Sherlock_H schrieb:Wenn man all diese Anforderungen zusammennimmt, finde ich, dass das Holzl für die Tatausführung ein recht gut geeigneter Platz war. Das hat sich dann ja auch durch den Tatablauf bestätigt.
Ja, insofern "geeignet", da der Täter bei der Tatausführung oder in der Zeit, bis er das Womo weggefahren hat, nicht erwischt worden ist. Ich denke auch, dass der Täter nicht zugeschlagen hätte, wenn die Langendonks sich z.B. direkt auf den Parkplatz der Modellflieger gestellt hätten.
Sherlock_H schrieb:Also, wenn man dem Täter eine intelligente Tatplanung unterstellt (woran ich sehr zweifle), dann erscheint mir dieser Tatort sehr geeignet durch die Nähe des Waldes.
Da komme ich bei Deiner Argumentation nicht ganz mit. Also Du denkst, der Täter war nicht intelligent? Und weil er sich für intelligent hielt, hielt er auch den Tatort für geeignet. Da er aber eigentlich gar nicht intelligent war, war im Umkehrschluss der Tatort nun doch nicht geeignet oder was willst Du sagen?
Ich persönlich kann aus den Fakten nicht herauslesen, ob er intelligent war oder nicht. Ich denke, dass er in einer Art Ausnahmesituation gehandelt hat und in dem Moment hat man wenig Zugriff auf seine Intelligenz, egal wie ausgeprägt die auch sein mag. Erst nach der Tat hat er langsam wieder die Oberhand über diese Problemlösefähigkeiten gewonnen. Ich denke, vermutlich wusste er morgens noch nicht, dass er heute zum Mörder wird. Und die Langendonks waren völlig arglos. M.E. gab es kein verabredetes Treffen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Täter einen Ort aussucht, den er mit dem Linienbus erreichen muss (wie oft fahren Linienbusse auf dem Land? 2x am Tag? vermutlich um morgens die Schulkinder von den umliegenden Häusern einzusammeln und nachmittags zurückzubringen).
Ich sehe einen Typ Täter vor mir, der eher Einzelgänger ist, eine Waffenkultur pflegt, eine Impulskontrollstörung hat, möglicherweise nur soweit Bezug zur Gegend hatte, dass er weiß, wo er ist, wie er wegkommt und auch wieder hinkommt, und nicht zum ersten Mal getötet hat. Nicht deswegen, weil er jemanden erschossen hat, sondern weil er auch noch die Kehlen durchgeschnitten hat. Zusammen mit der Waffe und dem Zeitpunkt 1990er Jahre halte ich einen Balkankriegsteilnehmer für einen wahrscheinlichen Täter.
Aber leider ist der Fall insofern undankbar, weil es nicht wirklich Anknüpfpunkte gibt. Und meine Überlegungen sind sehr unspannend und wenig geheimnisvoll. Die Frage ist ja eigentlich nur, wer war damals so krank, dass er eine solche Tat begeht und hatte damals Zugriff auf eine passende Tatwaffe?
Ich habe als Kind selbst mal Erfahrungen gemacht, unfreiwillig, aber zum Glück ist nichts weiter passiert, außer was fürs Leben gelernt zu haben. Als 6. Klässler stieg ich mit meinem Kumpel in die - dachten wir beide - völlig leere S-Bahn ein, um von der Schule nach Hause zu fahren. Über die Trennwände der einzelnen Sitzgruppen sahen wir niemanden sitzen. Auf dem Platz, den wir uns aussuchten, lag eine vergessene Zeitung. Die hab ich spaßeshalber hinter mich geworfen. Einen Moment später stand ein bulliger Typ neben uns, die Zeitung in der Hand. Er muss unterhalb der Sitzlehnen mehr gelegen als gesessen haben. Mit der Frage, wer die von uns geworfen hätte, schlug er mit der Zeitung auf uns ein, völlig ungehemmt, ohne irgendein Wort abzuwarten. Das war schon ziemlich überraschend, und heftig. Wir sind dann recht verstört sitzen geblieben. Zwei Stationen weiter kam er vorbei. Völlig anderer Typ plötzlich. Hat sich wortreich und tausendmal entschuldigt für seinen Gefühlsausbruch. Er hätte sich manchmal nicht im Griff. Aber natürlich passiert das solchen Leuten nicht nur einmal. Ist nur die Frage, wie ausgeprägt das ist und was sie zur Verfügung haben in dem Moment.