sevenheartseas schrieb:Und das Personal muss das aushalten. Immerhin sind sie geschult.
Pflegepersonal muss nicht geschützt werden. Das kann sich schon selbst schützen.
Als betroffene Krankenschwester muss ich dazu mal was sagen. Das ist absolut respektlos. Fehlt nur noch “Du wusstest, worauf du dich einlässt, als du den Beruf ergriffen hast. Deal with it!”.
Keine Pflegekraft muss es “aushalten”, sexuell motiviert belästigt zu werden, geschweige denn (stillschweigend) Übergriffe jeglicher Art ertragen.
Und nein, nicht mal in der Ausbildung und in Psychiatrie wurden wir dahingehend “geschult”, dass es zu Übergriffen kommen kann und wie man diesen begegnet.
Und nein, wir können uns nicht immer selbst schützen. Das passiert sogar kräftigen Pflegern, wie ich es mal war. Wenn der Patient einen Moment ausnutzt, in dem die PK etwas (für ihn) tut, wie ich damals seine Zeitungen zusammenräumt, um sie wegzuwerfen…
Wird man aus dem Nichts gepackt, ist es auch für gestandene PKs schwierig.
Und wehren? Da verliert eher die PK den Job, als dass dem Patienten irgendetwas passiert, zudem in 99% der Fälle eh Aussage gegen Aussage steht, weil es oft keine Zeugen gibt oder diese schweigen.
Mir wurde damals von Arbeitgeber mit Kündigung gedroht, sollte ich die sexuelle Nötigung anzeigen. Genauso einer Kollegin, der die Nase durch einen Patienten gebrochen wurde. Beide Patienten übrigens ohne Demenz und andere geistige Einschränkungen…lediglich mit der inneren Überzeugung an uns ihre (sexuellen/gewalttätigen) Fantasien ausleben zu können. Vergewaltigung gab es übrigens auch schon und nicht jede Pflegekraft ist groß, kräftig und kampferprobt.
Bei an Demenz Erkrankten ist es nicht anders, außer, dass diese eben durch ihre Erkrankung nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, was hier auch absolut ok ist.
Aber, dass diese harmlos wären oder nicht in der Lage Pflegepersonal zu nötigen, anzugreifen und zu verletzen…sorry, nein. Und auch das muss keine PK aushalten. Auch nicht in der Psychiatrie.
Wenn also ein Fritzl im Pflegeheim übergriffig werden sollte, weil er sich in seiner Demenz auf der Spitze seiner Potenz sieht…dann ist das durchaus für Pflegekräfte gefährlich. Gerade für weibliche PKs.
Wow…ich habe lange nicht mehr so etwas gelesen. Als wären wir Pflegekräfte wirklich am untersten Ende der Nahrungs- und Respektskette und man dürfte mit uns machen was man wollte. Wir müssten das schon aushalten, wir wussten ja, worauf wir uns einlassen und natürlich auch, dass man uns wahlweise an die Wäsche oder ans Leder will…im besten Fall noch “Selbst schuld!” oder, wie es damals meine PDL nach der sexuellen Nötigung ausdrückte “Seien Sie doch froh, dass so jemand an Ihnen Interesse zeigt!”.
Btw…auch männliche Pflegekräfte haben unter Gewalt und sexueller Belästigung zu leiden.
Im übrigen fallen solche gerade sexuellen Auswüchse auch ganz klein aus, müssen aber trotzdem nicht ausgehalten werden, bspw. ein 80-jähriger bettlägeriger nicht dezenter Patient der bei der Körperpflege durch eine 20-jährige Schülerin zu stöhnen anfing.
Das ist weder lustig noch angebracht. Auch bei Demenz wäre es das nicht und natürlich musste es diese Schülerin nicht aushalten; sie musste zu dem Patienten nicht mehr gehen. Reicht ja, wirklich passiert, wenn Patient seine Urinflasche auf den Boden kippt, weil er “uns Schwestern so gerne putzen sieht”, denn “dafür seien wir ja da.”.
Mit Medikamenten muss man nicht anfangen…niemand wird aufgrund von solchen Übergriffen ruhig gestellt. Und gerade in solchen Hochphasen in einer Demenz wirken Medikamente oft auch nicht so, wie sie sollen oder sogar komplett paradox.
Aber genau solche respektlosen Ansichten sind es, die Pflegekräfte aus dem Beruf treiben, da Patienten und deren Angehörige das oft genauso sehen und PKs genau so behandeln. Wir, das Niedrigste, was die Nahrungskette so hergibt, wir Arschabwischer und Urinkellner. Mit uns darf man es ja machen, um?
Ich kann nur hoffen, dass Fritzl die Behandlung erfährt, die er benötigt und dabei nicht übergriffig wird. Er hat schon genug verbrannte Erde hinterlassen und viele Menschen unglücklich gemacht. Das muss man jetzt nicht noch weiterführen.
Nur weil er jetzt gestürzt ist, heißt das nicht, dass der Körper verfällt bzw. er keine Kraft mehr hätte. Es wäre zwar zu wünschen, auch für die PKs und Justizbeamten in der JVA…aber das wissen wir nicht.
Sehr traurig, welche Ansichten da über Pflegekräfte heute noch und wieder verstärkt kursieren. Wundert mich nicht, dass kaum noch einer Lust auf Pflege hat.
Und ich bin heilfroh, ausgeschieden zu sein, weil u.a. die Übergriffe und Respektlosigkeiten zunehmen, aufgrund solcher Meinungen.
Bin wohl eine schlechte PK gewesen; ich hab’s nicht ausgehalten und hingenommen…es hätte mich beinahe mein Leben gekostet. Ein Guter hält’s aus…hm!