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ARD-ZDF-Deutschlandradio-Beitragsservice

10.791 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: GEZ, Rundfunk, Rundfunkgebühren ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

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20.09.2026 um 14:19
Zitat von Bone02943Bone02943 schrieb:Aber die Grundversorgung muss verschiedenste Interessen beinhalten.
Ich verstehe unter Grundversorgung etwas was alle interessiert bzw. wissen müssen...also das Gegenteil einer Komplettversorgung.
Zitat von Bone02943Bone02943 schrieb:Das ist zum Teil auch gesetzlich so geregelt.
Fast richtig, es ist auf Vertragsbasis.
Zitat von Bone02943Bone02943 schrieb:Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass es für dich absolut gar nichts gibt, was dich am Programm des ÖRR interessieren würde.
Ich hatte Vorschläge gemacht, Formel 1 und Bundesliga zB. das Geld ist da.


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20.09.2026 um 14:28
Zitat von ApexOneApexOne schrieb:Ich hatte Vorschläge gemacht, Formel 1 und Bundesliga zB. das Geld ist da.
Würde mich ehrlich gesagt auch sehr interessieren. Seit es die F1 und Bundesliga nur noch bei Sky gibt, schaue ich kaum noch Rennen/Spiele an oder suche mir andere Möglichkeiten.

Das Geld dafür müsste dann aber anderswo eingespart werden. Und dann sind wir wieder bei persönlichen Befindlichkeiten. Ich könnte gerne auf so manche Show verzichten, auch interessiert mich der Wintersport nicht so sehr, wie dieser im Umfang gezeigt wird.
Der ÖRR versucht m.M.n. dennoch ein halbwegs ausgewogenes Sportangebot zu liefern, wenn auch zu sehr auf Fußball fokussiert.

Vielleicht müssten sie mal eine Marktanalyse starten und dann die Dinge streichen, die quasi niemand schaut, dafür aber die Rechte kaufen, wo Millionen mehr zuschauen würden. Hätte ich nichts dagegen.


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20.09.2026 um 15:41
Zitat von Bone02943Bone02943 schrieb:Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass es für dich absolut gar nichts gibt, was dich am Programm des ÖRR interessieren würde.
Selbst, wenn dem so wäre - hier geht es um eine Leistung, für die unsere Gesellschaft einfach aufkommt. Es gibt auch Menschen, die noch nie arbeitslos gemeldet waren oder Leistungen bezogen haben und trotzdem in die Sozialkasse einzahlen.

Ich finde die Diskussion um dieses Thema eher unnötig. Diejenigen, die kaum Geld haben, sind froh, so wenigstens ein Mindestmaß an ausgewogenem Programm sehen zu können und die anderen können sich je nach Interesse Streaming-Dienste leisten.

Es gäbe sicher ganz andere Ausgaben, über deren Sinn und Zweckgebundenheit man diskutieren könnte...


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20.09.2026 um 16:43
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Ich finde die Diskussion um dieses Thema eher unnötig. Diejenigen, die kaum Geld haben, sind froh, so wenigstens ein Mindestmaß an ausgewogenem Programm sehen zu können und die anderen können sich je nach Interesse Streaming-Dienste leisten.
Na ja, das ist keine staatliche Leistung mit Solidarprinzip - es ging und geht nicht darum Leuten etwas zur Verfügung zu stellen was sie sich nicht leisten könnten.
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Es gäbe sicher ganz andere Ausgaben, über deren Sinn und Zweckgebundenheit man diskutieren könnte...
Yepp, und die besprechen wir in dem jeweiligen passenden Thread...Abzocke und Verschwendung kann nicht Begründung für eine weitere Verschwendung sein.


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20.09.2026 um 17:40
@Commonsense
@SvenLE
@Bone02943
Ich glaube, wir reden inzwischen aneinander vorbei, deshalb versuche ich meine Position einmal zusammenhängend darzustellen.

Für mich bedeutet öffentlich-rechtliche Grundversorgung vor allem:

- Nachrichten und politische Information
- regionale Berichterstattung
- wichtige öffentliche Ereignisse, z. B. Bundestagsübertragungen
- Warnungen und Informationen in Krisen- und Katastrophenfällen
- Bildung und Wissen

Dafür sehe ich einen öffentlichen Auftrag und damit auch eine Begründung für eine verpflichtende Finanzierung.

Bei Unterhaltung, Sport, Spielfilmen, Serien, Konzerten, Opern, Orchestern usw. sehe ich diese Notwendigkeit dagegen nicht. Das bedeutet nicht, dass diese Angebote wertlos sind. Ich sehe nur nicht, warum ihre Existenz automatisch eine Pflicht der Allgemeinheit begründen soll, sie zu finanzieren.

Mein persönlicher Geschmack ist dabei nicht das entscheidende Argument. Ich schaue beispielsweise keinen Sport, keinen Tatort und keine Konzerte. Daraus folgt für mich aber nicht, dass andere das ebenfalls nicht sehen sollen.

Meine Frage lautet vielmehr: Welche Leistungen rechtfertigen tatsächlich eine verpflichtende öffentliche Finanzierung?

Neben dem ÖRR gibt es heute zahlreiche private Sender, Zeitungen und digitale Informationsquellen. Deshalb halte ich es nicht für notwendig, jede heute vorhandene Programmvielfalt öffentlich zu finanzieren. Eine Reduzierung des ÖRR würde zwar dessen eigenes Angebot verkleinern, aber nicht die gesamte Medienvielfalt beseitigen.

Meine ursprüngliche Idee waren deshalb drei Fernsehsender und drei Radiosender. Dass dadurch öffentlich-rechtliche Programmvielfalt verloren geht, ist mir bewusst und Teil des Konzepts. Ebenso würde das zwangsläufig weniger Redaktionen und damit weniger Journalisten bedeuten. Die regionale Berichterstattung möchte ich trotzdem erhalten.

Gleichzeitig könnte man Verwaltung, Führungsebenen, Gebäude, Mieten und doppelte Infrastruktur reduzieren.

Und deshalb geht es mir auch nicht primär um die 18 Euro. Es geht um die Frage, wo die Grenze zwischen öffentlicher Grundversorgung und einem umfangreichen, öffentlich finanzierten Medienangebot gezogen werden sollte.

Wer Tatort, Lindenstraße, Sport, Konzerte oder andere Unterhaltungsangebote sehen möchte, soll das selbstverständlich weiterhin können. Ich sehe nur keinen Grund, warum solche Angebote zwingend über eine allgemeine Pflichtabgabe finanziert werden müssen. Dafür könnte es beispielsweise ein freiwilliges Angebot wie einen Streamingdienst à la ARD Plus geben.

Mein Standpunkt ist daher: Was für eine funktionierende Demokratie und eine verlässliche Informationsversorgung notwendig ist, sollte öffentlich finanziert werden. Was darüber hinausgeht, kann existieren – aber wer es nutzen möchte, kann dafür auch freiwillig bezahlen.


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20.09.2026 um 17:45
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:aber wer es nutzen möchte, kann dafür auch freiwillig bezahlen.
Außer denen, die kaum was zu fressen haben.


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21.09.2026 um 00:06
Zitat von Bone02943Bone02943 schrieb:Und wo informierst du dich über die Weltlage und dein Umfeld?
Es gibt Tageszeitungen und genügend Angebote selbiger im Netz. Youtuber und Co schau ich mir grundsätzlich auch nicht an (Ausnahmen Kochen oder sowas eskapistisches), aber keine Politik etc auf YouTube oder sozialen Medien (hab weder Instagramm, noch Facebook, Twitter, TickTack und Co). Mein Umfeld? Das bekomm ich vor Ort mit😉
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Dafür könnte es beispielsweise ein freiwilliges Angebot wie einen Streamingdienst à la ARD Plus geben.
Ich hab physische Datenträger bei Serien und Filmen, die mich interessieren, da ich nicht streame (,in Ausnahmen mal). Aber das Angebot sollte es gehen, klar


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21.09.2026 um 00:10
1)
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Auch Deine Theaterschelte krankt an diesem Umstand. Bei nur wenigen Theatern verlieren viele Ensemble-Schauspieler ihren Job, werden weniger Stücke produziert und am Ende dann nur noch solche, von denen man sich hohe Einnahmen versprechen kann.
und
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Künstler, wie Schauspieler oder Musiker, sind fast immer von solchen Engagements abhängig und können sich gerade über Wasser halten - es sind ja nicht alle Rockstars. Ohne die Chance, in einem Orchester oder einer Big-Band landen zu können, in einem Ensemble oder in einem Musical, ohne diese Möglichkeiten werden professionelle Musiker aussterben.
und 2)

Da ...
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Die Rundfunkgebühren liegen derzeit bei etwas über18 € monatlich. Darüber diskutieren wir hier? Ernsthaft?
Dafür bekommt man mancherorts gerade mal ein Glas Wein.
also bei (2) würde ich schon zustimmen :-))

Nur bei den zwei obigen Zitaten (also bei 1) würde ich ein wenig, also ein klein bischen Einspruch anmelden.

Grundsätzlich und also auch demokratisch sollte es so sein ...

... dass Kommunen darüber befinden, ob sie sie sich Theater und Rundfunkorchester leisten und/oder leisten wollen.

Und nicht ein "Bundes" ÖRR Beitrag, der dafür sorgt, dass die Stadt Saar (wieviele Einwohner? 1,01 Mio ?) ihr eigenes Rundfunk Orchester darf ...

Warum bekommt dann nicht jeder ü500 tsd einwohner stadt ihr eigenes ....

Frankreich hat, glaub ich, 2 Rundfunkorchester, und Österreich gerade mal eins.

Sind die deshalb kulturlose Nationen :ask:

Sonst - in Politik und Politischen Fragen - stimme ich Dir fast immer und grundsätzlich zu :-))


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21.09.2026 um 09:27
@Commonsense
Genau das ist eigentlich mein Punkt. Wir vermischen hier gerade Informationsversorgung, Kulturförderung und Unterhaltung.

Dass Schauspieler, Musiker oder andere Künstler auf Engagements angewiesen sind, bestreite ich überhaupt nicht. Aber daraus folgt für mich nicht automatisch, dass diese Engagements über einen verpflichtenden Rundfunkbeitrag finanziert werden müssen.

Und auch die Frage, wo ich mich über die Weltlage informiere, geht an meinem Argument vorbei. Natürlich informiere ich mich – über Zeitungen, deren Onlineangebote und andere Quellen. Ich sage ja gerade nicht, dass Journalismus unwichtig ist. Im Gegenteil: Nachrichten, politische Information, regionale Berichterstattung und Kriseninformationen gehören für mich zum Kern des ÖRR.

Meine Frage ist vielmehr, warum darüber hinaus ein derart umfangreiches Angebot ebenfalls verpflichtend finanziert werden muss.

Und bei den Orchestern und Theatern finde ich @Fellatix' Einwand sogar interessant: Wenn Kulturförderung gewollt ist, warum muss sie zwingend Bestandteil des Rundfunkbeitrags sein? Warum kann eine Kommune nicht selbst entscheiden, ob sie sich ein Theater, Orchester oder Ensemble leisten möchte und dafür entsprechend Mittel bereitstellt?

Dass Frankreich mit zwei Rundfunkorchestern und Österreich mit einem auskommen, macht zumindest deutlich, dass die Zahl solcher Einrichtungen keine zwangsläufige Folge einer funktionierenden öffentlichen Rundfunkversorgung sein kann.

Mir geht es also nicht darum, Künstlern ihre Arbeit oder Menschen ihre Unterhaltung wegzunehmen. Ich frage nach der Zuständigkeit und nach der Begründung für eine Pflichtfinanzierung.

Und genau da bleibe ich bei meiner ursprünglichen Frage: Was gehört zur notwendigen öffentlichen Grundversorgung – und was ist ein zusätzliches Angebot, das man auch freiwillig finanzieren kann?


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21.09.2026 um 09:48
@BerlinerLuft
@Fellatix

Ich bin tatsächlich etwas überfragt, wenn es um die genaue Verteilung der Gelder geht. Ich meine, dass nur ein Teil dieser "Nebenprojekte" durch Rundfunkgebühren finanziert wird und die Kommunen sehr wohl ebenfalls beisteuern. Insbesondere bei Theatern und Bühnen.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass die HR Big Band gar kein so großes Minus erzeugt. Deren Konzerte sind gut besucht.

Wahrscheinlich machen wir hier zu viele Nebenschauplätze auf und verlieren uns in Details, die man erst einmal genauer recherchieren müsste, um wirklich darüber zu streiten.

Ich sehe aber nach wie vor auch im ÖRR eine Art "sozialer Einrichtung", einen Weg, jedem Bürger den Zugang zu einem breiten Portfolio zu ermöglichen.
Ich sage ebenfalls nach wie vor, dass man es sich einfach macht, wenn man selbst genug Geld zu Verfügung hat, sich die gewünschten Programm via Streaming zu holen.

Gerade, weil uns dieses Geld zu Verfügung steht, ist das Einzahlen in ein für alle gleichermaßen nutzbares Informations- und Unterhaltungsprogramm für mich überhaupt nicht in Frage zu stellen. Die Gebühr ist schon hoch genug, wenn jemand ohnehin schon kein Geld hat. Was nützt es dann, wenn der Rundfunkbeitrag durch die von Dir erwünschte "Gesundschrumpfung" um drei oder vier Euro sinkt, aber der günstigste Weg, an Unterhaltung heran zu kommen, unter 10 Euro nicht zu haben ist?

Und es gibt eben Leutchen, gerade ältere, die haben das Geld nicht und sehen gerne Programme, die unsereins niemals ansehen würde, wie irgendwelche Schunkelbarden oder Samstagabendshows.

Ich glaube nicht, dass amerikanische Streamingdienste in die Produktion solcher Shows investieren würden. Und ein "Spartenstreamingdienst", der es sich antun würde, derlei Zeug zu produzieren, wäre erst recht nicht bezahlbar.


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21.09.2026 um 09:54
@Commonsense
Ich verstehe den sozialen Gedanken dahinter. Aber genau da liegt für mich der entscheidende Unterschied: Dass Menschen mit wenig Geld Zugang zu Unterhaltung haben sollen, begründet für mich noch keinen allgemeinen Zwang, diese Unterhaltung über den Rundfunkbeitrag zu finanzieren.

Sonst müsste man dieselbe Logik auch auf Kino, Bücher, Konzerte, Sportveranstaltungen oder andere Freizeitangebote anwenden.

Und ob eine Show für ältere Menschen schön oder wichtig ist, möchte ich gar nicht bestreiten. Die Frage ist für mich eine andere: Warum muss ausgerechnet die Allgemeinheit dafür zahlen, statt Unterhaltung grundsätzlich dem freiwillig finanzierten Bereich zuzuordnen?

Für mich ist der soziale Auftrag dort begründet, wo es um Dinge geht, die jeder unabhängig von seinem Einkommen erreichen können muss – vor allem Information, politische Bildung, regionale Berichterstattung und Warnungen. Bei Unterhaltung sehe ich diese Notwendigkeit nicht.


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21.09.2026 um 10:08
@Commonsense
@BerlinerLuft

Bei Kultur gehen Ungerechtigkeit, Verschwendung und Irrsinn Hand in Hand, mit der Begründung es für alle zugänglich zu machen, macht man es nur für die gehobenere Klassen zugängig:
Wer eine deutsche Opernvorstellung besucht, der oder die zahlt dafür durchschnittlich 40 Euro. Tatsächlich sind die wahren Kosten aber weitaus höher, nämlich: 250 Euro. Pro Person und Vorstellung. Denn: Opern sind aufwendig – und deshalb teuer.

Für die 210 Euro Differenz kommt die öffentliche Hand in Form von Subventionen auf. Oder, bildlich gesprochen: Bei jeder Vorstellung legt der Staat auf jeden Sitzplatz ein 210 Euro teures Geschenk – finanziert aus Steuermitteln, versteht sich.
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/subventionen-so-viel-kostet-ein-opernbesuch-den-steuerzahler-podcast-a-a50f0d1c-d41c-4101-9d18-0b8b55fa16e1

Der Grundsicherungsempfänger, der flaschensammelnden Renter© kann sich trotzdem keine Karte kaufen, schon gar nicht als Familie.

Ich bleibe dabei: Kultur die gefördert werden muss, ist Scheiße.


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21.09.2026 um 10:12
Zitat von ApexOneApexOne schrieb:Der Grundsicherungsempfänger, der flaschensammelnden Renter© kann sich trotzdem keine Karte kaufen, schon gar nicht als Familie.
Tatsächlich sind in der Grundsicherung auch einige Besuche von kulturellen Veranstaltungen abgedeckt.

Auch hier halte ich die Berechnung wieder für fragwürdig. Da werden Kosten vermischt und alle Häuser über einen Kamm geschert.


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21.09.2026 um 10:37
Wie sind eigentlich jetzt Theater und Co. hier gelandet? Oder habe ich da was falsch verstanden?

Die Rundfunkanstalten betreiben zwar eigene Sendesäle, teils wohl in den Funkhäusern selber. Aber eben keine Theater in Kommunen. Und die Säle werden ausserhalb eigener Veranstaltung vermietet um Auslastung und Kosten zu optimieren. Was allerdings nichts daran ändert, das nicht (fast?) jeder Sender ein eigenes Orchester benötigt.
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Ich sehe aber nach wie vor auch im ÖRR eine Art "sozialer Einrichtung", einen Weg, jedem Bürger den Zugang zu einem breiten Portfolio zu ermöglichen.
Ich sage ebenfalls nach wie vor, dass man es sich einfach macht, wenn man selbst genug Geld zu Verfügung hat, sich die gewünschten Programm via Streaming zu holen.
Ist halt das Solidarprinzip, welches in Zeiten von Streamingdiensten mMn wichtig ist. Ich habe iwo mal die Zahl von 2+ Mio Menschen gelesen, die vom Rundfunkbeitrag befreit sind. Die sich also keine 18x EUR/monatlich leisten können oder besser, bei denen man davon ausgeht und ihnen den entsprechenden Antrag genehmigt hat. Soll man die komplett davon ausschließen? Und selbst wenn die sich nen 10er/Monat leisten, ums sich nen Streamingdienst zu buchen, so what?

Wobei der Vergleich zwischen ÖRR und Streamingdienst mMn eh ein wenig humpelt. Denn der "klassische" SD bietet Filme, Serien und vielleicht noch nen paar Dokus. Der ÖRR bietet dazu aber noch Nachrichten, Bildung und Hintergrundinfos.
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Und es gibt eben Leutchen, gerade ältere, die haben das Geld nicht und sehen gerne Programme, die unsereins niemals ansehen würde, wie irgendwelche Schunkelbarden oder Samstagabendshows.
Nehmen wir meine Mutter, 88, lebt in ihrer eigenen Wohnung und schaut seit Anbeginn der Zeiten Tagesschau und Tagesthemen und ein oder 2 Shows. Als sie vor 8 Jahren umgezogen ist wollten wir ihr mal das Internet "schmackhaft" machen - ist das Gleiche, wie bei der Bitte doch den Bus zu nehmen, um zu ihrem Lieblingssupermarkt zu kommen, "Hab ich in meinem Leben nicht genutzt, fang ich jetzt nicht an!"

Soll man bei solchen Menschen jetzt noch anfangen und aussortieren, welche(n) Sender sie als Pay TV buchen soll?

Unabhängig von meiner Mutter, die Forderung nach einer kompletten Abschaffung ist mMn ein Zeichen, daß das Solidarprinzip einigen scheißegal ist!





Betrachtet man die Skandale um den RBB, das Verhalten der Sparte "Youtuber des ÖRR" (im Besonderen der ARD, da war mal was aus der Ecke Strg F), die Vorkommnisse des WDR, die steigenden Anteile der Pensionszahlungen, die Diskrepanz zwischen festen MA und Freien, das Gefälle bei den Verträgen der festen MA in Punkto Bezahlung, diverse Stümpereien in Bezug auf KI, Programmgestaltung oder Einfluß der Politik, es gibt sovieles was Kritikwürdig ist. Was man, den entsprechenden Willen vorausgesetzt ändern könnte und sollte. Aber gleich komplett abschaffen?

Den ÖRR zu Pay TV umbauen? Weil man Informationen doch an allen Ecken und Enden gratis bekäme? Was übrigens so auch nicht richtig ist. Schaut man sich die Medienlandschaft an stellt man fest, das der (min. 15 Jahre alte) Trend zu Artikel hinter Paywalls noch nicht am Ende ist. Also wo dann informieren? YT? Ernsthaft? Ok, gerne. Aber dann bitte Schulungen in Medienkompetenz und Regulierung der sich selbst befruchtenden "YT Szene".

Natürlich kann man sich im Netz informieren. Allerdings gehört dazu eine Portion Geduld wenn man keine Abos hat. Und das kann nicht der Sinn sein.

Mein Vorschlag schon seit x Jahren, der ÖRR gehört geschliffen, neu konzipiert und neu aufgebaut - aber nicht abgeschafft.





Allgemein würde es so manchem auf beiden Seiten guttun, die Diskussion mit weniger Schaum vor dem Mund zu führen. "Lügenpresse", "StaatsTV", "linksgrünversiffter ÖRR", das sind keine Argumente. Der Stil wird gerne von Menschen gepflegt die einfach nur dagegen sein wollen!


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21.09.2026 um 11:05
Das Opernbeispiel von @ApexOne finde ich gerade deshalb interessant. Selbst wenn man über die genaue Berechnung der tatsächlichen Kosten streiten kann, zeigt es doch das grundsätzliche Problem: Eine kulturelle Veranstaltung kann stark öffentlich subventioniert werden und trotzdem für Menschen mit sehr wenig Geld praktisch unerschwinglich bleiben.

Genau deshalb überzeugt mich das Argument „Wir finanzieren Kultur solidarisch, damit sie für alle zugänglich ist“ nicht automatisch. Öffentliche Finanzierung bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Menschen, die wenig Geld haben, dadurch tatsächlich Zugang bekommen.

Und dasselbe Problem sehe ich beim ÖRR. Natürlich können ältere Menschen oder Menschen mit wenig Geld bestimmte Sendungen gerne schauen. Das bestreite ich überhaupt nicht. Aber daraus folgt für mich noch nicht, dass Unterhaltung deshalb eine solidarisch zu finanzierende öffentliche Aufgabe wird.

Wenn das Solidarprinzip bedeutet, dass die Allgemeinheit für alles aufkommen soll, was sich ein Teil der Bevölkerung sonst nicht leisten könnte, müssten wir diese Logik auch auf Kino, Bücher, Konzerte, Sportveranstaltungen usw. anwenden.

Für mich ist deshalb die entscheidende Grenze eine andere: Information, politische Bildung, regionale Berichterstattung und Krisenwarnungen haben einen konkreten öffentlichen Zweck. Unterhaltung hat diesen Zweck für mich nicht – auch dann nicht, wenn sie beliebt oder für manche Menschen finanziell schwer erreichbar ist.


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21.09.2026 um 11:31
Zitat von CommonsenseCommonsense schrieb:Da werden Kosten vermischt und alle Häuser über einen Kamm geschert.
Und unterschlagen, dass es verschiedene Preisklassen und auch Sozialtarife gibt. Mit entsprechenden Voraussetzungen kommt man für einstellige Beträge oder sogar kostenlos rein. Beispiele:

https://www.rundfunkorchester.de/konzerte-tickets/tickets/#ermaessigungen
https://www1.wdr.de/orchester-und-chor/rundfunkchor/tickets-und-service-/index.html
https://www.brso.de/konzerte-tickets/tickets/u30-tickets/
https://www.ndr.de/orchester_chor/elbphilharmonieorchester/service/Rund-um-die-Konzertkarte-in-Luebeck,ticketservice105.html
https://www.oper-leipzig.de/de/junge-oper-leipzig-ermaessigungen
https://www.staatsoper.de/ermaessigungen
https://www.staatstheater.saarland/ermaessigung-angebote
https://www.operamrhein.de/karten/

Klassische Konzerte und Opern haben übrigens fast so viele Besucher wie die Fußball-Bundesliga. Also von wegen nur für wenige.
https://www.klassikradio.de/aktuelles/besucherzahlen-bei-fussballspielen-und-klassik-konzerten/


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21.09.2026 um 11:33
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Eine kulturelle Veranstaltung kann stark öffentlich subventioniert werden und trotzdem für Menschen mit sehr wenig Geld praktisch unerschwinglich bleiben.

Genau deshalb überzeugt mich das Argument „Wir finanzieren Kultur solidarisch, damit sie für alle zugänglich ist“ nicht automatisch. Öffentliche Finanzierung bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Menschen, die wenig Geld haben, dadurch tatsächlich Zugang bekommen.
Tja, nur stimmt es eben nicht, was ich mir ja schon dachte und @Borromini nun dankenswerterweise auch dokumentiert hat.


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21.09.2026 um 11:33
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:das Solidarprinzip
..kommt bei der Finanzierung vom ÖRR nicht zum tragen.

Wer es besser weiss, kann mich gerne mit einer Quelle überraschen.


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21.09.2026 um 11:34
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Wenn das Solidarprinzip bedeutet, dass die Allgemeinheit für alles aufkommen soll, was sich ein Teil der Bevölkerung sonst nicht leisten könnte, müssten wir diese Logik auch auf Kino,
Kommunen, Länder und Bund fördern Kinos bzw. Sozialschwache durchaus, siehe "Kulturpass", "Sozialpass" usw.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Bücher,
Die Buchpreisbindung ist eine "nicht-finanzielle" Förderung, wenn auch zum Schutz der Buchhandlungen. Des Weiteren gilt für Bücher der ermäßigte MwSt-Satz.

Also werden auch Bücher in einem gewissen Rahmen gefördert, durch einen Eingriff in den Markt und durch Verzicht auf Steuereinnahmen.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Konzerte,
Wenn auch nicht für Festivals wie RaR, es gibt den Festivalförderfonds. Dazu bin ich mir sicher, das es weitere Möglichkeiten geben wird Förderungen zu erhalten.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Sportveranstaltungen usw. anwenden.
Sportvereine erhalten aus ihren Kommunen Zuschüsse, dazu gibt es Töpfe in den Ländern und im Bund.
Zitat von BerlinerLuftBerlinerLuft schrieb:Für mich ist deshalb die entscheidende Grenze eine andere: Information, politische Bildung, regionale Berichterstattung und Krisenwarnungen haben einen konkreten öffentlichen Zweck. Unterhaltung hat diesen Zweck für mich nicht – auch dann nicht, wenn sie beliebt oder für manche Menschen finanziell schwer erreichbar ist.
Kultur hat nichts mit Bildung und sozialer Teilhabe zutun? Ok.....


Was Opern und diverse Theater angeht gebe ich dir Recht. Hab das vor 20 Jahren in Münster mal mitbekommen. Da wurde seinerzeit jede Theaterkarte mit einem 2stelligen Betrag subventioniert und dennoch waren die Karten nicht für jedermann erschwinglich.


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21.09.2026 um 11:50
@Commonsense
@Desperadoo


Ich glaube, hier werden gerade zwei Dinge miteinander vermischt: Kulturförderung und der öffentlich-rechtliche Rundfunk.

Ich bestreite überhaupt nicht, dass Kultur gesellschaftlich wertvoll ist oder dass man Menschen den Zugang dazu ermöglichen kann. Darüber kann und sollte man diskutieren.

Aber daraus folgt für mich nicht, dass Kultur deshalb über den Rundfunkbeitrag finanziert und Teil des ÖRR sein muss.

Wenn der Staat Opern, Theater, Orchester oder andere kulturelle Angebote fördern möchte, ist das eine eigene kulturpolitische Frage. Dafür gibt es bereits Kommunen, Länder und andere Förderinstrumente. Das muss nicht automatisch über einen verpflichtenden Rundfunkbeitrag laufen.

Und genau deshalb überzeugt mich das Argument „Kultur ist wichtig für Bildung und soziale Teilhabe“ für die ÖRR-Debatte nicht. Selbst wenn ich diesem Satz vollständig zustimme, ist damit noch nicht beantwortet, warum ausgerechnet der ÖRR diese Aufgabe übernehmen und jeder Haushalt dafür bezahlen muss.

Meine Frage bleibt also ganz konkret:

Was gehört zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk – und was gehört zur allgemeinen Kulturförderung?

Diese beiden Bereiche würde ich nicht einfach gleichsetzen.


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