@Dini1909
Dini1909 schrieb:Ich hab mir damals ein dickes Fell angelegt und da ich es quasi nicht anders kannte, war es für mich eben so. Klingt hart aber was will man machen - meistens ging es vom linken Ohr rein und am rechten wieder raus... Es war vieles nur mit Worten selten mit Taten...
Ja, ist eine Möglichkeit damit umzugehen, wenn auch vielleicht nicht die allerbeste...
Ich seh da die Gefahr, dass dadurch, dass man alles in sich "hineinfrisst", es letztlich bös auf die Psyche schlagen kann... Wie gesagt, es ist eine Möglichkeit, aber wirklich wohl fühlt man sich damit sicher auch nicht...
Dann stellt sich noch die Frage, wie die Mobber (oder Bullys) das ganze wahrnehmen - Denken die 'Oh an dem prallt ja alles ab - wir müssen neues Opfer suchen', oder läuft man dadurch sogar Gefahr, dass die Mobber mehr werden, weil man ihnen vermittelt 'mit mir kann mans ja machen'...?
Aber ich vermute, mit solchen Fragen hast du dich selbst schon ausreichend auseinandergesetzt...
Ich war auf einer Schule hier im Dorf, 1-10 Klasse , man kannte sich untereinander durch Vereine oder ähnliches, die Eltern kannten sich eigentlich relativ familiär.
Wir hatten zwei Lehrer die sogar im selben Ort lebten und sich sehr engagiert haben.
In so einer überschaubaren Dorfgemeinschaft, wo jeder jeden kennt, kann es wahrscheinlich sogar passieren, dass man den Mobbern nicht nur in der Schule begegnet, sondern auch noch in der Freizeit... Aber ich kann's nicht wirklich einschätzen, ich kenn nur Großstadt, wo es eben auch sein kann, dass man in einer ganz anderen Gegend wohnt, als die Mitschüler, und auch die Eltern untereinander sich nicht persönlich kennen...
Dini1909 schrieb:Ich war damals das einzigste Kind mit einer sichtbaren körperlichen Beeinträchtigungen also bekam ich halt mal "Glöckner von Notre Damm" zugeworfen, Behindi, Blindfisch oder Hobbit ...
Ja, ich kenn auch so jemanden - wenn zu dem einer "Quasimodo" sagt, kriegt der n Tobsuchtsanfall... Jetzt wird er nur noch "Hobbit" genannt, was ich allerdings auch nur minimal besser finde... und der ist eigentlich nicht mal behindert, nur klein...
Dini1909 schrieb:Es waren letztendlich eigentlich immer die selben die einen geärgert haben - eigentlich immer die "Großen" .
Interessant, denn in Fällen von Mobbing unter (nicht behinderten) Gleichaltrigen, gibt es ja diese natürliche Überlegenheitssituation nicht... Ist es denn so, dass die Mobber meistens älter sind, als die Opfer...? Wäre mal interessant...
Dini1909 schrieb:Einer der oben beschriebenen Lehrer hatten Aufsicht auf dem Schulhof er bemerkte das mal wieder Wörter gegenüber von mir geäußert wurden - der Lehrer sxhrie laut den Nachnamen des Täters, ein jeder wusste dann was Sache war. Er musste die Schulordnung dreimal abschreiben, nach dem Unterricht im Beisein des Lehrers und danach ist der Lehrer mit ihm zu mir nach Hause da musste er sich bei meinem Eltern entschuldigen - es ließ zwar danach nach aber aufgehört hat er auch nicht .
Der Lehrer hat Einsatz gezeigt - das muss man dem Mann lassen... Er hat wirklich versucht, zu helfen... Inwieweit das gelingt, ist eine andere Frage, aber es scheint ja zumindest weniger geworden zu sein... Hätte aber natürlich auch nach hinten losgehen können...
Dini1909 schrieb:Heute, 20 + Jahre später, bin ich immer noch mit dem Lehrer befreundet, man kennt sich halt und der , der mich immer geärgert hat, hab ich hier und da noch mal gesehen aber mehr auch nicht.
Das ja cool^^ Sowas hätte es in der Stadt wahrscheinlich nicht gegeben...
Dini1909 schrieb:Heute würde sich das glaub ich kein Lehrer mehr trauen oder sich so engagieren ... Bei uns auf der Schule waren eben Lehrer noch Respektpersonen.
Da magst du recht haben... Von den Lehrern heute würde ich mir auch nicht mehr allzuviel versprechen...^^
Warum sollte jemand heimlich essen? Soweit kommt's noch. Wer nix hat den will, soll es lassen, aber jedes Kind darf natürlich ganz normal essen und muss da keine Abstriche machen
Ja, aber echt... Kann man die Kinder bitte einfach in Ruhe essen lassen, ohne ihnen auf den Sack zu gehen - oder is das heutzutage schon zu viel verlangt...?
@Raspelbeere
Raspelbeere schrieb:Das war bei mir auch so. Es kam "Panzerknacker", "Spasti", "das eiserne Kreuz", und leider auch körperliche Attacken wie "einen Gehfehler reinhauen" wie sie es nannten (auf der Treppe mit dem Fuß mir einen Fuß wegangeln) und heftigere, letztere dann meist von Schülern mehrerer Klassen darüber.
Da reg ich mich ja allein vom Lesen schon auf... Ich bin selbst behindert, und Treppen sind für mich der pure Horror - bzw waren es, als ich noch so halbwegs gehen konnte...
Raspelbeere schrieb:Ich war damals eine Elfjährige mit Sportbefreiung und Orthesen, wackelig unterwegs, an Treppen schön langsam am Geländer... keine Chance selbst gegen Gleichaltrige.
Wie gesagt, definitiv keine gute Idee...
Das war Anfang der 90er Jahre. Körperlich habe ich mich nicht gewehrt, ich hätte es es nicht gekonnt. Ich konnte damals aufgrund meiner Behinderung nicht mal richtig nach hinten oder zur Seite greifen, bin leicht gestürzt und man konnte mir auch einfach z.B. die Brille von der Nase holen.
Strafe gab es für "ihr seid auf dem Gang laut gewesen" (mehrere Schüler prügeln und lachen, ich schreie "aufhören!"), "ihr gebt im Bus keine Ruhe" (Jugendlicher hinter mir schüttelte meinen Sitz durch, ich versuchte durch nicht Anlehnen und durch "aufhören!" zu vermeiden, weiterhin schmerzhaft geschüttelt zu werden; Jugendlicher versuchte zu vermeiden dass ich im Bus mich festhalten kann indem mit einem Metallgegenstand auf meine Hände geschlagen wurde, ich stürzte) etc.
Oh, das klingt ja gar nicht gut... Das finde ich schon ziemlich massiv, weil es zum einen körperliche Gewalt beinhaltet, und zusätzlich noch so eine fiese Psycho-Komponente hat...
Raspelbeere schrieb:Oft schimpften zunächst Busfahrer (was ich durchaus verstehen kann: Verkehrssicherheit, und der Fahrer kann nicht während der Fahrt die Situation analysieren), dann wurde mit Aussteigen "für alle da hinten" gedroht, dann das der Schule gemeldet, und Strafe für mehrere inkl. teilweise mich.
Klar, die primäre Aufgabe des Fahrers ist das Fahren - soweit so klar. Aber letztlich haben die Erwachsenen, bzw speziell die Lehrer da ne ziemlich schwache Leistung abgeliefert... Als ob es ihnen scheissegal ist, ob jemand gemobbt wird, und dann mit irgendwas ankommen, das verdächtig nach Kollektivbestrafung riecht... Mit so unfähigen Lehrern kanns ja auch nix werden, und drunter leiden tun die Schüler, bzw du...
Ich kann dir sagen, das waren nicht nur männliche. Das war ziemlich 50:50 auch bei körperlichen Attacken - es gibt auch Mädchen die prügeln, treten, spucken, Zigarettenverbrennungen hervorrufen.
Und ich kann mir schon denken, dass die Behinderung mich für viele als das ideale Opfer wirken ließ - Anlässe zum Spotten, kann man "vorführen", kann sich kaum wehren.
Ja, Mädchen sind da nicht zu unterschätzen, besonders wenn das Opfer auch Mädchen ist - aber das ältere Jungen gegen ein jüngeres, behindertes Mädchen tatsächlich die Grenze zu physischer Gewalt überschreiten, kommt mir echt extrem vor... Da muss man doch auch als Aufsichtspersonen sehr nachlässig sein, damit sowas über längere Zeit gehen kann...
Raspelbeere schrieb:Bin zudem Autistin - die meisten Autisten haben Mobbing in ihrer Schulzeit erlebt.
Oh, gut zu wissen, danke für die Offenheit - ich hab gelesen, dass einige Autisten Schwierigkeiten mit Ironie, Doppeldeutigkeiten oder Redewendungen haben - das ist ja manchmal für Nicht-Autisten schon schwer, wenn man mit wildfremden Leuten schreibt, dass man es nich zu Missverständnissen kommt lässt, und auch alles so rüberkommt, wie es rüberkommen soll...
Normalerweise sollte man denken, dass man als Lehrer die autistischen Schüler ein bißchen im Auge behält, um eben so etwas vorzubeugen... aber scheinbar ja nicht...
Es gibt Kinder und Jugendliche, die ein schüchtern wirkendes Kind, bei dem man ggf. auch noch über Mitschüler mitbekommt dass dieses Kind gute Schulnoten hat, und dem man körperliche Einschränkungen ansieht als ideales Opfer ansehen um sich abzureagieren.
Heutzutage finden sich ab und zu "in den Medien" Berichte über Mobbing, bei dem mehrere ältere Jugendliche einen jüngeren, teils behinderten, Jugendlichen/ ein Kind angegriffen haben. Genau sowas.
Wir waren ja früher nun wirklich auch keine Engel, aber sowas hätten wir nicht gemacht - nicht mal die schlimmsten aus der Clique... Eher wahrscheinlich sogar noch dem Opfer geholfen und die Mobber durch die nächste Wand gerammt... Wir waren schon krass unterwegs, auch mit dem Gesetz im Konflikt, aber wir waren keine bösartigen Sadisten oder sowas... Naja, einer von uns vielleicht, aber der war ein spezieller Fall...
Raspelbeere schrieb:Meine Schulzeit war ab Ende der 80er Jahre bis Anfang der 2000er Jahre. Mobbing fand an dörflicher Grundschule, Hauptschule in größerer Marktgemeinde sowie Realschule an einer Kleinstadt statt. Mobber kamen teils aus anderen Klassen und aus anderen Schulen. (Kein Mobbing mehr an: Berufsschule, Berufsoberschule, sowie im Arbeitsleben.)
Interessant - Ich vermute mal, dass die einstigen Mobber später in der Berufschule nicht mehr zugegen waren, und dann mit neuen Mitschülern quasi die Karten neu gemischt wurden...?
Verletzungen kaschieren: Ich habe diese manchmal kaschiert, d.h., auch mal größere blaue Flecken oder Zigarettenverbrennungen Erwachsenen nicht mehr gemeldet, und bei Entdecken dieser irgendwann auch mal gelogen, z.B. ich sei von selbst gestürzt. Eltern und Lehrer haben diese nicht kaschiert, falls du das vermutet hast.
Kaschiert hast du die selbst, schon klar^^ Aber, oh mann, das is echt ganz fieser Shice, wenn sie es sogar schaffen, dass man die eigenen Peiniger auch noch deckt... von Zigarettenverbrennungen mal ganz zu schweigen - wenn ich zuviel darüber nachdenk, lauf ich Gefahr mich hier noch aufzuregen...
Ich wünsch dir auf jeden Fall, dass du heute nach Jahren ein bißchen Distanz zu dieser offenkundig sehr schlimmen Zeit aufbauen konntest
:) und ja, viel zu langen Roman hab ich auch wieder verfasst...=)