smilesmile schrieb:deine Ausführung zum Messer sind sehr schlüssig. Fraglich bleibt aber, warum wurde lediglich ein Küchenmesser kommuniziert. War es Ungenauigkeit in der Kommunikation, oder wurde offiziell 'ähnlich einem Küchenmesser' kommuniziert? Ich finde das schon entscheidend, weil ein Kampfmesser mehr auf eine Szenetat, oder zumindest auf einen Täter hindeutet, der nicht spontan einfach ein Küchenmesser zweckentfremdet (also theoretisch auch Kampfsportler, etc.). Auch würde ein Küchenmesser deutlicher auf eine Beziehungstat hindeuten, denn mit einem Küchenmesser geht man auch eher nicht spazieren. Wie sehr die Sicherheit bzgl. des Messers aber wirklich weiterhilft, bleibt für mich fraglich. Betrachtet man die Gesamtumstände, handelt es sich wohl (mit Kampf- oder Küchenmesser) um einen Täter, der entweder wahnhaft, von existenzieller Angst getrieben, oder aber extrem abgeklärt, zielstrebig, kühl, risikofreudig und selbstsicher/selbstherrlich ist.
Wie will man ein Stichkanal eines Küchenmessers von einem Stichkanals eines Kampfmessers unterscheiden. Es gibt sehr viele unterschiedliche Küchenmesser, auch die Variation von Kampfmessern ist sehr hoch. Der wesentliche Unterschied bei beiden Messertypen ist die Klingenstärke.
Würde man in ein plastisches Material stechen (z.B. Knete), dann könnte man die Klingensdicke ermitteln. Aber wenn man in einen menschlichen Körper rein sticht, weicht das Gewebe einfach zur Seite aus. D.H. die Klingendicke wird nicht feststellbar sein. Dort wo der Schnitt selbst erfolgt, ist jedes Messer sehr dünn, d.h. das Gewebe wird bei sämtlichen Messerarten in einer ähnlichen Art und Weise aufgerissen. D.H. an den Rändern des Stichkanals kannst Du auch keinen Unterschied erkennen. Wo es einen Unterschied geben dürfte ist die Breite des Stichkanals. Durch die größere Dicke des Messers ist diese Wölbung stärke ausgeprägt als bei einem Küchenmesser. Diese Wölbung würde sich jedoch nur in der Verbreiterung des Stichkanals zeigen. Kennt man die wirkliche Breite des Messers nicht, dann kann man damit auch nicht auf die Dicke des Messers schließen.
Der einzige Unterschied, welchen Du hast, ist einzig und allein die Stabilität des Messers und die Gefahr, dass sich der Täter beim Stoßen verletzt. Hier wurden Knochen durchbrochen und es gab vom Täter auch keine Blutspur. Daher spricht alles für ein Kampfmesser oder einem Messer entsprechender Art (vielleicht Jagdmesser)
smilesmile schrieb:Die Eltern von Daniela sagen übrigens auch, dass sie vor dem Gerichtssaal zufällig dem damaligen Angeklagten direkt begegnet sind. Sie sagten, dass er durch sie hindurchgeblickt hat. Sie wussten nicht, ob es ihm unangenehm war, oder er in Gedanken versunken war und sie nicht gesehen hat. Will hier nicht mutmaßen und urteilen, weil seine Erfahrung ist eine absolute Ausnahmesituation. In Anbetracht seiner vor Gericht vorgetragenen Mitgefühls mit dem Opfer, hätte ich aber mit einer zumindest kurzen Regung gerechnet. Auch wenn es nur ein Zunicken ist... Hört man nämlich die Eltern, weiß man, dass sie niemanden vorverurteilen, auf keinen Fall wollen, dass ein Unschuldiger eingesperrt wird und sie leider auch für sich ungewiss sein müssen, ob es eine Beziehungs- oder Zufallstat war.
Solche Regungen sind in der Regel nicht zu deuten, Du sagst selbst, dass man nicht weiß, welche Gedanken ihm gerade durch den Kopf gingen ist. Im Podcast "Sprechen wir über Mord" wird das auch häufig thematisiert, dass ein Angeklagter keine Regung zeigen würde (eiskalt) etc. und man damit versucht, damit die Schuld zu zeigen. Ex-BGH-Richter Fischer sagt dann immer ganz klar, das beweist nichts, weil man niemanden in den Kopf schauen kann und jeder auch unterschiedlich reagiert. Man darf auch nicht vergessen, auch ein Nicken kann falsch verstanden werden. Manche werden ein Zunicken als befremdlich ansehen. Ich denke, das gilt für jegliche Regung. Es kann auch sein, dass das auch Thema im Gespräch mit seinem Anwalt war, vielleicht hat er ihn gefragt. Und möglicherweise hat ihm der Anwalt geraten, besser keine Regung zu zeigen, weil jede missverstanden werden kann.