Siegelschild schrieb:Hallo Warden. Erstmal schönen Sonntag. Was deinen Beitrag angeht, vielleicht sollten wir als Forumgemeinschafft grundsetzlich niemandem den Tod wünschen. Das kann man ja so verstehen.
Hier lesen weitmehr Gäste als Mitglieder mit.
Auch Minderjährige. Keine Ahnung ob auch unter 13 Jährige hier mitlesen können oder überhaupt zutritt haben.
Wenn die dass so übernehmen in ihrer Wortwahl trägt das der guten Laune auf dem Schulhof nix Gutes bei.
Es wäre ja gut möglich das sie sich ein Vorbild an euch nehmen.
Vielleicht wäre es besser die Meinung zu vertreten das Verbrecher festgenommen und ordnungsgemäß verurteilt werden "ohne Todesstrafe". Aber vielleicht hast du mit verrecken auch nur politisch verrecken gemeint.
Damit wollte ich keine Unruhe stiften oder sonst was negatives bei dir oder sonst wem auslösen. Noch ein angenehmen und entspannten Sonntag.
Das hast du jetzt aktiv herausgelesen. Ich habe schlicht eine Gleichgültigkeit (oder ein wohlwollendes zur Kenntnis nehmen) ggü. einem potenziellen Todesszenario ausgedrückt.
Ich erlaube mir aber auch zu kommentieren, dass es legitim ist, wenn es um Menschen geht die viel Leid und Unrecht verbreiten und es spätestens mit dem Ableben nicht mehr können. Wir reden hier nicht nur von Krieg; Kadyrow als Beispiel hat vorher schon wie ein kleiner Diktator in seinem Oblast regiert, unliebsame Personen bedroht oder in gewissen Fällen entführt und gefoltert, glaube auch teils heimische Journalisten/kritische Bürger und Berichterstatter. Andere wie Wagner-Söldner haben mit Vorschlaghämmern nach Gusto gefoltert. Andere vergewaltigten oder ermordeten Zivilisten, etwa in besetztem Gebiet. Und dann darf ich nicht ein Ableben jener begrüßen?
Wenn man sich anschaut, welches Leid da verbreitet wurde und wird wird es gerade aus betroffener und mitfühlender Sicht nicht nur nachvollziehbar sondern partiell auch legitim wenn man sogar aktiv ein Ableben anderer nicht nur gutheißen oder als dienliche Folge sehen würde, sondern es gar fordern würde.
Mir ist natürlich klar, dass das mit räumlicher und relativer thematischer und mentaler Distanz weiter weg einfacher ist sich hinter Moral zurückzuziehen oder diese noch hochzuhalten. Das meine ich nicht mal zwingend als bissigen Vorwurf sondern eben in nachvollziehender Art und Weise. Den "Luxus" (das ist er manchmal eben... so wichtig es sein mag gewisse Moralitäten oder Grenzen ziehen zu wollen, aber wir reden jetzt hier nicht vom Bruch der Genfer Konvention oder so) haben andere aber nicht mehr.
Du meinst das sicher gut, nobel und nicht böse. Ich weise nur darauf hin, dass so eine Abwägung für andere indes ziemlich egal bzw. ein Luxus geworden ist. Es ist alles eine Frage des Standpunkts und des Betrachtungswinkels und wie sehr man selbst davon betroffen ist.
Viele Leute haben gar keine persönliche Interaktion oder Bindung bis auf Headlines. Für sie ist vieles zwar irgendwo in der Wahrnehmung aber zugleich (emotional z.B.) ferner weg oder nicht so präsent. Ist man in gewissen Bereichen unterwegs und/oder selbst Ukrainer bzw. familiär betroffen, sieht es schon wieder anders aus. Ich bin kein Ukrainer. Ich habe keine ukrainische Familie/Verwandtschaft. Aber ich bin über andere Wege in auch den ganzen Sachverhalt reingerutscht, habe viel gespendet und geholfen und sehe die "security implications" stärker weil ich in gewissen Blasen aktiv war und teils bin. Ich vernetzte mich, half Einheiten und Vereinen, stand mit Ukrainern vorm Kanzleramt und sprach auch mit dem ukr. Botschafter mal kurz. Ich denke, das veranschaulicht ein gewisses "involvement" bzw. eine Beteiligung in diesen Dingen.
Das ganze Leid zum Beispiel ist mir demnach viel präsenter auch ohne, dass ich als ukrainischer Soldat im Schützengraben bzw. als Zivilist selbst beschossen wurde. Ich glaube, es gibt sogar wissenschaftliche Umschreibungen oder Theorien dafür wie Sekundärtrauma (werft die Suchmaschine an wenn ihr mehr wissen wollt).
Es ist wohl, um es zusammenzufassen, am Ende immer eine Frage des Blickwinkels und der eigenen Prioritätensetzung respektive Nähe oder Ferne zu gewissen Themen und auch teils emotionalen Aspekten dieser. Das sollte man zumindest bedenken.
Schönen Sonntag noch.