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Der Glaube an Nichts

216 Beiträge, Schlüsselwörter: Philosophie, Entstehung

Der Glaube an Nichts

01.09.2020 um 13:10
Götze
schrieb:
Nachdem sich das Ich als Gegensatz zu allem anderen Seienden gesetzt hat, bleibt nur noch
… die totale Nichtexistenz, denn das das Gegenteil des Seienden ist das Nicht-Seiende. Wenn Du das Ich als das Gegenteil des Seienden verstehst, dann kann so ein Ich nur mehr ein Nicht-Seiendes sein. Also nicht existent.



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Der Glaube an Nichts

01.09.2020 um 16:56
Götze
schrieb:
Nachdem sich das Ich als Gegensatz zu allem anderen Seienden gesetzt hat, bleibt nur noch
off-peak
schrieb:
… die totale Nichtexistenz, denn das das Gegenteil des Seienden ist das Nicht-Seiende. Wenn Du das Ich als das Gegenteil des Seienden verstehst, dann kann so ein Ich nur mehr ein Nicht-Seiendes sein. Also nicht existent.
Lieber off-peak,

die Philosophie benutzt sehr exakte Begriffe und ist nicht so schwammig, wie man gemeinhin glaubt, "ganz im Gegenteil" sogar. Ich könnte mich natürlich auch mal verschreiben, aber in dem Fall schrieb ich von allem ANDEREN Seienden als GegenSATZ vom Ich und nicht vom Gegenteil. Aus meinen vorherigen Beiträgen wird ersichtlich, dass damit die Abgrenzung zum Nicht-Ich nach Fichte gemeint ist.



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Der Glaube an Nichts

01.09.2020 um 19:40
Götze
schrieb:
Ich verstehe nicht, wie du darauf kommst, dass das Ich nicht existieren dürfte, denn wenn dann sehe ich das Nichts als ein Nicht-Ich.
Ich sehe das so:
Das Nichts kann nicht etwas sein und kann man daher auch nicht sehen, das vermeintliche Nichts als ein Nicht-Ich zu sehen erfordert ein Ich, das Nichts für das Ich nicht erkennbar, nur als vermeintliches Nichts.
Vielleicht gibt es das vermeintliche Nichts tasächlich nicht, was es mMn aber nicht zum Nichts macht, denn der Gedanke an das vermeintliche Nichts steht für etwas und keineswegs für nichts, selbst wenn es das gar nicht gibt.
Man trägt daher nicht den Gedanken an ein Nichts mit sich rum und man kann auch kein Nichts zum Nicht Ich werden lassen,.
In der Position wäre man mMn nur ohne Ich, was dann jedoch auch nichts mehr bringt.^^
Götze
schrieb:
Da beginnt vielleicht ein anderer, ein nicht Nitzsch'cher Abgrund, denn wenn ich mich als Gegensatz zum Nichts setze, könnte ich mich mit meiner eigenen Sterblichkeit konfrontieren und abermals in eine Ficht'sche Synthese gehen, die in einem Existenzialismus à la Sartre & Co. enden könnte, indem ich nämlich erkenne, dass alles auf das Nichts zuläuft und mein Leben im Nichts endet; ich also in Fichtes Dialektik selber mit dem Tod zu Nichts werde.
Ja, aus der Perspektive eines Menschen, wird er dann zu nichts oder verschwindet im Nichts aber auch hier würde ich meinen, immer noch nur die vermeintliche Variante.
Götze
schrieb:
Ich glaube wie gesagt nicht, dass Nietzsche mit jenem Zitat sagen wollte, dass wir das Böse in uns erkennen (würden, sollten, müssten), wenn wir in den Abgrund schauen und er in uns zurückschauen könnte, sondern tatsächlich, dass es da nichts zu erkennen gibt. Der Abgrund ist in der Tat eigentlich nur das Fehlen von Gestein.
Ja und das war denke ich sein Fehler.
Ja ich weiß, ist schon ziemlich vermessen, da ich noch nicht einmal weiß ob er darauf hinaus wollte und auch nicht der größte Experte bin (vorsichtig ausgedrückt :D).
Ich habe mir das damals immer wieder durch den Kopf gehen lassen und dachte erst, dass es richtig ist.
Nach einigen Jahren kam ich dann aber auf ganz andere Trichter.
Als Beispiel Mister Spock mit seinen Emotionen:
"Ich habe keine Emotionen."
Später...
"Ich >verabscheue< Emotionen."

Ich denke, das war auch seine Triebfeder dahinter, nur nicht auf Emotionen bezogen, nur konnte er das Dilemma genauso wenig lösen wie Spock. Vielleicht gäbe es bei den Vulkaniern ganz ähnliche Betrachtungen auf Emotionen bezogen, wo dann unterm Strich sowas raus kommen würde wie: es gibt keine wirklichen Gründe für Emotionen.
Aber Gründe sind halt Gründe... und wenn man etwas macht weil es unlogisch ist, dann ist das eben der Grund dafür aber für einen Vulkanier sind vielleicht auch nur logische Gründe "wirkliche" Gründe.^^



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Der Glaube an Nichts

01.09.2020 um 22:00
Yooo
schrieb:
Das Nichts kann nicht etwas sein und kann man daher auch nicht sehen
Yooo
schrieb:
, denn der Gedanke an das vermeintliche Nichts steht für etwas und keineswegs für nichts, selbst wenn es das gar nicht gibt.
Ich denke, dass das Nichts ein Argument ist, wie ich unten anhand von Flamingos wahrem Satz schildere, dass für etwas steht, z. B. dass aus etwas etwas wurde, was machte, dass etwas nicht mehr da ist und dann steht es für etwas. Als Argument steht dem Nichts, wenn es sich wie die Zahl Null verhält, kein Gegenargument gegenüber, was ich hiermit anerkenne, auch wenn es "nur" ein Analogieschluss ist, der die Eigenschaft der Zahl Null, die Flamingo benannte, nämlich keinen Gegensatz zu haben, auf das Nichts ebenso anwendet.
Yooo
schrieb:
Man trägt daher nicht den Gedanken an ein Nichts mit sich rum und man kann auch kein Nichts zum Nicht Ich werden lassen,.
In der Position wäre man mMn nur ohne Ic
Diesem Einwand gebe ich statt, da mich hier der Gedankengang inspiriert, aber nur insofern das Nichts als Nicht-ich nicht Gegensatz des ich sein kann, wie ich nun einsehe. Auch @FlamingO schrieb in ihrem letzten Beitrag einen ähnlichen Gedanken, nämlich:
FlamingO
schrieb:
Darüber hinaus kann das Nicht-Seiende an und für sich keinen Gegensatz haben, weil es per definitionem ja gerade nicht ist. Null hat keinen Gegenpol. Es gibt nur Seiendes, und die Aussage "es gibt das Nichts" führt ins Groteske.
Null hat keinen Gegenpol. Diesen Satz sollte man unterstreichen, denn er sagt viel aus. Es ist zwar nur eine Analogie, das Konzept "Nichts" auf die Zahl 0 zu übertragen und "0" und "Nichts" gleichzusetzen, aber als Analogie hätte das Nichts keinen Gegenpol. Der Tod kann dann nicht Nichts sein, denn er hat einen Gegenpol, das Leben.

Interessant ist, dass ich den Tod als mein Nicht-Ich also setzen darf, um in eine religiöse Erleuchtungssynthese zu gehen, aber gesetzt des Falls, das Nichts hat wie "0" keinen Gegenpol, so kann sich das Ich nicht zum Gegensatz selbst des Nichts machen. Ich glaube, Flamingo meint, dass die 0 z. B. in einem Koordinatensystem der analytischen Geometrie als einzige Zahl keinen Gegenwert auf der y-Achse hat, wie etwa X=1, der bei y=-1 bei den rationalen Zahlen den Gegenwert x=-1 hat, wenn man den x-Wert spiegelt oder entlang einer z-Achse von dem Korrdinatenursprung parallel zu der Richtung des Nullpunkts zu y=-1 versetzt also generell, dass es so etwas wie einen Gegensatz für die 0 in der Mathe nicht als Argument gibt, obwohl es ein Argument ist. Dass das Nichts ein Argument ist, wissen wir alle, denn wir sprechen ja oft, sehr oft vom Nichts, von nichts oder benutzen das Wort nichts/Nichts. So gesehen wäre der Existenzialismus Kierkegaards, Sartres und z. B. Kafkas Quatsch, weil sie das Ich zum Nichts in den Gegensatz bringen, indem Sie den Tod als Argument für das Nichts einsetzen, wenn man den Existenzialisten zum Vorwurf machen würde, sie würden das Nichts als Gegensatz zum Leben sehen, denn das wäre falsch.

Das Ich kann sich also nicht zum Nichts als Ich setzen, auch wenn das Nichts das Nicht-Ich sein muss, denn das Ich ist seiend, genauso wie alles "im"/"vom" ´(des) Nicht-Ich ist außer das Nichts . So weit sind wir gemeinsam hier schon gekommen.

Dass es das Nichts nicht "gibt", ist mir klar. Sätze wie "das Ich ist nicht Nichts/nichts" ergeben Sinn und können wahr sein, aber ein Satz wie, das "Nicht-Ich ist auch das Nichts" schreibe ich nicht, sonst würde ich mich verschrieben haben, denn das Nichts "ist" ja "nicht". Aber dennoch scheint es Sätze zu geben, die man mit dem Argument "Nichts" setzen darf, sehr viele sogar. "Das Nichts ist nicht..." wäre unproblematischer, denn Wörter wie "ist" (vom Verb sein) muss man auch verwenden dürfen, nur wie ist die Frage.

Das Nichts ist nicht der Gegensatz von allem; aber ist das Nichts nicht der Gegensatz von Nichts? Es gäbe gute Gründe für ein Argument, über das man nichts aussagen kann, auch alles auszusagen, wie z. B. das Nichts ist der Gegensatz zu Nichts, da es den Gegensatz zu Nichts nämlich nicht gibt und daher Nichts der Gegensatz des Nichts ist. An dieser Stelle ist das Nichts.

Es ist als Gegensatz von sich selbst nicht ein vermeintliches Nichts, wie @Yooo richtig vermutet, dass das Nichts als Argument von anderen Argumenten als Basis dessen Nicht-Da-Seins in der Sprache oft dient, sondern als Gegensatz von sich selbst, IST das Nichts. Nichts ist in diesem Gegensatz zu sich selbst sich selbst. Sich selbst als Nichts. Ist daher dann das Nichts "etwas", kein vermeintliches Etwas etwa als Stellvertretung von dem "nicht-da-seienden" Moment alles anderen Seienden als stellvertretendes Argument dafür, dass es nicht da wäre irgendwo, irgendwann, sondern etwas an sich? Oder ist das Nichts nur für sich als Gegensatz von sich? Jedenfalls ist auch das Nichts: sein Gegensatz.
Yooo
schrieb:
Ja, aus der Perspektive eines Menschen, wird er dann zu nichts oder verschwindet im Nichts aber auch hier würde ich meinen, immer noch nur die vermeintliche Variante.
Diesen Gedankengang, dass Menschen mit dem Tod Nichts werden, haben wir ausgeräumt, indem wir das Leben nicht als Gegensatz des Nichts mehr sehen können. Danke, Flamingo und Yooo


Folgendes Zitat von Yooo bezieht sich auf Nietzsches Interpretation des Abgrunds als Fehlen von Gestein.
Yooo
schrieb:
Ja und das war denke ich sein Fehler.
Oh ja, das sehen wir hier an dieser Debatte, wie man gleich weiter darauf zurückkommen könnte. Denn weder ist dem Ich es möglich sich als Gegensatz zum Nichts zu setzen als auch wird sich das Nichts nicht als Gegensatz des Ich setzen, was ja noch absurder an Nietzsches "Abgrund"-Gedanken war. Ich denke (glaube), Nietzsche wusste, dass es absurder ist, dass der Abrund in einen zurückschaut, aber ich glaube noch, dass er tatsächlich glaubte, dass Menschenpsychologie dennoch so funktioniert, dass man glaubt, dass das vermeintliche Nichts des Abgrunds zu einem sprechen könnte und er spekulierte in der Tat, so glaube ich noch mich zu erinnern, dass ich wollte, dass Menschen wissen, dass sie glauben sollen, dass sie das, was sie in andere und in vermeintliche Nichts wie den Abgrund hineininterpretieren, auf andere nicht etwa übertragen (sondern das glaube ich selbst heute), sondern auf sich selbst - und ich denke wirklich, dass Nietzsche meinte, dass der Abgrund aber "wirklich nichts" sei (in meinen Worten), kein wie hier genauer geschildertes "vermeintliches Nichts mit negativen Eigenschaften". Nietzsche meinte es so, dass der Abgrund nicht etwa ein Fehlen von Gestein ist, auch wenn er es so sah, aber er glaubte oder wusste selbst, dass Fehlen eine negativ konnotierte Aussage ist. Genau mit diesem Gedanken spielte er da bei seinem "Abgrund"-"Bild", denn dem Abgrund fehlt der Boden, so glaubte Nietzsche, wie ich denke und zwar auch so weit weiter, dass Menschen aufgrund des Fehlens von Boden ihn bewerten als negativ. In Wirklichkeit sah Nietzsche ein zweischneidiges Schwert, denn ob dem Abgrund Boden fehle oder ob es ein "wirkliches Nichts" (in meinen Worten) anstatt eines vermeintlichen Nichts (in auch Yooos Worten) entschied er für ersteren Gedanken. Der Abgrund könnte statt mit emotionalen "negativ konnotierten" Begriffen auch mit emotionsneutralen Worten einfach als "Abwesenheit von Boden" betrachtet werden, doch Menschen schaudert es auch bei einer solch neutraleren Bezeichnung. Insofern kam Nietzsche nicht weiter als wir bis hierhier, sondern wir beide zusammen fanden schon heraus, dass auch die Abwesenheit von Boden "ein vermeintliches Nichts " nur ist, da er, wie du schilderst, ja sich auf etwas bezieht, nämlich den Boden. Selbst wenn Nietzsche also wie ich glaube, de Abgrund wäre als Abwesenheit (oder "Fehlen") von Boden ein in meinen Worten "wirkliches" Nichts, irrt(e) er, wie ich oben in diesem Beitrag schrieb, dass er als Abwesenheit von Etwas nur ein Argument für etwas ist, das nicht da ist. So weit dachte Nietzsche also schon. Nur glauben wir nun, dass ich die Wiedergeburt von Nietzsche bin und wir glauben ja, dass etwas, das irgendwo, irgendwann nicht da ist, nur eine Beschreibung des raumzeitlichen Verhaltens von Etwas (und eben nicht von nichts oder gar "dem" Nichts") sei. Der Abgrund, so schließe ich, ist kein wirkliches Nichts und es war eines der vielen schwachen kurzlebigen Wörter Nietzsches, die die Zeit nicht überdauern werden, weil Nietzsche die Abwesenheit von Etwas als Nichts definiert haben müsste.



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Der Glaube an Nichts

02.09.2020 um 22:19
Na, das war ja produktiv, danke für die Ausarbeitung.
Meine Schubladen noch neu sortieren *kopf kratz* naja, wo halt noch platz ist, und dann ist das schön.
Götze
schrieb:
Das Nichts ist nicht der Gegensatz von allem; aber ist das Nichts nicht der Gegensatz von Nichts? Es gäbe gute Gründe für ein Argument, über das man nichts aussagen kann, auch alles auszusagen, wie z. B. das Nichts ist der Gegensatz zu Nichts, da es den Gegensatz zu Nichts nämlich nicht gibt und daher Nichts der Gegensatz des Nichts ist. An dieser Stelle ist das Nichts.
Als Kind, noch bevor ich Internet hatte, habe ich mich mit Deutsch Englisch Wörterbuch in der Hand, monatelang durch staubtrockene DirectX und programmier Docs durchgequält (natürlich nur, um ein Spiel zu programmieren😋).
Dass nicht Eins speicher verbraucht, hat mich wahnsinnig gemacht (bis heute noch Spätfolgen🥺) und ich habe das auch erst viel später wirklich verstanden, als ich wissen wollte, wie das überhaupt intern funktioniert.
In Futurama gab es mal einen Witz über binäre Logik, dort sagt der Roboter verängstigt: Ich habe von einer Zwei geträumt.
Auch so ein Satz, der mich seither nicht mehr loslässt. 😅
Mir schwant, da steckt noch ein Sinn dahinter, der über das Groteske an dieser Vorstellung hinaus geht, wenn man sich ein Universum vorstellt, indem nur binäre Logik existiert.
Hmmmm, 😨 der Gedanke "Rosa Elefanten gibt es nicht", kann nur bestehen weil es das Universum zulässt.
Was auf der anderen Seite aber auch wieder offensichtlich erscheint.
Muss ich noch mal drüber nachdenken.



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Der Glaube an Nichts

04.09.2020 um 13:51
@Götze

Da hast du ja bannig viel Text fabriziert. Leider mit nicht so vielen Treffern in dem ganzen Kuddelmuddel. Man muss sich durch Text am laufenden Meter lesend fräsen, nur um dann auf platte Urteile wie
Götze
schrieb:
So gesehen wäre der Existenzialismus Kierkegaards, Sartres und z. B. Kafkas Quatsch
zu stoßen.

Nietzsche und Kierkegaard in einem Satz tendenziös zu erwähnen, das ist schon abenteuerlich.
Da ist Kierkegaard zum einen, der protestantische Theologe (der sich beständig gegen die pietistische Frömmigkeit des Vaters und die seiner Ansicht nach heuchlerische Amtskirche wehrte), der allein die rein individuelle Hinwendung zu Gott als (Er-)Lösung sah.
Nietzsche hingegen forderte die Absage an den Gottesglauben und die Negation aller bestehenden absoluten Wahrheiten und Werte.

Denk da besser noch mal drüber nach.
Götze
schrieb:
Das Nichts ist nicht der Gegensatz von allem; aber ist das Nichts nicht der Gegensatz von Nichts?
Nie und nimmer.
Der Gegensatz von sich selbst ... Das ist Mumpitz.
Götze
schrieb:
Ich denke (glaube), Nietzsche wusste, dass es absurder ist, dass der Abrund in einen zurückschaut
Daran ist nichts Absurdes, wenn man es als das begreift, als was es gemeint war - als eine Metapher.
Der "Abgrund" ist einem Spiegel gleich, in den man hineinschaut und sich selber sieht, inkl. seiner bösen Seiten/negativen Eigenschaften, um die man weiß - wenn man ehrlich "hinschaut".



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Der Glaube an Nichts

04.09.2020 um 19:02
FlamingO
schrieb:
Daran ist nichts Absurdes, wenn man es als das begreift, als was es gemeint war - als eine Metapher.
Der "Abgrund" ist einem Spiegel gleich, in den man hineinschaut und sich selber sieht, inkl. seiner bösen Seiten/negativen Eigenschaften, um die man weiß - wenn man ehrlich "hinschaut".
Warum sollte er den Abgrund dann nicht als das Böse benannt haben?
Doch wohl, weil er ein Problem damit hatte, etwas als böse zu bezeichnen.



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Der Glaube an Nichts

04.09.2020 um 19:12
@Yooo

Ach, zwischen "böse" und "absurd" liegen nicht nur sprachliche, sondern auch scholastische Welten, hm, weißt du?

Benennen kann er - und überhaupt jeder- ja alles, was im jeweiligen Kopf herumgeistert.
Allein, das ufert aus.

Aber: Wozu? Wohin führt das?



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Der Glaube an Nichts

04.09.2020 um 20:22
FlamingO
schrieb:
Wozu? Wohin führt das?
Dass er das wahrscheinlich nicht gemeint haben kann, sonst hätte er nicht solche Anstalten gemacht, vom Bösen wegzukommen:
FlamingO
schrieb:
in den man hineinschaut und sich selber sieht, inkl. seiner bösen Seiten/negativen Eigenschaften, um die man weiß - wenn man ehrlich "hinschaut".
Oder er war sich dem Widerspruch gar nicht bewusst, was deine Auslegung dann zwar richtig macht, den Wert der Metapher aber schlechter.
Wäre schade drum.

Natürlich immer noch möglich, dass er auf was anderes hinaus wollte.



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Der Glaube an Nichts

05.09.2020 um 10:57
Yooo
schrieb:
Natürlich immer noch möglich, dass er auf was anderes hinaus wollte.
Wie man es dreht und wendet: Abgrund ist nicht positiv oder neutral konnotiert, der Begriff hat eine negative Färbung, etwas Düsteres.
Nietzsche war ja auch Dichter, und seine Sprachverbundenheit mag ihn dazu gebracht haben, das Wort Abgrund gezielt anderen, abstrakten Begriffen vorzuziehen, eben weil der Abgrund auch so sinnbildlich ist.
Nicht ohne Grund spricht man ja auch von den Abgründen der menschlichen Psyche.

Wenn man auf einem Berg steht, ist ein Abgrund tatsächlich ein steiles Tal. Ein Abgrund kann aber auch ein Schacht oder ein Loch sein, stets verbunden mit der Gefahr hineinzufallen. Etwas, das nach unten geht, abwärts.
Allerdings: Wer am Abgrund steht, ist noch nicht hineingefallen.



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Der Glaube an Nichts

05.09.2020 um 12:00
Yooo
schrieb:
Doch wohl, weil er ein Problem damit hatte, etwas als böse zu bezeichnen.
Nein, sondern weil er eben besser philosophieren konnte, als manche diese Texte zu lesen vermögen. ;)

Es ist mit Abgrund eben nicht nur das Böse gemeint oder gar etwas bestimmtes Böses. Es ist damit alles gemeint, das Einem bisher verborgen war, das man bis dahin nicht wahrhaben konnte oder wollte, und das muss nicht automatisch böse sein, beinhaltet aber sehr wohl eben auch Böses, das man offenbar verdrängt oder ignoriert hätte.



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Der Glaube an Nichts

05.09.2020 um 13:13
off-peak
schrieb:
und das muss nicht automatisch böse sein, beinhaltet aber sehr wohl eben auch Böses, das man offenbar verdrängt oder ignoriert hätte.
Naja, er muss es wissen.🙃



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Der Glaube an Nichts

05.09.2020 um 13:48
off-peak
schrieb:
Es ist mit Abgrund eben nicht nur das Böse gemeint oder gar etwas bestimmtes Böses. Es ist damit alles gemeint, das Einem bisher verborgen war, das man bis dahin nicht wahrhaben konnte oder wollte, und das muss nicht automatisch böse sein, beinhaltet aber sehr wohl eben auch Böses, das man offenbar verdrängt oder ignoriert hätte.
Das sehe ich so ähnlich. In den Abgrund projizieren wir Verschiedenes ins Nichts hinein:

- unsere Erwartungen: Der Abgrund ist das Fehlen von Boden. Wir würden Boden erwarten, finden aber einen Leerraum.
- unsere Erfahrungen: Ins Bodenlose und in die Tiefe sind wir früher gefallen (von der Treppe, von einer Erhöhung etc.). Wir schließen von unseren früheren Erfahrungen mit Bodenlosigkeit auf eine zukünftige Erfahrung mit einem Abgrund.
- unsere Gefühle: Unten an einem Abgrund zu sein, würde uns beängstigen. Wir projizieren ein fiktives "Da-Unten-Sein" auf unser jetziges Gefühl und empfinden es als gefährlich, dort zu sein, von wo aus man nicht mehr oder sehr schwer zurück nach oben kommt, was uns die Angst einjagt.
- unsere Vorstellungen: Wir stellen uns vor, was statt eines Abgrundes da sein könnte, z. B. ein Boden, ein Berg, eine Brücke. Wir vergleichen unsere nicht-vorhandenen Vorstellungen wie Wünsche mit dem Abgrund, den wir nicht wollen, weil wir stattdessen etwas Anderes lieber hätten.

Unsere Erwartungen, Erfahrungen, Gefühle und Vorstellungen sind aber nicht da, sondern nur die Realität des Abgrundes. Wir sollen ihn so akzeptieren, wie und was er ist.

Vor allem ist es subjektiv und abhängig von jedem Menschen, womit es sich unterscheidet welche Erwartungen, Erfahrungen, Gefühle und Vorstellungen ein jeder in den Abgrund projiziert. Selbst wenn wir alle vor dem gleichen Abgrund stünden, würde jeder von uns etwas Anderes damit in Verbindung bringen. Es ist aber unvernünftig, wenn wir uns gegenseitig wegen persönlichen Erwartungen, Erfahrungen, Gefühlen und Vorstellungen überwältigen würden, weil sie sich unterscheiden und dies keine Basis einer sachlichen Entscheidung sein kann, um miteinander überein zukommen, wie man mit dem Abgrund umgehen soll. Wenn wir den Abgrund als etwas anderes sehen, als was er sachlich ist, weil wir unsere Erwartungen, Erfahrungen, Gefühle und Vorstellungen immer in etwas hineinprojizieren, setzen wir uns ewig nur miteinander als mit dem tatsächlichen Abgrund auseinander. Der Abgrund hätte dann die Fähigkeit, "in uns zurück zu schauen" und der Abgrund hätte folglich dann Macht über uns und wir nicht über ihn. Wir sollen gar nicht in den Abgrund schauen, wo nichts ist, sondern dahin, wo etwas ist, nämlich wenn es möglich ist, sollen wir bis zum Tal, an den Abhang oder am Gipfel des Abgrundes diesen erkennen und mit ihm umgehen lernen, aber nicht "in" ihn schauen, denn "im" Abgrund ist "nichts" und was wir im "Nichts" finden, das sind vereinfacht gesagt unsere Fantasien, Hirngespinste und eigenen Projektionen, die z. B., wie gesagt, aus unseren Erwartungen, Erfahrungen, Gefühlen und Vorstellungen wachsen.



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Der Glaube an Nichts

05.09.2020 um 15:34
@Götze
Und das ist nicht möglich, wir schauen immer auf etwas.
Unsere Fantasien, Hirngespinste usw. usf. sind auch etwas genau wie das gute oder böse, so individuell oder vorgefertigt man es auch immer auslegen mag.
Ein Fehler.
Die Version ohne das Nichts gefällt mir aber noch weniger, da es dann nur eine Alltagsweisheit ist und kein geschlossenes, wenn auch falsches Gebäude.



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Der Glaube an Nichts

05.09.2020 um 18:39
@Yooo

Die Analyse des Abgrundes, die das Nichts nihiliert, indem statt das Nichts das Dasein eines Bodens irgendwo in der Tiefe rekonstruiert wird, ist jedoch die sachliche Grundlage, aufgrund welcher diejenigen Menschen, die vor einem Abgrund stehen, rationale Entscheidungen zu treffen vermögen. So könnte es sein, dass es das Ziel ist, den Abgrund hinunterzusteigen und nur die Kenntnis der Lage und Beschaffenheit des Grundes (= hier: der Boden, zu dem der Abgrund letztlich doch führt) qualifiziert zu einem Plan oder der Abweisung eines Plans, dort hinunterzusteigen.

Wenn man nur in die Luft bis zum Boden schaut oder daran alleine denkt, selbst wenn man den Boden nicht sehen kann, setzt man sich nur mit dem unlösbaren Problem auseinander. Es ist unabänderbar, dass zwischen der Erhöhung vor einem Abgrund und dem Grund (= hier: Boden) eine "Lücke" (= hier auch "Lücke" für das "Nichts") klafft. Jedoch ist es möglich, den Grund (Boden) zu erreichen. Um dies zu schaffen, muss man sich aber auf den Grund (=hier beides: Boden und "motivierende innere Verursachung) und nicht auf das Nichts/die Lücke konzentrieren.

Ich glaube, Nietzsche wollte in der Rezeption, dass wir seine Metapher so analysieren, wie ich es gerade tat. Die Analyse ergibt, dass seine Metapher behauptet, wie würden beim Blick in den Abgrund den Grund (Motivation) ins Nichts (die Lücke zwischen Erhöhung und Boden) verschieben und dadurch irrationale Urteile fällen (oder es wäre möglich, dass wir infolgedessen, dass wir uns nicht auf den wirklichen "Grund" konzentrieren, falsche Entscheidungen treffen).

Zusammenfassung: Analysiert ergibt der Abgrund einerseits eine klaffende Lücke zwischen Erhöhung und Boden. Die Begriffe könnte man durch abstrakte Begriffe ersetzen, für die sie in Nietzsches Metapher stehen könnten: Der Abgrund steht für eine Herausforderung, die aus einer Erhöhung (Ausgangspunkt) und einem entfernten Boden (Grund) besteht, zwischen der eine Lücke (Nichts) klafft. Indem wir ins Nichts starren, versetzen wir den Grund ins Nichts. Dieser ins Nichts projizierte Grund ist irrational. Es gibt einen realen echten Grund (beim Abgrund: einen Boden), auf den wir unser Ansinnen durch die Schau von einem Ausgangspunkt legen sollten, um rational zu urteilen (bzw. zu unterscheiden).

Fazit: Der Abgrund bietet einen rationalen Grund, der zwar vor der Schau in das Nichts ins Nichtwahrnehmbare wegen Entfernung von einem Ausgangspunkt verschoben ist, jedoch könnten wir durch emotionsloses rationales Nachdenken den realen (wahren) Grund, nach dem wir unser Urteil (oder eine Entscheidung) von einem Ausgangspunkt, an dem wir uns befinden, finden und uns danach richten.



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Der Glaube an Nichts

11.09.2020 um 06:08
Wenn das Seiende die Verallgemeinerung bedeutet von den vielen "ist", bedeutet das Nichts Verallgemeinerung von "nicht". Es sind also substantivierte Verallgemeinerungen und bedeuten somit reine Begriffe. Beziehen sich also nicht auf etwas ausserhalb einer Begrifflichkeit. Da muss man nicht dran glauben. Das machen wir ja selbst. Das muss man nur erkennen.



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Der Glaube an Nichts

11.09.2020 um 17:19
Das "Nichts" wäre ein Nichts wenn es niemand gäbe das es als solches definieren könnte. Von daher das es definierbar ist, das es ein Wort dafür gibt, gibt es das Nichts nicht.
Alles ist in Schwingung, ob es Fädchen oder Strings sind.
Und wenn man meint das im Nichts nichts ist, ist da immer noch die Zeit die vorwärts schreitet.
(Meine Meinung).



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Der Glaube an Nichts

12.09.2020 um 14:52
esgibtnureinen
schrieb:
Das "Nichts" wäre ein Nichts wenn es niemand gäbe das es als solches definieren könnte.
Einspruch. Ob es etwas gibt oder nicht, hängt nicht davon ab ob es jemand definiert. Es hätte dann einfach keinen Namen, wäre aber trotzdem existent.



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Der Glaube an Nichts

12.09.2020 um 18:23
Die Philosophie von Nichts/nichts kann jedoch mehr, als ihr hier dachtet. Ich entwickle gerade eine revolutionäre Philosophie von nichts/Nichts, die reine Erkenntnisphilosophie werden soll. All das, was wir nicht empirisch erfahren können, könnte Teil meiner Philosophie werden.

Zum Beispiel gibt es keinen Sonnenschein. Sonnenschein ist also nichts.

Nach meiner Hypothese folgt aus nichts immer etwas und aus Nichts etwas oder nichts. Aus keinem Sonnenschein folgt Heiter bis Wolkig oder Sonnenschein.



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Der Glaube an Nichts

12.09.2020 um 18:33
Götze
schrieb:
Aus keinem Sonnenschein folgt Heiter bis Wolkig oder Sonnenschein.
Das heißt einfach nur, das die Sonne gerade nicht scheint, was darauf folgt bleibt zunächst offen.



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