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Kopftuch im Islam - Zwang?

3.082 Beiträge, Schlüsselwörter: Religion, Islam

Kopftuch im Islam - Zwang?

15.06.2020 um 15:49
Zitat von doetzdoetz schrieb:Meiner Meinung nach gibt es einen Kopftuchzwang im Islam, für mich wird das aus dem nächsten Koranvers zumindest viel wahrscheinlicher:
In der Hinsicht müsste es auch im Christentum und im Judentum ein Kopftuchzwang...


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Kopftuch im Islam - Zwang?

15.06.2020 um 16:09
@Hayura

Zum Glück wurden im Rahmen der Aufklärung die Zwänge, die die christlichen Kirchen flächendeckend ausübten, massiv beschnitten.
Ich finde eine Religion eigentlich ganz sympathisch, die von Menschen nur noch sehr begrenzt ernst genommen wird.

Es gibt natürlich immer ewig Gestrige, die tummeln sich dann in Splittergruppen und Sekten.

Wie weit der Einfluss der Kirche zurückgedrängt wurde, kann man schön daran sehen, dass im allgemeinen Sprachgebrauch das Wort Sünde eigentlich nur noch im Zusammenhang mit Kalorien Verwendung findet.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

15.06.2020 um 16:59
Zitat von HayuraHayura schrieb:In der Hinsicht müsste es auch im Christentum und im Judentum ein Kopftuchzwang...
Dann erklär mir doch mal bitte, wieso wir in Deutschland zu einem großen Teil nur Muslimas mit Kopftuch in der Öffentlichkeit sehen und keine christlichen oder jüdischen Frauen?

Ausserdem wäre es nett gewesen, wenn du auf meine Argumentation eingegangen wärst und mir da einen Fehler oder ein Gegenargument dargelegt hättest und nicht auf irgendeinen anderen Glauben verwiesen hättest, Stichwort: Whataboutism.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

15.06.2020 um 21:13
Zitat von FFFF schrieb:Da hier immer die unterdrückten Frauen im Iran als Beispiel herangezogen werden: Dort wird umso deutlicher, dass das Kopftuch einen fortschrittlicheren Glauben ausdrückt, als der Niquab. Es herrscht ein Zwang, dem die Frauen mit dem Kopftuch nur so weit nachgeben, wie unbedingt nötig.
Kannst du das auch mal belegen?


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Kopftuch im Islam - Zwang?

15.06.2020 um 21:49
Zitat von CapspauldinCapspauldin schrieb:In einer städtischen Schule sollte es mMn keinen Religionsunterricht geben, alle Schülerinnen und Schüler nehmen an einem Ethikunterricht teil, alternativ Philosophie oder ähnlich.
Du meinst sicher staatliche Schulen?
Bin da ganz deiner Meinung.
-------------------------

Da hier gefragt wurde wie man ein Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 mit dem Gesetz vereinbaren könnte bin ich fündig geworden:
Mindestens zwei Aspekte sprächen eindeutig dafür, so Schwarz. Zum einen sei der staatliche Schul- und Bildungsauftrag anzuführen. Hier könne der Staat durchaus Regelungen treffen, die versuchen, zwischen der Religionsfreiheit und dem staatlichen Erziehungsauftrag zu einem liberalen Grundverständnis einen Ausgleich herzustellen.

Der zweite Aspekt, der in dem Gutachten von zentraler Bedeutung sei, so Schwarz, ist die Frage der staatlichen Verantwortung für unter 14-Jährige. Juristen sprechen von der „Schutzverantwortung für Grundrechtsträger“. Dabei gehe es darum, dass der Staat auch die Aufgabe habe, Grundrechte effektiv zu schützen. Ein zentrales sei das Recht der Minderjährigen, ihr Leben selbstbestimmt entfalten zu können – das bedeute: frei von Zwängen, die von der Gesellschaft oder Eltern ausgeübt werden.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article206351783/Kopftuchverbot-Die-Jungen-werden-zu-den-Waechtern-der-Maedchen.html


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Kopftuch im Islam - Zwang?

15.06.2020 um 22:21
@BarryLyndon
Hast du mal Bilder aus dem Iran gesehen?
Da reicht das Spektrum von Tschador über Hijab bis zum locker geschlungenen Tuch, das den Haaransatz zu sehen lässt. Was eigentlich nicht erlaubt ist.
Warum gibt es die verschiedenen Formen, und was sollen sie wohl ausdrücken? Oder meinst du, die Frauen entscheiden das spontan, je nachdem wie die Frisur sitzt?


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Kopftuch im Islam - Zwang?

15.06.2020 um 23:01
@FF

Der Verschleierungszwang gilt im Iran nicht nur für moslemische, sondern Frauen aller Religionen. Man kann auf Bildern also gar nicht die Religionszugehörigkeit ausmachen, weil man nicht an der Nasenspitze erkennt, ob die Frau jetzt moslemisch oder christlich ist. Genauso verhält es sich mit dem Grad der Religiösität: wer nicht im Knast landen will, muss sich verschleiern, und das gilt auch für Frauen, die gar kein Kopftuch tragen wollen, die nicht einmal Moslems sind, die dem Islam abgeschworen haben oder ihn verteufeln. Soll es zum Glück ja auch noch geben.

Es ist also überhaupt nicht klar ersichtlich, warum ein leger gebundenes Kopftuch "einen fortschrittlicheren Glauben" ausdrücken soll. Ziviler Ungehorsam? Ausdruck der Unzufriedenheit? "F*ckt euch Mullahs"? In den letzten Jahren haben immer mehr Frauen unter Inkaufnahme größter Risiken publikumswirksam das Kopftuch abgelegt. Eine Mehrheit der Frauen lehnt den Kopftuchzwang ab. Gerade die Zuspitzung der Rebellion lässt darauf schliessen, das es den Frauen gar nicht um Religion, sondern die Machtfrage geht. Sie testen ihre Grenzen aus, sie zeigen offen ihre Ablehnung. Das die Frage Tschador oder Kopftuch mit dem Votum für letzteres eine liberale Religionsauffassung, und nicht einfach das situativ kleinere von zwei hässlichen Übeln darstellt, müsstest du nach wie vor beweisen. Mit Bildern angucken kommt man da nicht weit, die sagen nichts über Motive.

Zumal auch die Wahl zugunsten des Kopftuchs immer noch eine erzwungene ist. Aus der Tatsache, dass Tschadorträgerinnen idR hochideologisierte Subjekte sind, lässt sich nicht der Umkehrschluss ziehen, dass Kopftuchträgerinnen der "liberale" Counterpart sind. Wenn man sich das so zurchtbiegt, klingt die Pro-Kopftuch-Propaganda aber gleich konsumierbarer. Mit Frauen, die vielleicht gar keinen Wert auf Islam und Kopftuch legen, kann man das natürlich nur schwer verkaufen.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 12:52
@BarryLyndon
Witzig, aber nichts von dem, was Du geschrieben hast, spricht dafür, dass die Art wie ein Kopftuch im Iran getragen wird, keine Bedeutung habe.
Wenn das locker getragene Tuch Ausdruck von Rebellion ist, ist es eine Rebellion gegen fundamentalistische Religionsvorstellungen, die mit der strengen Kleiderordnung der Ajatollahs einher gehen, und deren Einfluss auf das Privatleben.
Vielleicht würden die Frauen ohne den Zwang zum Teil auch Kopftuch tragen, aber sie würden ohne Zwang nicht statt Kopftuch einen Hijab oder gar Tschador tragen.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 12:58
@juanita
Jetzt käme es darauf an, welcher Zwang der stärkere ist: das Gebot der Eltern oder ein Verbot durch den Staat.
Unter 14-Jährige werden konfirmiert oder erhalten die Firmung, müsste das dann nicht ebenso verboten werden?


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 13:13
Zitat von FFFF schrieb:Unter 14-Jährige werden konfirmiert oder erhalten die Firmung, müsste das dann nicht ebenso verboten werden?
@FF
Erstens ist die Konfirmation erst mit 14Jahren, zweitens lassen sich Jungen und Mädchen konfirmieren. Nicht vergleichbar. Ich habe meine Konfirmation verweigert, was mir nach Gespräch mit Pfarrer nicht verwehrt wurde.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 13:16
Zitat von ZyklotropZyklotrop schrieb:Dann geht die Mutter mit Kopftuch zum Elternsprechtag und muss dann nachher ihrem Kind erklären warum sie das Kopftuch tragen darf, die Kleine aber nicht.
Ich seh da immer noch nicht den Vorteil.
@Zyklotrop
Hört ihr euch eigentlich selber zu? Das Kopftuch tragen DARF?
Die Kleine DARF das Kopftuch tragen, einfach nicht während Klasse. Wo ist das Problem?
Immer wieder sind westliche Feministinnen zu hören, die sich für das Recht der muslimischen Frau auf Verhüllung stark machen, aber jenen Frauen ihre Unterstützung verweigern, die auf ihrem Recht beharren, sich nicht zu verhüllen oder den Schleier ablegen. Wie erklären Sie sich das?
Hier spielt wohl eine Mischung aus Beschützerinstinkt und reduziertem Menschenbild eine Rolle. Das heisst, Angehörige von Minderheiten unterschiedlicher Nationalitäten werden nicht als Individuen wahrgenommen, sondern auf ihre religiöse Identität reduziert. So würde ich etwa nicht als Akademikerin und Menschenrechtsaktivistin betrachtet, sondern in erster Linie als Muslimin. Und als solche bin ich religiös, bete und trage ein Kopftuch. Diese Haltung ähnelt jener der Rechtspopulisten, die in mir als Muslimin nur eine potenzielle Terroristin sehen. Doch während Rechtspopulisten von Angst oder Hass getrieben sind, sind diese Feministinnen vom Wunsch beseelt, zu schützen.

Woher kommt dieser Wunsch?
Bei vielen steckt ein starkes Gerechtigkeitsempfinden gegenüber Minderheiten dahinter. Die Gründe hierfür liegen in einem tief verankerten kollektiven Schuldgefühl wegen der kolonialen Vergangenheit des Westens und seiner als imperialistisch wahrgenommenen Politik. Ich nenne es «die Bürde des weissen Menschen». Man will gegenüber jenen, von denen man glaubt, dass sie vom Westen benachteiligt worden sind, als Wiedergutmachung besonders tolerant sein.

Eine im Grunde noble Haltung.
Auf den ersten Blick vielleicht. Trotzdem ist es eine naive und vor allem eine rassistische Haltung. Denn sie macht ganze Gruppen zu Opfern, in unserem Fall «die Muslime», die es um jeden Preis zu schützen gilt, und spricht den «Beschützten» jegliche Selbstverantwortung ab. In diese Falle tappen nicht nur Feministinnen, sondern auch linke Intellektuelle sowie linke und liberale Politiker. Das macht sie unfähig, in Bezug auf die zu schützende Gruppe Probleme zu benennen. Aus Angst davor, diese Gruppe zu stigmatisieren, werden die Probleme unter den Tisch gewischt.
https://www.annabelle.ch/leben/gesellschaft/«-kopftuch-ist-marketing-islamisten»-47824


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 13:22
@lilit
Der Unterricht dauert einige Monate, man beginnt also oft schon mit 13.
Und die katholische Firmung, Bar und Bat Mizwah finden früher statt.

Das Gesetz zum Verbot des Tragens religiöser Symbole kann wohl kaum nur für Mädchen gelten, oder?

Und dass Deine Eltern so tolerant sind ist super, aber so manche Eltern werden auf die Firmung der Kinder bestehen.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 13:48
@FF

Ich habe auch nicht geschrieben dass es "keine Bedeutung" hat, im Gegenteil habe ich sogar mehrere Bedeutungen aufgezählt, die Du völlig aussen vor gelassen hast. Die "Rebellion gegen fundamentalistische Religionsvorstellungen" und "deren Einfluss auf das Privatleben" kann genauso gut antiislamisch oder allgemeiner antiautoritär motiviert sein, daraus ergibt sich schlicht und ergreifend keine Kausalität zu einem "liberalen Islamverständnis" und seinem Ausdruck im locker gebundenen Kopftuch. Da brauchst du mir auch nicht mit irgendwelchen Bildern kommen, deren Bewertung nur die Eindrücke des Betrachters wiedergeben, da sich Einstellungen, Haltungen und Gedanken nicht zwangsläufig auf Bildern verdeutlichen.

Es liegt auch angesichts der breiten Ablehnung des Verschleierungszwangs wesentlich näher, das Frauen das Kopftuch nicht mehr als als eine von oben verordnete lästige Pflicht sehen, deren Ablehnung sie durch legeres Anlegen kundtun, und nicht das es Ausdruck ihres superliberalen Islams wäre. Zumal in einem Staat, in dem Frauen jeder Konfession Kopftuch anlegen müssen. Wenn ich schon das verordnete Kopftuch nur widerwillig trage ist es vollkommen logisch, dass ich den Hijab nicht streng islamisch binde oder in Form des Tschador trage, erst recht nicht, bei den brütend heissen Sommern im Iran. Die durch nichts bewiesen Gleichung leger = liberal = in Opposition zu konservativeren Formen geht immer noch nicht auf.

Ohne Zwang wäre die Quote von Kopftuchträgerinnen bestimmt auch verschwindend gering, da das Kopftuch schon durch die Säkularisierungsbestrebungen unter dem Schah aus den Metropolen verschwunden war. Sehr zur Freude der historischen iranischen Frauenbewegung. Aber wie ich bereits oben schrieb: damit lässt sich keine Werbung Pro-Kopftuch machen.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 13:50
Zitat von doetzdoetz schrieb:Hier stellt sich wieder die Frage, wie sehr die Eltern die eigenen Wertevorstellungen hinterfragen. Denn ohne eine gewisse Objektivität ist z.B. kein Einstehen für die Rechte Anderer oder Andersgläubiger möglich. Sorry, aber mit dieser Einstellung darfst du dich nicht über die religiös oder ideologisch motivierten Kopftuchgegner wundern. Denn ich befürchte, dass diese Einstellung Minderheitenrechte über kurz oder lang beschränken wird, was ja auch in den meisten muslimischen Ländern der Fall ist.
@doetz
Was treibt deren Eltern an?

Sie wollen, dass die Mädchen sich an das Tuch gewöhnen. Sie sagen: Du willst doch ein „sauberes“ Mädchen sein. Du bist dann etwas Besonderes, wenn Du das Tuch trägst. Nicht wie die ehrlosen deutschen Mädchen. Oder der Onkel sagt: Du bist nur hübsch, wenn Du das Kopftuch trägst. Und es wird behauptet, dass muslimische Mädchen, die das Tuch nicht tragen, keine „richtigen“ Musliminnen sind.

Und wie finden die Mädchen diese Beeinflussung?

Sie wollen das nicht. Kinder in diesem Alter wollen so sein wie alle anderen. Diese Bürde des angeblich „Besonderen“, des „Sauberen“, das entfremdet sie von den anderen. Es heißt: Wer kein Kopftuch trägt, hat keine Ehre. Das Kopftuch treibt also einen Keil in die Klassen. Das ist das Gegenteil von dem, was Kinder in diesem Alter lernen sollten. Dazu kommt: Das Kopftuch soll ja eigentlich signalisieren, dass ein Mädchen zur Frau wird. Denken Sie mal daran, mit wem Sie über Ihre erste Menstruation gesprochen haben. Das ist ganz intim. Aber am Kopftuch wird das, was zwischen Ihren Beinen passiert, plötzlich für jeden auf der Straße sichtbar gemacht. Das wollen viele Mädchen nicht.
https://taz.de/Frauenrechtlerin-ueber-das-Kopftuch/!5496148/

Denke ein Kopftuch verbot in Kiga und Grundschule wäre wichtig, um wenigsten den Druck bis dann wegzunehmen, wenigstens in der Zeit während Klasse.
Habe schon einen Artikel zu Frankreich verlinkt,
"Das Gesetz funktioniert gut", sagt Olivier Roy, ein bekannter französischer Islam-Experte vom europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Junge Musliminnen seien kompromissbereit und würden ihren Schleier vor dem Unterricht ablegen.
https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-04/kopftuchdebatte-frankreich-schulen-religioese-symbole
In weiterführenden Schulen und Uni etc. stände es den Jugendlichen frei, Kopftuch zu tragen.
Zitat von FFFF schrieb:Das Gesetz zum Verbot des Tragens religiöser Symbole kann wohl kaum nur für Mädchen gelten, oder?
Müsste fast, weil es nur sie betrifft. kenne kein Knabenverhüllungsgebot, da ihre Haare zu verführerisch seien.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 13:51
@BarryLyndon
Ich mache keine Werbung für Kopftücher, sondern vergleiche die Bedeutung der verschiedenen Kopftuch-Formen und deren mögliche Bedeutung, was Religiosität und Auffassung von fundamentalistischen Koran-Auslegungen angeht.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 13:53
Zitat von MalihülyaMalihülya schrieb:Ich halte nichts von einem Kopftuchverbot, weder für erwachsene Frauen, noch für Kinder oder Jugendliche.

Man versteift sich hier viel zu sehr auf die Symbolik des Kopftuchs, dabei ist es aber auch irgendwo ein ganz normales Kleidungsstück. Mit einem Kopftuchverbot, würde man auch so mancher jungen Muslima die Freiheit in ihrer Selbstfindung nehmen.
Es ist sicherlich nicht aus der Hand zu weisen, dass die Kopftuchdebatte zt auch eine Lückenfüllerdebatte ist, wo vieles vermengt wird und darüberhinaus sicherlich nicht wenige andere nicht so aufrichtige Absichten haben, wenn sie darüber diskutieren.
Nichts desto trotz, stellt die Debatte rund um das tragen von Kopftücher im hinblick auf die Kinder ein Problem dar.
Kinder in ein Kontext zu stellen, wonach sie ein Erkennungsmerkmal tragen müssen, was für Keuschheit, Enthaltsamkeit und dergleichen darstellt, halte ich für absolut inakzeptabel. Ich will das in aller Ehrlichkeit und Deutlichkeit geschrieben haben. Ich will daraus kein Hehl machen.

Häufig habe ich die Beobachtung gemacht, das bestimmte muslimische Strömungen auch kein Problembewusstsein entwickelt haben für dinge, die jenseits ihrer eigenen Perspektive liegen, weil sie ihre Religion mitsamt ihrer Wertevorstellung sehr starr auslegen. Du hast ja die frage, nach einem Verbot für Kinder verneint. Ich würde aber von dir etwas wissen, was ich für wichtiger erachte, als diese Frage.

Verstehst du überhaupt , warum so viele Leute für ein Verbot von Kopftüchern von Kindern sind? Anders und noch deutlicher gefragt, akzeptierst du überhaupt die Argumente innerlich als zulässig oder tust du sie dahingehend ab, als das so entweder meinst, diese Leute würden den Islam hassen bzw den Islam nicht verstehen. Wenn sie ihn verstehen würden, würden sie das nicht sagen.
Räumst dem gegenüber beim relevanten Fragen, die dich religöse tangieren, einen Kredit zu?

Back to Topic:
Hier kann man auch nicht dahingehend argumentieren, wonach man mit seinem Kindern, die Erziehung beibringen darf, die man für richtig hält, da dieses Argument in diesem Fall nicht greift, was ich unten zusammenfassen werde, warum das so ist.

Ein 7 jährigen Mädchen, versteht nicht wirklich, was es bedeutet ein Kopftuch zu tragen.
Du schreibst ja desweiteren im deinem Text, dass die Moslems durchaus über ihre Religion nachdenken und reflektieren.
Ich will das per se nicht in Abrede stellen bzw alle menschen denken sicherlich über ihr Weltbild, ihre Lebensphilosophie nach.
Aber was nutzt das? So funktioniert eine Auseinandersetzung mit konträren Meinungen nicht,zumindest dann nicht, wenn Moslem oder die Muslima klassisch islamische erzogen wurde.

Wenn die Person als Moslem geboren wurde, als Moslem sozialisiert worden ist, ein muslimisches Umfeld hatte, was soll dann beim nachdenken denn passieren? Diese Person wird doch zb das Christentum, aus der MUSLIMISCHEN Perspektive her bewerten. Zufälligerweise kenne ich diese Gedankengänge als geborener Moslem sehr gut, wo es dann darum geht, Prämissen aus der islamischen Theologie auf die christliche zu übertragen, wo es dann zb darum geht, ob die Bibel verfälscht wurde. Ein Christ bzw Personen aus dem christlichen Abendland, würden nie nach Aspekt das Christentum bewerten, weil sie wissen, dass die Evangelien zeitlich versetzt, von verschiedenen Autoren geschrieben worden sind. Das Christentum hat nie diesen Anspruch gehabt, was die Moslems in der klassischen religiösen Erziehung dann im Christentum als Bewertungsmerkmal hernehmen und genau aus diesem Grund, nutzt es null, wenn eine Person nachdenkt, sofern diese Person von Anfang an in einer bestimmte Richtung massiv sozialisiert worden ist und genau aus diesem Grund, muss es orte geben, wo die kinder sachlich ausgewogen auch andere Ansichten erfahren, damit sie dann später auf dieser Grundlage selber ein Weltbild für sich aussuchen können. Wenn ich mir anschaue, wie dogmatische religiöse sämtlicher Religionen versuchen, die einmischunh zu verhindern, merke ich eigentlich nur eines und zwar dass diese wirklich nicht viel Selbstbewusstsein haben und eine offene Auseinandersetzung scheuen. Wenn du zb meinst, dass der Islam die Wahrheit darstellt, wovor hast du dann angst, dass sich die Muslime bei einer offeneren Diskurs anders entscheiden? Das beißt sich einfach argumentativ.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 14:08
Zitat von Sungmin_SunbaeSungmin_Sunbae schrieb:Ein 7 jährigen Mädchen, versteht nicht wirklich, was es bedeutet ein Kopftuch zu tragen.
@Sungmin_Sunbae

Ich bin hier wirklich nicht als großer Fan des Islam bekannt. Fairerweise muss man dem gegenüberstellen, dass katholische Kinder hier auch mit 8 Jahren zur Erstkommunion gehen und sich wohl der Tragweite (wenn man Religion mal ernstnimmt) auch kaum mehr bewusst sein können.

Und eine sehr katholische Familie wird ihren Kindern auch nicht vermitteln, das Islam, Hinduismus und Buddhismus eigentlich genauso gut sind, damit sie dann ganz unabhängig ihr eigenes Weltbild formen können.

Ergänzen kann man vielleicht, dass es nur noch sehr wenige streng katholische Christen hier gibt unter 80.
Meist besteht der Katholizismus darin, am 23.12. zu googeln, wann die Weihnachtsmesse ist, am 24.12. 10 min zu spät da hin zu laufen, sich aufzuregen, dass man keinen Sitzplatz mehr bekommen hat, sich vornehmen, nächstes Jahr deshalb nicht mehr da hin zu gehen und dann geht der Krichenkreis am 23.12. mit der google Suche wieder los. Dieser Kreislauf entspricht eigenem Erleben meinerseits.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 14:15
Zitat von abberlineabberline schrieb:Aber da ist wieder das Paradoxon Frauenrechte vs Religion. Da stehen erstere plötzlich leider oft hinten an
Zitat von TussineldaTussinelda schrieb:nein, ist es nicht. Du machst es nur dazu. Es sind KINDER. Wenn die schon von Zuhause aus zu etwas gezwungen werden, dann sollte ihnen in der Schule nicht das Gleiche blühen. Sie sollten nicht für etwas, wofür sie NICHTS können, büßen und ausgegrenzt werden.
Geht es immer noch ums Kopftuch?
inwieweit ist es ein Büssen und ausgrenzen, wenn Jungs ihre Caps und Mädchen ihre Tücher ablegen sollen in Schule?
Und wenn ein Kind tatsächlich zum Kopftuchtragen angehalten wird vom Elternhaus, umso wichtiger wäre es, die Schule als Freiraum von diesem Zwang zu bieten.
Zitat von Sungmin_SunbaeSungmin_Sunbae schrieb:Ein 7 jährigen Mädchen, versteht nicht wirklich, was es bedeutet ein Kopftuch zu tragen.
@Sungmin_Sunbae
Genau.
aber natürlich respektiere ich, wenn sich Frauen dafür entscheiden.

Doch junge Mädchen können das noch nicht, sie sind den Vorstellungen ihrer Eltern und ihrer Community ausgeliefert. Sie mögen es schön finden, ihren Müttern nachzueifern. Doch sie können nicht abschätzen, was es bedeutet, schon früh ein Kopftuch zu tragen.

Ein Kopftuch ist eine Lebensentscheidung. Die Mädchen bekommen damit antrainiert, wie sie sich als muslimische Frauen zu verhalten haben. Und wenn sie das Kopftuch später wieder ablegen wollen, ist das mit Scham verbunden.

Ein Verbot ist zwar ein schwerwiegender Eingriff, aber ein notwendiger, um muslimischen Mädchen die Möglichkeit zu geben, zu individuellen Wesen heranzuwachsen und ihren eigenen Lebensweg zu gehen - auch wenn der anders sein mag als der ihrer Mütter."
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/kopftuch-verbot-fuer-maedchen-was-muslime-davon-halten-a-1203726.html


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 14:35
Zitat von FFFF schrieb:Jetzt käme es darauf an, welcher Zwang der stärkere ist: das Gebot der Eltern oder ein Verbot durch den Staat.
Unter 14-Jährige werden konfirmiert oder erhalten die Firmung, müsste das dann nicht ebenso verboten werden?
Ich denke, wenn Mädchen zu Verhüllung seitens der Eltern gezwungen werden, dann ja nicht nur für die Zeit des Unterrichts sondern auch für alle übrigen Stunden des Tages, vllt außer den Schlafenszeiten oder denen innerhalb des Hauses, wenn nur Familienangehörige zugegen sind.
Bei Überlegungen für unter 14-jährige während des Unterrichts Kopftücher zu untersagen wäre nur ein Teil der Tageszeit der Mädchen betroffen: von daher meine ich dass der Zwang des Staates dann der geringe wäre.
Ich denke aber auch dass Fachleute (Juristen, Pädagogen etc) das hinsichtlich Kindeswohlgefährdung besser beurteilen können.

Zu deiner Frage bzgl Konfirmation, Firmung etc:
Vermutlich sollte man dahingehend wichten, wie stark die "Kindeswohlgefährdung" hinsichtlich religiöser Vorschriften der Eltern ggü ihren Kindern gegeben ist bzw ob sie überhaupt gegeben ist.
Wenn Mädchen mit Kopftuch evtl Opfer von Stigmatisierung werden so könnte sich das negativ für ihre Persönlichkeitsentwicklung auswirken, ebenso wenn sie vllt deshalb nicht am Sportunterricht teilnehmen können und überhaupt kein so freies Körpergefühl wahrnehmen als ohne i-welche Verhüllung.
Solche Auswirkungen sehe ich bei "normalen" (sry) Christen nicht.
Aber natürlich wäre es Überlegungen wert ob nicht Kinder erst ab 14 für oder gegen Religionen entscheiden dürfen.

Ich gehe aber mit dir überein dass auch andere starke religiöse Einschränkungen Kindern schaden können und verhindert werden sollten.
Meine ganze Schulzeit über hatte ich eine beste Freundin, die samt ihren Geschwistern + Cousinen + Cousins nach einem alttestamentarischen Glauben erzogen wurde.
Sie durfte niemals Hosen tragen (das machen nur die Frauen der Vandalen, so ihr Vater), an bestimmten Unterrichten bzw zu bestimmten Unterrichtszeiten nicht in der Schule erscheinen, an bestimmten Schul- o. Klassenveranstaltungen nicht teilnehmen.
Der Staat DDR hat dagegen nichts unternommen.
Vllt war das nicht gut....
Sicher gibts viele denen das nicht schadet, und anderen schaden Sachen, die nichts mit Religion zu tun haben.
Ihr und ihren Geschwistern hat aber diese erzwungene Religiösität und Ausgrenzung geschadet, es entwickelten sich Minderwertigkeitsgefühle, Suizidgedanken etc.
Ich würde daher die Kindeswohlgefährdung vllt am ehesten an der Wahrscheinlichkeit stigmatisiert zu werden festmachen.


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Kopftuch im Islam - Zwang?

16.06.2020 um 14:37
Zitat von lilitlilit schrieb:Und wenn ein Kind tatsächlich zum Kopftuchtragen angehalten wird vom Elternhaus, umso wichtiger wäre es, die Schule als Freiraum von diesem Zwang zu bieten.
@lilit

Es erscheint mir seltsam, aber ich werde hier ja fast zum Islamversteher:

Was ist denn daran anders, wenn ein Mädchen aus einer msulimischen Familie dazu angehalten wird, ein Kopftuch zu tragen als ein katholisches Mädchen, das auf Wunsch seiner Mutter eine kleine Kette mit Kreuz trägt. Das Mädchen hatte wahrscheinlich auch kein individuelles Erweckungserlebnis religiöser Art, sondern hat die Religionsauffassung ihrer Eltern übernommen.

Kinder und Jugendliche sind doch nie unbeschriebene Blätter, die dann plötzlich mit 18 eine eigene Meinung haben.

Der springende Punkt ist eher: Welchen Repressalien wird eine junge Frau ausgesetzt, wenn sie sich irgendwann gegen das Lebensmodell ihrer Eltern entscheidet? Und da halte ich einen Rahmen von 'gar keine' bis hin zu schweren Misshandlungen für möglich. Letztere gilt es selbstverständlich zu verhindern und das ist ein sehr schwieriges Problem. Misshandlungen in der Familie sind aber immer ein gesellschaftlich schwer lösbares Problem. Dafür muss man muslimische Familien, die gar keine Repressionen verüben würden, nicht vorauseilend sanktionieren.

Ich denke, wir alle verlassen irgendwann ein bißchen den Pfad, von dem wohlmeinende Eltern wünschen, dass wir ihn gehen. Und das sollte in Grenzen möglich sein. Da hilft ein Koptuchverbot nicht bei.

Wichtig ist, dass Ämter im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei Familien gut hinschauen, wo ein Anfangsverdacht auf Misshandlungen besteht und ganz unabhängig von der Religion. In solchen Fällen sollte vielleicht gezielt eingegriffen werden und nicht erst, wenn ein Kind tot ist. Aber selbst da den richtigen Weg zu finden ist nicht einfahch.


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