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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

17.450 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Ungeklärt, Feuer ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 13:33
Zitat von HistokratHistokrat schrieb:Dass plötzlich die Reiseroute geändert wurde, obwohl es nördlich von Traunstein ja weit weniger touristische Attraktionen gibt als südlich der A8 und im Berchtesgadener land, muss nichts bedeuten.
Das denke ich auch. Es gibt ja grob mindestens zwei Sorten Reisende:
- die, die alle Hotspots möglichst effektiv abklappern will (Stichwort "Europarundreise in 10 Tagen", die japanische Art des Reisens in Europa, bzw. heute würde man an Instagramer denken, aber die Idee an sich ist ja nicht neu, man will das Wichtigste gesehen haben und hinterher hat man dann die Peergroup in einem Diaabend belästigt);
- die Sorte, die sich auch einfach mal treiben lässt, guckt, wo es einen hinführt, "irgendwie ist es überall schön, morgen ist auch noch ein Tag und der wird sicher auch toll".

Ich denke, die L. gehörten eher zur zweiten Sorte. Sie hatten Zeit, sie hatten keinen Streß. Dort am Hölzl zu sitzen war allemal besser als in den Niederlanden auf ein güllebeladenes Feld zu gucken. Jedes andere tollere Ziel in der Umgebung hätten sie sich theoretisch am nächsten Tag angucken können und das wussten sie auch.

Ich glaube, der Grund für den Mord war letztlich völlig banal. Mir fällt da nichts anderes ein als "die Banalität des Bösen", auch wenn die Wendung aus einem ganz anderen Zusammenhang kommt. Wer weiß, wenn sie die Liegestühle gar nicht rausgestellt hätten, sondern einfach nur einen kurzen Spaziergang gemacht hätten in der Zeit und dann wieder weggefahren, wäre nichts passiert. Mich würde mal interessieren, ob evtl. andere Wohnmobilisten im Umkreis im Zeitraum merkwürdige Erfahrungen gemacht haben.


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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 13:56
Ich sehe bei den L.s einige Parallelen zu den Annecy-Morden 2012 (auch wenn das sicher nicht der gleiche Täter war).
- ländliche Gegend
- abgelegener Parkplatz, aber nicht so abgelegen, dass nicht regelmäßig auch Leute vorbeikämen
- Opfer offensichtlich keine Einheimischen, bei L. reichte der Blick aufs Nummerschild, und der Täter wird sie ziemlich sicher auch von der Sprache identifiziert haben, bei der Familie Al-Hilli war auch auf den ersten Blick klar, wo die Leute herkamen, Rechtslenkerfzg., Nummernschild, äußerliche Aspekte).
- in beiden Fällen Übertötung (in Annecy hatten alle Opfer weit mehr Schussverletzungen, als zum Töten erforderlich gewesen wäre, den L. sind noch die Kehlen durchgeschnitten worden)
- ungewöhnliche Waffen (mehrere Jahrzehnte alte Luger, Tokarev oder bauähnliche, die kein typisches Kaliber verschiessen), die aber aus Altbeständen vermutlich häufig und oft illegal in privater Hand sind, nicht z.B. eine Allerwelts-Sportschützenwaffe wie eine Kleinkaliberpistole (die, wenn legal besessen, auch registriert gewesen wären)
- keinerlei Erkenntnisse oder Ideen zu den Tätern.

Ich will hier nicht zu sehr über Annecy quatschen, da es einen eigenen Thread gibt. Aber trotzdem kann ich in diesem Zusammenhang die Seite Bulletpath http://bulletpath.co.uk/annecy-murders-link-to-hungerford-massacre/ empfehlen, weil der Autor auch viel auf Schusswaffengewalt im ländlichen Raum eingeht und er noch andere Fälle aus England und Frankreich aufführt, die für mich irgendwie zusammenpassen. Auch der Mord an dem rastenden Autofahrer in Bergheim weist Parallelen auf. Interessant finde ich seine Meinung zu zerballerten Verkehrsschildern. Auch auf dem Bergheimer Parkplatz war ein zerschossenes Verkehrsschild. Überlegung ist, dass sich u.U. spätere Opfer am falschen Ort aufhalten, die mehr oder weniger Geistesgestörte als ihr Territorium betrachten, um ihrem Hobby nachzugehen.


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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 15:49
@megavolt
Danke für Das Herausstellen der Parallelen zu Annecy.
In den 1990er Jahren war im Salzburger Land ein ähnliches Phantom unterwegs. Dieses hat u.a. dann eine französische Familie, die mit einem Wohnmobil unterwegs war, beschossen. Allerdings wurde dieser Fall geklärt.

XY-Filmfall 1 vom 28.10.1994

Jedenfalls scheint es einen Typus Mensch zu geben, der mit einer Waffe in der Landschaft unterwegs ist und keine Probleme damit hat, auch auf Menschen zu schießen. Woher dann, wie im Hölzl und Annecy eine derartige Vernichtungswut kommt, kann ich mir nicht erklären.

Mit dem von Dir @megavolt genannten Stichpunkt
Zitat von megavoltmegavolt schrieb:- keinerlei Erkenntnisse oder Ideen zu den Tätern.
ist leider sehr viel gesagt. Ich fürchte, dass hier der Zufall eine ganz brutale Rolle gespielt hat. Zur falschen Zeit am falschen Ort.


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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 16:47
Zitat von Gast_01Gast_01 schrieb:In den 1990er Jahren war im Salzburger Land ein ähnliches Phantom unterwegs.
Ah, Danke, das ist interessant, war mir nicht bekannt.

Man sucht irgendwie immer nach einem "vernünftigen" Motiv, nach etwas, was man als Normaldenkender nachvollziehen kann. Habgier, Streitigkeiten, gekränkte Eifersucht, Libido, etc., meinetwegen auch Verdeckung von irgendetwas, was dem Täter wichtig war, ein Versteck, etc. Solange die Taten nicht aufgeklärt sind, können prinzipiell auch alle in Frage kommen. Aber es gibt eben auch den Tätertypus, der jemanden aus von außen nicht nachvollziehbaren Gründen umbringt und ansonsten möglicherweise völlig unauffällig integriert ist. Die Kombination, in dem Moment Macht zu haben bei psychischer Auffälligkeit wird eine Rolle spielen. Vielleicht gehört auch der Fall Werner Senger in Erkrath Mitte der 90er Jahre in eine solche Täterkategorie. Die Kombination Waffenbesitz und psychisch merkwürdige Beweggründe waren auch im Fall des Truckers, der jahrelang auf Autotransporter und PKWs schoss und nur durch Glück niemanden umgebracht hat, auffallend. Autotransporter Fall . Alle ärgern sich mal im STraßenverkehr, aber im Promillebereich ticken manche dann aus.

Wer weiß, was es war bei den Langendonks. Vielleicht war es nur ein Stück niedergefahrenes Gras in der Fahrspur des Wohnmobils in der Wiese. Vielleicht hat er gerade gesehen, wie Herr L. seinen Rest Kaffee in die Wiese schüttete oder einen Apfelkrotzen ins Gebüsch warf. Vielleicht war es nur die Anwesenheit der beiden Niederländer in dieser Landschaft. Für mich war das keine geplante und keine organisierte Tat und auch z.B. kein Raubmord. Es gibt genug Leute, die andere für ein paar Mark oder Gulden umbringen würden, aber doch nicht, um das Geld hinterher Taxifahrern in den Rachen zu werfen.


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29.05.2026 um 17:06
Zitat von Gast_01Gast_01 schrieb:@megavolt
Danke für Das Herausstellen der Parallelen zu Annecy.
In den 1990er Jahren war im Salzburger Land ein ähnliches Phantom unterwegs. Dieses hat u.a. dann eine französische Familie, die mit einem Wohnmobil unterwegs war, beschossen. Allerdings wurde dieser Fall geklärt.
@Gast_01:
Ich kannte den Fall nicht und ich kenne auch die Einzelheiten nicht, denke aber, zwischen "jemand beschießen" (wurde überhaupt jemand getroffen?) und auf jemand mit Tötungsabsicht zu schießen und ihm die Kehle durchzuschneiden und ebenso seiner Frau ist schon ein großer Unterschied.
Ich sehe hier ganz unterschiedliche Täterprofile am Werk.


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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 17:36
Zitat von megavoltmegavolt schrieb:Warum soll man denn in Sichtweite eines Modellflugclubs verabredet werden? Warum nicht woanders, wo es abgeschiedener ist? Warum nicht an einem Ort, wo der andere Part leichter weg kommt, wenn etwas schiefläuft, als wie hier mit umständlicher Taxifahrt? Und wenn man sie von vorneherein umbringen wollte, warum dort? Es gab doch Zeugen - die waren halt nur zu untätig, um mal nachzuschauen oder die Polizei zu rufen - aber das hätte der Täter ja nicht ahnen können.
@megavolt:
Ich gehe mal auf deine Argumente einzeln ein:

1.
Zitat von megavoltmegavolt schrieb:Warum soll man denn in Sichtweite eines Modellflugclubs verabredet werden? Warum nicht woanders, wo es abgeschiedener ist?
Der Flugplatz für Modellflugzeuge war ca. 300 m weit entfernt, das ist weit entfernt genug, dass dort Anwesende einen am Wohnmobil stattfindenden Überfall nicht mitbekommen. So war es dann ja auch. Der Ort darf auch nicht zu weit abgeschieden sein, also z.B. mitten im Wald, weil sonst die Langendonks sicher Verdacht geschöpft hätten. Der Ort durfte aber auch nicht attraktiv für andere Touristen sein.

2.
Zitat von megavoltmegavolt schrieb:Warum nicht an einem Ort, wo der andere Part leichter weg kommt, wenn etwas schiefläuft, als wie hier mit umständlicher Taxifahrt?
Möglicherweise war der Täter nicht mit einem Pkw motorisiert, vielleicht war er auch auf den Bus angewiesen, und da gibt es in der Nähe eine Haltestelle. Ausserdem widerspricht diese Anforderung an einen aus Sicht des Täters geeigneten Tatort dem 1. Argument in gewisser Weise: Je abgeschiedener ein möglicher Tatort wäre, desto schlechter ist er oft angebunden. Also: Woher so einen Tatort nehmen, wenn es ihn nicht in der Nähe gibt?

3.
Zitat von megavoltmegavolt schrieb:Und wenn man sie von vorneherein umbringen wollte, warum dort? Es gab doch Zeugen - die waren halt nur zu untätig, um mal nachzuschauen oder die Polizei zu rufen - aber das hätte der Täter ja nicht ahnen können.
Also, wenn man dem Täter eine intelligente Tatplanung unterstellt (woran ich sehr zweifle), dann erscheint mir dieser Tatort sehr geeignet durch die Nähe des Waldes. Wie es auch tatsächlich geschehen ist, interpretierten die Zeugen die Schüsse als die eines Jägers und blieben DESHALB untätig.

Es gibt noch weitere Anforderungen an einen geplanten Tatort: Er durfte nicht zu weit weg von der Reiseroute der Langendonks sein und der Täter musste ihn gut kennen.

Wenn man all diese Anforderungen zusammennimmt, finde ich, dass das Holzl für die Tatausführung ein recht gut geeigneter Platz war. Das hat sich dann ja auch durch den Tatablauf bestätigt.


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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 18:33
Zitat von Sherlock_HSherlock_H schrieb:Wenn man all diese Anforderungen zusammennimmt, finde ich, dass das Holzl für die Tatausführung ein recht gut geeigneter Platz war. Das hat sich dann ja auch durch den Tatablauf bestätigt.
Ja, insofern "geeignet", da der Täter bei der Tatausführung oder in der Zeit, bis er das Womo weggefahren hat, nicht erwischt worden ist. Ich denke auch, dass der Täter nicht zugeschlagen hätte, wenn die Langendonks sich z.B. direkt auf den Parkplatz der Modellflieger gestellt hätten.
Zitat von Sherlock_HSherlock_H schrieb:Also, wenn man dem Täter eine intelligente Tatplanung unterstellt (woran ich sehr zweifle), dann erscheint mir dieser Tatort sehr geeignet durch die Nähe des Waldes.
Da komme ich bei Deiner Argumentation nicht ganz mit. Also Du denkst, der Täter war nicht intelligent? Und weil er sich für intelligent hielt, hielt er auch den Tatort für geeignet. Da er aber eigentlich gar nicht intelligent war, war im Umkehrschluss der Tatort nun doch nicht geeignet oder was willst Du sagen?

Ich persönlich kann aus den Fakten nicht herauslesen, ob er intelligent war oder nicht. Ich denke, dass er in einer Art Ausnahmesituation gehandelt hat und in dem Moment hat man wenig Zugriff auf seine Intelligenz, egal wie ausgeprägt die auch sein mag. Erst nach der Tat hat er langsam wieder die Oberhand über diese Problemlösefähigkeiten gewonnen. Ich denke, vermutlich wusste er morgens noch nicht, dass er heute zum Mörder wird. Und die Langendonks waren völlig arglos. M.E. gab es kein verabredetes Treffen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Täter einen Ort aussucht, den er mit dem Linienbus erreichen muss (wie oft fahren Linienbusse auf dem Land? 2x am Tag? vermutlich um morgens die Schulkinder von den umliegenden Häusern einzusammeln und nachmittags zurückzubringen).

Ich sehe einen Typ Täter vor mir, der eher Einzelgänger ist, eine Waffenkultur pflegt, eine Impulskontrollstörung hat, möglicherweise nur soweit Bezug zur Gegend hatte, dass er weiß, wo er ist, wie er wegkommt und auch wieder hinkommt, und nicht zum ersten Mal getötet hat. Nicht deswegen, weil er jemanden erschossen hat, sondern weil er auch noch die Kehlen durchgeschnitten hat. Zusammen mit der Waffe und dem Zeitpunkt 1990er Jahre halte ich einen Balkankriegsteilnehmer für einen wahrscheinlichen Täter.
Aber leider ist der Fall insofern undankbar, weil es nicht wirklich Anknüpfpunkte gibt. Und meine Überlegungen sind sehr unspannend und wenig geheimnisvoll. Die Frage ist ja eigentlich nur, wer war damals so krank, dass er eine solche Tat begeht und hatte damals Zugriff auf eine passende Tatwaffe?

Ich habe als Kind selbst mal Erfahrungen gemacht, unfreiwillig, aber zum Glück ist nichts weiter passiert, außer was fürs Leben gelernt zu haben. Als 6. Klässler stieg ich mit meinem Kumpel in die - dachten wir beide - völlig leere S-Bahn ein, um von der Schule nach Hause zu fahren. Über die Trennwände der einzelnen Sitzgruppen sahen wir niemanden sitzen. Auf dem Platz, den wir uns aussuchten, lag eine vergessene Zeitung. Die hab ich spaßeshalber hinter mich geworfen. Einen Moment später stand ein bulliger Typ neben uns, die Zeitung in der Hand. Er muss unterhalb der Sitzlehnen mehr gelegen als gesessen haben. Mit der Frage, wer die von uns geworfen hätte, schlug er mit der Zeitung auf uns ein, völlig ungehemmt, ohne irgendein Wort abzuwarten. Das war schon ziemlich überraschend, und heftig. Wir sind dann recht verstört sitzen geblieben. Zwei Stationen weiter kam er vorbei. Völlig anderer Typ plötzlich. Hat sich wortreich und tausendmal entschuldigt für seinen Gefühlsausbruch. Er hätte sich manchmal nicht im Griff. Aber natürlich passiert das solchen Leuten nicht nur einmal. Ist nur die Frage, wie ausgeprägt das ist und was sie zur Verfügung haben in dem Moment.


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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 20:40
Zitat von Sherlock_HSherlock_H schrieb:@Gast_01:
Ich kannte den Fall nicht und ich kenne auch die Einzelheiten nicht, denke aber, zwischen "jemand beschießen" (wurde überhaupt jemand getroffen?) und auf jemand mit Tötungsabsicht zu schießen und ihm die Kehle durchzuschneiden und ebenso seiner Frau ist schon ein großer Unterschied.
Ich sehe hier ganz unterschiedliche Täterprofile am Werk.
Nun, wie ich bereits schrieb:
Zitat von Gast_01Gast_01 schrieb:Jedenfalls scheint es einen Typus Mensch zu geben, der mit einer Waffe in der Landschaft unterwegs ist und keine Probleme damit hat, auch auf Menschen zu schießen. Woher dann, wie im Hölzl und Annecy eine derartige Vernichtungswut kommt, kann ich mir nicht erklären.
Auch der Salzburger Täter hat sich gesteigert, bis er dann auf Menschen schoss und einen auch schwer verletzt hat.
Der ominöse Autobahnschütze hat mit einer Kleinkaliberwaffe angefangen und ist dann auf 9mm Para umgestiegen. D
Der Gedanke, dass es ein rationales Motiv gibt, war bisher nicht wirklich zielführend. Ich fürchte, dass @megavolt mit seiner Beschreibung in die richtige Richtung geht:
Zitat von megavoltmegavolt schrieb:Ich sehe einen Typ Täter vor mir, der eher Einzelgänger ist, eine Waffenkultur pflegt, eine Impulskontrollstörung hat, möglicherweise nur soweit Bezug zur Gegend hatte, dass er weiß, wo er ist, wie er wegkommt und auch wieder hinkommt, und nicht zum ersten Mal getötet hat. Nicht deswegen, weil er jemanden erschossen hat, sondern weil er auch noch die Kehlen durchgeschnitten hat. Zusammen mit der Waffe und dem Zeitpunkt 1990er Jahre halte ich einen Balkankriegsteilnehmer für einen wahrscheinlichen Täter.
Aber leider ist der Fall insofern undankbar, weil es nicht wirklich Anknüpfpunkte gibt. Und meine Überlegungen sind sehr unspannend und wenig geheimnisvoll. Die Frage ist ja eigentlich nur, wer war damals so krank, dass er eine solche Tat begeht und hatte damals Zugriff auf eine passende Tatwaffe?
Nicht ganz konform gehe ich mit dem "zum ersten Mal getötet". Auch wenn die Kehlschnitte als völlige Übertötung sich darstellen, so kann es dennoch die erste Tat gewesen sein. Bei dem Salzburger Phantom hat der Komplize auch bereits sein Samuraischwert gezückt, als der Haupttäter auf Menschen schoss. Dies wurde in dem Beitrag von "Hallo Deutschland" gesagt. Ich schaue, ob ich den hier verlinkt bekomme.


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29.05.2026 um 22:04
@Sherlock_H
Deine 3 Punkte auf die Du eingehst widersprechen sich in allem.
Punkt 1. Einerseits bekommen deine Modellflieger genau mit dass es auch mehrere Täter sein können wie du schreibst und jetzt bekommen sie keinen Überfall mit.
Punkt 2. Die Bushaltestelle ist nur Querfeldein über eine Anhöhe erreichbar und das erfordert mindestens einen der zwei Versuche diesen Weg zu gehen und vom Bushäusl aus gibt es zum jetzigen Bauhof damals Mülldeponie mehr als einen für denen Plan besseren Platz.
Punkt 3. Dieses kleine Waldstück ist privat und die Schüsse wurden sicher nicht dort am Waldrand vermutet sondern in einem anderen Waldstück.


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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

29.05.2026 um 22:07
@Gast_01
Danke für deinen Hinweis auf den sehr interessanten Fall.
Den kannte ich noch nicht.


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29.05.2026 um 22:18
Zitat von Gast_01Gast_01 schrieb:so kann es dennoch die erste Tat gewesen sein.
Ja, das ist auch durchaus denkbar. Manche haben vorher eine solche Tat schon oft genug in der Phantasie durchlaufen, dass der Schritt dann gar nicht mehr so groß ist, wie wir das als Normaldenkende uns vorstellen könnten.
Wir wissen auch nicht, was genau in dem Zeitraum von Mord bis Losfahrt passiert ist. Ich denke, es kann gut sein, dass er neben den banalen Dingen wie sich säubern, ggf. Kleidung wechseln, auch eine Zeit gebraucht hat, um überhaupt wieder klar denken zu können und einen Plan zu entwickeln. Auch wenn das für den Täter insofern gut ausgegangen ist, dass man ihn nicht geschnappt hat, hat er aus meiner Sicht mit der merkwürdigen Fluchtroute ein höheres Risiko eingegangen als wenn er z.B. bis zur späteren Nacht gewartet hätte und den Camper dann vor Ort in Brand gesetzt hätte. Es gab ja für den Täter keinerlei Vorhersage, ob es am späteren Abstellort des Campers oder dort im Hölzel wahrscheinlicher gewesen wäre, z.B. beim Verlassen des gerade brennenden Campers gesehen zu werden. So hätte er sich aber z.B. eine stundenlange Taxifahrt gespart mit dem Risiko, dass sich jemand an wichtige Details erinnert. Das Phantombild hätte es nicht gegeben, wenn er nicht Taxi gefahren wäre. In dem Fall würde man heute völlig ohne Informationen zu Aussehen, Dialekt, welche Währung er bei sich hatte, da stehen.
Also insgesamt eher unorganisierter Tätertypus, was für @Sherlock_H 's Eindruck spricht, dass er nicht übermässig intelligent war.


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29.05.2026 um 22:29
Von Siegsdorf aus (Telefonat der Langendonks mit der Tochter) ist der Weg ins Hölzl bis zur ersten Sichtung der Modellflieger dort nur auf direktem Wege mitten durch Traunstein (die Umfahrung gab es damals noch nicht) möglich und das kann nur zufällig gewesen sein. Ich habe dass mit einer Wegebeschreibung mit nicht ortskundigen ein paar mal getestet und entweder war meine Beschreibung so schlecht oder Harry L. so intelligent.


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29.05.2026 um 23:00
@megavolt
@Sherlock_H
Ich tue mich mit dem undifferenzierten Begriff "intelligent" etwas schwer.
Auch mit einer psychischen Störung kann man durchaus klug Handeln, ohne dass die bösen Geister die Oberhand gewinnen.

In diesem Fall sieht es dann so aus: Vom Führen einer Tokarev bei mutmaßlich Null Bedrohungslage über die Tat vom Grunde her, über die Tatausführung, die WoMo-Tour nach der Tat bis hin zu der Odyssee zurück zum Hölzl: Da waren garantiert Handlungen dabei, bei denen die inneren Dämonen in dieser Situation über das klare Denken gesiegt hatten. Dies muss aber kein Zeichen von generell minderer Intelligenz sein.


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29.05.2026 um 23:09
@Gast_01
Ich denke eher das auf jede Aktion eine Reaktion erfolgt und wenn diese Reaktion nicht so ausfällt wie gewünscht dann kommt die nächste Aktion auf die wieder eine Reaktion folgt und so hangelte er sich über diesen Tag.


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29.05.2026 um 23:26
@Gast_01
Du hast völlig Recht. Man weiß zu wenig von der Tat und naturgemäß auch vom Täter. Ich glaube allerdings, dass es eine Zufallstat war aus einem Impuls heraus von einem Täter, der geistig eben nicht normal war, um nicht gleich zu sagen, ein Psychopath. Und solche eher unorganisierten, ungeplanten Taten werden statistisch eher von nicht ganz so intelligenten Tätern verübt.
Aber so unklar wie alles ist, kann auch gut irgendetwas anderes dahinterstecken, je nachdem, wie man sich die Fakten sortiert.
Ich muss zugeben, wenn Kurt-Werner Wichmann da nicht schon tot gewesen wäre, könnte ich auch an ihn dabei denken. Allerdings scheint der nach der Tat professioneller und routinierter vorgegangen zu sein als mir das hier vorkommt...
Vielleicht ist der Täter mit ganz anderen Taten in Erscheinung getreten und die Zusammenhänge sind bisher nicht offensichtlich.


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29.05.2026 um 23:42
Zitat von JomikoJomiko schrieb:Deine 3 Punkte auf die Du eingehst widersprechen sich in allem.
Punkt 1. Einerseits bekommen deine Modellflieger genau mit dass es auch mehrere Täter sein können wie du schreibst und jetzt bekommen sie keinen Überfall mit.
Die Modellflieger sahen Leute, aber sie haben nicht erkannt, dass es ein Überfall war, weil sie dafür zu weit weg waren - wo ist da ein Widerspruch?
Zitat von JomikoJomiko schrieb:Punkt 2. Die Bushaltestelle ist nur Querfeldein über eine Anhöhe erreichbar und das erfordert mindestens einen der zwei Versuche diesen Weg zu gehen und vom Bushäusl aus gibt es zum jetzigen Bauhof damals Mülldeponie mehr als einen für denen Plan besseren Platz.
Das stimmt so nicht: Die Bushaltestelle war zumindest damals direkt an der B304. Die Langendonks sind auf der B304 gefahren und von dort in den Weg ins Holzl eingebogen. Sie sind mit ihrem WoMo auch nicht querfeldein gefahren.
Zitat von JomikoJomiko schrieb:Punkt 3. Dieses kleine Waldstück ist privat und die Schüsse wurden sicher nicht dort am Waldrand vermutet sondern in einem anderen Waldstück.
Nach übereinstimmenden Aussagen der Zeugen dachten diese, dass es sich um Schüsse bei einer Jagd auf Wild handelt. Insofern war der Plan des Täters, wenn er denn einen Plan hatte, erfolgreich. Wo gibt es hier einen Widerspruch?


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29.05.2026 um 23:56
Zitat von megavoltmegavolt schrieb:Da komme ich bei Deiner Argumentation nicht ganz mit. Also Du denkst, der Täter war nicht intelligent? Und weil er sich für intelligent hielt, hielt er auch den Tatort für geeignet. Da er aber eigentlich gar nicht intelligent war, war im Umkehrschluss der Tatort nun doch nicht geeignet oder was willst Du sagen?
@megavolt:
1. Das Argument, das ich versucht habe zu widerlegen, war, dass es keine geplante Tat gewesen sein kann, weil der Tatort ungeeignet dafür wäre, oder mit anderen Worten: Wäre die Tat geplant gewesen, hätte der Täter einen besser geeigneten Platz dafür ausgesucht.

Ich habe versucht zu zeigen, dass der Platz schon geeignet war, dass also auch die Tat geplant gewesen sein kann.

2. So kopflos, wie der Täter meiner Meinung nach auf seinem Weg vom Waldparkplatz bei Nürnberg zurück ins Hölzl vorgegangen ist, glaube ich nicht, dass es sich um einen intelligenten Täter handelt. Deshalb glaube ich, dass er den Tatort für den Doppelmord nicht sorgfältig, sondern eher "aus dem Bauch heraus" ausgesucht hat.

Einen klaren Plan, der durchdacht ist und den der Täter Punkt für Punkt umsetzt, kann ich nicht erkennen.


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30.05.2026 um 00:49
@Sherlock_H
Danke für die Erläuterungen :-) .
Da sehe ich einige Übereinstimmungen mit meinen Eindrücken.

Vielleicht hatte der Täter morgens eine Idee, heute jemanden zu töten, viellicht war es ihm bis zu diesem Moment unklar. Ich glaube nur irgendwie nicht, dass die Langendonks an diesen Ort beordert worden sind und eine Ermordung vom Täter in diesem Punkt vorbereitet war. Ich glaube, wenn es nicht die Langendonks gewesen wären, hätte es vermutlich auch jemand anderen treffen können, vielleicht das türkische Paar, das gerade den Grill aus dem Kofferraum räumt oder drei bayerische Jugendliche, die auf der Wiese kiffen und laute Musik hören. Es war jemand, der sich stört, wenn etwas gegen seine Vorstellungen verläuft und möglicherweise haben die Langendonks ihm irgeneinen, ganz nichtigen Anlass geliefert. Glaube ich ;-).


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30.05.2026 um 09:14
@megavolt:
Ich denke, dass der Fall leider nicht mehr aufgeklärt werden wird. Selbst wenn es uns gelänge, die Motive des Täters zu ergründen, würde das wohl nicht zum Täter führen.

Ich denke, auch die Ermittlungsbehörden sind vor allem an der Täterermittlung interessiert und nicht so sehr an Spekulationen über das Tatmotiv.


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30.05.2026 um 11:01
@Sherlock_H
@megavolt
Der in dieser Diskussion bereits verlinkte FOCUS-Artikel aus dem Jahre 2019 fasst es meiner Meinung nach sehr gut zusammen. Auch die OFA München wurde wohl relativ früh eingebunden, konnte aber auch nicht entscheidend weiterhelfen:

Doppelmord vor 22 Jahren: An diesem Fall verzweifelt selbst Deutschlands Top-Profiler


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