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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

11.847 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Wald, Entführung, München ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

19.02.2026 um 18:42
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb am 16.02.2026:Mich machen aber mehrere Dinge stutzig: nur, wenn man Tatwissen hat, weiß man, wo man "lügen" sollte und wo nicht. Sprich: nur wenn ich weiß, ein TG könnte/ hat eine Rolle gespielt, dann sage ich mal lieber was anderes.

Diese Prämisse setzt von vornherein voraus dass Mazureks umstrittene Angaben auf Täterwissen zurückzuführen ist doch genau das ist eben nicht erwiesen. Man kann davon ausgehen das ihm spätestens mit der Beschlagnahmung des Tonbandgerätes während der damaligen Hausdurchsuchung klar geworden sein muss das es eine entscheidende Rolle in dem Vorwurf spielt. Aus welcher Motivation heraus Mazurek hier falsche oder widersprüchliche Aussagen tätigt oder Angaben macht welche sich nicht bestätigen lassen kann man als Außenstehender schlecht beurteilen.

Zitat von EdgarHEdgarH schrieb am 16.02.2026:Gleiches beim aufgefundenen Fernglas am Tatort: WM - so steht es zumindest im Urteil- bestreitet ein Fernglas zu besitzen, während seine Frau das am Tatort gefundenen als dem ihres Mannes ähnlich bezeichnet. Als darauf hin das Fernglas von WM nicht in seiner Wohnung aufgefunden wird, sagt WM, er habe ein ganz anderes gehabt, das habe er aber verloren.

Der Teufel steckt oftmals im Detail und bei diesem Indiz hängt sich alles an dem Wort „ähnlich“ auf. Denn was genau bedeutet denn in diesem Fall „ähnlich“, da könnte man jetzt eine sehr lange Debatte darüber führen. Auf der anderen Seite hingegen gibt es nicht einen einzigen konkreten Beweis dafür dass das gefundene Fernglas im Weingarten tatsächlich Werner Mazurek zuzuordnen ist! Es gibt keine Fingerabdrücke, keine DNA oder sonstige Spuren was ihn damit in Verbindung bringen würde. Es existiert auch keine Fotografie oder Videoaufnahme jenes Fernglas welches Mazurek besessen haben soll noch sind Marke oder Fabrikat bekannt so das man mal hätte vergleichen können.

Zitat von EdgarHEdgarH schrieb am 16.02.2026:Gleiches Muster bei den Zeitungen: nur wer weiß aus welchen Schnipseln die Erpresserbriefe gemacht wurden, kann "lügen" und sagen, diese Zeitungen nicht zu lesen. Es gibt aber belastbare und sehr glaubwürdige Zeugen, die aussagen, die Zeitungen (Bild, AZ etc.), aus denen der Erpresserbrief gefertigt wurde, bei WM regelmäßig zuhause gesehen zu haben.

Es gibt auch hier keinerlei belastbaren Bezug weder von den Erpresserbriefen an sich noch den diversen Zeitungsschnipseln zu Mazurek. Niemand kann beweisen dass er diese Briefe hergestellt hat noch dass die ausgeschnittenen Wörter explizit von den Zeitungen stammen welche die Zeugen bei ihm gesehen haben wollen. Auch wurden daran keinerlei Fingerabdrücke oder DNA gefunden. Fraglich ist eben ab wann Mazurek wusste das Ausschnitte aus diesen Zeitungen verwendet wurden so das er meinte das Lesen ebendieser negieren zu müssen.

Zitat von EdgarHEdgarH schrieb am 16.02.2026:Genauso verhält es sich mit der Frage, ob WM sich im Weingarten auskenne. Er sagt nein, erst auf Vorhalt, dass es Zeugenaussagen gebe, die ihn dort öfter gesehen hätten, sagt er, er sei dort einmal zum Pilzesuchen gewesen.

Wobei hier zu klären wäre ob eine einmalige Pilzsuche, so Mazurek, ausreichend ist ihm zu unterstellen dass er sich im Weingarten ausgekannt haben müsse. Der Vorwurf der genauen Ortskenntnis muss doch auf mehr basieren als nur auf Zeugenaussagen die behaupten ihn dort gesehen zu haben.

Zitat von EdgarHEdgarH schrieb am 16.02.2026:Weiter bei der Frage Polizeifunk: WM bestreite, jemals Polizeifunk gehört zu haben, Zeugen sagen das Gegenteil.

Die entscheidende Frage bei diesem Indiz laut aber doch: Was soll damit konkret zum Ausdruck gebracht werden wenn man mal annimmt das Mazurek tatsächlich den Polizeifunk akribisch abgehört hat? Das suggeriert das er darauf bedacht gewesen sein könnte eventuelle Informationen zu diesem Fall abzuschöpfen und in Erfahrung zu bringen. Viel Sinn würde dies jedoch nicht machen da über den Polizeifunk keinerlei fallrelevanten Informationen oder gar Ermittlungsergebnisse verbreitet werden. Insofern fällt es schwer diesem Umstand als belastbar einzustufen zumal ja auch noch andere Gründe für das Abhören vorliegen können wenn Mazurek tatsächlich, wie er sagt, zufällig auf die Polizeifrequenz gestoßen ist.

Zitat von EdgarHEdgarH schrieb am 16.02.2026:Weiter: WM behauptet, die Opferfamilie nicht zu kenne, dabei wohnen sie nicht unweit und seine Frau putze dort sogar.

Wenn man sich jetzt mal an dem Wort „kennen“ aufhängt dann könnte man es rein theoretisch auch so interpretieren das Mazurek recht hat wenn er behauptet die Familie Herrmann nicht wirklich zu „kennen“ was im Umkehrschluss dann natürlich nicht bedeutet das ihm die Familie als solche unbekannt wäre. Hier müsste Mazurek sich selbst nochmal erklären wie es zu dieser Verneinung gekommen ist und welche Erklärung er dafür hat denn hier wirkt er doch sehr unglaubwürdig.

Zitat von EdgarHEdgarH schrieb am 16.02.2026:Fazit: alles keine "Hammerindizien", aber es fällt auf, dass WM alles tut, um nur jede mögliche Verbindung zum Fall zu negieren. Das ist in meinen Augen das, was es eben viel verdächtiger macht, als das bloße Indiz. Jedes Indiz wäre doch mit einer Allerweltsausrede erklärbar: er liest nun mal solche Zeitungen, sein Fernglas hat er bei seinen vielen Spaziergängen im Weingarten verloren, natürlich kennt er die Opferfamilie, weil seine Frau dort arbeitet etc. Ist er damit im Sinne der Indizien vollends entlastet? Nein, aber deren Gewicht würde noch marginaler. Er wählt aber den genau gegenteiligen Weg. Das stimmt mich schon nachdenklich.

Ja, das stimmt soweit erst einmal, das ist eine Auffälligkeit. Die andere ist die daraus resultierende Frage warum er das auf eine so auffällige Weise macht wohlwissen das ihn derlei Erklärungen und Begründungen nicht gerade glaubwürdig erscheinen lassen. Aber wiederum sind solcherlei Auffälligkeiten eben noch kein ausreichender Nachweis für Mazureks Schuldigkeit. Es mag einem verdächtig erscheinen, seltsam vorkommen aber letztendlich war’s das auch schon. Dieses erstmalige, pauschales, Abstreiten, generelle Verneinen von elementaren Sachverhalten ist nicht untypisch im Verhalten von Beschuldigten und hat etwas von Salami-Taktik indem man seine Aussagen der laufenden Entwicklung anpasst und stückchenweise das zugibt wenn es nicht mehr anders geht.

Wenn man mal miteinander vergleicht – die mangelhafte Glaubwürdigkeit von Mazureks Aussagen und Erklärungen auf der einen Seite und das widersprüchliche, zweifelhafte Geständnis eines bereits verstorben Zeugen dessen Wahrheitsgehalt nicht mehr geprüft werden kann sowie ein fragwürdiges Phonetik-Gutachten und einer ganzen Kette von eher unterstützenden Indizien ohne eigene Belastungstendenz & Co. auf der anderen Seite dann überwiegt doch eher letzteres und spricht somit für Mazurek.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

19.02.2026 um 20:01
Anfang der 80er Jahre gab es wohl in jedem Haushalt diverse Zeitungen. Mazurek macht auf mich nicht den Eindruck, das er Buchstaben aus Zeitungen ausschneiden würde, um daraus einen Erpresserbrief zusammenzubasteln. Schon klar, dass das nichts heißt.

Erstaunlich ist aber doch, dass der Mann, der einen guten Blick und Zugriff auf den Fall hat, nämlich Ursulas Bruder, Mazurek nicht für den Täter hält.
Auch erstaunlich ist, dass es in einem Cold Case nach Jahrzehnten ohne neue Spuren, vor allem ohne DNA-Spuren, zu einer Verurteilung gekommen ist.
Und erstaunlicherweise hat man den Verurteilten, der die Tat immer bestritten hat, schlussendlich vorzeitig aus der Haft entlassen.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

19.02.2026 um 21:50
Meiner Erfahrung nach gibt es drei Gruppen, die viele Tageszeitungen abonnierten, auch quer über die politischen Richtungen: alle mit viel Publikumsverkehr (Ärzte, Gastronomen etc), Lokalpolitiker und Unternehmer. Aber natürlich konnte sich die jeder an verschiedenen Orten zusammenkaufen, um weniger identifizierbar zu sein. Mazurek gehörte wohl keiner dieser drei Gruppen an. Die Jugendlichen aus dem Internat schon eher.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

20.02.2026 um 16:55
Aus meiner Sicht wird den Zeitungen, aus denen die Wörter des Erpresserbriefs stammen, eine zu große Bedeutung zugewiesen. Für mich sieht es nach dem Griff in einen Altpapierstapel aus.

Was mich allerdings überrascht, ist die Vielzahl der unterschiedlichen Zeitungen. Um den Erpresserbrief zu kleben, würde eine einzige Zeitung ausreichen. Das habe ich mit einer *.pdf Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (online Version) ausprobiert. Mit der Suchfunktion eines pdf-Anzeigeprogramms habe ich alle Wörter eines der Briefe in nur einer Ausgabe gefunden. Das ging natürlich zur Tatzeit noch nicht. Um ein bestimmtes Wort zu suchen, ist es aber unerheblich, ob man dafür nacheinander die Seiten einer Zeitung oder mehrerer Zeitungen durchblättert.

Aus der Vielzahl der praktisch verwendeten Zeitungen schließe ich, dass die Täter zu ungeduldig waren, um bei einer Zeitung zu bleiben. Oder dass mehrere Leute die Wörter in unabhängigen Zeitungen gesucht und ausgeschnitten haben.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

20.02.2026 um 18:55
Jetzt mal davon abgesehen das es überhaupt keinen faktischen Nachweis dafür gibt das Mazurek diese Erpresserbriefe angefertigt hat, keine Fingerabdrücke, keine DNA-Spuren, ergibt es auch von der puren Logik her wenig Sinn. Denn warum sollte er überhaupt so einen ellenlangen, umständlichen, Erpresserbrief anfertigen und dann auch noch mit solch grotesken Details gespickt wie die etwa dem gelben Fiat 600 oder der Geschwindigkeitsbegrenzung. Nicht zu vergessen auch diese ominösen Durchdruckspuren auf einem der Erpresserbriefe.

Das passt alles nicht zusammen und dieser total widersprüchliche Kontrast wird wieder einmal sehr deutlich. Auf der einen Seite hohe kriminelle Energie und Tatplanung was die Anfertigung der Kiste, Lochgraben, Verbringung der Kiste in den Weingarten, die Ausstattung usw. angeht und dann auf der anderen Seite dieser geradezu amateur- oder laienhafte schriftliche Erpressungsversuch gepaart mit Erpresseranrufen welche keinen Sinn ergeben. Diese vielen Logikbrüche ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Fall und machen diesen bis heute gleichermaßen schwierig wie ultramysteriös!


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

21.02.2026 um 00:45
@Mauser
Zunächst gebe ich dir natürlich vollkommen recht, es gibt keinen Beweis, dass WM der Täter gewesen ist. Es gibt keine DNA, keine Fingerspur und angesehen von dem umstrittenen TG auch keinen tatrelevanten Gegenstand im Besitz von WM.
Auch lassen die abgehörten Telefonate keinen eindeutigen Schluss zu, WM äußert sich hier zwar wie ich finde durchaus nicht besonders „geschickt“, denn seine Einlassungen lassen schon zu, dass man sie eher gegen als für ihn deuten kann. So sagt er in diesen Telefonaten, der Tod der UH sei „ein Betriebsunfall“ gewesen, er rätselt über Verjährungsfristen, erwähnt das TG, dass die Polizei sichergestellt habe (warum muss man fragen) usw. Also kurzum: da gibt es weitere Auffälligkeiten, die auch alle nichts zu 100% belegen, aber die irgendwie auch nicht einfach wegzuwischen sind- zumindest sehe ich das so.

Nun zu Deinen Ausführungen, die ich mit Interesse gelesen habe, danke dafür. Ich sage gleich vorab, dass ich mir das gut so vorstellen kann, wie du es ausführst. Dennoch möchte ich meine Gedanken äußern
Bzw. nochmal nachschärfen, weil nicht alles vielleicht klar dargestellt wurde von mir.
Zitat von MauserMauser schrieb:Diese Prämisse setzt von vornherein voraus dass Mazureks umstrittene Angaben auf Täterwissen zurückzuführen ist doch genau das ist eben nicht erwiesen
Da gebe ich dir Recht, man muss aufpassen, dass man keinen Zirkelschluss macht. Ich wollte damit ausdrücken: WMs Aussagen sind - neben anderen möglichen Erklärungen- dazu geeignet, dass die Motivation seiner Falschangaben auch im Täterwlssen liegen kann. Die Frage ist wieviel misst man diesem
Umstand bei oder sieht andere Gründe als wahrscheinlicher an für Falschaussagen.
Zitat von MauserMauser schrieb:Niemand kann beweisen dass er diese Briefe hergestellt hat noch dass die ausgeschnittenen Wörter explizit von den Zeitungen stammen welche die Zeugen bei ihm gesehen haben wollen.
Es ist richtig, dass keinen Beweis gibt. Aber es ist nachgewiesen, dass WM diese Zeitungen regelmäßig las- und zwar in dieser Kombination. Das alleine sagt nichts, aber es sagt mehr, wie wenn WM nachweislich immer nur Z.B. die SZ und den Spiegel gekauft hätte. Dann wäre zumindest an dieser Stelle keine nachweisbare Verbindung zwischen WM und genau diesen Zeitungstypen, aus denen die Briefe waren. So gibt es diese Verbindung- ganz egal, ob man ihr Tatrelevanz zumisst. Es steht fest, so dass Urteil, dass die ungewöhnliche Kombination an Zeitungen, die für die Briefe verwendet wurden, jene ist, die WM - zufällig oder nicht zufällig - regelmäßig liest.
Zitat von MauserMauser schrieb:Wenn man sich jetzt mal an dem Wort „kennen“ aufhängt dann könnte man es rein theoretisch auch so interpretieren das Mazurek recht hat wenn er behauptet die Familie Herrmann nicht wirklich zu „kennen“
Auch hier gebe ich Dir recht und auch wenn ich den Wortlaut der Einvernahme nicht kenne, denke ich, dass WM dabei klar gewesen sein müsste, wie diese Frage gemeint war. Ich gebe zu, dass das spekulativ von mir ist, aber ich halte es einfach für fernliegend, dass man in einer Einvernahme so antwortet. Naheliegender für
mich wäre- und übrigens auch völlig unverfänglich: „Nein, nicht persönlich, aber meine Frau, denn sie putzte dort.“
Zitat von MauserMauser schrieb:Wobei hier zu klären wäre ob eine einmalige Pilzsuche, so Mazurek, ausreichend ist ihm zu unterstellen dass er sich im Weingarten ausgekannt haben müsse. Der Vorwurf der genauen Ortskenntnis muss doch auf mehr basieren als nur auf Zeugenaussagen die behaupten ihn dort gesehen zu haben.
Es gibt mehrere Zeugenaussagen, die WM dort öfter gesehen haben wollen. Er selbst schränkte das erst nach Vorhalt auf gelegentliche/ einmalige (?) Pilzsuche ein. Ich suche die Stelle gerne noch mal aus dem Urteil, wie auch die anderen.
Zitat von MauserMauser schrieb:Die entscheidende Frage bei diesem Indiz laut aber doch: Was soll damit konkret zum Ausdruck gebracht werden wenn man mal annimmt das Mazurek tatsächlich den Polizeifunk akribisch abgehört hat?
Das soll wohl laut Urteil zum Ausdruck bringen, dass er demnach an dem Fall interessiert, obwohl er dieses Interesse nach außen herunterspielt haben soll- und auch hier wieder- obwohl das ja keine Auffälligkeit gewesen wäre, wenn man als Fast- Nachbar Interesse und Mitgefühl hat, wenn ein auch ihm bekanntes Kind verschwindet.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

21.02.2026 um 11:42
Man kann davon ausgehen, dass sich fast alle Bewohner im Umkreis vom Weingarten dort ausgekannt haben. So ein Indiz ist wertlos.

Beim Polizeifunk kommt es darauf an, ob Mazurek den Polizeifunk schon immer abgehört hat oder erst ab dem Fall Ursula Herrmann. Wenn er das vorher auch schon gemacht hat, ist auch dieses Indiz wertlos.

Ich sehe es ähnlich wie @Mauser. Einerseits eine akribisch geplante Entführung und andererseits ein dilettantischer Erpressungsversuch. So als würde man ein brutales Verbrechen mit einem "Dumme-Jungen-Streich" verbinden.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

21.02.2026 um 13:16
Zitat von camelotcamelot schrieb:Ich sehe es ähnlich wie @Mauser. Einerseits eine akribisch geplante Entführung und andererseits ein dilettantischer Erpressungsversuch. So als würde man ein brutales Verbrechen mit einem "Dumme-Jungen-Streich" verbinden.
...wie z.B. einen dabei verwendeten Klingeldraht danach einfach "wegzusperren"?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

21.02.2026 um 15:20
Zitat von camelotcamelot schrieb:Beim Polizeifunk kommt es darauf an, ob Mazurek den Polizeifunk schon immer abgehört hat oder erst ab dem Fall Ursula Herrmann. Wenn er das vorher auch schon gemacht hat, ist auch dieses Indiz wertlos.
Ich würde das noch anders sehen. Mazurek hatte durch seine berufliche Tätigkeit einfach die Möglichkeit, den Polizeifunk abzuhören. Wenn so etwas in der Nachbarschaft geschieht, dann wird einfach die Neugierde geweckt. Selbst wenn er es vorher nicht gemacht haben sollte, wäre auch dieses Indiz wertlos, da es allein auf seine Fähigkeit und Neugierde beruhen konnte.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

21.02.2026 um 17:40
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Das Erpresserschreiben wurden nach kriminaltechnischer Untersuchung aus den Zeitungen BILD, BILD am Sonntag, Funkuhr, Abendzeitung und tz gefertigt.
Zunächst: das sind 5 Zeitungen, die in dieser Zusammenstellung schon nicht gewöhnlich sind. WM behauptet zunächst, er lese "diese Boulevardzeitungen" nicht.
Hier wäre natürlich die Frage sehr interessant, wie das genau abgelaufen ist.

Also, wenn man mich zum Beispiel damals gefragt hätte, ob ich die Bild, Bild am Sonntag, Funkuhr, Abendzeitung und TZ lesen würde, hätte ich auch "nein" gesagt (weil ich diese Zeitungen eben nicht regelmäßig oder im Prinzip nie gekauft oder gelesen habe).

Trotzdem kann es natürlich sein, dass bei einer Hausdurchsuchung irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden eine BILD gefunden wird oder irgendwo eine TZ rumliegt. Vielleicht, weil sie mal irgendein Gast mitgebracht hat und sie dort vergessen hat, oder weil sie als Ausstopf-Material in irgendeinem Paket drin war, dass mir ein Bekannter geschickt hat. Oder vielleicht hatte meine Schwiegermutter, als sie mal zu Besuch war, eine Funkuhr mitgebracht, und die liegt eben noch im Nachttisch des Gästezimmers.

Jetzt ist halt die Frage, was die Presse beziehungsweise das Gericht dann daraus macht: "Er hat bei der Frage, ob er diese Zeitungen liest, gelogen – in seinem Haus fanden sich exakt diese Zeitungen"?

Wenn es so war, ist dieses Indiz meiner Meinung nach wertlos.

Aber nach den Erfahrungen in dem relativ aktuellen Prozess gegen Sebastian T. (Fall Hannah W. aus Aschau) kann ich mir leider sehr gut vorstellen, dass es exakt so war, bezüglich der Zeitungen:

In diesem aktuellen Prozess hatte ja der Angeklagte (wie vermutlich die meisten männlichen Jugendlichen in dem Alter) hunderte oder tausende anzüglicher Filmchen auf seinem Computer oder Handy gespeichert. Ein einziges davon hatte wohl, wenn man beide Augen ganz fest zudrückt, eine sehr entfernte Ähnlichkeit mit dem vermuteten Tatablauf. Die anderen 99,998% nicht im geringsten.

Die Staatsanwaltschaft beziehungsweise vor allem die Presse machten daraus sinngemäß: "Unfassbar - es stellte sich jetzt heraus, dass der Angeklagte auf seinem Handy einen Film gespeichert hatte, der eine eins-zu-eins Vorlage für die Tat darstellte" - wenn man das ohne Hintergrundkenntnisse so liest, sagt man natürlich sofort, dass das logischerweise ganz eindeutig und ziemlich zweifelsfrei auf den Angeklagten hindeutet.

Wenn sich natürlich in Mazureks Haus ganz exakt diese Kombination aus Zeitungen gefunden hat, und sonst im Wesentlichen keine anderen Zeitungen, dann ist das schon ein starker Hinweis.

Also zusammengefasst: Fand sich bei ausgiebiger Suche in dem Haus ein Exemplar von einer dieser in Rede stehenden Zeitungen, oder hatte er vielleicht im Hof einen Container mit 50 kg Altpapier stehen, welches er immer vom Wertstoffhof abgeholt hat, um damit seinen Kamin anzuheizen? Und da waren eben auch neben 50 anderen Titeln diese 5 Zeitungen mit enthalten?

Oder hat er in seinem Haus eine relevante Menge an nur exakt diesen 5 Zeitungen gehabt?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 00:30
Ich habe mir die Mühe gemacht im
Urteil die 7 Seiten nachzulesen, die hier alleine dem Fernglas gewidmet werden. Ich fasse zusammen:

Fernglas:
das in unmittelbarer Tatortnähe aufgefundene Fernglas der Marke Porst wird von der Frau des Angeklagten als modellgleich erkannt, dass ihr Mann zum Zeitpunkt im Jahr der Tat (1981) besessen hat. Identifiziert wird es von ihr auf einem Lichtbild, dass das aufgefundene Original zeigt, und bestätigt werden Form, Größe und Oberflöchenbeachaffenheit. Sie
kann zudem erinnern, dass das Fernglas neben einer Miniaturkanone im gemeinsamen Wohnzimmer stand. Dies ist bedeutend, denn ein weiterer Zeuge A. beschreibt genau diesen Umstand während den Ermittlungen 1982. WM dagegen behauptete, niemals ein Fernglas besessen zu haben. Belastend wirkt an der Stelle gem. dem Urteil weiter, dass ein weiterer Zeuge B., der mit WM damals gemeinsam bei der Wasserwacht tätig war, aussagt, „jeder“ bei der Wasserwacht -und damit auch der Angeklagte- habe ein Fernglas gehabt. Auf Vorlage des Orginalbildes meint Zeuge, es sei gut möglich, dass WM ein solches Modell besessen habe.
Es sind also drei Zeugen, die unabhängig voneinander bestätigen, dass WM ein Fernglas hatte, zwei erkennen auf dem Bild vom Tatortfund das Modell als identisch zu dem, dass sie bei WM neben der Miniaturkanone im Wohnzimmer gesehen haben wollen. Das Fernglas ist dann irgendwann verschwunden, und spätestens aufgefallen ist dieses Verschwinden der Ehefrau 1982, ein Jahr nach der Tat, als man wegzieht.
WM, der behauptet hat, nie ein Fernglas besessen zu haben, versucht zudem durch ein polizeilich mitgeschnittenes Telefonat mit der Mutter des Belastungszeugen A. belegt 1982 in Erfahrung zu bringen, was dieser denn genau zu diesem Umstand der Polizei gesagt hat und versucht seinem Standpunkt, nie in solches besessen zu haben, hartnäckig und fortgesetzt in dem ca. 20 minütigen (!) Telefonat mit der Mutter von A. Gehör zu verschaffen.
(S.182 ff Urteil)


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 06:18
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:das in unmittelbarer Tatortnähe aufgefundene Fernglas der Marke Porst wird von der Frau des Angeklagten als modellgleich erkannt, dass ihr Mann zum Zeitpunkt im Jahr der Tat (1981) besessen hat. Identifiziert wird es von ihr auf einem Lichtbild, dass das aufgefundene Original zeigt, und bestätigt werden Form, Größe und Oberflöchenbeachaffenheit.
Puh. Nach 30 Jahren erinnert man sich an ein Fernglas der Marke Porst, identifiziert Form, Größe, Oberflächenbeschaffenheit.

Was ist das wert? Diese Porst-Ferngläser waren die billigen Allerweltsferngläser aus Fernost oder der DDR, zigtausendfach verkauft. Die sahen alle gleich aus, 08/15 und imitierten die teuren Markgläser. Die "Belederung" (aufgerauter Kunststoff) war auch bei allen gleich. Und die Zeugen erinnern sich so genau daran, nach so langer Zeit? Mit Lichtbildern?

Ich glaub's nicht (Glaubhaftigkeit...) und frage mich, wie diese Zeugenaussagen zustande gekommen sein könnten.

Das Gericht durfte das im Rahmen seiner freien richterlichen Beweiswürdigung als Indiz zu Lasten des Angeklagten werten. Aber das sind halt so "Beweise", bei denen ein fader Beigeschmack bleibt. Die jedenfalls mich nicht überzeugen. Und davon gibt es Einige im Urteil. Zu viele.


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22.02.2026 um 08:36
@Origines
Die Erinnerungen sind nicht von 2008, die beiden Aussagen der Zeugen sind 1982 zu Protokoll genommen worden. Lediglich die Ehefrau erinnert sich 2008, ehr sie das Bild sieht, zeichnet sie es. Es weist in Form und Größe offenbar sehr große Ähnlichkeit auf. Der Zeuge A. war übrigens 10-15 mal bei WM zuhause und hat jenes Fernglas „öfter“ gesehen. E

Et all: warum führe ich das mit dem
Fernglas überhaupt aus? Weil es zeigt, wie akribisch schon diesem recht nebensächlichen Detail nachgegangen wurde. Und WM verhält sich nicht wie es erwartbar wäre: er sucht nicht nach seinem Fernglas, dass ihn ja entlastend würde, er behauptet einfach er habe nie eines besessen. Er versucht auch noch einen Zeugen zu beeinflussen. Es ist wie ich schon oft gesagt habe nicht das einzelne Indiz für sich, es sind die Fülle an Fingerzeigen und das Agieren und Lavieren des Angeklagten. Ich werde mir auch den Komplex mit den Zeitungen nochmal vornehmen. Aber dazu später, bin erstmal unterwegs.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 08:39
Vielleicht noch eine Ergänzung: ich kenne den Fall schon sehr lange, ich kenne auch die Tatort Begebenheiten aus eigener Anschauung. Ich bin lange unschlüssig gewesen, wer der Täter gewesen ist. Auch war ich verunsichert, ob man WM hätte verurteilen „dürfen“. Als ich das Urteil gelesen habe, wurden diese Zweifel sehr klein.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 09:18
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Auch war ich verunsichert, ob man WM hätte verurteilen „dürfen“. Als ich das Urteil gelesen habe, wurden diese Zweifel sehr klein.
Vielen Dank für Deine Erläuterungen! Es ist schon einige Jahre her, dass ich mir das Urteil angesehen habe. Damals im Schwerpunkt wegen des phonetischen LKA-Gutachtens, das ich aus meinen eigenen Spielereien mit Tonbändern und Kassetten für "Quatsch" gehalten habe. Zudem haben sich @robernd und ein Physiker intensiv damit befasst.

Leider hätte man zwar das LKA-Gutachten locker wissenschaftlich widerlegen und als "Voodoo" entlarven können, aber eine Wiederaufnahme hätte zudem erfordert, dass man mit neuen wissenschaftlich-technischen Methoden hätte beweisen können, dass es gerade kein TK 248 gewesen ist. Und das ging nicht, weil die Aufnahme des Polizei-Tonbandes viel zu schlecht war.

Und beim Rest war ich schon etwas erschrocken, dass man damit jemanden zu "lebenslänglich" verurteilen "durfte". Juristisch durfte man das vielleicht auch, das ist ja nicht der einzige Fall auf wackeligen Beinen. Letztlich muss man halt akzeptieren, dass die Richter das so zu Lasten des M. gewertet haben. Aber ich war nicht überzeugt.

Zudem war M. ja jetzt auch kein einfacher Charakter, ein Sturkopf, zur Gewalttätigkeit neigend, nicht sehr sympathisch, per se unkooperativ gegenüber Behörden. Mir erschienen seine Ausreden und sein Lavieren ziemlich reflexhaft und wenig rational zu sein und er war wohl auch beratungsresistent, sein Verteidiger hat ihm das sicher nicht geraten. Jedenfalls habe ich ihm diese "Strategie" auch zugetraut, wenn er mit der Tat nichts zu tun gehabt hat. Wobei ich das nicht ausschließen möchte, dass er etwas wusste.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 09:35
@EdgarH

Man hat also ein Fernglas in Tatortnähe gefunden. Und? Wurde Ursula mit einem Fernglas erschlagen? Nein! In welchem Zusammenhang steht das Fernglas mit der Tat? Hat man Spuren (Fingerabdrücke) am Fernglas gefunden, um es eindeutig einer Person zuordnen zu können?

Das Verhalten von WM entspricht seinem Charakter und nicht wie es für andere Personen erwartbar wäre oder sein müsste.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 11:06
Es ist sehr interessant und spannend mitzulesen, wie hier um die - Pro oder Contra-Aussagekraft eines jeden einzelnen Indizdetails - regelrecht gerungen wird.

Aber nachdem die beiden Hauptindizien, auf denen das Urteil basiert, aus heutiger Sicht entweder nicht mehr haltbar (TK 248), oder mehr als wackelig (Aussagen des verstorbenen Zeugen P.) sind, sollte man m.E. auch mal wieder in eine andere Richtung denken.

Wenn wirklich noch Licht ins dunkel gebracht werden soll, dann wird es wohl nur gehen, wenn man "einen Schritt zurückrudert" und sich nochmals damit auseinandersetzt, wer - außer W.M. - als Täterkreis infrage kommen könnte.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 14:41
Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und bringe eine Theorie, die mir vorschwebt. WM war tatsächlich für die Entführung von Ursula verantwortlich, hat dann aber kalte Füße bekommen und sich ruhig verhalten, den Polizeifunk abgehört und die weiteren Geschehnisse verfolgt.

In der Zwischenzeit sind ein paar Jugendliche auf die Idee gekommen, man könnte die Ereignisse für sich nützen. Sie haben nach ihrer Film- und Kinoerfahrung einen Erpresserbrief zusammengeschustert, einen Jingle aufgenommen und ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und so ist eins zum anderen gekommen.

So wirken auf mich die zwei unterschiedlichen Teile (zuerst Entführung, dann Erpressung) dieses Falls. Leider wurde nicht von Anfang an in alle Richtungen ermittelt, sondern nur in eine, die einfachste. Man hat sich verrannt und irgendwann wurden die Ermittlungen ruhend gestellt.

Die neuen Ermittlungen könnten WM dann aufgeschreckt haben und er hat dann nicht mehr rational reagiert, sondern sich eine Geschichte über das Tonbandgerät ausgedacht und so weiter.


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 16:46
Sehr hanebüchen.

Allg. zu jugendlichen Tätern: hätten die die Sache zunächst eiskalt weiter durchgezogen, nachdem sie das Antlitz des toten Mädchens in der Kiste gesehen haben?


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Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

22.02.2026 um 20:54
Zitat von JosephConradJosephConrad schrieb:Allg. zu jugendlichen Tätern: hätten die die Sache zunächst eiskalt weiter durchgezogen, nachdem sie das Antlitz des toten Mädchens in der Kiste gesehen haben?
Die Frage wäre, wann haben sie das tote Mädchen entdeckt?

Am 18.9.1981 verlangte die Mutter des Opfers ein Lebenszeichen. Wenn das der Grund war nach dem Mädchen zu sehen, dann hätten sie das an diesem Freitag frühestens erkannt. Ein Brief erreichte die Eltern am gleichen Tag, ein zweiter am Montag direkt nach dem Wochenende.

Die Kommunikation zwischen der Jugend war damals sehr beschränkt. Sollte wirklich jugendliche Täter hier zumindest beteiligt gewesen sein, dann kann einer von ihnen den Brief in das Wochenende mitgenommen haben, ehe der Tot des Opfers erkannt wurde. Eine Kommunikation mit demjenigen wäre dann kaum möglich und auch risikoreich gewesen. Wenn er ihn am Samstag noch eingeworfen hat, wäre er erst am Montag bei den Eltern gewesen.

Insofern passt der Empfang der Briefe durchaus zu diesem Szenario. Nach Montag kamen keine weiteren Briefe mehr bei den Eltern an. Ich habe irgendwo gelesen, dass die Adresse falsch geschrieben wurde. Waren die Briefe vielleicht auch dadurch länger unterwegs? Es gab auch keine Anrufe mehr.

Insofern kann man da schon Menschen mit gewissen Skrupeln erkennen. Ein skrupelloser Mensch hätte da eher Ausreden für ein solches Zeichen gefunden.


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