@Kangaroo Kann es sein, dass du beruflich und gegebenenfalls auch privat nicht viel mit Kindern zu tun hast? (Und vermutlich auch nicht im Einzelhandel. Wenn man tagtäglich mit dutzenden bis hunderten Menschen direkt interagieren muss, gehen irgendwann an auch die Ü18-Exemplare an die Nerven). Du klingst zumindest so. Nach dem Motto: Warum stören sich alle an dem einen lauten Kind, dass ihnen durchschnittlich in der Woche begegnet. Während es in der Lebensrealität x laute Kinder pro Tag sind, zusätzlich zu dem ganzen anderen Lärm on top.
Ich selbst habe zwar keine Kinder, habe aber zumindest beruflich viel mit Kindern zu tun - und habe bisher weder von erzieherischem Fachpersonal noch von Eltern das Feedback bekommen, ich würde den Kindern gegenüber intolerant rüberkommen.
In meiner Freizeit finde ich Ruhe dann als Abwechslung aber schon sehr schick. Natürlich trifft es sich da gut, dass ich diese gerne daheim und gerne auch alleine verbringe und das die Orte, die ich ansonsten gerne aufsuche, tendenziell eher ruhig sind. Ich bin allerdings der Meinung, dass ich auch das Recht auf Erholung hätte, wenn ich extrovertiert wäre und mein Glück darin fände, mich durch die Restaurants der Umgebung zu schlemmen. Denn das blöde, wenn man sich nicht erholen kann, ist ja nun, dass sich das früher oder später negativ auf alle möglichen Lebensbereiche auswirkt.
Wobei ich regelmäßig auch was mit meinen Neffen unternehme, wenn mein Energielevel und meine Arbeitszeiten das zulassen. Die hören aber grundsätzlich auch, wenn sie es übertreiben und von mir eine Ansage bekommen.
Zumal das Problem nicht die Kinder sind. Das Problem sind Eltern, die keinen Bock auf konsequente Erziehungsarbeit haben. Das sind nicht alle, aber genug, dass es nervt. Ich habe hier einige Seiten zuvor ja bereits von der Veranstaltung auf meiner Arbeit berichtet, die total eskaliert ist. Minutenlange Schreiwettbewerbe, während auf den Möbeln herumgeturnt und der Kuchen überall verteilt wird, in Anwesenheit der Eltern, sind nicht okay. Das lernen die Kids aber nur, wenn ihnen das jemand konsequent klarmacht - idealerweise die Eltern und nicht das Personal. Und das war auch kein Einzelfall. Das war ein monatliches Event, bei dem es regelmäßig so eskaliert.
Nach deiner Logik hätte ich das dann so akzeptieren müssen. Außerdem hätte ich mich gemäß deiner Aussagen dann sogar in Therapie begeben müssen. Nach solchen Arbeitstagen muss ich dann nämlich noch mit den Öffis nach Hause fahren. Da schreien die Kids auch gerne mal - nicht selten, weil sie im Buggy gefangen sind, während sich die Eltern die Fahrtzeit am Smartphone vertreiben. Oder auch mal, weil sie eigentlich schon längst ins Bett gehören würden (ich arbeite hin und wieder auch bis spätabends/nachts - und fast immer fährt im Nachtbus mindestens eine Familie mit schreiendem Kleinkind mit). Ich setz mir dann häufig Kopfhörer auf, manchmal nur fürs ANC. Für meinen Frieden.
Und ja, ich bin neurodivergent. Mit einem Therapeuten an meiner Geräuschsresistenz zu arbeiten, obwohl ich mich dem Lärm von Montag bis Freitag aussetze, bringt deiner Meinung nach jetzt genau was? Das ist eine Filterstörung im Gehirn. Das kann man aushalten und das tun viele auch, Stichwort "maskieren", aber statt auszuhalten wären mir x laute Geräuschquellen weniger, wann immer das möglich ist, halt schon lieber.