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Der Fall Gustl Mollath

2.838 Beiträge, Schlüsselwörter: Betrug, Bayern, Psychiatrie, Psiram, Staatsanwaltschaft, Beate Merk, Gustl Mollath
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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 12:46
@emz
Danke!

Die Entwicklungen von heute:

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Psychiater-Mollath-ist-nicht-mehr-gefaehrlich-id30763407.html


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 12:54
So so, Mollath ist "nicht mehr" allgemeingefährlich. Dann haben wir es mit einem Fall erfolgreicher Selbsttherapie zu tun, da er ja während seines Zwangsaufenthaltes in der Psychiatrie jede Therapie und jede Medikamenteneinnahme verweigert hat.
Die Zeit heilt alles...könnte natürlich auch sein, dass er nie gefährlich war, und sämtliche Gutachten nur Schrott waren.


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 13:15
Kann aber auch gut sein, dass die jetzige Meinung Schrott ist und er noch immer gemeingefährlich. ;)
Ernsthaft: Mollath war damals schon in einer Ausnahmesituation, er hatte sein Bestes verloren, nämlich das Geld seiner damaligen Frau.

Frau weg, Geld weg, da tickt man eher aus als Jahre danach. Obwohl so ganz verarbeitet scheint er das ja noch nicht zu haben wenn man ihn gerade so beobachtet hat.


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 13:21
@poipoi

also mit ferndiagnosen wäre ich doch ein wenig zurückhaltender. vor allem dann, wenn man kein fachmann ist ;)


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 13:22
@DoctorWho

Wo siehst Du jetzt bei mir eine Diagnose? Ich zweifle doch eher? :D

Dass er erst richtig ungemütlich wurde nachdem ihn seine Frau verlassen hatte ist doch Fakt ;)


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 13:23
@Frau.N.Zimmer

jepp, in der tat. konnte das nur nicht mehr so schnell editieren ...

edit: aber jetzt ;)


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 13:31
@DoctorWho

Passt schon :) Ich dachte nur grad selbst, ich hätte mir da was angewöhnt :D Ich halte nämlich auch nichts von laienhaften Ferndiagnosen.


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 14:24
@poipoi

Bekomme den link zur Augsburger nicht auf, deshalb weiß ich nicht, was dort zur zwischenzeitlichen "Heilung" von G.M. steht. Vielleicht könnte man das mal auszugsweise hier einstellen.

So wie der BR es schildert, ist Mollath aber nicht allzu glücklich über das Gutachten.
http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/mollath-wiederaufnahmeverfahren-regensburg-tag-13-102.html


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Diawen
ehemaliges Mitglied

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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 14:45
@emz
Stand: 25.07.2014
Mollath nicht gefährlich und voll schuldfähig

Ohne Untersuchung bleibt es zwar eine Hypothese. Trotzdem: Norbert Nedopil, der psychiatrische Gutachter, der Mollath während des Prozesses beobachtet hat, hält Mollath aktuell für nicht mehr gefährlich und voll schuldfähig.

Gustl Mollath ist laut Einschätzung des psychiatrischen Gutachers Norbert Nedopil nicht mehr gefährlich für die Allgemeinheit. Mollath hatte sich geweigert mit Nedopil zu sprechen. Sein Gutachten entstand deswegen mit Hilfe der vorliegenden Akten und aufgrund seiner Beobachtungen während des Wiederaufnahmeprozesses.

Professor Norbert Nedopil:
"Eine psychische Störung ist nicht nachweisbar."

Der Angeklagte habe außer den vorgeworfenen Taten keinerlei wahnhafte Handlungen gezeigt. Demnach ist Gustl Mollath auch voll schuldfähig. Die Annahme einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit sei nicht zu belegen, sagte der Gutachter. Er glaube nicht, dass die Reifenstechereien auf einen Wahn zurückzuführen seien. "Er hat ja eine berechtigte Wut gehabt", sagte Nedopil.

Nicht gefährlich, aber krank

Trotzdem hält der Gutachter Mollath für psychisch krank. Er betonte aber, dass diese Diagnose als Hypothese behandelt werden müsse, weil er ihn ja nicht habe psychiatrisch untersuchen können. Unter welcher psychischen Störung er genau leide, bleibt allerdings offen. Es gebe nachvollziehbare Gründe, die Diagnose einer "wahnhaften Störung" zu stellen, so Nedopil.

Keine gesicherte Diagnose

Mollaths Persönlichkeit enthalte jene Anteile, die sich in einer Belastungssituation zu einer wahnhaften Störung entwickeln könnten. So hätten seine Überzeugungen zwar einen realen Kern, stimmten mit der Realität aber nicht überein. Dafür gebe es mehrere Beispiele, die auch im Wiederaufnahmeverfahren zur Sprache gekommen waren.

Zum Beispiel sei es nicht zwangsläufig der Fall, dass ein Arzt im Sinne einer Bank begutachte, nur weil er ein Konto bei der Bank habe. Mollath sei aber für andere Erklärungsmodelle nicht mehr zugänglich, so Nedopil. Um eine gesicherte Diagnose erstellen zu können, müsste er bei einer Untersuchung klären, ob Mollath in der Lage sei, sein geschlossenes System zu verlassen.

Mollath "konsequent" oder "stur"

Der Gutachter schilderte mehrere Merkmale von Mollaths Persönlichkeit, die er auch in der Verhandlung beobachtet habe und die das bestätigten, was frühere Gutachter über Mollath festgestellt haben. So überschätze Mollath sich selbst, sei wenig flexibel und egozentrisch. Er könne zwar vorübergehend kompromissbereit sein, sei aber bei seinen Vorstellungen unnachgiebig. Das habe man im Konflikt mit seinen zahlreichen Verteidigern beobachten können. Dieses Verhalten könne man im positiven Sinne als konsequent oder beharrlich bezeichnen, im negativen Sinne aber eben auch als stur. Mollath nahm das Gutachten empört zur Kenntnis.

Gustl Mollath:
"Das war genau so, wie ich es erwartet habe: Ein Spagat, damit Kollegen geschützt bleiben und damit die Institutionen wie Gericht und Staatsanwaltschaft nicht schlecht dabei wegkommen. Das ist natürlich alles zu meinen Lasten."
Auszug aus: http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/mollath-wiederaufnahmeverfahren-regensburg-tag-13-102.html


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 15:17
Kann bitte jemand diesen Text auszugsweise einstellen?

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Psychiater-Mollath-ist-nicht-mehr-gefaehrlich-id30763407.html


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 15:21
emz schrieb:Kann bitte jemand diesen Text auszugsweise einstellen?

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Psychiater-Mollath-ist-nicht-mehr-gefaehrlich-id30763407.html
Aber gern doch @emz :)
Gustl Mollath ist laut Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters nicht mehr gefährlich für die Allgemeinheit. Eine erneute Zwangseinweisung in die Psychiatrie hält Professor Norbert Nedopil für nicht angemessen. «Eine psychische Störung ist nicht nachweisbar», betonte der forensische Experte aus München am Freitag vor dem Landgericht Regensburg. Der Angeklagte habe außer den vorgeworfenen Taten keinerlei wahnhafte Handlungen gezeigt. Demnach sei Mollath auch voll schuldfähig, die Bewertung obliege jedoch dem Gericht.

Der 57 Jahre alte Mollath muss sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Er soll 2001 seine damalige Ehefrau körperlich misshandelt und eingesperrt haben. Zudem soll er Dutzende Autoreifen zerstochen haben. Laut Anklage hat Mollath sich an Menschen rächen wollen, die an dem Scheidungsstreit mit seiner Frau beteiligt waren oder sich sonst gegen ihn gewandt hätten.

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Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Mollath 2006 von den Vorwürfen wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, ihn aber in die Psychiatrie eingewiesen. Der Fall hatte eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken ausgelöst.

Der vom Regensburger Gericht für das Wiederaufnahmeverfahren bestellte Experte erläuterte zudem, dass der von seinen Kollegen formulierte Verdacht einer wahnhaften Störung damals nicht abwegig gewesen sei. Es hätte aber weitere Untersuchungen geben müssen, betonte Nedopil. Er konnte sich nur auf die Akten und die Eindrücke in dem Prozess stützen, da Mollath die Zusammenarbeit verweigert.

Nedopil schätzte den Angeklagten als kompromisslos, penetrant, rigide und misstrauisch ein. Zudem sah er Zeichen von mangelnder Flexibilität, Rechthaberei und Selbstüberschätzung. Dies seien zwar Faktoren, aus denen sich eine Persönlichkeitsstörung entwickeln könnte. Für eine solche Diagnose sei jedoch eine umfangreiche Begutachtung unter Mithilfe Mollaths nötig.

Die Verteidigung bewerte das Gutachten als den Versuch, jeder Seite gerecht zu werden. «Das wird es aber nicht, vor allem nicht Gustl Mollath», sagte Rechtsanwalt Gerhard Strate. Die Expertise werde nur der Zunft der Psychiater gerecht, die nicht kritisch beurteilt werde.

Auch Mollath selbst ist nicht zufrieden. Er glaube, dass der Experte «lediglich seine Kollegen schützen will». Das Bild, dass Gutachter Nedopil von ihm zeichne, sei hauptsächlich von Aussagen seiner Ex-Frau und deren Umfeld geprägt
...
Psychiater: Mollath ist nicht mehr gefährlich - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Psychiater-Mollath-ist-nicht-mehr-gefaehrlich-id30763407.html
Gruß, Dumas


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 15:31
@Dumas
Besten Dank.

Da scheint die Augsburger vom br nicht abzuweichen. Von einer Heilung ist dort auch nicht die Rede.


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 15:36
emz schrieb:Besten Dank.
Gern :)
emz schrieb:Da scheint die Augsburger vom br nicht abzuweichen. Von einer Heilung ist dort auch nicht die Rede.
Stimmt. Ich hab eh meine Meinung zur sogenannten "Heilung". Diese äußer ich aber nicht, sonst heißts wieder: "Was?Du stellt die Meinung der Gutachter in Frage?" :D

Gruß, Dumas


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 16:31
Noch detailierter aus dem Blog der Mittelbayerischen Zeitung:

http://www.live.mittelbayerische.de/Event/Der_Fall_Mollath

25.07.2014, 10:40
Tag 13: Um ihn entbrannte am ersten Tag ein Konflikt: Der Angeklagte Gustl Mollath wollte während des Prozesses unter seinen Augen nicht aussagen. Professor Dr. Norbert Nedopil, Universitätsprofessor für forensische Psychiatrie aus München, sollte den Saal verlassen. Doch er blieb - und nun will die Kammer seine Einschätzung hören.

Nedopil beginnt mit Vorbemerkungen - mehrfach seien Personen an ihn herangetreten, hätten ihn mit rechtlichen und ethischen Fragen konfrontiert. Er habe für sein Gutachten 6000 Seiten gelesen, aber eine Begutachtung hat nicht stattgefunden. Die hat Mollath auch verweigert. Das führe dazu: Der Erkenntnisgewinn ist begrenzt, das führe zu Widersprüchen und Unsicherheiten. Je weniger Quellen er habe, desto mehr Zweifel bleiben. Diese würden dann noch größer, wenn Quellen widersprüchlich sind. Bei Zweifeln gebe es unterschiedliche Regeln: Im klinischen Sinne gilt dann, eine Verdachtsdiagnose so lange aufrecht zu erhalten, bis belegt werden kann, dass die Diagnose falsch ist. Das sei auch im forensischen Bereich so: Ein Patient kann erst entlassen werden, wenn keine Zweifel geblieben sind. "Zweifel sind vom forensischen Psychiater offen zu legen."

Im ersten Verfahren stand Mollath mit dem Rücken zur Wand: Die Richter wollten über häusliche Gewalt sprechen, Mollath wollte über Bankgeschäfte, über Existenzielles, sprechen. Man redete aneinander vorbei, das ziehe sich durch den gesamten Fall. Positiv könnte man das beharrlich, unbeugsam, detailverliebt bezeichnen, negativ als "stur".

In der derzeitigen Hauptverhandlung werde ihm anders als damals viel Raum gegeben. Das alles lässt heute ein anderes Verhalten erwarten als 2006. Das habe gestern schon Dr. Simmerl bestätigt.

Nedopil: "Wenn man das, was ich über Herrn Mollath weiß, zusammenfasst, ist es herzlich wenig." Aber der Duraplusordner, Mollaths gesammelte Schriftstücke, ermöglichten Nedopil eine gewisse Einschätzung. Nedopil zeichnet zunächst seine Biografie nach, vom Tod seines Vaters, der Krebserkrankung seiner Mutter etc. Ein Zivilverfahren endete Ende der 90er zu seinem Nachteil: Mollath schrieb, das sei "ein Anschlag des Rechtsstaats auf ihn" gewesen - von dem er sich nie wieder erholt habe.

In den Akten habe er Auffälligkeiten bemerkt: Das dunkle Zimmer, in dem er angeblich lebte, die von ihm überschätzten Montagsdemos, das Nachspionieren, das Misstrauen - aber all das lasse noch keine Rückschlüsse auf eine psychiatrische Erkrankung zu. Entscheidend sei nicht, ob er Geldverschiebungen behauptete, ob es diese Geldverschiebungsmachenschaften und deren Vertuschung gegeben habe, sondern ob er für Erklärungsversuche nicht mehr zugänglich war.
Rückblickend kann man nicht sagen, ob seine Frau eine Intrige gesponnen hat oder tatsächlich Angst vor Mollath hatte. Auch weil zwischen angezeigten Taten und Anzeige eine große Lücke klaffe.

Mollath sah sich als besonders rechtschaffenen Menschen, der rigide und übernachhaltig, das was er unter Gerechtigkeit verstehe, verfolgte. Zwischen den Zeilen werde Mollaths Selbstüberschätzung erkennbar: "Der größte Schwarzgeldskandal aller Zeiten." Oder dass vier Blätter, die er schrieb, die größte Friedensdemonstration ausgelöst hätten.

Seine mangelnde Flexibilität zeigte sich auch hier in der Verhandlung - dazu führt Nedopil Mollaths Geschichte mit Verteidigern aus, die nicht in seinem Sinne agiert hätten. Auch in diesem Verfahren haben seine Verteidiger das Mandat niedergelegt. Nedopil: "Diese Diagnose ( Persönlichkeitsstörung) muss für den damaligen Zustand als Hypothese angenommen werden."

Nedopil führt aus, dass in keinem der vorherigen Gutachten dargelegt wurde, wie die Reifenstechereien mit einem Wahn begründet werden könnten. Doch von alle Gutachtern wurden auffällige Persönlichkeitsmerkmale (Rigidität, Selbstüberschätzung, Übernachhaltigkeit, egozentrische Sichtweise) diagnostiziert, die er hier auch gesehen habe. Eine Störung zu diagnostizieren sei aber nicht ohne weitergehende Untersuchung möglich. Eine Persönlichkeitsstörung sei aus seiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu begründen, aber auch nicht auszuschließen. Die Ausnahmesituation (Ehestreit) könne zwar zu einer Persönlichkeitsstörung geführt haben: Mollath habe seine eigene politische Wirksamkeit so dargestellt, dass sie nicht der Realität entsprach, die Diagnose einer wahnhaften Störung, ausgehend von den Jahren 2004/05, sei als Hypothese zulässig. Am Ende aber bleibe die Unsicherheit. Eine verminderte Steuerungsfähigkeit könne ebenfalls nicht mit Sicherheit ausgeschlossen, aber keinesfalls positiv angenommen werden. Eine begründete Gefährlichkeit könne nicht nachgewiesen werden, daher sei die Voraussetzung einer Unterbringung nach Paragraf 63 (verminderte Schuldfähigkeit) nicht anzunehmen.
25.07.2014, 10:42
Nach Nedopils Ausführungen ist Pause; Mollaths Verteidiger Strate beantragte zuvor, die Vernehmung des Sachverständigen auf Montag zu vertagen, um in Ruhe das Gutachten prüfen zu können. Die Staatsanwaltschaft lehnte das ab.
25.07.2014, 12:49
Nach der langen Pause fragt die Kammer nach - zu vieles schneit noch unklar. Nedopil berichtet, dass es zwei Diagnosen über Mollath in den Gutachten zuvor gab: Eine Persönlichkeitsstörung und die wahnhafte Störung. Letztere führe zu einer Realitätsverkennung. Sie kann dazu führen, dass man Dinge macht, die zwar gegen das Gesetz verstoßen, aber man davon überzeugt ist, das Richtige zu tun. Nedopil könne nicht ausschließen, dass eine Persönlichkeitsstörung vorliegt und dass eine wahnhafte Störung vorgelegen haben könnte - zum Zeitpunkt der Ehekrise. Zum Zeitpunkt der anderen Vorwürfe eher nicht. Wenn man von Angaben der Ehefrau ausgeht, kann eine verminderte Steuerungsfähigkeit vorgelegen haben.

Mollaths Geschichte habe zwei reale Kerne: Seine Frau sei an die Justiz herangetreten, wann man ihren Mann endlich unterbringe. Und: Wenn Mollath an die Öffentlichkeit gehe, hat das Konsequenzen für die Bank. Letzteres hätten die Gutachter damals aber nicht gewusst.

Aus seiner Überzeugung beruhe Mollaths Handeln auf so vielen realen Hintergründen, das ein Wahn daher kaum angenommen werden könne. Eine Wahrscheinlichkeit sei da, aber bei weitem nicht belegbar.

Meindl verweist auf die Vorbehalte des Angeklagte gegenüber Zeugen, die er immer wieder nach Kontakte zu Martin M. oder nach ihrem Geburtsnamen fragte, um sie mit Schwarzgeldkonten in Verbindung zu bringen: "Ist ein Rückschluss dahingehend zu ziehen, dass die Gedankenwelt, die Privatrealität, auch heute im Jahr 2014, zumindest gestört ist?" - Nedopil: "Es ist sicher so, dass er übermäßig misstrauisch ist, Zusammenhänge zu finden. (...) Gegen den Wahn spricht, (...), dass er sich damit (den Antworten der Zeugen) zufrieden gegeben hat."

Mollaths Pflichtverteidiger Gerhard Strate bohrt nach. Dass er sein Mandat niedergelegt hat, sprach Nedopil auch in seinem Gutachten an: "Wissen Sie wie lange ich das Mandat für Herrn Mollath schon habe?" Strate hält ihm etwas aus Blatt 88 seines Gutachtens vor, er will wissen wofür das Wort "vorübergehend" steht. "Was meinen Sie damit?"
Nedopil: "Ich meine damit das Auseinanderdriften mit Rechtsverteidigern, dass eine vorübergehende Kompromissbereitschaft zwar da war, er irgendwann dazu aber nicht mehr bereit war. " - Strates Stimme wird lauter: "Sie wissen nichts über die anderen Mandatsverhältnisse, der einzige, den wir gehört haben, war Rechtsanwalt D. (Mollaths Pflichtverteidiger)."

Später hält ihm Strate Passagen aus der Vernehmung Dr. Wörthmüllers bei der Staatsanwaltschaft vor. Wörthmüller hatte sich damals für befangen erklärt, als er Molalth begutachten sollte. Nedopil zieht ihn immer wieder als Beispiel in seinem Gutachten heran, um Mollaths Hang zu Übertreibungen zu untermauern. - Nedopil: "Ich bleibe dabei, die Einschätzung der Staatsanwaltschaft überzeugt mich nicht." Meindl: "Ich bin ja auch kein Psychiater."

Haben die Psychiater, die hier tätig waren, haben die irgendwas falsch gemacht? "Ich glaube ich habe genügend Ausführungen zu meiner Einschätzung gemacht, und da wo ich nicht mit ihnen übereinstimme, habe ich das deutlich gemacht. (...) Wenn dann die Tatschen, auf denen er sein Gutachten stützt, nicht ausreichend sind, muss er das sagen." Das sei nicht immer passiert. Der gerichtliche Sachverständige müsse aussagen.

Mollath: Glauben Sie, es wäre notwendig, dass ein Proband Vertrauen zu seinem Gutachter haben muss?" - Zeuge: "Das ist nicht zwingend erforderlich. (...) Demjenigen, den ich untersuche, bin ich eine gewissen Rechenschaft schuldig. Er soll nicht mit leeren Händen da rausgehen."
Mollath hält ihm, wie schon am ersten Tag, Aussagen vor, mit denen Nedopil im SZ-Magazin und in den Nürnberger Nachrichten zitiert wird. Unter anderem sagte der Psychiater: "Ich selbst würde so eine Prozedur übrigens nie über mich ergehen lassen" und "Gutachter liegen mit Prognosen meist daneben".

Nedopil sagt, im Nachhinein sei er dafür auch von Kollegen kritisiert worden, er könne sich jetzt unter bestimmten Umständen vorstellen, sich begutachten zu lassen. Er sei als Sachverständiger weder Freund noch Feind des Menschen, den er zu begutachten hat, sondern er müsse "fair" sein, auch damit er am nächsten Tag in den Spiegel schauen könne.
Er könne nicht nachvollziehen, wie Mollath sagen könne, "zu dem gehe ich nicht." Früher habe er diese Aussagen benutzt, um von ihm das Bild eines kritischen Vertreters seiner Zunft zu zeigen. Wenn man sich zu Unrecht in der Forensik untergebracht sieht, gebe es doch keinen anderen Menschen, der einen da wieder rausholen könne, als einen, der eine bessere oder gleichwertige Kompetenz hat als derjenige, der einen dort reingebracht hat. "Aus ihrer Sicht hätte ich mich begutachten lassen."

Immer wieder stellt Mollath Fragen, die Nedopil kaum beantworten kann. Der Angeklagte hält Nedopil minutenlang Aussagen von Richtern und Verteidigern vor. Er spricht, um vieles klar zu stellen - vor allem warum er seine Verteidiger so häufig gewechselt hat. Mit der Anklage hat das aber nicht viel zu tun. Daher muss Escher eingreifen: "So geht das nicht weiter". Sie habe zwar Verständnis, aber entweder berate sich Mollath mit seinen Verteidigern oder er beende seine Vernehmung.

Mollath: "Für jemanden wie mich ist es generell schwierig, in so einem Verfahren zu bestehen." Später sagt er: "Ich gebe da auf. Herr Nedopil hat falsche Eindrücke von mir gewonnen. Ich könnte sie ausräumen, ich kann sie hier aber nicht richtig stellen. Das ist mir hier nicht möglich." Einer seiner Unterstützer klatscht.

Danach wird die Verhandlung bis Montag 9 Uhr unterbrochen.


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 16:42
jaska schrieb:Noch detailierter aus dem Blog der Mittelbayerischen Zeitung:

http://www.live.mittelbayerische.de/Event/Der_Fall_Mollath
Danke Jaska :)

Zeigt mir einfach wieder mal mehr, dass Herr Mollath was an der Birne hat. Soll nicht heißen, dass ich es befürworte, wie damals mit ihm umgegangen ist (Einweisung usw.), aber sooooo ein Unschuldslamm, wie ihn die Befürworter darstellen, ist er wahrlich nicht. Mit dem stimmt was nicht...

Gruß, Dumas


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 18:06
Danke @jaska fürs Einstellen


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 18:39
Ich bekomme wieder verstärkt den Eindruck, dass dieser ganze Psychokrempel eine Pseudowissenschaft ist.


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 18:47
@poipoi

jo, wahrscheinlich hätte man dich als Gutachter bestellen sollen. Dann wüssten wir jetzt schwarz auf weiß welche Macke Mollath hat.


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Der Fall Gustl Mollath

25.07.2014 um 19:00
@poipoi

Da hast du vollkommen Recht. Allein schon das Medizinstudium, dass so ein Psychiater abgeschlossen hat, nix weiter als eine Pseudowissenschaft.


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