwie muss er noch an den Strand gekommen sein. Entweder ist er dort einfach eines natürlichen Todes gestorben oder anhand eines zuvor verabreichten Giftes oder er ist tot an den Strand gebracht worden. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass eine Frau den Mann, der ja nicht gerade klein und zierlich war, so einfach an den Strand getragen hat ohne dabei auch gesehen zu werden.
Dass er keinerlei Papiere und nichts zur Identifizierung bei sich hatte, spricht irgendwie dafür, dass er zumindest nicht alleine war, als er gestorben ist. Vielleicht hat ihm besagte Krankenschwester alles abgenommen, um eine Identifikation zu erschweren und somit ihr Geheimnis zu hüten, dass sie mit dem Mann in Verbindung steht und evtl. ein Kind von ihm hat. Die Sache mit dem weggeworfenen Buch und der Telefonnummer konnte sie ja nicht wissen. Ich gehe davon aus, dass er das Buch selbst in das Auto geworfen hat. Wenn man Beweise vernichten will, wirft man die ja nicht einfach in fremde Autos, sondern eher in den Müll oder verbrennt die Sachen.
Möglicherweise war es auch Selbstmord, er wollte seinem Leben "das Ende" setzen.

Ich finde die Idee, die hier vor Jahren geäußert wurde, dass der Mann vielleicht als Soldat verschwunden und schon lange für tot gehalten wurde, auch nicht schlecht. Gut möglich, dass ihn deswegen auch keiner mehr vermisst hat. Zur damaligen Zeit gab es ja auch kein Facebook und Co., wo sich solche Bilder und Meldungen rasant verbreiten. Wenn er aus einem anderen Land stammte, haben seine Verwandten vielleicht einfach nie etwas von dem Fund mitbekommen. Und mittlerweile werden die auch alle verstorben sein.
Das Bild von diesem Reynolds finde ich schon auch sehr ähnlich. Soweit ich gelesen habe, spalten sich da die Geister der Leute, die sich mit dem Fall ausgiebig befasst haben. Die Einen halten es für sehr wahrscheinlich, dass es sich bei Reynolds um den Somerton Mann handelt, die Anderen nicht. Da könnte man wohl wirklich nur durch DNA Tests mit Verwandten von Reynolds Klarheit schaffen, ebenso mit dem Sohn der Krankenschwester, ob es sich wirklich um den Vater handelt. Mit Fotos kann man ja letztlich doch immer nur spekulieren.


melden
Anzeige

Der Somerton-Mann

18.03.2019 um 22:27
@Ivy1986
Deine Überlegungen klingen sehr plausibel, genau so könnte es gewesen sein.

Nur zu einem Punkt erlaube ich mir kleine Einwände zu erheben:
Ivy1986 schrieb:Den "Code" erachte ich persönlich als nicht so wichtig. Ich hab auch schon Anfangsbuchstaben als Gedächtnisstütze aufgeschrieben und auswendig gelernt, z.B. für Klausuren. Vielleicht wollte er ein Gedicht auswendig lernen oder sich sonst irgendwas damit merken.
Das Buch war ihm ja anscheinend ungemein wichtig. Hätte er seine Gedächtnisstützen wirklich in DIESES Buch gekritzelt? Hätte sich nicht zumindest eine Papierserviette oder dergleichen irgendwo gefunden?

Also ich vermute, dass das Gekrakel bereits im Buch stand, als er es erhalten hat. Hat jemals jemand überprüft, ob es die Handschrift der Krankenschwester war?


melden

Der Somerton-Mann

07.04.2019 um 21:17
Ich selbst befasse mich auch seit einigen Jahren mit diesem Fall.

Warum wurde bis heute keine DNA Analyse mit dem Sohn der Krankenschwester gemacht?

Warum sollte die Tochter der Krankenschwester lügen? Ich habe in einem Zeitungsartikel gelesen das die Polizei in das Protokoll schrieb, als sie der Krankenschwester das Bild des Toten zeigten habe sie erschüttert reagiert und einen erschütterten Gesichtsausdruck gehabt, jedoch bestritten ihn zu kennen.

Da hat die Polizei nicht weiter nachgehakt wenn ihnen die Reaktion der Frau schon auffiel?

Und warum erzählt die Tochter das alles erst so spät?

Ich selber halte ihre Aussage als relativ plausibel.

Ich halte den Toten für Alfred Boxhall denn was ist wenn sich ein anderer Mann als Boxhall ausgegeben hat um somit abzulenken? Das Buch hätte er sich besorgen können und mit der Krankenschwester alles abgesprochen haben.

In dem Code lese ich in der letzten Zeile AB. Könnten das nicht die Initialien Alfred Boxhall sein?
Ich

Ich habe auch erst rausgelesen Samstag mit oder Mittwoch und Samstag. Oder es war tt und M für Tag und Monat. Aber da es ja englische Wörter sein sollen fällt das ja raus


melden

Der Somerton-Mann

25.10.2019 um 20:16
Bin gerade mal wieder auf den Fall aufmerksam geworden. Und wage es, ihn wieder zu beeben.

@Ivy1986
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Warum waren die Worte "Tamam Shud" aus dem Buch herausgerissen? Möglicherweise wurde dies dem Toten nachträglich in die Hosentasche gesteckt, als "Zeichen" für sein Ende.
Das würde allerdings heißen, dass der/die Betreffende/n entweder den Mann oder/und seine Kleidung sehr gut kannten oder ihn noch am Strand gründlich untersuchen konnte/n. Schließlich steckte der Zettel in einer inneren Hosentasche, die nicht so leicht zu finden war.
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Es müsste schon ein (weiterer) großer Zufall sein, dass dem nicht so ist. Zusammen mit der Telefonnummer und dem Buch ein paar Zufälle zuviel in meinen Augen.
Das sehe ich auch so. Natürlich konnte man damals Namen und Telefonnummern einfach Telefonbüchern entnehmen, aber warum sollte man das machen, wenn man die Person gar nicht gekannt hätte.
Und warum ausgerechnet von dieser Dame, deren Tochter einen Verdacht hegt?

Hmm, ich lese gerade woanders, das sie gar nicht im Telefonbuch stand. Das legt erst recht nahe dass die beiden sich doch kannten (falls diese Aussage wahr wäre, natürlich).
https://theunredacted.com/mystery-of-somerton-man-the-taman-shud-case/

Ebendort:
"The detectives who interviewed Thompson noted her evasive manner, seeming reluctant to offer up any information about what, if anything, she knew. Most startling was her reaction when shown a plaster cast of the dead man's face. Thompson was visibly shocked and was described by detectives present as "completely taken aback, to the point of giving the appearance that she was about to faint."
Wenn das ebenfalls wahr ist, dann sieht das nicht gut für stur-schweigsame Zeugin aus.
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Vielleicht fand der Tote den persischen Ausdruck einfach schön und wollte ihn sich als "Mutmacher" behalten, vielleicht um die Krankenschwester zu konfrontieren und irgendetwas ein Ende zu setzen.
Warum wirft er dann das Buch in ein fremdes Auto?
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Wenn man Beweise vernichten will, wirft man die ja nicht einfach in fremde Autos, sondern eher in den Müll oder verbrennt die Sachen.Möglicherweise war es auch Selbstmord, er wollte seinem Leben "das Ende" setzen.
Gut möglich. Diese Handlung macht den Eindruck, als sollte das Buch entdeckt und sogar an die richtige Adresse (Krankenschwester) übermittelt werden..
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Dass er keinerlei Papiere und nichts zur Identifizierung bei sich hatte, spricht irgendwie dafür, dass er zumindest nicht alleine war, als er gestorben ist.
Nicht unbedingt. Papiere kann man zwar mitnehmen, aber ihn ausziehen, die Etiketten der Kleidung entfernen, und ihn wieder anziehen, dauert eine Weile. Warum nicht einfach die Klamotten ausziehen, mitnehmen, und die Leiche ins Meer werfen?
Warum nicht einfach angezogen ins Meer werfen?
Wozu diese Geheimniskrämerei um die Identität?
Was hätte wem passieren können, wenn seine Identität heraus gekommen wäre?

Man fand ja auch (s)einen Koffer mit Kleidung, ebenfalls ohne Etiketten. Es sieht für mich eher so aus, als hätte der Tote diese selbst schon früher aus einem bestimmtem Grund entfernt. Aber wer macht so etwas?

Jemand, der seinen Selbstmord plant und nicht identifiziert werden möchte? Warum dann die Kleider nicht einfach wegschmeißen oder verschenken?

Daher kommt am ehesten eine Vertuschung der Identität in Frage, die eventuell aber rein gar nichts mit seinem Ende zu tun hätte. Nur reinzufällig schon vorhanden war, bevor er starb. Die Klamotten wurden behalten, weil sie noch gebraucht wurden. Der Betreffende wollte also nicht unmittelbar nach dem Entfernen der Etiketten aus dem Leben scheiden. Diese Identitätsvertuschung sollte ihm bereits zu Lebzeiten dienlich sein. Für den Fall, dass man ihn zufällig tot finden (War er vielleicht [herz]krank und wusste?) oder auch nur einfach irgendwie entdecken/erwischen sollte.

Das sieht nach Geheimniskrämerei aus. Entweder war er Mitglied einer größeren, kriminellen Organisation oder einer anderen Geheimmauschelei, Spionage, Geheimdienste, et. oder ein (eventuell weiter zurück liegendes) individuelles, privates Motiv, wie eben ein neues Leben anfangen.
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Ich finde die Idee, die hier vor Jahren geäußert wurde, dass der Mann vielleicht als Soldat verschwunden und schon lange für tot gehalten wurde, auch nicht schlecht.
Eben, auch gut möglich. Desserteure sind nie gerne gesehen. Wurden die damals nicht noch erschossen?
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Ich gehe davon aus, dass er das Buch selbst in das Auto geworfen hat.
Ich auch. Wer immer das tat, wollte, dass das Buch seinen Adressaten erreicht, hatte aber weder Zeit noch Packpapier, um es zu verschicken, oder kein Postamt in der Nähe oder fühlte sich schon so schlecht, dass er nicht weiter gehen wollte.
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:IMöglicherweise war es auch Selbstmord, er wollte seinem Leben "das Ende" setzen.
Durchaus möglich. Vor Allem war das Papier ja mit einem Faden in die Hose genäht, von dem sich ein Teil noch im Koffer befand, der aber am Abend vorher bereits aufgegeben worden war. Welcher Mörder hätte dazu Zugang gehabt?
Wobei man sich aber dennoch fragen sollte, wo ist der Pass? Die Geldbörse? Letztere(s) könnte allerdings von einem zufällig vorbei Kommenden geklaut worden sein. Der könnte den Mann auch an die Mauer gelehnt haben, weil er vielleicht zunächst noch glaubte, er wäre nur betrunken.
Ivy1986 schrieb am 17.03.2019:Das Bild von diesem Reynolds finde ich schon auch sehr ähnlich.
So auf Anhieb finde ich, Reynolds rechte Augenbrauenpartie weist einen Bogen auf, die des S.M. ist gerade.
Vor Allem: Reynold hat eine Kerbe am Kinn, der S.M. nicht.



@Menedemos
Menedemos schrieb am 18.03.2019:Also ich vermute, dass das Gekrakel bereits im Buch stand, als er es erhalten hat
Die Idee fiel mich auch schon anheim.

Selbst für die Todesart liefert die von mir verlinkte Website eine durchaus nicht unmögliche Ursache: eine allergische Reaktion auf etwas, das ganz normal in der Pastete war. Hätte man damals garantiert nicht bedacht.

Bleibt eigentlich nur mehr die Sache mit den heraus geschnittenen Etiketten.



@Idrial
Idrial schrieb am 07.04.2019:Warum wurde bis heute keine DNA Analyse mit dem Sohn der Krankenschwester gemacht?
Höchstwahrscheinlich, weil er nicht will. Solange kein Grund zur Annahme oder Belege vorliegen, dass seine Mutter doch in den Fall involviert wäre, solange kann man ihn auch nicht dazu zwingen.
Ich als Sohn würde es zwar wissen wollen, aber nicht jeder denkt so.
Idrial schrieb am 07.04.2019:Da hat die Polizei nicht weiter nachgehakt wenn ihnen die Reaktion der Frau schon auffiel?
Das wundert mich auch. Besonders, wenn ich einen Mord vermute, und die Telefonnummer der Dame öffentlich gar nicht eingesehen werden konnte.
Idrial schrieb am 07.04.2019:Ich halte den Toten für Alfred Boxhall denn was ist wenn sich ein anderer Mann als Boxhall ausgegeben hat um somit abzulenken?
Boxall konnte seine Identität aber zweifelsfrei nachweisen. Was mich stutzig macht, ist, dass die Krankenschwester seinen Namen noch wusste, der Krieg und somit das Kriegslazarett waren seit drei Jahren passé.
Idrial schrieb am 07.04.2019:Aber da es ja englische Wörter sein sollen fällt das ja raus
Das ist nicht gesichert.


melden

Der Somerton-Mann

31.10.2019 um 18:34
@off-peak
off-peak schrieb am 25.10.2019:Warum wirft er dann das Buch in ein fremdes Auto?
Das wundert mich insgesamt. Wer hat das Buch ins Auto geworfen? Der Tote? Der Mörder? Wurde das Buch überhaupt von IRGENDWEM ins Auto geworfen?

Der Besitzer des Wagens, ein Arzt, hat das so behauptet. Aber der konnte natürlich auch gelogen haben und auf andere Weise in den Besitz des Buches gelangt sein. Andererseits: Wenn er mit dem Tod des Mannes in Verbindung stand, warum hätte er sich dann bei der Polizei melden sollen?

Noch etwas anderes beschäftigt mich: Mutmaßlich hat ja der Somerton-Mann das Buch nach Mosley-Beach gebracht. Aber doch sicher nicht in der bloßen Hand. Er wird vermutlich eine Tasche bei sich gehabt haben, in der sich auch das Buch befand. Aber wo ist diese? Warum lag sie nicht neben dem Toten??


melden

Der Somerton-Mann

31.10.2019 um 20:30
@Menedemos

Ja, das Buch ist ausgesprochen mysteriös. Da einige Enden und Ecken hinten und vorne nicht zusammen passen, sieht es so aus als hätte irgendwer versucht, eine oder mehrere falsche Spuren zu legen. Entweder, um die Identität des Opfers, oder/und natürlich seine Beziehung zum Opfer zu vertuschen.

Da Buch könnte so eine falsche Spur sein. Es könnte einfach nur zu diesem Zweck ins Auto geworfen worden sein, ohne dass derjenige zB von der Telefonnummer und den nicht gellösten Codes darin gewusst hätte.

Vielleicht trug der SM das Buch wirklich in der Hand, vielleicht hat ein andere es samt Tüte mitgenommen, die Tüte behalten weil sie ihm gerade gelegen kam.
Vielleicht gab es auch einen Aktenkoffer, in dem das Buch transportiert worden war, und dieser Aktenkoffer wurde mit genommen.


melden

Der Somerton-Mann

31.10.2019 um 23:44
off-peak schrieb:als hätte irgendwer versucht, eine oder mehrere falsche Spuren zu legen
Aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Besitzer des Wagens das Buch überhaupt der Polizei übergeben würde, war ziemlich gering. Also wenn ich falsche Spuren legen wollte, würde ich sie so legen, dass die Spur zumindest gefunden wird.

Merkwürdig finde ich übrigens auch, dass sich der Tote um keine Übernachtungsmöglichkeit gekümmert hat. Er wollte ja anscheinend mehrere Tage in der Gegend bleiben, er hatte mehrere Socken zum Wechseln im Koffer. Aber er sperrte seinen Koffer in ein Schließfach. Hätte er ein Hotelzimmer genommen, hätte er den Koffer natürlich auch dort deponiert und nicht in einem Schließfach. Was also hatte er vor? Im Freien übernachten? Kann ich mir bei seiner hochwertigen Kleidung nicht vorstellen, das war kein Penner. War sein Plan, sich gleich umzubringen? Dann hätte er aber keine Wechselkleidung mitgenommen. Wollte er abends nach Adelaide zurückkehren und sich erst dann um ein Hotelzimmer kümmern? Halte ich noch für am wahrscheinlichsten, aber warum hat er nicht gleich eins angemietet? Dann hätte er in aller Ruhe seinen Ausflug zum Strand machen können...


melden

Der Somerton-Mann

01.11.2019 um 14:52
@Menedemos
Menedemos schrieb:Aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Besitzer des Wagens das Buch überhaupt der Polizei übergeben würde, war ziemlich gering.
Ohne den Toten, ja. Aber mit ihm gab´s da eine Chance.
Menedemos schrieb:Merkwürdig finde ich übrigens auch, dass sich der Tote um keine Übernachtungsmöglichkeit gekümmert hat.
Vieleicht war er och nicht dazu gekommen.
Vielleicht wollte er nur kurz bleiben (Jemanden treffen? Eventuell das Buch mit den Codes übergeben?)
Vielleicht hatte er ein Hotel, da aber sein Name nicht bekannt war, kann man das ja nicht wissen (wurde dahin gehend nachgeforscht, ob ein Hotelgast an dem Tag ausblieb?)
Oder er hatte jemanden, bei dem er privat übernachten konnte (der sich danach aber nicht bei der Polizei meldete).
Menedemos schrieb:Aber er sperrte seinen Koffer in ein Schließfach.
Hmm, war es ein Schließfach? Oder eine Gepäcksannahme? Was ich für die damalige Zeit für wahrscheinlicher halte.

Hier frage ich mich, ob es wirklich er war, der den Koffer deponierte. Es könnte die Quittung (den Schlüssel?) zwar in seiner Geldbörse gewesen sein, aber er könnte auch einfach keine gehabt haben.

Ebenso könnte er eine Weiterreise nach einem eventuellem Treffen geplant haben, nur nicht wieder sofort nach Hause.


melden

Der Somerton-Mann

02.11.2019 um 08:43
@off-peak
off-peak schrieb:wurde dahin gehend nachgeforscht, ob ein Hotelgast an dem Tag ausblieb?)
Ich denke ja, immerhin hat man ja sogar seinen Koffer gefunden. Zumindest, wenn er ein Hotel direkt am Somerton Beach gebucht hatte (wo es damals wahrscheinlich nicht allzu viele gab), wäre das der Polizei zur Kenntnis gelangt.
off-peak schrieb:Vielleicht wollte er nur kurz bleiben (Jemanden treffen? Eventuell das Buch mit den Codes übergeben?)
Dann hätte er nicht so viel Wäsche zum Wechseln mitgenommen.
off-peak schrieb:Vielleicht hatte er ein Hotel, da aber sein Name nicht bekannt war, kann man das ja nicht wissen
Dann hätte er den Koffer doch ins Hotel gebracht und nicht zur Gepäckaufbewahrung.
off-peak schrieb:Oder er hatte jemanden, bei dem er privat übernachten konnte
Auch in dem Fall hätte er den Koffer nicht am Bahnhof deponiert.



Ich habe jetzt noch einmal etwas recherchiert, und auf der englischsprachigen Wikipediaseite ( Wikipedia: Tamam_Shud_case#Discovery_of_suitcase ) habe ich gelesen, dass sich in dem Koffer merkwürdigerweise mehrere Unterhosen befanden, aber keine Socken. Außerdem Schreibzeug und Briefpapier, aber nichts Beschriebenes.
Vor allem das Fehlen der Socken finde ich SEHR seltsam. Wenn einer verreist, dann nimmt er doch, wenn er viele Unterhosen dabei hat, auch in etwa dieselbe Anzahl an Socken mit, oder? Also zumindest EIN zweites Paar.

Ich kann mir das nur so erklären: Der Mann hatte mehrere Gepäckstücke. Den einen Koffer, den er nicht so dringend brauchte, gab er zur Gepäckaufbewahrung. Mit dem anderen Koffer (eventuell kleineren) fuhr er raus nach Somerton/Glenelg. Für mich ist das die einzig einleuchtende Erklärung für das Fehlen jeglicher Socken in seinem Gepäck (in dem deponierten Koffer wurden übrigens auch sonst einige Dinge nicht gefunden, die man erwarten würde, wie Rasierzeug). Auch das Fehlen von persönlichen Papieren etc. könnte damit ganz gut erklären.


Folgerungen daraus:

Entweder, er hatte vor, dort draußen ein Hotel zu suchen, oder aber - was du vorgeschlagen hast - er hatte dort eine private Anlaufstelle.

Was ist wahrscheinlicher?

Dagegen, dass er ein Hotel in Somerton gebucht hatte oder suchen wollte, spricht einiges:

- Vorgebucht war es nicht, das wäre der Polizei aufgefallen (siehe oben). Gefunden hatte er auch keins, sonst wäre ja auch das mutmaßliche zweite Gepäckstück aufgetaucht. Und ich nehme fast an, dass er auch keins gesucht hat, denn das ist ja das erste, was man am Zielort tun würde, schon allein, um das lästige Gepäck loszuwerden.
- Ich bezweifle übrigens, dass es damals am Somerton Beach sehr viele Unterkunftsmöglichkeiten gegeben hätte. Heutzutage gibt es zwar einige Hotels und Appartementhäuser, allerdings nicht sehr viele. Der Ort ist sicher kein Badeort von überregionaler Bedeutung. Die Küstenstraße ist nicht von Hotels, sondern von Villen (vermutlich sehr reicher Bewohner Adelaides) gesäumt. Damals dürfte es nicht viel anders ausgesehen haben, wenig überregionaler Tourismus, wenig Hotels (wenn überhaupt welche). Fazit: Wenn ICH der Fremde gewesen wäre, hätte ich mich nicht dem Wagnis ausgesetzt, dort am Stadtrand kein Hotel zu finden und einen Teil meines Gepäcks umsonst herumgeschleppt zu haben. Ich hätte gleich in Adelaide ein Hotel gesucht, mein gesamtes Gepäck bequemerweise dort gelassen und dann vor Ort die Lage gepeilt. Später hätte ich ja immer noch die Unterkunft wechseln können.
- Außerdem fand man bei der Leiche kein zweites Gepäckstück. Ein Hotel hatte er auch keins gefunden, also wo ist es geblieben? Natürlich könnte es gestohlen worden sein, aber ich halte das für eher unwahrscheinlich (zumal man ihn schon tagsüber nicht schwer beladen gesehen hat).


Ich halte es also in der Tat für wahrscheinlicher, dass er privat übernachten wollte, dass er bei seiner privaten Anlaufstelle auch schon war und sein Gepäck dort gelassen hatte. Das könnte auch seine Verzögerung in Adelaide erklären (bekanntlich hatte er ja ein Zugticket gekauft, den Zug dann aber offensichtlich nicht genommen, sondern er ist zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Bus gefahren).
Vielleicht hatte er mit seiner privaten Kontaktperson telefoniert, erfahren, dass diese noch nicht bereit ist, so dass er sich noch einige Zeit in Adelaide aufgehalten hat. Eventuell hat er von seiner Kontaktperson auch erfahren, dass er ebensogut mit dem Bus fahren kann. Denn wenn ein Fremder den Zug aus irgendwelchen Gründen verpasst, sucht er doch normalerweise einfach nach einer späteren Zugverbindung, statt sich mit dem meist komplizierten Bussystem herumzuschlagen.

Fazit: Ich halte es für naheliegend, dass der Mann in Somerton/Glenelg jemanden kannte und diese Person auch schon aufgesucht hatte, was das offensichtliche Fehlen eines Teils seines Gepäcks gut erklären würde. Dass sich diese Person später nicht bei der Polizei meldete, macht die Mordhypothese natürlich wahrscheinlicher.


melden

Der Somerton-Mann

02.11.2019 um 15:08
Menedemos schrieb:Dann hätte er nicht so viel Wäsche zum Wechseln mitgenommen.
Sagte ich schon: er trifft sich am Strand mit jemanden dann holt er seinen Koffer und fährt weiter. So unwahrscheinlich ist das nicht.
Menedemos schrieb:Auch in dem Fall hätte er den Koffer nicht am Bahnhof deponiert.
Wenn er erst nachher dort hin wollte.
Menedemos schrieb:Vor allem das Fehlen der Socken finde ich SEHR seltsam.
Vielleicht wollte er barfuß gehen. Ansonsten macht es ja überhaupt keinen Sinn.
Menedemos schrieb:Außerdem Schreibzeug und Briefpapier, aber nichts Beschriebenes.
Das hingegen halte ich nicht für seltsam. Es war eben Schreibzeug für den Fall, mehr nicht.
Menedemos schrieb:Für mich ist das die einzig einleuchtende Erklärung für das Fehlen jeglicher Socken in seinem Gepäck (in dem deponierten Koffer wurden übrigens auch sonst einige Dinge nicht gefunden, die man erwarten würde, wie Rasierzeug). Auch das Fehlen von persönlichen Papieren etc. könnte damit ganz gut erklären.
Könnte mir zB eine Aktenkoffer vorstellen, wenngleich es immer noch eigenartig ist, dort Socken unterzubringen. Es sei denn, er hätte beim Packen erst später daran gedacht und wollte einfach den Koffer nicht mehr öffnen. Vielleicht war er in Eile.
Mir ist aber, als hätte ich gelesen, dass in dem Koffer sehr wohl Rasierzeugs war.

So ein Aktenkoffer ließe sich auch leicht von jemand anderem entwenden.
Menedemos schrieb:Wenn ICH der Fremde gewesen wäre, hätte ich mich nicht dem Wagnis ausgesetzt, dort am Stadtrand kein Hotel zu finden und einen Teil meines Gepäcks umsonst herumgeschleppt zu haben.
Ich vermute auch, das wollte er gar nicht. Der wollte dort jemanden treffen und hat es ziemlich sicher auch getan.
Die private Anlaufstelle ist möglich, nur warum lässt er dort nicht gleich auch den Koffer stehen?
Menedemos schrieb:Ich halte es also in der Tat für wahrscheinlicher, dass er privat übernachten wollte, dass er bei seiner privaten Anlaufstelle auch schon war und sein Gepäck dort gelassen hatte.
Menedemos schrieb:Denn wenn ein Fremder den Zug aus irgendwelchen Gründen verpasst, sucht er doch normalerweise einfach nach einer späteren Zugverbindung, statt sich mit dem meist komplizierten Bussystem herumzuschlagen.
Dazu müsste man jetzt aber wissen, wann der nächste Zug gefahren wäre. Oder ob der Bus nicht einfach etwas günstiger, sprich näher an den Treffpunkt ran fuhr.
Menedemos schrieb:Ich halte es für naheliegend, dass der Mann in Somerton/Glenelg jemanden kannte und diese Person auch schon aufgesucht hatte, was das offensichtliche Fehlen eines Teils seines Gepäcks gut erklären würde.
Oder es war eben kein größeres zweites Gepäcksstück (so ein paar Socken und ein Rasierapparat hätten ja wohl in dem Koffer noch Platz gehabt), sondern eben etwas Kleineres, wie zB eine Aktentasche.
Womöglich war auch nur eine Übernachtung angedacht und dann wäre es wieder weiter gegangen.
Wie gesagt, wäre er schon dort gewesen hätte er ja gleich auch seinen Koffer mitnehmen können.


melden

Der Somerton-Mann

03.11.2019 um 09:25
off-peak schrieb:Mir ist aber, als hätte ich gelesen, dass in dem Koffer sehr wohl Rasierzeugs war.
Und du hast Recht! Ich habe da was falsch gelesen bzw. falsch in Erinnerung gehabt... Ich habe es noch einmal überprüft, auf der englischen Wikipediaseite steht ganz eindeutig, dass Rasiersachen im Koffer waren.

Das ist natürlich nicht gut für meine Theorie, der Mann habe in Somerton übernachten wollen, ganz im Gegenteil. Im Autopsiebericht wird ausdrücklich auf sein gepflegtes Äußeres und seine tadellose Rasur hingewiesen. Der wäre nicht ohne Rasierzeug losgezogen, wenn er eine Übernachtung (egal ob im Hotel oder privat) im Sinn gehabt hätte.
off-peak schrieb:Der wollte dort jemanden treffen und hat es ziemlich sicher auch getan.
Das erscheint mir nun auch das Naheliegende.

Das "Sockenrätsel" ist damit natürlich nicht geklärt, aber ich stelle das jetzt mal zurück. Fällt mir nichts Sinnvolles zu ein und ist vielleicht auch nicht so wichtig.
off-peak schrieb:Jemanden treffen? Eventuell das Buch mit den Codes übergeben?
Ich habe schon vor einiger Zeit die Frage in den Raum geworfen, ob die Schrift in dem Buch überhaupt von dem Toten stammt. Ich gehe jetzt noch einen Schritt weiter: War das überhaupt sein Buch?

Das wissen wir doch in Wirklichkeit gar nicht. Ein kleines Fitzelchen des Buches mit dem Text "Tamam Shud" - "Das Ende" fand sich in seiner inneren Hosentasche, das ist Fakt. Aber das könnte dem Toten auch jemand reingesteckt haben, oder?

Merkwürdig habe ich das immer gefunden: Ein Suizident fährt nach Somerton, hat nichts dabei als ein merkwürdiges Buch, steckt sich selbst ein kleines Stückchen Papier aus dem Buch in die innerste Hosentasche (wo es eventuell niemand je findet) - und den Rest des Buches wirft er in das Auto eines Wildfremden. Das ergibt doch eigentlich wenig Sinn.

Ich stelle mal eine gewagte Gegenhypothese auf: Der Arzt, der das Buch angeblich in seinem Wagen gefunden haben will, war nicht nur schon vorher der Besitzer des Buches, sondern auch der Mörder. Als Arzt hat er wahrscheinlich auch giftige Substanzen gekannt, von denen er wusste, dass sie damals forensisch nur schlecht nachweisbar seien. Als letzten "Gruß" hat er dem Toten den Ausschnitt aus seinem Buch in die Hosentasche gesteckt. Möglicherweise kannten sich der Arzt und die Krankenschwester ja auch gut, da die beiden beruflich miteinander zu tun gehabt haben könnten. Immerhin war die Frau Fan dieses Buches, vielleicht war es auch ihr eigenes Buch.
Es bleibt dann zwar die Frage, was den Arzt - nach meiner Theorie ja ein Tatbeteiligter - dazu bewogen haben könnte, mit dem Buch aus freien Stücken die Polizei aufzusuchen. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass der Arzt eben doch nicht ganz aus freien Stücken zur Polizei ging, etwa weil der Fall in den Medien, in den lokalen sowieso, hohe Wellen geschlagen hatte, plötzlich nach dem "Rubayat" gefragt und gesucht wurde und Menschen in seiner Umgebung wussten, dass er im Besitz eines solchen Buches ist. Dann könnte er die Flucht nach vorn angetreten haben und der Polizei die reichlich merkwürdige Geschichte aufgetischt haben, jemand habe ihm das Buch ins offene Auto geworfen.

Hmm, meine Deutung klingt vielleicht etwas merkwürdig, aber sind nicht die üblichen Interpretationen genauso merkwürdig?


melden

Der Somerton-Mann

03.11.2019 um 10:08
@Menedemos: deine Theorie erscheint mir schlüssig. Ich habe auch das Gefühl, dass die Krankenschwester mit dem Ableben zu tun hat. Und dass "zufällig" ausgerechnet ein Arzt (da liegt die Verbindung zur Krankenschwester nicht fern) das Buch in seinem Auto findet, ist merkwürdig.

1) Entweder hat er tatsächlich nix damit zu tun und ist nur durch einen blöden Zufall in die Geschichte mit dem Sommertonman reingeraten oder..
2) er war Tatbeteiligter und fühlte sich aus irgendwelchen Gründen in die Enge getrieben, so dass er sich als Besitzer/Finder des Buches "outen" musste um nicht plötzlich in Verdacht zu geraten. Vielleicht hat er sich bezüglich des Buches bei irgendwem "verplaudert", oder jemand hat es bei ihm gesehen und ihn darauf angesprochen..?


melden

Der Somerton-Mann

03.11.2019 um 10:53
@mike_N
Ja, man müsste zumindest wissen, ob die Krankenschwester und der Arzt sich kannten und wenn ja, in welcher Beziehung sie standen. Leider wurde die Identität des Arztes von der Polizei nie bekannt gegeben, man nannte ihn "Ronald Francis", aber das war nicht sein richtiger Name.
Jedenfalls darf man die Geschichte, dass jemand das Buch in ein unabgeschlossenes Auto auf die Rückbank gelegt haben soll, doch kritisch hinterfragen.
Ich dachte ja zuerst, es war ein offenes Auto, ein Cabrio oder ein Pick-Up. Aber nein, es war ein ganz normaler Wagen, nur angeblich nicht abgesperrt. Wer gibt sich solche Mühe, verschiedene Autos darauf zu überprüfen, ob sie vielleicht nicht abgeschlossen sind, und legt dann ein Buch hinein? Noch dazu ein Lebensmüder, der mit seinem Leben bereits abgeschlossen und möglicherweise sogar schon Gift eingenommen hatte und sich kaum noch auf den Beinen halten konnte??
Da kommt einem doch unwillkürlich die Möglichkeit in den Sinn, dass der Arzt seiner Umgebung irgendwie den Besitz dieses verdächtigen Buches erklären musste und ihm keine bessere Geschichte eingefallen ist...


melden

Der Somerton-Mann

03.11.2019 um 14:38
Menedemos schrieb:Das ist natürlich nicht gut für meine Theorie, der Mann habe in Somerton übernachten wollen, ganz im Gegenteil.
Ah, nicht so schnell verzagen. Er könnte das sehr wohl geplant haben. Nach dem Meeting am Strand (oder vielleicht auch nur ein Strandspaziergang aus sentimentalen Gründen?) zurück zum Bahnhof und den Koffer holen. Er wollte ihn halt nur nicht mitschleppen. Verständlich, Koffer wurden damals noch getragen, und nicht bequemerweise gerollt.

Aber selbst heutzutage lasse ich in so einem Fall meinen Koffer auch lieber in der Aufbewahrung statt ihn beim Sightseeing mitzuschleppen. Dennoch hätte och in meinem Rucksack eine Zahnbürste und ein Handtuch dabei, weil ich die wichtigsten Dinge immer bei mir trage. In meinem Koffer würde dann eben die Zahnbürste fehlen. Keine Spur mysteriös, sondern durch meine Gewohnheiten erklärbar.
Würde ich Rasierzeugs brauchen, so wäre das aber im Koffer.

Und das Sockenrätsel ist auch nicht ganz so schwer, wenn man es mal von den Gewohnheiten her betrachtet:
1. Entweder wurden sie vom Sockenmonster aus der Waschmaschine gefressen (Scherzchen) ;)
2. oder aber er hatte die Gewohnheiten, die Socken nicht täglich zu wechseln.

Unterwäsche, ja, Socken, nein. Wir wissen ja auch nicht, wie viel Unterwäsche und in welcher Zusammensetzung das war. Unterhosen wechselt der gepflegte Herr täglich, aber ein U-Hemd kann man auch schon mal zwei oder drei Tage tragen.
Ebenso Socken, besonders, wenn man keine Schweißfüße hat und die Socken von guter Qualität (BW oder Wolle) sind. Die sind wesentlich atmungsaktiver und man schwitzt kaum damit. Wenn die Schuhe dann auch noch atmungsaktiv(Leder) sind, kann man(n) sehr wohl ein bis drei Tage dieselben Socken tragen.

Das einzige, dass sich ich daraus jetzt schließe, ist, dass er entweder nicht vorhatte, lane zu bleiben, oder sich eben Kleidung gekauft hätte. Ich tippe auf Ersteres, alleine auch deshalb, weil er ja offenbar Hemden (?) mithatte, aber keine zweiten Anzug.

Der wollte daher nicht lange bleiben, war eventuell auf dem Weg nach Hause, und hatte eben nur diese kurze Stippvisite eingeplant. Selbst ein privater Aufenthalt hätte wohl nicht lange dauern sollen.
Menedemos schrieb:War das überhaupt sein Buch?
Hmmm, ...
Menedemos schrieb:"Das Ende" fand sich in seiner inneren Hosentasche, das ist Fakt. Aber das könnte dem Toten auch jemand reingesteckt haben, oder?
Auch hier eine ich mich zu erinnern, dass auf der englische Seite stand, dass der Zettel eingenäht]/i] war, nicht einfach so in einer Innentasche steckte. Und das obendrein war er mit dem orangefarbenem Faden, der sich auch im Koffer befand (und der primär zur Zuordnung führte).
Wie hätte ein Mörder am Strand an diesen orangefarbene Faden, der sich zu dem Zeitpunkt im Koffer am Bahnhof befand, gelangen können? Mal ganz zu schweigen von der Mühe, die er sich nach dazu im Dunkeln (SM starb ja so um 2 Uhr in der Nacht) hätte machen müssen.

Menedemos schrieb:Der Arzt, der das Buch angeblich in seinem Wagen gefunden haben will, war nicht nur schon vorher der Besitzer des Buches, sondern auch der Mörder.
Sollte ich mich nicht irren, scheidet die Idee mit dem Zettel aus. Sollte ich mich irren, ergibt sie keine Sinn. Sollte der Mann etwas damit zu haben, warum die Aufmerksamkeit auf sich ziehen?
Menedemos schrieb:plötzlich nach dem "Rubayat" gefragt und gesucht wurde und Menschen in seiner Umgebung wussten, dass er im Besitz eines solchen Buches ist.
Ja, wäre eine Möglichkeit, allerdings haben wir dann immer noch den orangenen Faden.
Menedemos schrieb:Da kommt einem doch unwillkürlich die Möglichkeit in den Sinn, dass der Arzt seiner Umgebung irgendwie den Besitz dieses verdächtigen Buches erklären musste und ihm keine bessere Geschichte eingefallen ist.
Durchaus. Ich muss jetzt noch mal die Sache mit dem orangenen Faden suchen gehen.



@mike_N
mike_N schrieb:Ich habe auch das Gefühl, dass die Krankenschwester mit dem Ableben zu tun hat.
Sie war aber offenbar wirklich erschüttert, als sie davon erfuhr.


melden

Der Somerton-Mann

03.11.2019 um 14:57
Noch ein PS: Wenn es das Buch des Arztes war, warum hat er dann nicht einfach behauptet, das Fenster wäre zu dem Zeitpunkt runter gekurbelt gewesen?

Ah, ich korrigiere: es gab eine zweite Hose im Koffer, mit Sand (!) in den Aufschlägen. Er muss also schon vorher an einem Strand gewesen sein.

Gefunden die Sache mit dem orangenem Faden:
Also in the suitcase was a thread card of Barbour brand orange waxed thread of "an unusual type" not available in Australia—it was the same as that used to repair the lining in a pocket of the trousers the dead man was wearing

Wikipedia: Tamam_Shud_case

Hab´s trotzdem verwechselt - es wurde damit nur das Futter der Hosentasche repariert, der Zettel war also somit nicht eingenäht, sondern nur eingesteckt. Das ändert natürlich etwas.

Was mir an dem Zettelauffällt, ist auch dass er raus gerissen, statt raus geschnitten wurde. Man möchte doch meinen, dass jemand, der seinen Selbstmord plant, so einen Zettel, wenn er ihn schon benutzt, eben rausschneidet. Was der SM auch hätte tun können, er besaß ja eine Schere.

Sieht wirklich danach aus, als hätte man ihm den Zettel rein gesteckt. Er könnte ja bereits bei einem Bekannten gewesen sein, als er verstarb. Und wurde erst danach, oder im Sterben, an den Strand getragen, versehen mit einem falschen Spur (Selbstmord) und beraubter Identität.

Man darf sich natürlich fragen, warum macht das wer, wenn er an seinem Tod unschuldig wäre?


melden

Der Somerton-Mann

04.11.2019 um 14:35
off-peak schrieb:Man darf sich natürlich fragen, warum macht das wer, wenn er an seinem Tod unschuldig wäre?
Wenn wir die Idee mit dem Arzt und seine ,vermuteten, Kenntnisse zu damals kaum nachweisbaren tödlichen Giften weiterspinnen:

Bei einem möglichen "Giftmord" muss man doch, vom Opfer unbemerkt, jemandem was einflössen (oder allenfalls spritzen).
Da kommt mir der Gedanke, dass der Arzt den Mann irgendwo (bei sich zuhause?) zu einem Essen (Drink?) eingeladen hat, irgendwelche Substanzen in das Essen/Trinken gemixt hat und er dann das Opfer tot/sterbend zum Strand gebracht hat... (ev. mit Hilfe und/ oder im Auftrag der Krankenschwester)… so wäre auch Zeit gewesen, sämtliche Dinge, welche das Opfer identifizieren könnten, in aller Ruhe vor dem Verbringen zum Strand zu entfernen und den Zettel aus dem Buch in die Hosentasche zu stecken...


melden

Der Somerton-Mann

04.11.2019 um 19:12
@mike_N
mike_N schrieb:Da kommt mir der Gedanke, dass der Arzt den Mann irgendwo (bei sich zuhause?) zu einem Essen (Drink?) eingeladen ha
Der Gedanke kam mir auch, nur hieße das ja auch, dass er diesen Gift einfach mal vorrätig bei sich zu Hause hätte oder dem Mord tatsächlich schon länger geplant hatte.



@Menedemos

Ich grüble noch immer über diese Buchidee:
Menedemos schrieb:und Menschen in seiner Umgebung wussten, dass er im Besitz eines solchen Buches ist.
Falls er das Buch vor der Tat besessen hätte, hätte auch die Flucht nach vorne nicht viel Sinn gemacht. Denn wenn das Wissen anderer um dieses Buch ihn zur Ausrede veranlasste, dann fällt es doch auf, dass er behauptet, er hätte das Buch erst nach der Tat erhalten. Das kann er Leuten, die von dem Buch bereits früher wussten, gar nicht einreden.

Ebenso wäre es mehr als verdächtig, dass ausgerechnet aus seinem Buch dann der Zettel gerissen wurde.

Von daher scheidet dieses Motiv eigentlich auch.

entweder wussten Leute vorher schon vom Buch, dann macht es keine Sinn, eine Geschichte zu erfinden, die seinen Besitz durch eine spätere Aktion erklären soll.

Oder niemand wusste davon, dann hätte er die Ausrede gar nicht gebraucht. er hätte nämlich das Buch gleich wegschmeißen können.

Möglicherweise hat er aber vergessen, es zu entsorgen. Als es ach der Tat jemanden auffiel, erzählte er eben die Geschichte mit dem Auto.
Er könnte das Buch schon lange besessen haben zum Codieren von Botschaften, aber keiner wusste es. Oder es war das Buch des SM, der dem Arzt die Codes überreichte.


melden

Der Somerton-Mann

04.11.2019 um 20:01
off-peak schrieb:Unterwäsche, ja, Socken, nein. Wir wissen ja auch nicht, wie viel Unterwäsche und in welcher Zusammensetzung das war. Unterhosen wechselt der gepflegte Herr täglich, aber ein U-Hemd kann man auch schon mal zwei oder drei Tage tragen.
Ebenso Socken
Es mag ja sein, dass man nicht so viele Socken wie Unterhosen braucht. Aber kein einziges Paar? Bei einem Mann, der auf sein gepflegtes Äußeres achtet, kann ich mir das weiterhin nur schwer vorstellen. Aber ich habe, wie schon gesagt, momentan auch keine vernünftige Erklärung dafür.
off-peak schrieb:Der wollte daher nicht lange bleiben, war eventuell auf dem Weg nach Hause, und hatte eben nur diese kurze Stippvisite eingeplant.
Aber nach welchem "nach Hause"? Wenn er nur eine "Stippvisite" machte, dann müsste er Australier gewesen sein oder zumindest in Australien gelebt haben. Aber warum konnte er dann nicht identifiziert werden? Aber ich gebe dir durchaus Recht, nach einem Weltreisenden sieht der magere Inhalt seines Koffers überhaupt nicht aus. Jemand ist auf Weltreise und hat kein einziges Paar Socken dabei? Undenkbar.
off-peak schrieb:Ah, nicht so schnell verzagen. Er könnte das sehr wohl geplant haben. Nach dem Meeting am Strand (oder vielleicht auch nur ein Strandspaziergang aus sentimentalen Gründen?) zurück zum Bahnhof und den Koffer holen.
Aber es bleibt dabei, dass er in Somerton keine sichere Übernachtungsmöglichkeit hatte, sonst hätte er m.E. den Koffer gleich mitgenommen. Rausfahren, wieder in die Stadt zurück, dann wieder raus - unwahrscheinlich.
off-peak schrieb:Der Gedanke kam mir auch, nur hieße das ja auch, dass er diesen Gift einfach mal vorrätig bei sich zu Hause hätte oder dem Mord tatsächlich schon länger geplant hatte.
Das "Gift" kann doch auch eine Substanz gewesen sein, die in niedriger Dosierung als Medikament gilt, für Barbiturate trifft das z.B. zu. Und so was kann man als Arzt durchaus vorrätig haben.
off-peak schrieb:Falls er das Buch vor der Tat besessen hätte, hätte auch die Flucht nach vorne nicht viel Sinn gemacht. Denn wenn das Wissen anderer um dieses Buch ihn zur Ausrede veranlasste, dann fällt es doch auf, dass er behauptet, er hätte das Buch erst nach der Tat erhalten. Das kann er Leuten, die von dem Buch bereits früher wussten, gar nicht einreden.
Da hast du wohl Recht. Natürlich könnte man z.B. Folgendes konstruieren: Das Buch war vorher bei ihm zu Hause im Bücherregal, landete dann aber im Zuge des Mordgeschehens irgendwie in seiner Praxis, wo es von Mitarbeitern gesehen wurde. Aber klingt das plausibel?
off-peak schrieb:Oder es war das Buch des SM, der dem Arzt die Codes überreichte.
Ich bin ein bißchen skeptisch gegenüber jeglichen Geheimdienst-Geschichten. Es ist doch das Wesen der Agentenwelt, möglichst wenig aufzufallen. Hier scheint dagegen fast alles getan worden zu sein, um die Sache spektakulär und mysteriös erscheinen zu lassen. Schon die Wahl des Ablageorts des SM war ganz offenbar nicht vom Gedanken getragen, eine Leiche möglichst unauffällig verschwinden zu lassen... Außer, man wollte ein Exempel statuieren. Aber wozu dann der kindische Quatsch mit dem "Tamam Shud"??


Naja, momentan kann ich nur kritisieren, ohne selbst irgendwelche konstruktiven Ideen zu haben. Muss mal in mich gehen und über den Fall in Ruhe nachdenken. Ergebnisse kann ich leider trotzdem nicht versprechen... ;)


melden

Der Somerton-Mann

04.11.2019 um 20:27
@Menedemos

Wo immer man einen Faden aufnimmt, fürht er zunächst prima weiter, bis man über etwas stolpert, das nicht dazu passt. Dummerweise aber passt immer weider irgend etwas gar nicht zu keiner These. Es ist zum Haareraufen.


melden
Anzeige

Der Somerton-Mann

12.11.2019 um 15:02
Hallo @alle !


Ich denke nach wie vor das der Mann aus Amerika angereist ist und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit geistig verwirrt war.

Je nach dem wie ausführlich die Quellen die Kleidung beschreiben, stammte diese zumindest aus Amerika und war für das in Australien herschende Wetter einfach zu warm. In der Hasentasche fand man die herausgerissene Seite eines Buches und das Buch selbst wurde in das Auto einer unbeteidigten Person geworfen und im Buch wurde eine Buchstabenfolge gekritzelt, die keinen Sinn ergibt. Das alles erinnert mich an den Yogtze Fall, über den es hier auch einen Thread gibt.


Gruß, Gildonus


melden
329 Mitglieder anwesend
Konto erstellen
Allmystery empfiehlt
Brave
Browser
Ein neuer Browser, der deine Privatsphäre schützt und standardmäßig Werbeanzeigen blockiert.
ausprobieren
Allmystery Newsletter
Alle zwei Wochen
die beliebtesten
Diskussionen per E-Mail.

Themenverwandt