Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre
um 18:42
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Diese Prämisse setzt von vornherein voraus dass Mazureks umstrittene Angaben auf Täterwissen zurückzuführen ist doch genau das ist eben nicht erwiesen. Man kann davon ausgehen das ihm spätestens mit der Beschlagnahmung des Tonbandgerätes während der damaligen Hausdurchsuchung klar geworden sein muss das es eine entscheidende Rolle in dem Vorwurf spielt. Aus welcher Motivation heraus Mazurek hier falsche oder widersprüchliche Aussagen tätigt oder Angaben macht welche sich nicht bestätigen lassen kann man als Außenstehender schlecht beurteilen.
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Der Teufel steckt oftmals im Detail und bei diesem Indiz hängt sich alles an dem Wort „ähnlich“ auf. Denn was genau bedeutet denn in diesem Fall „ähnlich“, da könnte man jetzt eine sehr lange Debatte darüber führen. Auf der anderen Seite hingegen gibt es nicht einen einzigen konkreten Beweis dafür dass das gefundene Fernglas im Weingarten tatsächlich Werner Mazurek zuzuordnen ist! Es gibt keine Fingerabdrücke, keine DNA oder sonstige Spuren was ihn damit in Verbindung bringen würde. Es existiert auch keine Fotografie oder Videoaufnahme jenes Fernglas welches Mazurek besessen haben soll noch sind Marke oder Fabrikat bekannt so das man mal hätte vergleichen können.
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Es gibt auch hier keinerlei belastbaren Bezug weder von den Erpresserbriefen an sich noch den diversen Zeitungsschnipseln zu Mazurek. Niemand kann beweisen dass er diese Briefe hergestellt hat noch dass die ausgeschnittenen Wörter explizit von den Zeitungen stammen welche die Zeugen bei ihm gesehen haben wollen. Auch wurden daran keinerlei Fingerabdrücke oder DNA gefunden. Fraglich ist eben ab wann Mazurek wusste das Ausschnitte aus diesen Zeitungen verwendet wurden so das er meinte das Lesen ebendieser negieren zu müssen.
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Wobei hier zu klären wäre ob eine einmalige Pilzsuche, so Mazurek, ausreichend ist ihm zu unterstellen dass er sich im Weingarten ausgekannt haben müsse. Der Vorwurf der genauen Ortskenntnis muss doch auf mehr basieren als nur auf Zeugenaussagen die behaupten ihn dort gesehen zu haben.
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Die entscheidende Frage bei diesem Indiz laut aber doch: Was soll damit konkret zum Ausdruck gebracht werden wenn man mal annimmt das Mazurek tatsächlich den Polizeifunk akribisch abgehört hat? Das suggeriert das er darauf bedacht gewesen sein könnte eventuelle Informationen zu diesem Fall abzuschöpfen und in Erfahrung zu bringen. Viel Sinn würde dies jedoch nicht machen da über den Polizeifunk keinerlei fallrelevanten Informationen oder gar Ermittlungsergebnisse verbreitet werden. Insofern fällt es schwer diesem Umstand als belastbar einzustufen zumal ja auch noch andere Gründe für das Abhören vorliegen können wenn Mazurek tatsächlich, wie er sagt, zufällig auf die Polizeifrequenz gestoßen ist.
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Wenn man sich jetzt mal an dem Wort „kennen“ aufhängt dann könnte man es rein theoretisch auch so interpretieren das Mazurek recht hat wenn er behauptet die Familie Herrmann nicht wirklich zu „kennen“ was im Umkehrschluss dann natürlich nicht bedeutet das ihm die Familie als solche unbekannt wäre. Hier müsste Mazurek sich selbst nochmal erklären wie es zu dieser Verneinung gekommen ist und welche Erklärung er dafür hat denn hier wirkt er doch sehr unglaubwürdig.
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Ja, das stimmt soweit erst einmal, das ist eine Auffälligkeit. Die andere ist die daraus resultierende Frage warum er das auf eine so auffällige Weise macht wohlwissen das ihn derlei Erklärungen und Begründungen nicht gerade glaubwürdig erscheinen lassen. Aber wiederum sind solcherlei Auffälligkeiten eben noch kein ausreichender Nachweis für Mazureks Schuldigkeit. Es mag einem verdächtig erscheinen, seltsam vorkommen aber letztendlich war’s das auch schon. Dieses erstmalige, pauschales, Abstreiten, generelle Verneinen von elementaren Sachverhalten ist nicht untypisch im Verhalten von Beschuldigten und hat etwas von Salami-Taktik indem man seine Aussagen der laufenden Entwicklung anpasst und stückchenweise das zugibt wenn es nicht mehr anders geht.
Wenn man mal miteinander vergleicht – die mangelhafte Glaubwürdigkeit von Mazureks Aussagen und Erklärungen auf der einen Seite und das widersprüchliche, zweifelhafte Geständnis eines bereits verstorben Zeugen dessen Wahrheitsgehalt nicht mehr geprüft werden kann sowie ein fragwürdiges Phonetik-Gutachten und einer ganzen Kette von eher unterstützenden Indizien ohne eigene Belastungstendenz & Co. auf der anderen Seite dann überwiegt doch eher letzteres und spricht somit für Mazurek.
