Zz-Jones schrieb:Diese Annahme hält man doch nur deshalb für wahrscheinlich, weil 40% des Flaperons fehlen und man aufgrund dessen davon ausgeht, dass diese fehlenden 40% dann in Folge des Aufschlags vom Rest des Flaperons abrasiert wurden.
Die 40% sind entscheidenderweise am trailing edge und das outboard flap hat die gleiche Art von Schaden am trailing edge.
Zz-Jones schrieb:Das ist für mich keine stichhaltige Logik, zumindest nicht als einzige Möglichkeit.
Dann bitte ich aber eine konkrete andere Möglichkeit vorzuschlagen.
Die alternative Erklärung ist, das Flaperon, das outboard flap und andere größere Teile vom Flügel sind beim Absturz bereits in der Luft abgefallen. Das passiert sehr selten, und es sind mittlerweile schon recht viele Teile, auf die das zutreffen müsste. Je mehr, desto unwahrscheinlicher wird es.
Den Schaden am trailing edge kann man damit nicht erklären, denn das trailing edge bleibt im Fallen oben, da es aerodynamisch dazu konstruiert ist, das wesentlich schwerere leading edge trifft auf das Wasser, und am leading edge ist kein Aufprallschaden zu sehen.
Die einzige Erklärung, die genannt wurde (von einer Privatperson) war, dass das abgeflogene Flaperon das Leitwerk getroffen hat. Dass sowohl flaperon als auch outboard flap das Leitwerk / Heck treffen, ist aber äußerst unwahrscheinlich.
Aber (so das Argument von Larry Vance) bei den Schäden am trailing edge handelt es sich um Erosionsschäden. Dies enstehen nicht bei dem Frontalaufprall auf Wasser mit sehr hoher Geschwindigkeit:
As the airplane moves forward, the water instantly invades into the fuselage,
which is basically a hollow cavity. An overwhelming pressure builds as the
water invades up the fuselage, pushing from the inside of the fuselage out. The
force of the invading water progresses up (into) the fuselage, pushing a pressure
wave of compressed air ahead of it. As the pressure builds, the fuselage starts to
rupture explosively from the inside out, from front to aft (front to back). The
fuselage shatters and explodes outward, from the front all the way to the tail,
creating countless numbers of pieces (as shown in the earlier photos from
Swissair 111 – Figure 2 and Figure 5).
The same destructive sequence takes place with the wings, and flaps, and
flaperons, which are all hollow cavities. The water forces would cause the
leading edges of these structures to cave in and split open. The explosive rupture
forces from the water would invade through the open leading edge, and rupture
these pieces from the inside out.
Quelle: L. Vance, MH370 Mystery Solved,
Zz-Jones schrieb:Auch würde das nichts darüber aussagen, wann die Flaperons ausgefahren wurden. Wenn man etwa frühzeitig eine Landung versuchte, kann das auch bereits schon in der Anfangsphase geschehen sein. Die Frage wäre dann ja eher, ob das Flaperon nach einer abgebrochenen Landung dann automatisch wieder einfährt oder eben ohne manuelle Handlung einfach draußen bleibt?
Der Schaden am trailing edge kann ja nur bei der Notwasserung entstanden sein, nicht wenn das flaperon zu einem früheren Zeitpunkt mal ausgefahren war, dann aber wieder eingezogen.
Die Schäden am leading edge sprechen ebenfalls dafür, dass sich das flaperon beim Aufschlag auf das Wasser getrennt hat. So sehen es die Ermittler des BEA.
Zz-Jones schrieb:Zudem ist das Flaperon ja nicht ausschließlich nur eine Auftriebshilfe für die Landung, sondern eben auch noch ein Steuerelement bei/für niedrige Geschwindigkeiten.
Bei einem jet airline wird es nur für die Landephase gebraucht (und beim Start). Es hat keinen Verwendungszweck während des Fluges.
Zz-Jones schrieb:Mal ganz davon abgesehen, dass ich eine erfolgreiche Landung mitten im Indischen Ozean für nahezu ausgeschlossen halte. Alles, was ich dazu bisher hier an "Vergleichsfällen" gesehen habe, passt doch hinten und vorne nicht. Ich mein, OI bleibt fast ein Jahr aufgrund von schlechtem Wetter im Hafen und hier wird so getan, als hätte es in jener Nacht Labor-Bedingungen gegeben.
OI geht davon aus, dass der Treibstoff am Ende aufgebraucht war, und die Treibstoffmodellierungen sagen, dass dann MH370 sehr schnell und deshalb weit südlich geflogen sein muss. Ein Zirkelschluss.
Weiter nördlich, entweder etwas nördlich vom Broken Ridge oder in relativer Nähe zu den Christmas Islands, bestehen ganz andere Bedingungen. Die Suchmannschaften hatten damals keine Probleme in der Nähe des Broken Ridge nach treibenden Trümmern zu suchen (ab dem 28. März), aber in dem südlichen Gebiet gab es Probleme (die Roarding Forties):
Wikipedia: Malaysia-Airlines-Flug 370#Suche im südlichen Indischen Ozean
Zz-Jones schrieb:Dann redet man sich noch schön, dass die Trümmer ja gar nicht so klein wären - also könne der Aufprall dann auch gar nicht so schlimm gewesen sein..
Ich sehe bei den Trümmern keinen großen Unterschied zu Germanwings. Auch da gab es noch größere Teile neben dem Konfetti.
Germanwings war kein unkontrollierter Absturz mit sehr hoher Geschwindigkeit, sondern ein kontrollierter Sinkflug - somit nicht vertikal auf den Boden, und auch weniger schnell. Nicht ins Wasser, sondern auf Gelände. Alles ein erheblicher Unterschied.
Larry Vance nennt als Vergleichsfall SwissAir 111 (Absturz mit sehr hoher Geschwindigkeit), mit folgendem Schadensbild:

Bildquelle:
https://erinotoole.substack.com/p/swiss-air-flight-111-25-years-laterDas passen zumindest outboard flap und flaperon nicht rein, auch bei anderen größeren Teilen wird es schwierig.
Außerdem gibt es mehrere weitere Argumente für die Notwasserung: das Wrack wurde nahe des 7. Bogens nicht gefunden, dort wäre es aber bei einem unkontrollierten Absturz bzw. einem Absturz mit sehr hoher Geschwindigkeit zu erwarten. Die letzten beiden BFOs kann man mit sehr hoher vertikaler Geschwindigkeit oder dem Auftrieb durch ausgefahrene flaps erklären. Außerdem stammen 75% der angespülten Trümmer vom Flügel, und fast nur von einer Seite. Bei einem Absturz mit sehr hoher Geschwindigkeit wären ja bestimmte Bereiche des Flugzeugs nicht mehr betroffen als andere (sofern es nicht exzessiven Flutterschaden gab).
Bei der Notwasserung bleiben größere Teile des Innenraumes intakt, diese sinken dann in einem Stück.
Flybywire schrieb:Bei einer Landung egal welcher Art wird es immer Teile geben, die das aus sehr unterschiedlichen Gründen besser überstehen als andere.
Eine Landung (auf dem Meer) ist ja eine Notwasserung. Der andere Fall ist ein Absturz mit sehr hoher Geschwindigkeit.
Flybywire schrieb:Eben: Unter bestimmten Bedingungen, die wir nicht kennen.
Der og. Wert ist bei einem Standard-Prozedere angenommen worden, aber z.B. nicht in einem Sinkflug.
Es macht keinen Sinn Flaps auszufahren, wenn ich nicht die dafür erforderliche Geschwindigkeit habe (und warum sollte diese vorher verringert werden?) und danach (ohne Treibstoff) ist es nicht mehr möglich.
Das Notwasserungsszenario geht davon aus, dass der letzte log-on NICHT durch Treibstoffende verursacht war, sondern ähnlich wie der erste manuell ausgelöst wurde. Damit stand dann ausreichend Treibstoff zur Verfügung. Das Argument oben meinte, dass eine Notwasserung nach Treibstoffende unwahrscheinlich ist, da der Treibstoff wahrscheinlich nicht gereicht hätte.
Flybywire schrieb:Es müsste also einen anderen Grund dafür geben Flaps auszufahren, z.B. um in großer Höhe das Flugzeug bewusst instabil zu machen.
Dann reisst es Dir bestenfalls die Flügel ab (die dann möglicherweise sogar unversehrter zu Boden kommen als bei einem Crash) und der Rest fällt ziemlich vertikal. Der Rest sieht dann auch anders aus als die Teile, die bereits im Flug entfernt wurden, weil diese Teile sicherlich einer anderen Kraft ausgesetzt waren, denn die hingen ja noch irgendwo dran, bzw. gingen in einem Stück runter. Da wirken andere Kräfte als nur auf ein einzelnes Teil.
Wie würdest du bei ganz oder in Teilen abgerissenen Flügeln die Schäden an den trailing edges des flaperons und des outboard flap erklären?
Flybywire schrieb:MH370 hat vielleicht versucht vorher (z.B. in Penang) zu landen und war schon in der Konstellation eines Anflugs und ist aus dieser Konstellation gar nicht mehr heraus gekommen. Dann wäre MH370 aber den Rest der Strecke deutlich langsamer und mit deutlich höherem Verbrauch unterwegs gewesen. Ob und wie dann die Pingringe zu treffen wären, müsste dann neu überdacht werden.
Vor allem wäre es nicht möglich, in der noch teilweise durch Radar dokumentierten Geschwindigkeit Penang zu über- und dann weiterzufliegen.