sacredheart schrieb:Aus meiner Sicht hätte man die erforderliche Nachbesserung bei der Bundeswehr -Putin hin oder her- langsamer angehen können. Alleine schon der irre Anspruch, wir müssten die größte Armee Europas aus dem Boden stampfen, halte ich für realitätsfern. Wo sollen bei all dem Geld die Soldaten herkommen, wo die Ausbilder mit Kampferfahrung?
Den Anspruch etwas höher zu legen, als das zu erwartende Ergebnis, ist prinzipiell kein Fehler.
Grundsätzlich war die Abschaffung der Wehrpflicht einer der größten innenpolitischen Fehler, die je gemacht wurden, aber das nur als Exkurs - tut hier ja nichts zur Sache.
Trump machte sehr klar, dass die USA kein verlässlicher Verteidigungspartner mehr sind. Selbst nach Trumps Amtszeit wird es noch einige Zeit dauern, dieses Verhältnis wieder zu kitten. Schlimmer noch, Trump bedrohte sogar NATO-Partner mehr oder weniger direkt, was nicht nur zu einem Bruch der NATO, sondern sogar zu einem Verteidigungsfall gegen die USA hätte führen können - das ist alles nur blanke Theorie, aber solche Szenarien muss man leider in Betracht ziehen, wenn man über seine Verteidigung nachdenkt. Von den betroffenen NATO-Partnern sind wie die Nation mit dem größten Nachholbedarf. Unsere Verteidigungskräfte wurden sträflichst vernachlässigt, es wurden einfachste Ausrüstungsgegenstände nicht angeschafft oder erneuert, die Truppe immer weiter reduziert - alles Bockmist.
Im Gegenzug klopft Putin ständig alle Grenzen ab und erlaubt sich Übertritte wie nie zuvor. Wir müssen aufrüsten und zwar massiv! Wir müssen die Infrastruktur für eine größere Streitkraft schaffen und die Ausrüstung für eine größere Streitmacht bereit stellen können. Letztlich, wenn dies so ist:
sacredheart schrieb:Wir sind einfach kein Land mehr mit flächendeckender Militärbegeisterung und werden es auch nicht.
werden wir auch um die Wiedereinführung einer Wehrpflicht nicht herum kommen, wobei alle bisher vorgeschlagenen Modelle völlig unrealistisch sind.
Tatsächlich brauchen wir die Einführung eines Jahres für den Staat, für alle Bürger, auch Frauen, bei der aber ohne großen Aufwand die Bürger selbst entscheiden können, ob sie dieses Jahr im Sozial- oder im Wehrdienst ableisten. Da bekommen wir automatisch ausreichend Menschen, die lieber Dienst an der Waffe machen, statt in einem Krankenhaus oder Altenheim. Diese Modell hätte man gleich einführen sollen, statt die Wehrpflicht abzuschaffen, dann wäre auch der Pflegenotstand längst nicht so dramatisch geworden.
Auf jeden Fall ist dafür ein Haufen Geld von Nöten, eben weil die Regierungen davor nichts, aber auch gar nichts gemacht haben, obwohl auch schon etliche Präsidenten vor Trump die geringen Rüstungsausgaben Deutschland bemängelten.
sacredheart schrieb:Das Sondervermögen Infrastruktur ist ja bisher nur zu einem geringen Anteil der Infrastruktur zugute gekommen. Das war auch eher Geld, das den Graben zwischen Union und SPD abdecken sollte.
Jain, dazu wurde es teilweise und es war ja klar, dass geschachert werden würde. Das Sondervermögen ist ja auch noch gar nicht vollständig ausgegeben und es wird auch in Maßnahmen investiert - die bestehen nicht nur aus Infrastruktur in baulicher Hinsicht, sondern auch als Ausgleich zu geringeren Einnahmen, wenn man Unternehmen Erleichterungen geben will.
Wir alle jammern hier auf hohem Niveau und gerade im Osten, wo extrem viel in die Infrastruktur investiert wurde und z. B. Datennetze und Straßen oft viel besseren Zustand aufweisen als im Westen, wird gerne am Lautesten gejammert.
Die derzeitige Situation (ja, verursacht von Trump - auch wenn Du es vielleicht nicht mehr hören kannst) bringt alle in Schwierigkeiten. Hohe Energiekosten sind der größte Feind unserer Wirtschaft.
Aber alle Krisen gehen irgendwann zu Ende und dann bessert sich auch die Lage wieder. Aber bis dahin muss umso mehr aufgewandt werden, damit die Wirtschaft den Anschluss nicht völlig verliert und nicht zu viel Industrie abwandert.
abberline schrieb:Wäre auch das beste, alles andere macht wenig Sinn
Ich war in den 80ern bei dem Haufen - immerhin 4 Jahre lang.
Damals war das Modell Berufssoldaten und Zeitsoldaten sowie Wehrpflichtige. Das ist auch das sinnvollste System, es muss nur etwas freiwilliger ablaufen als damals, wo das Verweigern des Dienstes an der Waffe ein Riesenaufwand war, mit Verhandlungen und Anhörungen und solchem Quatsch.
Aber im Prinzip sollten möglichst viele Bürger im Notfall einsatzfähig sein (im militärischen, wie im nicht militärischen Bereich). Aus den Wehrpflichtigen ergeben sich immer auch Zeitsoldaten, die (damals waren es 4, 8 oder 12 Jahre) als Ergänzung der Berufssoldaten dann ein ausreichend großes Militär darstellen. Die Sozialdienstleistenden können von Pflege und Betreuung bis zu Brandschutz und Ordnungskräften eingesetzt werden (auch hier nicht willkürlich, sondern nach Einwilligung).
Aber einen Beitrag zu leisten würde vielen jungen Menschen in diesem Land gut zu Gesicht stehen. Mit dem Wort "Pflicht" stehen offenbar sehr viele auf Kriegsfuß...