Commonsense schrieb:In den letzten 20 Jahren waren alle (seinerzeit) großen Parteien gleichermaßen an der zunehmenden Misere beteiligt und den Einfluss der SPD und Grünen auf Entscheidungen, die uns heute richtige Probleme bereiten, kann nicht einfach weggeredet werden, nur weil man einer Partei mehr zugetan ist, als einer anderen.
Das stimmt. Letztlich haben alle Parteien das Rentensystem doch nur unter zwei Punkten betrachtet: A) Wie können wir daran herumschrauben ohne größere Reformen damit es noch bis zur nächsten Wahl hält? Und B) Welche (eigentlich nutzlosen, dabei aber teuren) Geschenke an Rentner können wir machen um damit Stimmen zu kaufen?
Andererseits ist das grundsätzliche Problem nicht erst seit 20 Jahren bekannt. Schon in meinem alten Sozialkundebuch das wir in der Schule hatten und in dem die DDR noch als existierender Staat behandelt wurde, war schon zu lesen, dass das Rentensystem mit Umlagefinanzierung aus demografischen Gründen zusammenbrechen wird. Das wusste man also schon vor 1989 genau. Und wenn man dann schaut, welche Parteien in dem fraglichen Zeitraum so regiert haben, dann kommt der CDU schon alleine deshalb ein guter Teil der Schuld zu, weil sie in den Jahren wo die Chance bestand (politisch wegen der Wiedervereinigung, wirtschaftlich in den Jahren als es noch gut lief), das noch einigermaßen "schmerzlos" umzustellen, nicht gehandelt hat.
Rotmilan schrieb:Und ihn jetzt zu halten, könnte der nächste Fehler sein.
Die Frage ist aber nicht nur, was Merz denn so will, die Frage ist auch, wer es denn stattdessen machen soll. Ohne Merz verteidigen zu wollen, aber die CDU (und auch viele Wähler, aller Parteien) träumt doch nach wie vor vom "großen Kanzler" der gewählt wird und dann quasi im Alleingang von heute auf morgen alle Probleme löst.
Aber das kann nun mal der Bundeskanzler, egal wer es ist, nicht. Er kann nicht die Chinesen zwingen, wieder brav deutsche Verbrennerautos zu kaufen oder irgendwelche Konflikte auf der Welt beenden, damit das Öl wieder schön billig wird.
Und ich denke mal, das ist ambitionierten CDU-Politikern denen der Wunsch nachgesagt wird, mal Kanzler zu werden, auch klar. Wer sich jetzt auf den Kanzlersessel setzt, wird merken, dass das ein Schleudersitz ist. Wer will sich das in der derzeitigen Situation antun und sich damit die Karriere verbauen? Da glaube ich, dass z. B. Jens Spahn ganz froh ist, dass er derzeit eine Runde als "reuiger Sünder" im Abklingbecken verbringen muss und daher mit dem ganzen Elend nichts zu tun hat.
Daher würde man vermutlich nur einen Ersatz für Merz aus der zweiten oder dritten Reihe der CDU finden, bei dem das Scheitern schon vorprogrammiert ist weil die fähigen Leute (mal egal was man politisch von ihnen hält) den Teufel tun werden sich da als Nachfolger ins Spiel zu bringen.