blaomat schrieb:
JestersTear schrieb:Und ein ultrarechter Täter, die man in den frühen 80s noch mit der Lupe suchen musste, ist schwer vorstellbar, weil "Linke" damals nicht das primäre Feindbild von denen waren.
Das sehe ich anders, die Linken waren auch damals schon eines der Feindbilder der Rechten neben Ausländern, Schwulen und Obdachlosen.
Jetzt müssen wir aufpassen, daß es nicht so sehr OT wird:
richtig ist, daß rechte Gewalt im Verlauf der 1980s stetig zunahm und später nach der Wiedervereinigung explodierte.
Skinhead-Gangs entstanden in den 80s (in England eher ein Problem der späten 60s), Fussballkurven radikalisierten sich und Wehrsportgruppen verübten Anschläge, Ziele waren aber tatsächlich eher Migranten , Minderheiten, oder willkürlich gewählt (Oktoberfest).
Linke entdecke ich auf der Liste vor dem Fall der Mauer spontan nur zwei:
Wikipedia: Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik DeutschlandAndreas Ostermeier, der 1966 im Alter von 63 Jahren von einem 70jährigen in einem Wirtshaus (!) getötet wurde (wird einiges an Suff dabei gewesen sein) und Rudi Dutschke, der an den Spätfolgen des Attentats verstarb.
Um zu Sibylle zurückzukommen: Linke waren in den frühen 80s mMn noch nicht das primäre Feindbild bzw. Angriffsziel.
Der Zeitgeist der 1980s war in der gesamten westlichen Welt anders als der in den 60s oder 70s.
Nur ändern sich Zeitgeister nicht automatisch mit, wenn die Uhr am 31.12.79 um 23:59 auf den 01.01.1980 und 0:00 Uhr umspringt.
Der Todeszeitpunkt Sibylles im März 1983 gehört mMn in Sachen Zeitgeist noch zu den Ausläufern der linken 1970er.
Die Änderung kam durch Reagan, Thatcher und Kohl mit der von ihm propagierten "geistig moralischen Wende" Er wurde am Todestag S.G. erstmals im Amt bestätigt . Die 1980er, so wie wir sie in Erinnerung haben, begannen erst anschließend so wirklich.
Während das linke Zeitalter auch "linke Gewalt" mit sich brachte (z.B. in Form einer RAF), brachte das im Westen gerade anbrechende "konservative Zeitalter" in den kommenden Jahren vermehrt rechte Gewalt mit sich.
Zu Beginn des Jahres 1983 waren tödliche Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken auf den Straßen der alten BRD noch überhaupt kein Thema.
Die frühen 1980s waren aber auch das Zeitalter der Buttons und Sticker.
Jeder kannte die "Atomkraft ? Nein Danke" Anstecker oder Aufkleber.
Falls Sibylle wirklich bei den Jusos gewesen sein sollte (so ganz sicher schien sich
@Sulina ja nicht gewesen zu sein), hat sie am Tag einer der polarisierendsten Bundestagswahlen überhaupt vielleicht einen JUSO oder SPD-Sticker an Jacke oder Tasche getragen.
Nehmen wir mal an, sie wäre tatsächlich auf so einen Rechtsaußen gestoßen (gab´s in S-Münster eigentlich viele davon?), wäre dieser Button bei einer 16jährigen doch höchstens Grund für eine Verarsche gewesen ( "Na Mädele, da hat das rote Gesocks aber heute krachend verloren!").
Wie soll sich solch eine Situation denn in Sekunden so hochschaukeln, daß daraus vier Messerstiche werden ?