@Bone02943 De facto stellt sich mir die Situation, die in dem KStA-Artikel als Fake News bezeichnet wird, so dar:
Reichelt postet: SPD und AfD Kopf an Kopf.
Das konnte man durchaus so sagen. Es stimmte, wenn auch nur für einen Moment. Aber das war X und nicht der Rückblick einer Wochenzeitung.
Dann der KStA:
Das Problem: Es findet sich auch kaum ein Beitrag, der so falsch ist wie der von Reichelt.
Quelle: s.o.
Da verbreitet der KStA offenkundig eine Lüge. Denn, wie dokumentiert ist, war der Beitrag ziemlich korrekt. Dann KStA weiter:
Nur wenige Minuten später war das Bild, das Reichelt offenbar vermitteln wollte, dann auch schon Geschichte.
Droht sich der Redakteur Schmitz da nicht zu verstricken in dem seltsamen Versuch, einen brauchbaren Artikel zu schreiben? Aber unter dem Motto "Hauptsache, rechts" kauft die Leserschaft ihm das gerne ab. Wie wir auch hier im Thread feststellen. Am Ende dann:
Studie: „Rechtsradikaler Populismus ist das Hauptproblem“
Aha, okay:
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/19401612241311886#fig1-19401612241311886Ich sehe ein Mal da drüber und direkt mal Grafik 1, Klassiker: Trendlinie nach Gusto der Autoren quer durch die weite gesplatterten Datenpunkte gezogen wie ein Bahngleis. Grafik 2 scheint mir auch schon auf den ersten Blick mehr Rauschen als Signal abzubilden. Mangels Interesse an Thema und aus Zeitmangel die Studie mal schnell vom Kollegen Perplexity Pro checken lassen. Das Ergebnis im
Spoiler
Kritische Bewertung der Studie
Methodische Stärken:
Großer Datensatz (32M Tweets, 8.198 Parlamentarier, 26 Länder, 2017-2022)
Multilevel-Analyse mit Kontrolle für Länderheterogenität
Die Autoren benennen einige Limitationen transparent
Kritische methodische Punkte:
1. Diskrepanz zwischen Visualisierung und Interpretation (Grafik 1):
Die Autoren selbst konstatieren: "Figure 1 shows a weak relationship between populism and factual scores, with great variability in factuality scores for parties that exhibit high levels of populism" (Törnberg & Chueri, 2025). Die visuelle Darstellung zeigt:
Erhebliche Streuung der Datenpunkte, besonders im Populismus-Panel
Zahlreiche hochpopulistische Parteien mit hohen Factuality Scores (im neutralen bis positiven Bereich)
Die Trendlinien suggerieren möglicherweise stärkere Zusammenhänge als die Punktwolke rechtfertigt
Fehlende Angabe: R²-Werte werden nicht berichtet, was die Beurteilung der Modellgüte erschwert
2. Operationalisierung von "Misinformation":
Die Studie verwendet MediaBiasFactCheck (MBFC) als primäre Quelle zur Bewertung der Faktentreue
MBFC ist in der wissenschaftlichen Literatur umstritten - die Bewertungen erfolgen durch ein kleines Team ohne vollständig transparente Methodik
Die Studie misst nicht direkt Falschinformationen in Tweet-Texten, sondern nur geteilte URLs zu als "low factuality" eingestuften Quellen
Dies ist eine indirekte Messung mit potentiellen Verzerrungen
3. Interpretation der Boxplots (Figur 2):
Die Boxplots zeigen erhebliche Überlappungen der Interquartilbereiche zwischen den Parteifamilien:
Die Variabilität innerhalb jeder Parteifamilie erscheint größer als die Unterschiede zwischen den Parteifamilien
Der Gesamtwertebereich der adjustierten Scores beträgt nur etwa 0,20 Punkte
Minimale Median-Unterschiede werden als distinkte Gruppenunterschiede interpretiert
Frage der praktischen vs. statistischen Signifikanz: Bei großen Stichproben werden auch sehr kleine Effekte statistisch signifikant
4. Kontextuelle Faktoren:
Der Untersuchungszeitraum (2017-2022) umfasst die COVID-19-Pandemie, die für erhebliche Unsicherheit auch in etablierten Medien sorgte und die politische Kommunikation stark beeinflusste
Dies wird nur knapp erwähnt, könnte aber die Ergebnisse substantiell beeinflussen ...Spoiler Ende, der Rest offen:
Schlussfolgerung:
Die Studie liefert interessante Deskriptivbefunde, aber die Interpretation geht an mehreren Stellen über die Datenlage hinaus. Die visuelle Evidenz (insbesondere die starke Streuung in Grafik 1) steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den weitreichenden Schlussfolgerungen. Die zentrale These, dass Misinformation primär ein Phänomen des radikalen Rechtspopulismus sei, wird durch die präsentierten Grafiken nur bedingt gestützt - die Heterogenität innerhalb der politischen Lager erscheint größer als die Unterschiede zwischen ihnen.
Für eine fundierte Einordnung wären zusätzliche Angaben wünschenswert (R²-Werte, Konfidenzintervalle in den Boxplots, Robustheitschecks mit alternativen Factuality-Datenbanken).
Quelle: Perplexity Pro
Zurück zum Anfang: Habe ich da was übersehen oder ist es vielleicht mindestens der Autor Schmitz selbst, der in seinem Medien versucht, zu manipulieren - bzw. könnte oder müsste er, sollte das so sein, die Leute in seiner eigenen Bubble gar nicht noch weiter manipulieren? Sie wollen ja nur Bestätigung. Wie diese kleine Debatte hier möglicherweise bestätigt, ist alles in Butter: Reichelt macht sein Ding, Schmitz macht sein Ding. Die Bubbles liken. Läuft!
:Y: