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Doppelmord Babenhausen

24.063 Beiträge, Schlüsselwörter: Mord, 2009, Nachbar, Toll, Doppelmord Babenhausen, Schalldämpfer, Darsow

Doppelmord Babenhausen

10.07.2020 um 17:12
Ray.
schrieb:
Das was du schreibst ist die Theorie. Übersetzt heißt es aber, dass wenn das Gutachten negativ ausfällt dann wird man nicht entlassen. Fällt es positiv dann stehen die Chancen mehr als gut.
Damit behauptest Du, das Gesetz ist letztlich nur Lyrik. Alles Schmäh. Die Entscheidung wird auf die Gutachter abgewälzt. Und die Gutachter revanchieren sich, indem sie keine Prognosen machen, sondern letztlich von Konjunktiven und Wahrscheinlichkeiten faseln, deren Wert(-losigkiet) sich schon für Jedermann daraus ergibt, dass man niemanden ins Hirn sehen kann. Und wenn der böse auf Bewährung entlassene Gewalttäter wieder über ein Kind herfällt, dann muss einer schuld sein - aber kein will es gewesen sein.

Diese Verachtung für die Rationalität unseres Rechtssystems und die krankhafte Suche nach Fehlern und Schuldigen scheint heute populärer Irrglaube zu sein. Nicht nur weil heute in Fragen Sicherheit nicht mehr akzeptiert wird, dass komplexe Vorgänge nicht so easy durch Mausklick, Checkliste oder Handy-App lösbar sind. Und es selbstverständlich in einer freiheitlichen Gesellschaft einen Bereich des Nichtwissens, des sozialen Risikos gibt (in den 1980er Jahren war der Begriff "Risikogesellschaft" noch populär) und 100%ige Sicherheit nur um den Preis der Unfreiheit zu haben ist.

Sondern auch weil vereinfachende Medienberichte und Nachrichtenhäppchen unreflektiert hingenommen und die dahinter stehenden Interessenkonflikte und Wertungsfragen nicht hinterfragt werden.

Herr Darsow wird deshalb nach 15 Jahren nicht das Licht der Freiheit erblicken. Nicht weil er nicht mehr gefährlich wäre (das Gutachten dürfte da positiv ausfallen), sondern weil die besondere Schwere der Schuld es noch nicht zulässt, jemanden nach der Mindestverbüßungszeit wieder frei zu lassen. Die 2 Toten und die Schwerverletzte und bis heute Gezeichnete lassen derlei in der Gesamtschau noch nicht zu. Die das zuständige Gericht vornimmt, kein Gutachter. Anderes würde aber z.B. zum Tragen kommen, wenn Herr Darsow z.B. schwer erkrankt wäre und nicht mehr lange zu leben hätte. Dann würde man ihm die letzten Jahre in Freiheit zugestehen. Das ist aber immer eine individuelle Entscheidung.

Ob der die Tat bestreitet oder nicht dürfte im Übrigen nur mittelbar, bei der Frage der Gefährlichkeit, eine Rolle spielen. Die Tat zu bestreiten ist das vornehmste Recht des Angeklagten und Verurteilten. Es wäre unzulässig, ihn alleine deswegen 5 Jahre extra zu geben. Weder im Urteil noch im Strafvollzug (ne bis in idem se ipsum accusare).


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10.07.2020 um 17:14
Jamegumb
schrieb:
Ich kenne auch keinen vergleichbaren Fall, wo ein Geräuschproblem so gelöst wurde.
Du vielleicht nicht. Aber es gibt eine ganze Reihe von Tötungsdelikten, bei denen Lärm und Nachbarschaft die Ursache waren.


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10.07.2020 um 17:33
monstra
schrieb:
Damit behauptest Du, das Gesetz ist letztlich nur Lyrik. Alles Schmäh. Die Entscheidung wird auf die Gutachter abgewälzt. Und die Gutachter revanchieren sich, indem sie keine Prognosen machen, sondern letztlich von Konjunktiven und Wahrscheinlichkeiten faseln, deren Wert(-losigkiet) sich schon für Jedermann daraus ergibt, dass man niemanden ins Hirn sehen kann. Und wenn der böse auf Bewährung entlassene Gewalttäter wieder über ein Kind herfällt, dann muss einer schuld sein - aber kein will es gewesen sein.
Richtig, aus meiner Sicht und Erfahrung heraus ist das so. Und ja auch die Verantwortung wird gerne gesucht, vor allem bei anderen. Warum sonst sollte man Täter die wie AD in der Haft therapiert werden von Gutachtern betrachten lassen die ihn nicht kennen? Ist für so etwas nicht eigentlich der Therapeut der Sotha, der den inhaftierten über Jahre begleitet besser geeignet? Ja auch der wird gefragt, ich weiß, ebenso die Beamten, die Therapeuten und gefühlt auch die Putzfrau. Viele Posten sagen ok oder nein. Die Sache mit der Verantwortung verteilt man eben gerne.


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10.07.2020 um 17:54
Ray.
schrieb:
Richtig, aus meiner Sicht und Erfahrung heraus ist das so.
Hast Du da Erfahrungen? Persönlich, beruflich, wissenschaftlich?
Ray.
schrieb:
Die Sache mit der Verantwortung verteilt man eben gerne.
Nein. Hier hat die Letztverantwortung immer ein unabhängiges Gericht mit drei Berufsrichtern. Die haben nicht nur eine entsprechende Ausbildung, die darauf getrimmt ist, verbindliche rechtliche Entscheidungen mit erheblicher Auswirkung zu treffen. Sondern die werden dafür auch verhältnismäßig gut bezahlt (R 1, R 2...), damit Unabhängigkeit kein leeres Wort ist.

Therapeuten, die den Patienten seit Jahren behandelt haben, werden nicht als Gutachter herangezogen, weil deren Aufgabe eine andere ist: Der Therapeut soll Behandlungserfolge erzielen. Der Gutachter einen Ist-Zustand beurteilen und eine Prognose treffen. Beide achten auf unterschiedliche Dinge. Der Therapeut ist häufig Psychologe, der Gutachter Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Das ist gut und vernünftig und bei anderen Professionen (Arzt, Ingenieur) ebenso. Der Gutachter wird aber den Therapeuten um eine Einschätzung bitten, wie sich der Patient in der Therapie entwickelt hat. Sein Gutachten macht er aber selbst. Natürlich gibt es da auch Fehler, von Mollath bis zum Fall in Münster, aber die vielen Fälle, in denen das System gut funktioniert, die sieht halt niemand. Dazu gibt es auch Statistiken usw., aber das weißt Du mit Deinen Erfahrungen sicherlich.


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10.07.2020 um 19:32
SomertonMan
schrieb:
Mollath, glaub ich, sollte auch in der Psychiatrie die Taten zugeben, damit man ihm entgegen kommt. Er hat es aber nicht gemacht, weil er es eben nicht war.
Mollath hat bereits jegliche Exploration verweigert. Da ging's halt nur nach Aktenlage.
Abgesehen von den zerstochenen Reifen, er hat seine Frau geschlagen, getreten, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und gebissen, nur konnte man eine Schuldunfähigkeit nicht ausschließen.


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10.07.2020 um 19:46
SomertonMan
schrieb:
Mollath, glaub ich, sollte auch in der Psychiatrie die Taten zugeben, damit man ihm entgegen kommt. Er hat es aber nicht gemacht, weil er es eben nicht war.
Irrtum, er hat die Taten begangen, wie das Landgericht Regensburg in der Wiederaufnahme festgestellt hat.


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10.07.2020 um 21:16
emz
schrieb:
Mollath hat bereits jegliche Exploration verweigert. Da ging's halt nur nach Aktenlage.
Abgesehen von den zerstochenen Reifen, er hat seine Frau geschlagen, getreten, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und gebissen, nur konnte man eine Schuldunfähigkeit nicht ausschließen.
Das ist aber eine arg komplexreduzierte Zusammenfassung der Sachlage. Die unter anderem auch weglässt, dass sein Frau die Atteste hat fälschen lassen. Und noch viel mehr dummes Zeug.

Wie dem auch sei, jemand "nach Aktenlage" auf Ewigkeit wegzusperren ist hanebüchener Unfug. Und der gesamte Kontext, in dem das passiert ist, ebenfalls.

Nur weil sich meinetwegen ein Herr D. völlig zu Unrecht auf diese tatsächlichen oder vermeintlichen Justizskandale beruft, wenn er über sich redet, muss man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

Vom Vorwurf der Körperverletzung ist er übrigens freigesprochen worden, der Herr Mollath. Sollte man auch nicht unter den Tisch fallen lassen.


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10.07.2020 um 21:19
@BoobSinclar
BoobSinclar
schrieb:
Die unter anderem auch weglässt, dass sein Frau die Atteste hat fälschen lassen
Das ist schlicht falsch und eigentlich auch ne Verleumdung.


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10.07.2020 um 21:22
Deus_ex_Machin
schrieb:
Irrtum, er hat die Taten begangen, wie das Landgericht Regensburg in der Wiederaufnahme festgestellt hat.
Aber nur diese (nach Aussage seiner Frau):
emz
schrieb:
er hat seine Frau geschlagen, getreten, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und gebissen
Die zerstochenen Reifen waren nicht nachweisbar.

Mollath ist nicht nur OT, sondern auch kein gutes Beispiel, weil es hier um die Schuldunfähigkeit und die Voraussetzungen des § 63 StGB ging. Im Fall Babenhausen diskutieren wir dagegen (nur), unter welchen Voraussetzungen Herr Darsow aus der Haft entlassen werden kann.


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10.07.2020 um 21:24
BoobSinclar
schrieb:
Das ist aber eine arg komplexreduzierte Zusammenfassung der Sachlage. Die unter anderem auch weglässt, dass sein Frau die Atteste hat fälschen lassen. Und noch viel mehr dummes Zeug.
Wenn etwas "dummes Zeugs" ist, dann, dass die Atteste gefälscht waren. Es ging um ein i.V. bei der Unterschrift, der Inhalt war nicht in Zweifel gezogen worden.
BoobSinclar
schrieb:
Vom Vorwurf der Körperverletzung ist er übrigens freigesprochen worden, der Herr Mollath. Sollte man auch nicht unter den Tisch fallen lassen.
Weil eine Schuldunfähigkeit nicht ausgeschlossen werden konnte. Aber unbestritten ist, dass er seine Frau misshandelt hat.


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10.07.2020 um 23:47
monstra
schrieb:
Hast Du da Erfahrungen?
Wie bereits erwähnt habe ich die.
monstra
schrieb:
Natürlich gibt es da auch Fehler, von Mollath bis zum Fall in Münster, aber die vielen Fälle, in denen das System gut funktioniert, die sieht halt niemand. Dazu gibt es auch Statistiken usw., aber das weißt Du mit Deinen Erfahrungen sicherlich.
Fehler passieren immer. Bei der Ermittlung, dem Urteil, im Vollzug genauso wie bei Gutachten usw.
Die Frage ist doch eher wie man damit umgeht.


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10.07.2020 um 23:54
RinTin
schrieb:
Sollte dann noch seine Familie so hinter ihm stehen, wie bisher, dann dürfte eine positive Entscheidung für ihn auch dann realistisch sein, wenn er bis dahin keine Reue gezeigt
Nun hast du zuvor die Schwierigkeiten und die fachlich ausgebildete Nähe der Mitarbeiter in der JVA, wie auch das Gewicht von Gutachern für eine Bewertung in der Sache zu recht herausgearbeitet, nun aber soll fachkundig ungesehen ein "Familie, die hinter ihm steht" als wertende Sozialprognose funktionieren?
Wer bitte in der Praxis (nahestehend und fachkundig) bewertet denn diese entscheidende Sozialprognose für eine positive Entscheidung in welcher Form? Tatsächlich aufgrund der uns öffentlich bekannte Informationen?


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Doppelmord Babenhausen

11.07.2020 um 00:06
Heribert
schrieb:
Aber, sein hellhöriges Haus ist noch immer das gleiche in Babenhausen. Was wenn ihn da wieder der Lärm „vom Nachbar stört“ und er mit Ohrschützer schlafen muss? Besteht Gefahr der Wiederholung?
Realistisch betrachtet: Unwahrscheinlich. Die Familie T. war hier tatsächlich ein besonderer seltener Umstand, der sich so wohl kaum wiederholen dürfte. Aber wie auch samstagabends zu hören - ohne Gewähr.


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11.07.2020 um 01:05
Jamegumb
schrieb:
Ich kenne auch keinen vergleichbaren Fall, wo ein Geräuschproblem so gelöst wurde.
Wegen Lärmbelästigung sind doch schon mal welche zum Mörder oder geworden oder stehen deswegen unter Verdacht, sollte man gar nicht annehmen.

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/kriminalitaet-mordmotiv-laermbelaestigung/765112.html

https://www.welt.de/regionales/bayern/article165267521/Fuenfjaehriger-wurde-erstochen-weil-er-zu-viel-Laerm-machte.html

https://www.focus.de/regional/hamburg/hamburg-erste-hinweise-zum-mord-motiv-musste-malin-m-wegen-renovierungs-laerm-ster...


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11.07.2020 um 02:15
Den Fall Mollath bitte im entsprechenden Thread weiter diskutieren.


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Doppelmord Babenhausen

11.07.2020 um 05:10
@Andante

Vielen Dank für die interessanten Links. Der Fall in Babenhausen behält durch die Anzahl der Opfer doch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Auch die Planung, die wenigstens Wochen vorher begann. Das fällt wohl weg, wenn Renovierungsarbeiten und der dadurch entstehende Lärm das Mordmotiv bilden.


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11.07.2020 um 07:53
AnNevis
schrieb:
Realistisch betrachtet: Unwahrscheinlich. Die Familie T. war hier tatsächlich ein besonderer seltener Umstand, der sich so wohl kaum wiederholen dürfte. Aber wie auch samstagabends zu hören - ohne Gewähr.
Nachbarschaft Streit sind furchtbar. Im kleinen wie im Großen.

„My Home is my castle“ und da gibt es wand an Wand Menschen die dich täglich nerven.

Meine Nachbarn haben Teenie Mädchen, manchmal laut, abends Musik, Geheule, Gezicke, Kerle die imponieren in der Nähe. Brauch ich das? No.

Aber so ist es. Ansonsten verstehen wir uns gut. Weil wir uns gut verstehen- akzeptiere ich das. Ist nicht jeden Abend. Sie leben halt, will/kann es nicht verbieten.

Wenn wir uns aber Nicht verstehen sollten- ja dann hätte ich ein Problem damit.

Meine Empfehlung: haltet Frieden mit Euren Nachbarn

Bei AD hätten evtl externe Berater o.ä. weiterhelfen können, Schlichter, Schiedsrichter.


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Tiho
ehemaliges Mitglied

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11.07.2020 um 14:26
Heribert
schrieb:
Nachbarschaft Streit sind furchtbar. Im kleinen wie im Großen.
Nun Streit hin oder her.

Wieso trampelt jmd um 4 uhr morgens mit den Müleimern
Und terrorisiert damit seine nachbarn?
War das nötig?

Oder brüllt die ganze Nacht...wen es denn so war. Dann ist das eine art folter durch Schlafentzug für die nachbarn.


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11.07.2020 um 14:56
Tiho
schrieb:
Oder brüllt die ganze Nacht
Im Angesicht der implizierten Frage
Tiho
schrieb:
War das nötig?
bei einer Autistin zu fragen, is schon echt ein bisschen dreist.


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11.07.2020 um 17:43
AnNevis
schrieb:
nun aber soll fachkundig ungesehen ein "Familie, die hinter ihm steht" als wertende Sozialprognose funktionieren?
Nicht als wertende, sondern als positive Sozialprognose.

Wenn ein stabiles familiäres Umfeld des Täters keine positive Sozialprognose zulässt, was denn bitte dann?

Man darf trotz der Art der Begehung der Tat, des Umstands, dass am Ende drei Menschen getötet werden sollten und der akribischen Tatplanung nicht vergessen, dass Andreas D. bis zu dem Zeitpunkt nie strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, er einen nahezu vorbildlichen Lebenslauf hingelgt hat und Vater von drei Kindern wurde. Er weiterhin eine unfassbar stabile Ehe führte und er ein vorbildlicher Mitarbeiter seines Arbeitgebers war.

Bei einem verurteilten Mörder wie Andreas D. ist die einschlägige Rückfallwahrscheinlichkeit praktisch null.


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