Siegelschild schrieb:Kannst du die Einschätzung genauer erklären?
Nun, das sollte doch offensichtlich sein.
Die Waffentechnik macht immer mehr Fortschritte, während die der Russen auf der Stelle tritt. Seit Monaten bereits dünnt die Ukraine die russische Flugabwehr aus. Mittlerweile ist die russische Infrastruktur hilflose Beute für ukrainische Drohnen und Raketen.
Die Reichweite der ukriainischen Waffen nimmt stetig zu. Mittlerweile nimmt die Ukriane Ziele jenseits de Ural und im Kaspischen Meer unter Feuer und die Russen können nicht dagegen tun. Zeitweise gab es täglich neue Berichte über Brände oder Zerstörungen in russischen Raffinerien, Verladehäfen oder Pumpstationen. Die russische Ölinfrastruktur wird kontinuierlich vernichtet und damit gehen auch die Staatseinnahmen zurück. Weil es nicht mehr genug Abnehmer für Rohöl gibt, müssen bereite Ölquellen verschlossen werden. Kraftstoff dagegen wird rationiert, weil die Raffineriekapazität nicht mehr ausreicht.
Während die Einnahmen aus dem Gas- und Ölgeschäft wegbrechen, ist der Nationale Wohlfahrtsfond nahezu geleert. Wie will den Putin auf Dauer noch seinen Krieg finanzieren?
Die Lager mit alten Sowjetbeständen haben sich sichtlich geleert, was man an Satellitenaufnahmen erkennen kann. Die Neuproduktion kann mit den Verlusten an der Front nicht mehr mithalten. Bei Tanks gilt das schon lange, mittlerweile auch bei der Flugabwehr und der Artillerie. Und auch Personal wird schneller abgenutzt, als die Rekrutierungsbüros nachliefern können.
Die Ukraine nimmt jetzt die russischen Logistikrouten an der Küste des Asow'schen Meeres unter Feuer, d. h. die Strecke vom russischen Taganrog über Mariupol, Berdyansk, Melitopol auf die Krim und in die besetzten Teile der Oblasten Cherson und Saporischschia. Reihenweise ausgebrannte Fahrzeuge. Die Versorgung der Truppen wird immer unzuverlässiger und damit die Front immer brüchiger. Wer seine Leute nicht mehr versorgen kann, wird sie zurückziehen müssen oder sterben lassen.
Was setzten die Russen dagegen? Raketenangriffe auf die Zivilbevökerung, weil sie zu unfähig sind, die ukrainsiche Logistik ins Visier zu nehmen.
Früher konnte man über die russischen Misserfolge im Krieg hinwegtäuschen, indem man auf die Geländegewinne verwiesen hat, bescheidene Geländegewinne im übrigen. Es ging ja anscheinend voran. Geländegewinne waren in diesem Krieg aber nie die entscheidene Größe, wenn man sie mit den enormen Verlusten gegenrechnet, mit denen sie erkauft worden sind. Alles Blendwerk. Mittlerweile ist der Vormarsch an allen Frontabschnitten praktisch zum Stehen gekommen und die Russen müssen "Eroberungen auf Kredit" vermelden, d. h. Fortschritte, die noch gar nicht eingetreten sind, die sie aber in naher Zukunft erlangen wollen...dabei aber regelmäßig versagen. Die russischen Milblogger lachen über ihre eigenen Armee, oder geraten gleich in Panik.
Was für ein Unterschied zur Situation vom Februar 2022.
Ich halte es immer noch mit dem Zitat von General John Pershing: "Infanterie gewinnt Schlachten, Logistik gewinnt Kriege."