Tritonus schrieb:... dies [Wissen] dann konsequent weiter zurückzuhalten, muss schon einen besonderen Anlass haben.
Der besondere Anlass könnte in diesem Fall sein, dass die Polizei vor dem Täter verbergen will, wie wenig sie eigentlich weiß. Hier im Forum wird immer angenommen, dass die Polizei in diesem Fall eine riesige Menge an Information zurückhält, und dass sie das tut, um kein Täterwissen preiszugeben. Aber beide Annahmen sind nicht zwingend: Es kann gut sein, dass es gar nicht so viel zurückgehaltene Information gibt, und dass dies, wie schon angedeutet, vor dem Täter geheim gehalten werden soll, damit dieser in einer gewissen Unruhe bleibt und sich nicht entspannt zurücklehnen kann.
Die wesentlichen Informationen, die uns fehlen, sind ja wohl (nur) diese drei: 1. Woher weiß die Polizei, dass es ein Tötungsdelikt war und kein Suizid. 2. Was war die genaue Todesursache? 3. Was war das Tatwerkzeug bzw. Tatmittel? Ich kann mir gut vorstellen, dass die Polizei tatsächlich nur die Frage 1 beantworten kann. (Die muss sie ja schließlich beantworten können). Die Fragen 2 und 3 können aufgrund der langen Liegezeit der Leiche möglicherweise nicht zuverlässig beantwortet werden. Die Polizei konnte ja schließlich auch keine zuverlässigen Aussagen darüber treffen, ob sexuelle Handlungen an Frau Ameis vorgenommen wurden. Sie konnte keine Anzeichen dafür finden, aber es eben auch nicht ausschließen, weil die lange Liegezeit durchaus einschlägige Spuren vernichtet haben könnte.
Es ist klar, dass die Polizei bei den oben genannten Aspekten Information zurückhält. Allerdings sollten wir auch bedenken, was uns die Polizei schon alles verraten hat: Wir wissen z. B. vom Autoschlüssel und vom Geld, das bei der Leiche lag (obwohl das ja auch als Täterwissen betrachtet werden könnte). Wir wissen z. B. vom Abschleppseil, von der Milchflasche und vom Gepäck (auch alles potenzielles Täterwissen), Wir wissen vom mysteriösen Flugmodus - möglicherweise auch (brisantes) Täterwissen. Und wir wissen eine Menge über Frau Ameis und ihre Familie. Sicherlich würden viele von uns Foristen gerne noch mehr, gerade über die Familie, erfahren, aber da sind der Polizei durch die Persönlichkeitsrechte der Angehörigen (glücklicherweise) enge Grenzen gesetzt.
Zusammengefasst: Ich glaube, man kann nicht mit Gewissheit sagen, dass die Polizei viel Information zurückhält, und man kann noch weniger mit Gewissheit sagen, dass Täterwissen geschützt werden soll. Wenn das der Fall wäre, hätte die Polizei nicht bereits so viel potenzielles Täterwissen veröffentlicht. Ich glaube, man will den Täter im Unklaren lassen!