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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

731 Beiträge, Schlüsselwörter: Nazikeule, Opfermythos

Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

19.12.2013 um 22:52
Commonsense schrieb:Aber wenn Du unbedingt noch einen weiteren brauchst: Ich verstehe auch nicht, auf was Du da hinaus willst...
Gut, das wollte ich doch nur wissen ! Ich bezweifelte nämlich, dass meine Zeilen
Commonsense schrieb:offensichtlich wirr
sind.
Aber zwei sind mir nun Beweis genug !
Also:
Sogenannte "interessante Theorien"
schießen im Bereich der "Rasse" nahezu ungehemmt ins Kraut.

Ich bin sicher, es gibt keinen Unsinn, der im Zusammenhang mit Rassen nicht schon postuliert worden wäre.
Kernaussage:
dass ich Rassentheorien verwerflich finde.
(verwerflich = abscheulich, unwissenschaftlich, anrüchig, ethisch bedenklich, fragwürdig und abwertend )
Dass die rechte Seite des politischen Spektrums was gegen Arbeitnehmervertreter und Arbeiterrechte hat, dürfte ja jeder wissen.
Je rechter,
umso mehr gegen Arbeinehmervertreter und Arbeiterrechte.
Das geht rechts-außen bis zu Folter und Mord.
Trotzdem mancher Umgang mit ihnen, manchmal an Formen schlimmsten Rassimus erinnert, wäre es völlig abwegig, behaupten zu wollen,
Arbeitnehmervertreter wären eine Rasse .
Das macht ja auch keiner !
Ja wirklich völlig unverständlich! ;)

Kernaussage davon:
Man kann auch Faschist sein, ohne Rassist zu sein.
Indem man nämlich zB. Arbeitnehmervertreter bekämpft.

Begründung/Beispiel:
"Die Vorwürfe, die eine Gruppe Argentinier gegen Daimler erhebt, sind an Schwere kaum zu überbieten.
Der deutsche Autokonzern, so sagen sie, sei in die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur in den siebziger Jahren verstrickt.
Das Unternehmen habe unliebsame Gewerkschafter ans Messer geliefert - viele von ihnen seien nie wieder aufgetaucht."
Daimler, so sagen die Kläger, sei derart eng mit den Militärs gewesen, dass die Werksleitung von Gonzalez Catan sogar den berüchtigten lokalen Polizeichef Ruben Lavallen als Sicherheitschef anheuerte.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mercedes-benz-argentina-kollaborationsvorwurf-unter-einem-schlechten-stern-1.10994...

Wenn ich es noch verständlicher machen soll: Bitte melden !


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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

19.12.2013 um 23:00
@eckhart

Nein, jetzt ist es verständlich, wenn ich auch den Generalverdacht gegen Arbeitgeber etwas übertrieben finde. Man kann nicht von einem schwarzen Schaf auf alle anderen schließen.

Ich hatte von den Vorwürfen gegen Mercedes Benz Argentina übrigens zuvor nicht gehört. Das ist schon ziemlich starker Tobak.

Werden diese Anschuldigungen denn untermauert?


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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

19.12.2013 um 23:12
Commonsense schrieb:wenn ich auch den Generalverdacht gegen Arbeitgeber etwas übertrieben finde.
So einem Generalverdacht würde ich auch entschieden entgegentreten.
Es gibt, wie immer und überalll solche und solche ...
Auch unter konservativen Politikern des rechten Spektrums ...
Es gab (und gibt sicher) eben auch solche wie F.J. Strauss, die die Faschisten hoffähig machen wollten.

Speziell die zwiellichtigen Typen.
Zwar wenige, aber viel zu viele.
Commonsense schrieb:Werden diese Anschuldigungen denn untermauert?
Die Zivilklage hat gute Chancen.
Mercedes hat den Angehörigen der Verschwundenen den Lohn weitergezahlt.
Das kann durchaus als ungewöhnlich gelten, kennt man ja in vergleichbaren Fällen so nicht.
Nun, ich denke, wir werden noch mehr davon erfahren.

Aber insgesamt ist in den südamerikanischen Militärdiktaturen viel vergleichbares vorgekommen.


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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

19.12.2013 um 23:44
... mag vielleicht auch u.a. mit daran liegen, dass Wir (aus objektiven Gründen :D ) nie einen wirklichen Schlussstrich
(Schuldeingeständnis-Bitte um Vergebung- Vergebung erhalten=Wahrheitskommission-Vorbild)
unter das Dritte Reich gezogen haben.)
Ich gehöre zum Wir und habe schon vor langer Zeit entschieden einen Schlussstrich gezogen. Leider gehört mir weder die BLÖD noch die BAMS, noch die BUMS, noch die WUMMS, sonst hätte ich dies wöchentlich, sonntäglich, täglich propagieren können, bis es auch jeder noch so bildungsferne Bildungsbürger mitbekommen hätte und das Thema wäre so was von durch, durcher ging's nicht.

Mittlerweile gehört das Thema ja zur Unterhaltung, wie ich sehe. Dann ist es natürlich weiterhin wichtig und ein Teil vom Wir ohne mich.


@eckhart


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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

19.12.2013 um 23:47
natbewusstsein schrieb:Der Begriff Nazi ist eine rassistische Beleidigung. Das ist wie, wenn man einen Schwarzen Neger nennt.
Nun ja, das mag einem so vorkommen, wenn Nazis eine eigene Rasse wären. Ist aber nicht so. darum ->Unfug!


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nasirjones
ehemaliges Mitglied

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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

19.12.2013 um 23:50
@pprubens
Es gibt aber keine verschiedenen Menschenrassen mehr nachdem die Neandertaler ausgestorben sind. Deswegen ist der ganze Rassismus grober Unfug und dumm. ;)


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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

20.12.2013 um 01:40
Commonsense schrieb:Ich hatte von den Vorwürfen gegen Mercedes Benz Argentina übrigens zuvor nicht gehört. Das ist schon ziemlich starker Tobak.
Das sind doch uralte Hüte,Daimler lässt in Argentinien Gewerkschafter killen,Coca Cola killt in Kolumbien,VW liess in Mexico kartätschen,United Fruits in Panama und Guatemala,Vivendi in Bolivien,Nestle eigentlich überall



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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

20.12.2013 um 10:51
Warhead schrieb:Das sind doch uralte Hüte,Daimler lässt in Argentinien Gewerkschafter killen,Coca Cola killt in Kolumbien,VW liess in Mexico kartätschen,United Fruits in Panama und Guatemala,Vivendi in Bolivien,Nestle eigentlich überall
und dass all dies bisher weitgehend ohne Konsequenzen blieb, zeigt die Verwicklungen der Wirtschaft und die Macht dieser Nazis über Regierungen und Justiz.


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pere_ubu
ehemaliges Mitglied

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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

20.12.2013 um 13:48
@Warhead

und dann der regen.


hier gibt es den kompletten film .

http://kkiste.to/und-dann-der-regen-stream.html


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Papernakel
ehemaliges Mitglied

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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

22.12.2013 um 08:14
@ kakaobart:
Weil ich deine Theorie interessant finde, möchte ich mich da gerne noch etwas tiefer reinlesen. Hast du vielleicht eine seriöse Quelle für diese Darstellung? Insbesondere von der "ostbaltischen Rasse" habe ich bisher noch nichts gehört...was ist/war das denn? Hat das was mit der Region "Baltikum" zu tun...?
Es ist so: Die „Rassenforschung“ seit der Zeit der Weimarer Republik, deren prominentester Vertreter in England Coon, in Italien Biasutti, in Frankreich Montandon, in Polen Czekanowski und in Deutschland eben der berühmte Hans F. K. Günther waren, postulierte fünf verschiedene „Rassen“ in Europa, denen Günther entschieden eine Werte-Hierarchie zuordnete und zwar folgende:

1. „nordische Rasse“, definiert als schlank, mittelgroß bis groß, langbeinig, schmalgesichtig, langnasig, hellbraune, rote oder blonde Haare, helle oder gemischte Augenfarbe, vertreten in Nord-, Zentral- und Westeuropa (der Begriff dieses Typus wurde im Nationalsozialismus allerdings derart lax gehandhabt, so daß der Großteil der Deutschen und überhaupt mitteleuropäischen Bevölkerung als mehr oder weniger „nordisch“ definiert werden konnte)

2. „dinarische Rasse“, definiert als muskulös, knochig, groß, langgliedrig, kurzköpfig, adlernasig mit eher dunklen Haaren und Augen, vertreten vor allem auf dem Balkan (Südosteuropa), teilweise auch den Alpen bis Süddeutschland und Norditalien

3. „westische Rasse“, bzw. „mediterrane Rasse“, definiert als grazil, eher kleinwüchsig, schlank, langbeinig, schmalgesichtig, schwarze Haare, dunkle Augen, klassische „Südländer“ also, vertreten vor allem in den romanischen Völkern

4. „ostische Rasse“, bzw. „alpine Rasse“, definiert als breitwüchsig (dick), breitschädlig, klein bis mittelgroß, untersetzt, eher braune oder mittlere Haarfarbe, meist dunklere Augen, kurze, stumpfe Nasen, vertreten vor allem in den europäischen Mittelgebirgen sowie den Alpen und Frankreich

5. „ostbaltische Rasse“, definiert als meist mittelgroß, breitschädlig, stupsnasig, vorspringende Wangenknochen, schiefstehende Augen, oft mit leichter Mongolenfalte, aschblondes oder hellblondes Haar, graue oder hellblaue Augen, „Slawentypus“, vertreten vor allem in Osteuropa, teilweise allerdings auch in Skandinavien

In diese fünf Typen haben Anthropologen der damaligen Zeit die europäische Menschheit ganz offiziell unterteilt. (Auch wenn ihnen damals schon klar war, daß die meisten Menschen Mischtypen aus diesen „Rassen“ sind.) Vor allem im Nationalsozialismus ging damit zugleich auch eine starke Wertung einher, d. h. die nordischen und dinarischen Menschen wurden als leistungsfähiger, kriegstüchtiger usw. gewertet als die anderen. Am Ende der Hierarchie stand der bei den Slawen stark vertretene „ostbaltische“ Rassentypus, den der „Rassenforscher“ Günther in seinen verschiedenen „Rassenkunden“ ziemlich negativ beurteilt. Später hat Günther von der „nordischen Rasse“ noch eine „fälische“ unterschieden (sehr hochwüchsige, urige und stämmige Menschen, vor allem in Norddeutschland weit verbreitet), doch politisch hat diese weitere Unterscheidung niemals viel bedeutet, da man „nordisch“ und „fälisch“ stets unter dem Oberbegriff „germanisch“ zusammenfaßte und in diesen beiden „Rassen“ das eigentlich „Herrenmenschliche“ sah.

Die beiden dunklen, südlichen „Rassen“, die bei den Südslawen start verbreitete „dinarische Rasse“ sowie die in den Mittelmeerländern vorherrschende „westische Rasse“, wurden trotz einiger Kritik im allgemeinen auch relativ positiv gewertet. Kritischer stand man schon der „ostischen Rasse“ gegenüber, obwohl diese einen nicht unbeträchtlichen Teil der deutschen Bevölkerung stellte und führende Nazi-Größen selbst von „ostischer Rasse“ waren bzw. einen sogenannten „Einschlag“ derselben hatten (z. B. Hitler, Himmler usw.)

Gehetzt hat man allerdings nur gegen die „ostbaltische Rasse“ und das hatte sicherlich politische Gründe, da es ja um den Kampf gegen slawische Völker und „Lebensraum im Osten ging“. Der nationalsozialistische Philosoph Rosenberg (der selbst wohl der „ostischen Rasse“ angehört haben dürfte), meinte vor allem in Menschen dieser „Rasse“ die Träger der blutigen kommunistischen (man sagte meist „bolschewistischen“) Revolution und des nachfolgenden Terrors zu sehen, eine Behauptung, die meiner Meinung nach völlig aus der Luft gegriffen war. Weder Lenin, noch Stalin, noch die ausführenden Kräfte des kommunistischen Massenmordes (Jagoda, Dzierżyński, Beria) hatten irgendwie ein Erscheinungsbild, das berechtigen würden, sie diesem Rassentypus zuzuordnen. Sie waren in Wirklichkeit ganz anderer Abstammung. –

Rosenberg, Goebbels (dürfte wohl der „westischen Rasse“ angehört haben) und andere Nazi-Ideologen machten in der deutschen Bevölkerung Stimmung gegen die „ostbaltische Rasse“, die – gemeinsam mit gewissen „asiatische Elementen“ der Kern des „slawischen Untermenschentums“ gewesen sei, eines „Untermenschentums“, welches aufbegehren würde gegen die durch die „nordische“ Rasse geprägten Oberschichten der europäischen Länder und vor grausamem Terror und Massenmord nicht zurückschrecken würde. Aufgehetzt gewesen wären diese blonden Slawentypen von jüdischen Anstiftern, sie hätten also gewissermaßen die „Drecksarbeit“ für diese gemacht.

Ich halte die Darstellungen Rosenbergs und Goebbels Tiraden zu dieser Frage für ausgemachten Humbug. Menschen dieser sogenannten „ostbaltischen Rasse“ waren meiner Meinung nach eher die hauptsächlichen Opfer von Gulag, Holodomor und anderen Schreckenstaten Stalins und seiner dunklen Schergen, weniger die Täter. Tatsächlich hat sich der Kommunismus nicht um „Rasse“ gekümmert, sondern einfach jeden umgebracht, der nicht auf Linie war, gleich, ob er nach den Rassensystemen westlicher Anthropologen nun als „nordisch“, „ostbaltisch“ oder irgendetwas anderes eingestuft werden würde.

Wohl aber haben die sehr unblonden, weder der „nordischen“, noch der „ostbaltischen Rasse“ angehörenden Nazi-Ideologen die Deutschen – und hier wiederum vor allem die „nordisch“ eingestuften Deutschen – aufgehetzt zum Kampf gegen den „slawischen Untermenschen“, also vor allem Menschen „ostbaltischer Rasse“. So haben die Nazis letztlich beide blonden „Rassen“ gegeneinander gehetzt und damit erstens Millionen Deutscher in den sicheren Tod geschickt, und zwar gerade „nordischer Deutscher“, die aufgrund der Angst, die ihnen Rosenberg und Co. vor dem „ostbaltischen Untermenschentum“ gemacht haben, sich oft freiwillig zu den an vorderster Front kämpfenden Truppen von Wehrmacht und Waffen-SS gemeldet haben. Zweitens haben sie natürlich auch Polen, Russen, Ukrainer „ostbaltischer Rasse“ zum Abschuß freigegeben.

Ja und drittens muß erwähnt werden, daß sie ja auch gegen Kernländer der „nordischen Rasse“ selbst Krieg geführt haben! Dänemark, Holland, England, Norwegen – alle diese Länder wurden von Hitler angegriffen. Gerade in Skandinavien hat man unschuldige Frauen oft in Zuchtanstalten geschickt, damit sie „nordische“ Kinder gebären konnte, die es dann galt, in weiteren Feldzügen als „Menschenmaterial“ nach Belieben zu verpulvern.

Daher kann man schon sagen, daß die Hauptleidtragenden der Nazi-Diktatur und des letzten Weltkrieges neben Behinderten und Juden vor allem gerade Menschen der beiden blonden „Rassen“, also der „nordischen“ und der „ostbaltischen“ gewesen sind! Da die Nazi-Führung selbst keineswegs „nordisch“ gewesen ist, könnte man sogar eine „Verschwörungstheorie“ konstruieren, nach der sich die Agitation der Nazis allen ihren Worten vollkommen entgegengesetzt in Wahrheit gerade gegen die blonden Nord-, Zentral- und und Nordosteuropäer richtete! Ich möchte nicht sagen, daß ich dies unbedingt glaube, aber selbst das kann angesichts dieser ungeheuerlichen Fakten nicht mehr völlig ausgeschlossen werden.

Hier ein Video, was genau diese Frage noch einmal kurz darstellt:



PS: Kakaobart, wenn du dich für die Definition der einzelnen „Rassen“ selbst interessierst, kannst du auch im Internet nach diesen Begriffen googeln. Zur „ostbaltischen Rasse“ hat ein – vermutlich politisch eher rechtsgerichteter YouTuber – ein Video hochgeladen, was offenbar einen der Originaltexte von Hans F. K. Günther wiedergibt (man beachte die Verknüpfung von sachlicher somatischer Beschreibung und subtiler Propaganda, vor allem, wenn es um die „seelischen Eigenschaften“ der einzelnen „Rassen“ geht):



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rockandroll
ehemaliges Mitglied

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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

22.12.2013 um 08:31
@Papernakel
gut.. an die verschwörung mag ich nicht so glauben, denn ich halte es wirklich weiterhin für einen gross angelegten aber dennoch wenig gelungenen versuch die nationalistischen spannungen dieser zeit zu kathalysieren, und zwar mit dem bestreben möglichst viel zu erreichen mit möglichst wenig ehrenverlust gegenüber dem eigenen volk und natürlich letzlich auch der weltpolitik. das ist völlig in die hosen gegangen, wenn man sich die heutige deutsche meinung zu dieser zeit ansieht. es wird weiterhin weltpolitisch als "dunkles kapitel" gewertet, und daran ist nicht zuletzt die völlig zu unrecht auf die spitze getriebenen rassenideologie schuld, die nebenbei bemmerkt unter keinem ernstzunehmenden ethnologen bzw. antropologen als sinnvoll erachtet wird. schon gar nicht unter genetikern


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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

22.12.2013 um 08:40
http://alternativlos.org/26/

Gaby Weber hat viel zu Mercedes Benz und Argentinien recherchiert, hier mal ein Podcast zum Thema.

Und noch eine Doku:
http://de.labournet.tv/video/6126/wunder-gibt-es-nicht


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Der deutsche Opfermythos und die Nazikeule

22.12.2013 um 14:24
@absurdus

Die vorliegenden Informationen sind eindeutig: Mindestens 14 Betriebsräte verschwanden 1976/77 während der argentinischen Militärdiktatur in Gonzales Catán, wo sich die argentinische Niederlassung von Mercedes Benz befand.
Die Zeugenaussage des Überlebenden Héctor Ratto weist auf eine Zusammenarbeit zwischen Werksleitung und Militärs hin.
Der ehemalige Betriebsrat Ratto sagte bei seiner Vernehmung im Prozess gegen die Junta-Kommandanten in der Deutschen Botschaft von Buenos Aires unter anderem aus, dass der Manager Juan Tasselkraut ihn persönlich den Sicherheitskräften übergeben und diesen außerdem die Adresse des Mercedesarbeiters Diego Nuñez mittgeteilt habe. Dieser verschwand daraufhin ebenfalls. Bis heute fehlt von ihm jede Spur.

Der SMATA und die Militärdiktatur

Am 16. August 2001 wurde José Rodríguez, der Generalsekretär der rechtsperonistischen SMATA (Sindicato de Mecánicos y Afines del Transporte Automotor) vom Wahrheitstribunal vorgeladen. Er beschwor, zwar von den Verhaftungen gewusst zu haben, aber nichts von Folterungen und dem Tod der Kollegen. Dieses habe er erst nach Ende der Diktatur erfahren. Rodríguez behauptete, gegen die Beschlüsse der Zwangsverwalter der SMATA machtlos gewesen zu sein. Er habe sich jedoch privat für die Verhafteten eingesetzt, vor allem für die 26 verschwundenen Fordarbeiter, die auf dem Werksgelände von Ford verhaftet worden waren. Auch der US-Konzern Ford entledigte sich seiner Betriebsräte durch eine Kooperation mit den Militärs. Die SMATA war im Betrieb die am stärksten vertretene Gewerkschaft gewesen.
Gegen seine Aussage spricht die der ehemaligen Mercedes-Mitarbeiter, die erklärten, nach jeder Verhaftung Nachforschungen über den Verbleib der Verschwundenen angestellt zu haben. Darüber sei auch im Werk geredet worden. Jedesmal, wenn ein Kollege verschwunden sei, wäre dies bei den Militärs gemeldet worden. Außerdem hätte man immer Bittschriften eingereicht. Es ist also zumindest verwunderlich, dass José Rodriguez nichts von Verschwundenen gewusst haben will.
Zudem ist sein Einsatz für die verschwundenen Ford-Mitarbeiter im Wahrheitfindungsbericht, der unter der Regierung Alfonsín (1983-89) entstanden ist, nirgends dokumentiert.
Insgesamt ist die Rolle der SMATA als Teil des Gewerkschaftdachverbandes CGT während der Militärdiktatur zweifelhaft. Viele Funktionäre des rechtsperonistischen CGT machten gemeinsame Sache mit der Repression, waren sogar teilweise von den Militärs eingesetzt worden. Diese Funktionäre kontrollieren heute noch die Hierarchie des CGT.
Um die Verschwundenen hatte sich der Gewerkschaftsverband während der Diktatur wenig gekümmert, auch heute wird dem Thema Menschenrechte wenig Beachtung geschenkt.
Die Automobilgewerkschaft SMATA hatte bereits 1975, noch vor dem Militärputsch, vertrauliche Informationen von linken Kollegen und Betriebsräten an die Werksleitung von Mercedes Benz weitergegeben, weil sie sich von diesen in ihrer Macht bedroht fühlte. Bereits zu dieser Zeit hatte es unter der Regierung von Isabel Peron eine systematische Verfolgung von Linken gegeben. Aufgrund einer starken Guerilla war die politische Lage instabil. Einen 14-tägigen Streik im Oktober 1975 auf Grund der Entlassung von 115 Arbeitern erkärte sie für illegal. Ein von Gaby Weber recherchiertes Dokument vom 4. November 1975 bezeugt, dass die von José Rodríguez im Verhör beklagte Zwangsverwaltung des Mercedeswerks durch die Militärs von ihm selbst beim Justizministerium beantragt wurde.

Das Wahrheitstribunal in La Plata

Während der Vorstand von Daimler-Chrysler immer noch schweigt, wurde in Argentinien im Laufe des letzten Jahres einiges zur Klärung des Falls beigetragen. Vor einem Landgericht in La Plata, der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, laufen seit Juli 2001 Ermittlungen, die das Schicksal der Verschwundenen klären sollen. Verurteilt werden kann aufgrund der immer noch geltenden Amnestiegesetzte in Argentinien jedoch nicht. Der sogenannte „Prozess der historischen Wahrheit“(juicio por la verdad) wurde von verschiedenen Menschenrechtsgruppen angestrengt. Er soll dazu dienen, die dunkle Vergangenheit wenigstens aufzuklären, wenn es schon nicht möglich ist, die Schuldigen zu verurteilen.
Von November 2001 bis März 2002 wurde Juan Tasselkraut verhört, bis Ende 2001 Produktionschef bei Mercedes Benz Argentina. Ihm wird vorgeworfen, Adressen von unbequemen Betriebsräten und Mitarbeitern an die Militärs weitergegeben zu haben.

Außerdem wurde recherchiert, dass Mercedes Benz die Gehälter der Verschwundenen als eine Art Schweigegeld an deren Familien weitergezahlt hatte.

Weiter beruht die Anklage gegen ihn auf der Aussage der Ehefrau von Estebán Reimer, Maria Luján Ramos. Diese sagte aus, dass ihr Mann am Tag nach einer Verhandlung über die Wiedereinstellung von mehr als 1000 Mitarbeitern verhaftet worden sei. Reimer war ein linker Betriebsrat und führte diese Verhandlungen direkt mit dem Personalchef Arnoldo Ceriani.
Auch Tasselkraut wollte von nichts gewusst haben. Er bestritt den Vorwurf, Adressen von Arbeitern weitergegeben zu haben, und konnte angeblich keine Aussage zu den Fortzahlungen der Löhne machen. Zu den Vorwürfen von Ramos sagte er nur, dieses in der Zeitung gelesen zu haben. Jedoch beschrieb Tasselkraut ausführlich die Produktionssteigerung nach der Ermordung der linken Betriebsräte und bestätigte indirekt den Zusammenhang.
Im März diesen Jahres wurden endlich auch der ehemalige Personalchef von Mercedes Benz Argentina, Arnoldo Ceriani, sowie der Justiziar Ruben Cueva vor das Wahrheitstribunal geladen.
Ceriani bestritt jede Zusammenarbeit mit der Repression und ging auf die Frage nach Estebán Reimer, der in der Nacht nach einer Verhandlung mit ihm verhaftet worden war, nicht weiter ein.
In die Klemme geriet Cuevas, dem eine von ihm selbst handschriftlich aufgestellte Liste mit Adressen von Betriebsräten vorgelegt wurde, die er im Oktober 1975 der politischen Abteilung der Bundespolizei übergeben hatte. Er verdächtigte die Betriebsräte darin als Montonerofreunde, was unter der Militärdiktatur einem Todesurteil gleichkam. Cuevas erkannte das Protokoll, konnte aber die Weiterleitung der Namen nicht erklären.
Aufgeschoben wurde die Vernehmung von Ruben Lavallen, ehemaliger Mercedes Werkschutzchef und Leiter eines berüchtigten Internierungslagers. Er ist in Argentinien ebenfalls wegen Raub eines in Haft geborenen Kindes angeklagt. Um seiner Vernehmung vor dem Wahrheitstribunal zu entgehen, täuschte er, wie inzwischen nachgewiesen, Diabetes vor. Von seiner auf den 10. April verschobenen Vernehmung liegen noch keine Protokolle vor.

Globalisierung der Schmutzarbeit

Obwohl von kritischer Vergangenheitsbewältigung seitens der Verantwortlichen keine Rede sein kann, wird der Fall der verschwundenen Betriebsräte von Mercedes Benz langsam aufgeklärt. Leider werden die Verantwortlichen immer noch durch die Amnestiegesetze in Argentinien geschützt, von Gerechtigkeit kann also keine Rede sein. Zudem kann man hier erkennen, was die Schattenseiten wirtschaftlicher Globalisierung sind. Transnationale Konzerne können sich sehr gut auch Diktaturen zunutze machen und dabei entgegen verbreiteten Ansichten Gewinne erzielen. Den Konzernen Mercedes-Benz und Ford kommt die Repression auch nach dem Ende der Diktatur zugute: Es gibt in den argentinischen Niederlassungen kaum noch Streiks oder gewerkschaftlichen Widerstand. Insgesamt hat das internationale Kapital glänzende Geschäfte gemacht, die Zerschlagung der argentinischen Arbeiterbewegung hat sich ausgezahlt.
http://www.lateinamerika-nachrichten.de/index.php?/artikel/1294.html


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