sooma schrieb:Ulkig finde ich, dass fast ausschließlich auf eine SED-Nachfolge abgestellt wird. Ich als Wessi verbinde "links" (naturgemäß) auch mehr mit Café Rosa Mond, Häuserbesetzen, Anarchie, RAF, ...
Danke. Freilich ist das nicht nur ulkig.
Denn es gibt da auch Verbindungslinien. Dafür - oder bei Interesse - empfehle ich noch einmal das detailreiche und beste Buch zum Thema vom Historiker Jeffrey Herf:
Unerklärte Kriege gegen Israel. Gut rezensiert etwa im Deutschlandfunk:
Jeffrey Herf: „Unerklärte Kriege gegen Israel“
Eine ungemütliche Lektüre
Von wegen „Antifaschistische Grundhaltung“: Jeffrey Herf beschreibt detailreich, wie seinerzeit sowohl die DDR als auch Teile der westdeutschen Linken den jüdischen Staat als Todfeind betrachteten. Gerade heute eine beunruhigende Lektüre.
Quelle:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/jeffrey-herf-unerklaerte-kriege-gegen-israel-eine-100.htmlDer linksradikale Antisemitismus? Wird bis heute relativiert.
Wenige Tage später schrieb der linksextreme Dieter Kunzelmann, seinerzeit eine führende Gestalt der Westberliner „Tupamaros“, seinen „Genossen an der Heimatfront“: „Von Amman aus frage ich mich: Wann endlich beginnt bei Euch der organisierte Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“
Obwohl dies und anderes – so etwa Ulrike Meinhofs jubelnde Reaktion auf den tödlichen Anschlag auf die israelischen Athleten der Münchner Olympiade von 1972 – präzise dokumentiert ist, scheinen im kollektiven Gedächtnis des selbsternannten „Erinnerungsweltmeisters Deutschland“ hier noch immer blinde Flecke zu existieren. Fällt der Name Dieter Kunzelmann, sind es jedenfalls nicht nur die verbliebenen Veteranen des damaligen Milieus, sondern auch vermeintlich besser informierte Nachgeborene, die ihn, den geradezu pathologischen Antisemiten, vor allem mit einem vermeintlichen „Provokateur und Spaß-Kommunarden“ assoziieren.
Sogar die Namen von Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, die sich 1976 bei der Flugzeugentführung im ugandischen Entebbe – als erste Deutsche seit 1945 – persönlich an der Selektion der Juden unter den Passagieren beteiligt hatten, sind kaum noch bekannt.
Quelle: ebd.
Die DDR? Beteiligte sich an Kriegen gegen Israel.
Auf jüdischen Protest hat Honecker nie reagiert.
Allerdings waren es damals nicht die publizistischen Großkaliber der Bundesrepublik, sondern die Vertreter der kleinen Jüdischen Gemeinde, die geradezu verzweifelt auf die Tatsache hinwiesen, dass die DDR nicht nur in ihren Massenmedien inflationär die Begriffe Faschismus, Nazismus und Völkermord verwendete, wann immer es um Israel ging, sondern auch deutsche Waffen produzierte und verkaufte, mit denen Juden getötet wurden.
Heinz Galinski, Auschwitz-Überlebender und seinerzeit Vorsitzender des Zentralrates der Juden, schrieb nach dem Jom-Kippur-Krieg sogar einen von emotionaler Erschütterung grundierten öffentlichen Brief an Erich Honecker, in dem er diesen an seine Vergangenheit als Antifaschist erinnerte und fragte, weshalb die DDR-Berichterstattung derart infam und voller Hass klassische Motive des Antisemitismus aufnehme. Honecker hat nie auf diesen Brief geantwortet, der es freilich auch bis heute nicht in die Schulbücher des wiedervereinigten Landes geschafft hat.
Jeffrey Herf aber hat mit geradezu bewundernswerter Ruhe und Detailgenauigkeit ein Buch geschrieben, dass uns gerade heute zutiefst beunruhigen müsste
Quelle: ebd.
In einer aufgeklärten und resilienten Gesellschaft braucht es auch - aus der Zivilgesellschaft heraus - unentwegt: Aufklärung. Die Unterwanderung die Hochzeit zwischen palästinensischem Terrorismus und deutscher kommunistischer Diktaturverehrung, ist sehr alt. Die gab es in den 60er und 70er Jahren, und sie ist auch von der Sowjetunion erfunden worden und hat scheinbar immer noch Erfolg, obwohl es das Land, das sie erfunden hat, gar nicht mehr gibt. Statt Sowjetunion kann man mittlerweile "russisches Imperium" sagen, aber das Problem liegt (auch) da.
M.a.W. nicht übergangen werden sollte auch die Rolle der Sowjetunion. So auch das noch. Im nächsten Jahr jährt sich der deutsche Herbst zum 50. Mal. Der Politologe Wolfang Kraushaar bringt gerade eine Veranstaltung über den ehemaligen Terroristen Hans-Joachim Klein (er gehörte im Frankfurter Häuserkampf zu der von Joschka Fischer angeführten "Putzgruppe") heraus, einen der Wenigen, die ausgestiegen sind und sich zu ihrer Schuld bekannten.
Ich bin mir sicher, dass die Aufklärung besser vorangekommen wäre, wenn Herold weiter die Fäden in der Hand behalten hätte. Bis heute ist völlig unterbelichtet, wie stark die RAF von palästinensischen Terroristen abhängig war. Viele RAF-Mitglieder waren nicht nur in Trainingscamps der Palästinenser ausgebildet, sondern auch instruiert worden. Die „Offensive 77“ der RAF war im Sommer 1976 en détail im Südjemen geplant worden. Auch Hans-Joachim Klein hielt sich zu dieser Zeit bei der PFLP auf, der Volksfront zur Befreiung Palästinas. Deren Chef Wadi Haddad war nachweislich seit 1968 Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Er war es, der im Oktober 1977 die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ organisiert hatte, durch die die Spitze der ersten RAF-Generation aus dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim freigepresst werden sollte. Die militärische Ausrüstung der Palästinenser stammte aus sowjetischen Beständen – darüber berichtete etwa RAF-Mitglied Peter-Jürgen Boock.
Quelle:
https://www.fr.de/politik/terrorismus-experte-es-ist-ein-schaden-am-rechtsstaat-entstanden-94487970.htmlAuch das sei noch einmal zu bedenken.
Andere Aussagen da von ihm (Kraushaar) im Interview sehe ich auch kritisch (aber das wäre ein anderes Thema).
Dass es ein Mahnmal für die Opfer der RAF geben sollte und dass das Mahnmal in Berlin stehen sollte, dieser Forderung von ihm kann man sich anschließen.