Histokrat schrieb:Wie sicher ist es denn, dass der Taxifahrgast überhaupt der Täter war?
Gute Frage. Jedenfalls stieg er in der Nähe des Brandortes in das Taxi. Es wäre jedenfalls eine interessante Überlegung, ob dieser Herr mit der auffälligen Frisur vielleicht gar nichts mit der Tat zu tun hat. Da schwirrt mir allerdings gerade der Kopf.
Ich frage mich ein bißchen, nachdem ich mich auf Morde an Campern fokussiert habe, ob es nicht ein sexuelles Motiv gab. Vielleicht darf man nicht gleich den Fehler begehen, aufgrund des Alters des Paares soetwas von vorneherein nicht in Betracht zu ziehen. Auch das Töten eines Paares kann letztlich ein sexuelles Motiv sein, auch ohne unbedingt die Vergewaltigung der Frau geplant zu haben. Ich weiß auch nicht, ob der Zustand der Leiche nach dem Wohnmobilbrand rechtsmedizinisch eine mögliche Vergewaltigung (der Leiche!) hat ausschließen können. Es gibt ja schon Täter, die Frauen erst töten, bevor sie sich an ihnen vergehen. Vielleicht ist das nochmal der Grund, warum ein Camper gewählt wurde und nochmal ca. 2 h vergingen, bevor der Täter losfuhr und den ganzen Camper einäschern wollte.
Vielleicht gibt es grundsätzlich einen Tätertypus, der sich zu Durchreisenden hingezogen fühlt. Möglicherweise liegen bei manchen Tätern die Hemmungen nochmal niedriger, wenn es eben keine "Nachbarn" sind, sondern Fremde, zu denen man null Bezug hat. Irgendwie scheint es einige solcher Fälle zu geben, aber schwierig zu recherchieren, weil es eben keine Serie eines Täters ist, sondern verschiedene Täter dahinter stecken, ich glaube aber, dass die Motive und Gelegenheiten diese Dinge z.T. verknüpfen. Und vielleicht bekommt man damit einen Hinweis, was bei Langendonks relevant gewesen sein könnte. Ich glaube halt irgendwie nicht, dass es um die Geige ging oder ein Waffendepot o.ä.
1990 hat es schon einmal niederländische Urlauber, das Ehepaar Widdershoven, getroffen, in Oberösterreich, der Mann ist mit gespaltenem Schädel im Wald abgelegt worden, die zwei Täter haben ihn für tot gehalten, die Frau haben sie entführt, mehrfach verwaltigt und dann auch umgebracht. Eine Zusammenfassung gibt es hier bei der Gendamerie:
Gendarmeriemuseum Österreich Fall Widdershoven. Weitere Informationen zu dem Fall:
Artikel Fall Widdershoven 19901982 wurde ein deutsches Paar auf Sardinien in ihrem Camper erschossen. Auch hier ging es, vermute ich, um ein sexuelles Motiv. Der Täter behauptete, nachdem er Jahre später (und anderen Morden) verhaftet worden war, die Camper hätten seinen Hirtenhund überfahren und nachdem er sich beschwert hatte, ihm auch noch eine obszöne Geste gezeigt, daraufhin sei er ihnen gefolgt und habe erst den Mann erschossen, die Frau danach vergewaltigt und ebenfalls erschossen. Ich glaube eher, das ist eine Schutzbehauptung, um ein Ehrmotiv vorzuschieben, um vom sexuellen Motiv abzulenken. Näheres dazu beim Täter "Monster von Arbus":
Wikipedia: Monster von ArbusAuch wenn es nicht um Camper handelte, kann man auch Parallelen zu den Göhrde-Morden und den Taten des Monsters von Florenz sehen. Letztlich sind das dissoziale Täter, die umherstreifen und es auf glückliche Menschen abgesehen haben, um es mal vereinfacht zu formulieren.
Es scheint noch weitere Fälle in Europa der letzten Jahrzehnte zu geben, aber da muss ich nochmal suchen. Letztlich ist das trotz allem keine häufige Tatform.
Ein primär sexuelles Motiv ist bei den Langendonks zwar nicht meine Priorität, aber wenn man die Punkte fremde Urlauber plus Camper plus Paar betrachtet, dann kann man eben Parallelen zu anderen Fällen sehen. Evtl. sieht ein solcher Tätertypus solche Urlauber als "Freiwild" an.