Also ich fand den Live-Stream bei Rohat leider sehr emüdend, da es keine wirkliche Diskussion gab, sondern ellenlange Monologe geführt wurden. Die Positionen von Hammel und Söring sind bekannt - eine Diskussion zwischen den beiden sollte in meinen Augen nicht so ablaufen, stundenlang nochmal die Basics zu erläutern, sondern gezielt auf die "wichtigen" Punkte einzugehen, die gegeneinander stehen, im direkten Gespräch. Und zwar einzeln auf die Punkte und nicht in Monologen.
Es wurde ja erst dann ein wenig spannend, als Hammel nach über zwei Stunden tatsächlich mal "reingretschte" (was Söring nicht gefiel) und gezielte Fragen, wie beispielweise die Nachfragen in Bezug auf die widersprüchlichen Aussagen darüber, was Söring seinem Vater gesagt habe, stellte. Da Hammel allerdings nicht "unterbrechen" durfte, der Moderator das Gespräch allerdings auch nicht leitete, ging vieles in den Monologen unter.
Ich fand es auch irgendwie befremdlich, dass Söring im Vorfeld die Gelegenheit dazu bekam, negativ über Andrew Hammel zu sprechen sowie das kommende Gespräch bereits "einzuordnen", ohne dass Hammel anwesend war und etwas entgegenen konnte/durfte. (Zudem wurde auf das, worüber laut Einleitung gesprochen werden sollte, dann gar nicht mehr im Gespräch eingegangen).
Es ist meiner Meinung nach auch sehr auffällig, dass Söring sehr häufig und im Verlauf des gesamten Gesprächs, bevor er auf Hammel eingeht, betont, wie lange dieser sprechen würde, dass er Söring ständig unterbrechen würde und dass Söring selbst ja nie zu Wort kommen würde.
Aber als es tatsächlich um den Mordfall ging (da lief der Stream bereits seit seit ca. einer Stunde), sprach Hammel etwa 15min über die Tat - Sörings "Entgegenung" darauf (wo er die Gelegenheit haben wollte in gleicher Länge auf diese "sehr, sehr lange Rede" antworten zu dürfen) ging ca. 32min (exklusive Unterbrechung durch Tonproblem) lang! Er wurde dabei meiner Erinnerung nach auch nicht unterbrochen.
Hammel spricht dann ca 13min und es kommen Nachfragen von Rohat, auf die sowohl Hammel als auch Söring antworten. Hammel spricht dann noch ca. 11min weiter (also insgesamt ca. 24min), Rohat spricht dann mit seinen Mods und stellt noch eine Frage an Hammel, die in ca. 2min beantwortet wird und nach dieser "zweiten Runde" impliziert Söring erneut, dass er nicht zu Wort kommen würde.
Söring antwortete dann und nach ca. 13min stellt Rohat eine Rückfrage an Hammel, was Söring nicht gefällt da er sagt, er sei dran. Hammel antwortet ca. 1min. Söring spricht weiter, Hammel macht dann einen kurzen Einwurf, Söring sagt er möchte nicht unterbrochen werden. Nach ca. 23min entgegnte Hammel etwas zu Sörings Ausführung, was Söring dazu veranlasste, sich zu beschweren, dass Hammel ihn ständig unterbrechen würde und Hammel ja schon sehr viel mehr gesprochen habe als Söring (obwohl Söring bereits zu diesem Zeitpunkt meiner Auffasung nach mehr Redeanteil hatte als Hammel). Der Moderator schwieg dazu. Danach stellte er nochmal eine Rückfrage an Hammel, die kurz beantwortet wurde. Insgesamt sprach Söring dann ca. 30min, wollte eigentlich noch weitere sprechen, verzichtete dann aber nach einer weiteren Unterbrechung (Pause).
Zu diesem Zeitpunkt hatte Söring somit meiner Auffassung nach - auf den Fall bezogen (das Gespräch am Anfang mit den Punkten "gegen" Hammel und den Vorstellungen mal rausgelassen) - bereits ca. eine Stunde gesprochen, Hammel ca. 40min - 45min. Dennoch machte Söring (auch im weiteren Verlauf) mehrfach abfällige Bemerkungen zu Hammels Redeanteil.
Söring beschwerte sich meiner Auffassung nach also mehrfach darüber, dass Hammel zu lang reden würde, während er selbst sehr lang bzw. länger als Hammel sprach (wenn ich mich jetzt nicht völlig vertan habe sollte...). Es geht mir dabei auch nicht darum, nun jede Minute Redezeit zu zählen, sondern eher um das Bild, was dadurch wohl gezeichnet werden sollte? Zudem hatte Söring ja bereits über 10min Redeanteil, ohne das Hammel überhaupt zum Gespräch dazu gebeten wurde.
Leider hatte die Moderation offenbar absolut keinen Überblick über die Redezeit oder ein Gespür dafür, in welchen Momenten Gegenargumente zugelassen werden oder Rückfragen gestellt werden sollten (für beide Seiten). Interessant fand ich dadurch auch, dass Rohat im Verlauf des Gesprächs immer bedachter darauf wurde, Söring sprechen zu lassen. Wenn Hammel einschreiten wollte, sagte Rohat, Hammel solle Söring "ausreden" lassen, bevor er entwas entgegnen darf - Rohat sagte ihm auch, "merk dir alles was er gesagt hat, dann kannst du danach sprechen gerne!" Das ist schon absurd. Wie sollen die Zuschauer da noch folgen? Und eine Antwort auf 30min Gerede wird ja häufig ebenfalls wieder lang werden. Spätestens nachdem beide Seiten einmal ihre Standpunkte klar gemacht hatten, hätte man diese langen Monologe verlassen und gezielt auf bestimmte Punkte eingehen sollen. Eins nach dem anderen.
Rohat hat in meinen Augen, wie befürchtet, keine gute Arbeit als "Moderator" geleistet. Obwohl ich zugeben muss, dass es auch nicht so schlimm war, wie befürchtet.
Zudem fand ich das Verhalten der Anwesenden (nicht Söring und Hammel) in der einen Pause wirklich unangenehm und unprofessionell. Es wurde vor dem Live-Stream hinter dem Rücken der Gäste über diese gesprochen usw.
peterlee schrieb:Söring wirkte souveräner und gelassener als Hammel. Ein unbeteiligter Dritter würde vermutlich Söring hier als Gewinner sehen, wäre es ein Duell gewesen.
Das habe ich absolut nicht so empfunden. Und auch die Umfragen im Chat fielen alle mit deutlichem Abstand positiv für Andrew Hammel aus. Söring war meinem Empfinden nach in seiner Sprache häufig sehr agressiv, Hammel wirkte teilweise eher etwas resigniert, da Söring ellenlang sprach und Hammel nicht direkt auf gewisse Punkte eingehen durfte/konnte. Gleichzeitig sprach Hammel auch sehr lang und erklärte viel und stellte dadurch wenig Fragen an Söring - allerdings versuchte er glaube ich auch, Dinge klarzustellen.
Söring hantierte häufig unter dem Tisch mit seinem Handy und schrieb mit, während Andrew Hammel ruhig in seinem Stuhl saß.
Außerdem machte Söring sehr häufig abfällige Kommentare über Hammel, der diese unbeeindruckt ignorierte. (z.B. "Herr Hammel hat sich, ausnahmsweise Mal würde ich sagen, präzise ausgedrückt".
Dass Andrew Hammel irgendwann genervt davon war (wenn es so gewesen sein sollte) und auch mal entsprechend reagierte, kann ich verstehen.
Ich empfand Andrew aber im allgemeinen sehr viel authentischer als Söring und ich glaube schon, dass Söring, der das Gespräch ja eigentlich schon nach kurzer Zeit beenden wollte (es dann aber doch nicht tat), hier durch einige gezielte Fragen seitens Andrew "im Duell" deutlich schlechter wegkam. Denn Sörings "Antworten" kennen wir doch schon - die Reaktionen und Erklärungsnot bei Rückfragen ist ja das, was dann auffällt.
Pharus schrieb:Hammel ist in seiner Ausdrucksweise, sprachlich bedingt, noch sehr unsicher. Söring hat rhetorisch eindeutig die Nase vorn. Das könnte Hammel verunsichert haben.
Dem würde ich nicht zustimmen. Andrew Hammel hat eine beeindruckende Ausdrucksweise in der deutschen Sprache, obwohl diese nicht seine Muttersprache ist. Klar wäre er auf Englisch vermutlich noch schlagfertiger aber unsicher wirkte er auf mich überhaupt nicht.
Söring kann sprechen, ja, aber ich empfinde es als super anstrengend, ihm zuzuhören ("Fakt ist!....", ständige Widerholungen Sätzen oder Worten, die Betonung). Vor allem weil es für mich immer alles gestellt klingt und nicht authentisch. Er redet meinem Empfinden nach so laut, überheblich und teilweise agressiv - ich empfinde das als Zuhörer als sehr unangemehm. Letztendlich ging es ja aber auch eher um die Inhalte.
peterlee schrieb:Er wirkte nicht souverän, gerade am Anfang hatte er den Angriffen Sörings wenig entgegen zu setzen.
Na ja, es "durfte" ja auch nicht unterbrochen werden - also es ging ja darum, einander ausreden zu lassen, was leider zu langen Monologen führte, da das Gespräch so gut wie nicht geleitet wurde - oder was meinst du konkret? In den Momenten, wo Rohat doch mal nachfragte, antwortete Hammel ja sehr konkret. Oder geht es dir um die "Angriffe" bzgl. der Frage, wann wo und wie Kontakt zur Haysom-Familie bestand?
Also ja, ich fand den Live-Stream auch enttäuschend, aber ich denke vieles davon ist auf die Moderation und die langen, anstrengenden Monologe zurückzuführen. Das sowohl Hammel als auch Söring viel reden ist ja bekannt. Für solch ein Gespräch würde meiner Meinung nach nur eine Moderation in Frage kommen, die das Gespräch leiten kann, das Gesagte schnell verarbeiten kann, die Diskussion gezielt wieder auf die eigentlichen Themen zurückführt, vorbereitet ist, den Fall kennt und selbst auch gezielte Nachfragen stellen kann, wenn nötig. Aber vielleicht hat es auch einen Grund, wieso Rohat jetzt die Plattform dafür sein sollte.
Und dafür, dass Söring angeblich nicht genau wüsste, ob Hammel ein Buch über ihn geschrieben habe ("das habe ich so gehört") und sich nicht mit ihm beschäftigt habe, wusste er aber erstaunlich viel über Andrew Hammel, seine Tätigkeit als Anwalt sowie die von ihm vertretenen Fälle, als auch die Inhalte von Hammels Blog-Einträgen, die er mehrfach ansprach.