Ich war lange erfolglos auf der Suche nach einem Bayern-3-Jingle der der Tätertonfolge entspricht, den die Polizei im Hause Herrmann von Telefonanrufen aufgezeichnet hat. Ebenso konnte ich keinen gesendeten Jingle finden, der der Tonträger-Vorlage gleicht, die der Bayerische Rundfunk dem Landeskriminalamt übergegeben hat. Zumindest für den zweiten Fall bin ich dank der Links von @JosephConrad (siehe oben) fündig geworden. Aus der gleichen Quelle ließen sich noch weitere Jingles extrahieren.

Von allen möglichen Jingles entspricht die Version vom 14.09.1979 tatsächlich der Tonträger-Vorlage, die direkt vom Bayerischen Rundfunk stammt. Die folgenden Oszillogramme vergleichen die in YouTube vorhandene Version mit der Tonträger-Vorlage. Im gesamten Erscheinungsbild und auch der Obertonzusammensetzung stimmen die beiden gut überein. Entsprechend der Mitteilung des BR an das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) soll die Vorlage unverändert von 1979 bis 1984 gesendet worden sein. Diese Behauptung ist jedoch falsch.

Referenz79

Um das zu belegen, habe ich in der folgenden Grafik insgesamt 10 in YouTube gefundene BR-3-Jingles gegenübergestellt. Insgesamt liegen mir über 30 ähnliche aus dieser Quelle vor, von denen sich die Jingles ab 21.09.79 untereinander nicht nennenswert unterscheiden. Allerdings unterscheiden sich alle deutlich von der Tonträger-Vorlage und der Version vom 14.09.79. Hier nimmt der 6. Ton praktisch sofort die volle Lautstärke ein, und es fehlt das langsame Einschwingen, also die rundliche linke Kante, wie sie in allen anderen Versionen auftaucht. Außerdem ist die Obertonverteilung eine andere.

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Bis Mitte 1979 ging eine völlig andere Version von Jingles über den Sender. Der letzte davon auffindbare stammt vom 27.07.79. Es ist der erste Jingle in der Zusammenstellung. Er klingt extrem schrill und alle Töne sind gleichlaut. Bemerkenswert ist, dass die einzelnen Töne tiefer sind als bei allen späteren Jingles und recht genau der Tonhöhe der Tätertonfolge entsprechen. Danach haben die Techniker des BR mit einer neuen Version gespielt. Zunächst (am 24.08.79) schwingt der 6. Ton langsam ein und hat fast alle Obertöne in abnehmender Lautstärke. Dann (14.09.79) taucht plötzlich die Version auf, die der Tonträger-Vorlage des BR entspricht. Zum Tatzeitpunkt wäre sie älter als 2 Jahre gewesen. Kurz darauf (21.09.79) setzte sich wieder die erste Version vom 24.08.79 durch. Es macht den Eindruck als ob sie sich bis zum Herbst 1981 (Tatzeitpunkt) nicht verändert hat. Das letzte vor der Tat auffindbare Vorkommen stammt vom 11.07.1981.

Hier noch die Frequenzen in Hertz (Tonhöhen) der interessantesten Jingles:

27.07.1979 Töne 1 bis 7 (sehr schrill):
450 - 600 - 600 - 750 - 750 - 900 – 750

Tätertonfolge (Polizei-Mitschnitt, Angaben des LKA)
463 – 615 – 615 – 762 – 762 – 917 – 752

Noten der Melodie "Solang der alte Peter" a – d – d – f – f – a – f
440 – 587 – 587 – 698 – 698 – 880 – 698

B3-Tonträgervorlage und weitere aufgefundene Jingles (Angabe des LKA)
536 – 713 – 713 – 886 – 886 – 1064 – 886

Ich setze voraus, dass zumindest die Frequenzverhältnisse der wahren Töne der B3-Jingles den Noten der Melodie "Solang der alte Peter" entsprechen. Abweichungen halte ich für Messfehler der Tonhöhen.

Die verblüffende Ähnlichkeiten der Tonhöhen des Jingles vom 27.07.1979, der Tätertonfolge und der Melodie "Solang der alte Peter" legen die Vermutung nahe, dass irgendwann auch einmal ein der Tätertonfolge ähnlicher Jingle gesendet wurde. Falls das tatsächlich der Fall gewesen wäre, hätte das weitreichende Konsequenzen. Zunächst würde jede Spekulation über die Art der Frequenzverschiebung zwischen gesendetem Jingle und Polizeiaufzeichnung entfallen. Außerdem würde das Verfahren des LKA zur Formung des Lautstärkenverlaufs der Tätertonfolge durch das Tonbandgerät TK248 knallhart widerlegt. Dieses Verfahren funktioniert nämlich nur für die Frequenzen der Tonträger-Vorlage, nicht aber für Jingles mit den Tonhöhen der Tätertonfolge. Für die Tätertonfolge würde nämlich der 6. Ton nicht abgeschwächt. Siehe dazu meine Gegendarstellung zum LKA-Gutachten, Bild 6.8. Für 1064 Hz bricht die Lautstärke stark ein. Ist die Frequenz nur etwas niedriger, passiert das nicht.
https://www.radonmaster.de/werner-mazurek/zum_grundig-tk248/Gegendarstellung-zum-Gutachten_vollstaendig.pdf