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Würdet ihr ein behindertes Kind abtreiben?

902 Beiträge, Schlüsselwörter: Abtreibung, Behinderung

Würdet ihr ein behindertes Kind abtreiben?

12.08.2017 um 23:34
Crusi schrieb: Wenn am das volle Programm haben wollte, dürfte man als Geringverdiener oder Arbeitsloser gar keine Kinder bekommen. Ist genauso asozial. Man spricht den Leuten quasi den Wunsch nach einem möglichst (auch Tests liefern nur Wahrscheinlichkeiten!) gesunden Kind ab.
Auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen, bin ich persönlich ja der Meinung, dass man als Arbeitsloser oder Geringverdiener tatsächlich keine Kinder bekommen sollte, denn wenn man ein Kind nicht optimal finanziell versorgen kann, sodass es von Anfang an alle Chancen hat und nicht von normalen Aktivitäten ausgeschlossen wird, sollte man zum Wohle des Kindes vorerst darauf verzichten. Das bedeutet nicht, dass das permanent sein muss, aber ich begrüße es grundsätzlich, wenn Menschen vor der Anschaffung eines Kindes auch überschlagen, ob sie diesem Kind denn finanziell und emotional gewachsen wären.

Nichtsdestotrotz fände ich es aber auch gut, wenn die Tests erschwinglicher wären, weil ich sie für richtig und wichtig halte.


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12.08.2017 um 23:35
@FF gut das problem ist nunmal auch das sie dazu verpflichtet sind, egal wie es ausgeht.
Manchmal finde ich es aber auch grade in so Fällen fürchterlich das eltern aus Egoismus klammern und auf biegen und brechen wollen das das kind überlebt, egal ob es danach schwer behindert ist.
Dieses nicht loslassen können, finde ich recht unfair.
Klar es ist ihr Kind, aber warum muss man es aus Egoismus quälen und am Leben lassen?


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12.08.2017 um 23:41
@Dr.AllmyCoR3
Da sind es meist die Ärzte, die alle Möglichkeiten der Medizin ausschöpfen möchten. Und Eltern hoffen nunmal - das ist, was Eltern ausmacht.
Und es gibt ja auch das kleine Wurm im Brutkasten, das man nicht im Stich lassen möchte, wenn man es einmal gesehen hat. Darum kann ich weder Ärzten noch Pflegern einen Vorwurf machen.
Traurig ist nur, dass das ungeborene Kind nicht den gleichen Schutz erhält, von Seiten der Ärzte.
Würden die sagen können, dass sie sich für die Förderung des geistig behinderten Kindes auch ein Bein ausreißen würden, es später Unterstützung und finanzielle Hilfe gibt und man in der Förderung dieses speziellen Kindes eine persönliche Herausforderung sähe, so wie das die Eltern des Mädchens mit dem Herzfehler erlebten, würden wohl viele Eltern anders entscheiden.


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12.08.2017 um 23:43
@FF
Das Problem ist nunmal auch das viele Ärzte selbst überfordert sind mit behinderten Menschen.
Es fehlt die Geduld und die Zeit sich mir ihnen auseinander zu setzen. Sie richtig zu untersuchen.
Und die gute Krankenkasse die viele Behandlungen auch einfach verweigert...


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12.08.2017 um 23:44
@hyphaema
Ach, und wenn das Kind des Arbeitslosen zufällig behindert geboren wird, ist es auf einmal wieder geduldet, dass das Kind von der Gemeinschaft versorgt wird? Eine vorgeburtliche Behinderung müsste ja lt. Argumentation einiger User hier im Thread ein Freifahrtsschein für Allimente sein. Oder gilt das nur für behinderte Kinder von Besserverdienenden?

Außerdem gibt es auch Arbeitslose, die verhütet haben und dennoch schwanger wurden. Sollen die etwa selbst ein gesundes Kind abtreiben müssen?


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12.08.2017 um 23:55
@Crusi
Bist Du Dir sicher, dass Du das richtig formuliert hast?
Selbstverständlich muss die Gemeinschaft für Behinderte aufkommen. Und zwar mehr als bisher, denn Behinderten wird jeder Zuverdienst zum Existenzminimum abgezogen, bis zur Grenze ihrer laufenden Kosten. Erst darüber hinaus können sie mehr als das Existenzminimum verdienen... und die Kosten können immens sein. (Bei einem Patienten mit z.B. Multipler Sklerose, der seine Diagnose erst später bekommt, ist das ganz anders.)
Und wenn sie einen Partner finden und zusammenziehen, ist der finanziell verantwortlich. Damit werden Behinderte in Armut gehalten, und eine Eigenständigkeit wird sehr unattraktiv. Wie viel muss man wohl verdienen, um speziell angefertigte Rollstühle, ständige Physio und Rehas, Auto-Spezialanfertigungen und Haushaltshilfen zu finanzieren, und mehr als Harz4 übrig zu haben?


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13.08.2017 um 00:05
@hyphaema
Ich weiß nicht, aber ich finde deine Einstellung zum Thema Nachwuchs bekommen eher schwierig...

@FF
Ich wollte nur mal in den Raum werfen, dass man durchaus nicht nur generell Eltern von mutmaßlich behinderten Föten (dessen Abtreibung ja in Frage steht) das recht auf freie Entscheidung für ein Lebensrecht des eigenen Kindes absprechen könnte.

Wenn man immer mehr Gruppen gerechterweise mit einschließt, bliebe nur noch ein elitärer Kreis, der Kinder bekommen dürfte. Und das wäre ebenfalls eine unsoziale gesellschaftliche Entwicklung.

Natürlich sollten Behinderte auch über das Existenzminimum hinaus verdienen und das Einkommen behalten dürfen. Das wollte ich gar nicht in Frage stellen.


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13.08.2017 um 00:22
@hyphaema
Wenn man sich vernünftig kümmert, kann man auch als Arbeitsloser oder Geringverdiener dafür sorgen, dass es seinem Kind an nichts fehlt. Es gibt genug Möglichkeiten, finanzielle Hilfen zu bekommen, um Sportverein, Musikschule etc. zu ermöglichen. Das scheitert ganz sicher nicht am Geld, sondern an anderen Dingen.
Ob behindert oder hochbegabt, man weiß nie vorher, was das Kind "braucht" und was man, finanziell oder emotional, dafür aufwenden muss.


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13.08.2017 um 00:23
@Crusi
Nein, man kann Eltern das Recht auf die Entscheidung nicht absprechen.
Man kann keine eindeutigen Diagnosen stellen und man verhält sich zu widersprüchlich. (Siehe die Bemühungen bei körperlichen Behinderungen.)
Eltern müssten mit Leuten aus den Behinderteneinrichtungen sprechen, nicht mit den Ärzten, die eine vage Diagnose stellen und nach der Geburt nie wieder mit dem Kind zu tun haben.
Wo die Eltern eine Beratung durch Betreuer (samt Kennenlernen der Einrichtung und Betreuten) in Anspruch nehmen, wie in Wolfsburg, wo das speziell angeboten wurde, entscheiden sich mehr gegen eine Abtreibung.


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13.08.2017 um 00:24
@Ilvareth

Ich würde mich dazu gern äußern, aber da mein, aus meiner Sicht sehr nett und sachlich formulierter, Text bereits aufgrund von "Menschenverachtung" gelöscht wurde, werde ich es lassen, mich noch tiefergehend dazu zu äußern.
Ich persönlich sehe es einfach kritisch, ein Kind in die Welt zu setzen, obwohl man weiß, dass man es nicht selbstständig und gut versorgen kann. Möglicherweise weil ich selbst aus sehr schwierigen Verhältnissen stamme und finde, dass meine Eltern mich besser nicht hätten bekommen sollen.
Dass es Ausnahmen gibt, ist klar. Aber die sind eben nicht die Regel. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.


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13.08.2017 um 00:28
ich denke das ist mal was wirklich interessantes und informatives zum Thema:
http://www.zeit.de/feature/down-syndrom-praenataldiagnostik-bluttest-entscheidung
Zwei Jungen mit Down-Syndrom: Benjamin lebt, Luca ist tot. Entschieden haben das ihre Eltern. Ein Dilemma, in das Tests vor der Geburt immer mehr Paare stürzen.


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13.08.2017 um 01:02
@Tussinelda

Sehr aufschlussreich und interessant, es kann zu einer extremen Belastungsprobe für alle werden, die erste Familie hätte bei anderer Entscheidung ebenso leiden können oder wäre vielleicht schon zerbrochen.


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13.08.2017 um 01:24
Leider wird vor einem solchen Test nicht viel über das "danach" gesprochen. Ich habe ich einem Schwangerschaftsbegleiter mal die Formulierung gelesen, dass man sich im Klaren sein sollte, dass diese Tests dazu da sind, kranke Babys aufzuspüren und daraus Konsequenzen zu ziehen.
Nur wird der Test häufig halt gemacht, ohne dass die Eltern darüber nachgedacht haben, wie sie mit welchem Ergebnis umgehen. Das führt unweigerlich zu solchen Situationen wie in dem Link beschrieben.
Mir ist damals auch viel Unverständnis begegnet, weil ich kein Ersttrimesterscreening habe machen lassen. Für mich war aber klar, dass sich an meiner Einstellung zu diesem Kind nichts ändert, egal, welches Ergebnis dabei herauskommt.
Es wäre gut, wenn vor einer solchen Untersuchung von ärztlicher Seite auch darüber aufgeklärt würde, wie es danach weitergehen kann. Einfach, um rechtzeitig den Denkanstoß zu geben, dass neben "Alles in Ordnung" auch andere Ergebnisse möglich sind.


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13.08.2017 um 05:15
hyphaema schrieb:Ich persönlich sehe es einfach kritisch, ein Kind in die Welt zu setzen, obwohl man weiß, dass man es nicht selbstständig und gut versorgen kann. Möglicherweise weil ich selbst aus sehr schwierigen Verhältnissen stamme und finde, dass meine Eltern mich besser nicht hätten bekommen sollen.
Dass es Ausnahmen gibt, ist klar. Aber die sind eben nicht die Regel.
Kritisch sehen ist sicherlich OK. Aber dazu gehört dann auch, das ganze Spektrum überblicken. Das erste Problem entsteht schon da, dass man erst einmal "gut versorgen" definieren muss.

Wo beginnt das, wo endet das? Manche meinen heute, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer haben muss. Vor 50 Jahren lebten manchmal drei Kinder in einem "Kinderzimmer," und sind doch ohne psychische oder sonstige Schäden erwachsen geworden. Und so weiter.

Mein Vater wurde plötzlich arbeitslos, als ich vier Jahre alt war. Gut, das war eine Zeit, in der wir dann öfter mal Pellkartoffeln und Quark gegessen haben und Fleisch seltener auf dem Teller war. Ein Auto hatten wir, wie viele Leute damals (60er Jahre) auch nicht. Und? Zwei Jahre später sah alles ganz anders aus, und ich habe diese Episode ohne Schäden überlebt.

Und selbst wenn alles noch viel schlimmer ist, kann es Alternativen geben: Wir haben z.B. ein Pflegekind aufgenommen, dessen Vater lebenslang im Gefängnis sitzt und dessen Mutter, na ja... Und dieses Kind, das wir behandeln wie unsere eigene Tochter, ist ein wundervoller Mensch, liebevoll, intelligent, voller Freude am Leben. Genau wie unser leibliches Kind. Ich bin der festen Überzeugung, wenn dieses Mädel nicht auf der Welt wäre, wäre diese ärmer.


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13.08.2017 um 11:24
@AndySipowicz

Schön gesagt!

Auch ich könnte niemals ein Kind abtreiben, egal wie schwer es behindert wäre.

Ich könnte nichts mehr in meinen Leben genießen. Bei jedem auch noch so kleinem Wohlstandsgut (sei es auch nur ein Kaffee, ein billiges Gewand,…) bzw. bei jeder Auszeit (auch wenn man nur kurz sitzt und in die Luft schaut) würde mir sofort der Gedanken durch den Kopf schießen: „das kann ich mir nur deshalb gönnen, weil ich mein Kind umgebracht habe" – ich würde den Verstand verlieren.

Es geht immer irgendwie und jedes Leben ist wertvoll.


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13.08.2017 um 11:31
@FerneZukunft
@AndySipowicz
Ich bin ganz bei euch! Ich hatte einen Unfall während der Schwangerschaft und keiner konnte mir sagen was die Folgeschäden sind oder ob es eins gibt. Mir war das Wurscht . Ich hab immer für das Kind entschieden! Was ist die Welt ohne Risiko??? Arm, arm! Wir sind doch für das gemacht und wollen auch in schlechte Zeiten es überstehen. Wer kein Risiko auf sich nimmt, kann auch verlieren. Mein Kind ist heute kerngesund und ich bin so dankbar!!! Hatte einen Schutzengel.


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13.08.2017 um 11:42
@Klee8

Es ist toll, dass es Leute wie Dich gibt!

Du hast Dich für das Leben entschieden – SUPER!!!!!!!

Ich freue mich für Dich, dass alles gut gegangen ist und wünsche Dir auch weiterhin alles Liebe und Gute! Bleib wie Du bist!


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13.08.2017 um 15:19
@AndySipowicz

Genau das habe ich in meinem Beitrag doch versucht anzureißen.
Es geht mir nicht um "Arbeitslosen-Bashing" oder Diskriminierung von ärmeren Menschen, sondern in erster Linie um das Kindeswohl. Und um ein Kind adäquat großzuziehen, reicht meiner Meinung nach nicht bloß Luft und Liebe, ebenso wie pures Geld noch lange kein glückliches Kind garantiert. Es sind immer alle Faktoren, die dort hineinspielen, insbesondere die Kompetenz der werdenden Eltern, sich auf die (emotionalen) Bedürfnisse des Kindes einlassen zu können und es nicht, wie das so oft passiert, zu übergehen, zu vernachlässigen oder gar zu misshandeln.
Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass arme Menschen schlechte Eltern sind, aber was mir persönlich Bauchschmerzen bereitet, ist diese Haltung, jeder sollte ein Kind in die Welt setzen dürfen, egal ob er diesem Kind etwas bieten kann oder nicht. Und da bin ich klar dagegen. Ein Tierheim gibt mir auch keinen Hund, wenn ich allein schon mit den Fixkosten, die ein solcher verursacht, Probleme habe und ein Kind bedeutet noch einmal deutlich mehr Verantwortung, als ein Tier es je tun wird.
Was ich mit meinem "menschenverachtenden" Beitrag aussagen wollte, ist allein die Tatsache, dass ich es begrüße, wenn sich jeder Mensch mit Kinderwunsch einfach mal vorher überlegt, ob ein Kind tatsächlich gerade in sein Leben passt und zwar auch, aber nicht nur, bezogen auf seine finanzielle Situation.

Man wird nie verhindern können, dass Menschen plötzlich arbeitslos, krank oder sonstwie verhindert werden, sodass über kurz oder lang auch die Kinder davon betroffen sind. Darum geht es ja auch überhaupt nicht.
Es geht mir um potenzielles Leid, das man sehr wohl vehindern könnte, wenn man nicht auf Teufel komm raus Kinder produzieren würde. Und ich hoffe, das wird jetzt nicht schon wieder gelöscht, denn ich sehe nicht, was daran "menschenverachtend" sein soll. Menschenverachtend finde ich es eher, Kinder wie ein Accessoire zu sehen, was man halt mal so bekommt, egal ob man es versorgen kann oder nicht.


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13.08.2017 um 15:32
Meine Mutter war im Übrigen die ersten 9 Jahre mit mir und meiner Schwester alleinerziehend.
Sie war zwar nicht arbeitslos, aber hatte 5 schlecht bezahlte Jobs, sodass ich bereits mit 6 Jahren (!) allein mit dem Wecker aufstehen, allein meinen Ranzen packen, allein mein Frühstück einnehmen und allein zur Schule laufen musste. Nach der Schule ging ich allein nach Hause, nahm allein das Mittagessen (das in der Mikrowelle stand) ein, machte allein meine Hausaufgaben und beschäftigte mich allein, bis meine Mutter irgendwann abends völlig erschöpft nach Hause kam und keine Nerven mehr für mich hatte. Und da frage ich mich ganz ehrlich: War es das wert? Musste man da wirklich Kinder in die Welt setzen? Nun ist es ja passiert, okay. Aber ich persönlich hätte eine Abtreibung sinnvoller gefunden.

Disclaimer: Ich rede von mir persönlich und meiner Meinung, die niemand teilen muss! Ich bin auch nicht dafür, Menschen zu Dingen zu zwingen, die sie nicht tun wollen und gestehe jedem die freie Gestaltung seines eigenen Lebens zu. Ich artikuliere bloß, was ich selbst für mich (!) wünschenswert finde!


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Würdet ihr ein behindertes Kind abtreiben?

13.08.2017 um 16:59
Mit einem behinderten Kind kommen schlicht und ergreifend vollkommen andere Belastungen auf einen zu als mit einem gesunden Kind - sei es finanzieller, zeitlicher oder emotionaler Natur. Ein behindertes Kind kann Unsummen verschlingen, die u.U. nicht vom Staat mitgetragen werden und dazu führen können, dass das Kind sein Lang eine eingeschränkte Teilhabe oder völlige Exklusion erlebt. Das kann bei einem besonderen schulischen Förderbedarf beginnen, der in vielen Fällen nicht ausreichend staatlich (mit-)finanziert wird, sich über spezielle Alltagsunterstützung bis zu (teureren und guten) medizinischen Geräten/Unterstützungen ziehen, bei denen lediglich das günstigste Modell übernommen wird, mit dem häufig nichts anzufangen ist.
Ich finde es sehr wichtig, sich bei einem mit hoher Wahrscheinlichkeit behinderten Kind zu entscheiden, ob man es wirklich austragen möchte und ihm dauerhaft gewachsen ist, ob man es ggf. sein Leben lang finanziell und emotional unterstützen kann und die Finanzierung nicht auf den Staat auslagert, der lediglich eine sehr bescheidene Grundsicherung und damit oftmals ein Leben am sozialen Rand ermöglicht. Potenzielles Leid beginnt für mich nicht nur bei körperlichen und geistigen Einschränkungen oder dauerhaften Schmerzen, sondern auch bei fehlender Möglichkeit der Selbstverwirklichung durch gesellschaftliche Benachteiligung, wahrscheinliche lebenslange soziale Ausgrenzung durch Mobbing aufgrund der Behinderung sowie der Aussicht, niemals ein "vollwertiges" Mitglied der Gesellschaft sein zu können.
Muss man das wirklich riskieren, nur, um sich selbst den Kinderwunsch zu erfüllen? Natürlich können Behinderte auch ein sehr erfülltes Leben führen, dennoch bleibt es ein potenzielles (vermeidbares) Risiko, das man sehenden Auges eingeht.
Eine Abtreibung ist daher, wie ich bereits schrieb, u.U. eine Entscheidung im Sinne des Kindes.

Um auf das, was @hyphaema schrieb, einzugehen:
Ich bin in Armut aufgewachsen, bei einer Mutter, die mir weder psychisch noch finanziell (aber durchaus emotional, sie hat mich geliebt, das kann und möchte ich nicht bestreiten) gerecht werden konnte. Das war in meiner Kindheit sehr belastend. Es ist kein schönes Gefühl, wenn man am normalen Alltagsgeschehen nicht teilhaben kann, weil das Geld nicht für Kinobesuche, fürs Auswärtsessen oder Ähnliches reicht. Es ist kein schönes Gefühl, nur gebrauchte Kleidung aufzutragen und dafür gehänselt zu werden, es ist nicht schön, bei Klassenfahrten der zu sein, der bezuschusst werden muss. Immer "nein" zu sagen, wenn Freunde etwas machen wollen, die Dinge, die sich andere leisten können, nicht zu kennen, das grenzt aus. Auch in meiner Jugend und im jungen Erwachsenenalter war das eine unschöne Erfahrung - andere konnten deutlich sorgenfreier studieren, mussten ihre Wohnung anteilig oder gar nicht selbst finanzieren, hatten Unterstützung in der Anschaffung von Möbeln und konnten sich ganz auf das Studium konzentrieren oder hatten einen Nebenjob, um sich etwas zurückzulegen und nicht, damit das Überleben - etwas überzogen ausgedrückt - gesichert ist.
Kommt in dieser Situation nun noch ein besonderer Bedarf durch eine Behinderung hinzu, hat man, ich kann es nicht weniger platt ausdrücken, verschissen. Selbst bei geringfügiger Normabweichung, bei speziellen, etwas kostspieligeren Interessen, hat man als Kind eines Geringverdieners oder Armen den eindeutigen Nachteil.
Die Einstellung, dass Menschen, die derzeit und langfristig arm oder armutsgefährdet sind, keine Kinder kriegen sollten, begrüße ich aufgrund meiner persönlichen Lebenserfahrung, aber auch aus rationaler Sicht, sehr. Kinder kosten nun einmal viel Geld und wer ein Kind bekommt, sollte nicht nur an sich und die eigene Wunscherfüllung denken, sondern auch an das Kind und daran, ihm eine solide Zukunft bieten zu können - das kann man, wenn man kein Geld hat, m.E. nicht.


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