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Mordserie an männlichen Jugendlichen, Rhein-Main-Gebiet 1980er Jahre

DaScully
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Mordserie an männlichen Jugendlichen, Rhein-Main-Gebiet 1980er Jahre

27.03.2016 um 17:51
Yasumi schreibt:
]07.09 1976 Stangenrod
23.05 1982 Dreieich
19.09 1982 Erzhausen
02.07 1983 Erzhausen
09.09 1983 Frankfurt
11.10 1983 Frankfut
21.06.1989 Offenbach

Es bleibt etwas unklar, ob der Täter nun eine mehrjährige Pause eingelegt hatte, um erneut zuzuschlagen, oder ob die Morde alle um 1980 stattfanden, und erst über die Jahre hinweg alle Opfer gefunden werden konnten.
Wichtig erscheint mir Stangenrod und die Tatsache, das die anderen Morde im Stricher-Millieu stattfanden. Das erste Opfer hat da eher nicht reingepasst, auch wurde das Opfer im Wald aufgefunden. Es spricht dafür, dass der Täter einen Bezug zum Ort hat und dann in die "große Stadt" gezogen ist, wohl aus beruflichen Gründen. Vielleicht ist der Täter altersmäßig durch das Raster gefallen, weil er etwa das Alter des Opfers hatte.

Mal morden diese Männer, mal nicht. Die Lücken können sich mit Knast, Krankheit, Arbeitslosigkeit o.a. erklären. Vielleicht konnte er seinen Sadismus anders ausleben, oder vielleicht musste er das nicht (zur Kompensation), weil alles gepasst hat.

Ich glaube nicht, dass dieser Serientäter Tristan ermordet hat, weil dieser "wie ein Fisch geschlachtet wurde". Tristans Mörder hat sein Opfer quasi aufgebahrt. Hier kann ich mir einen Angler oder gelernten Fischer vorstellen, so WIE er tötet. Dieser Mann schien Tristan zu hassen, weil er ihn begehrt. Der Mörder der Strichjungen hat sie gequält und weggeworfen, nachten er sie benutzt hat. Das Versenken in die Kanalisation spricht sicher für Verachtung.

Der Täter, der die Strichjungen getötet hat, hat den Opfern weder die Hoden entfernt, noch Fleisch aus den Oberschenkeln geschnitten. Auch war Tristan nicht gefesselt, aber sein Gesicht war zerschlagen.


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DaScully
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28.03.2016 um 10:14
Bei Tristans Mörder kann ich mir gerade noch vorstellen, dass er einmalig etwas ausprobiert hat, um zu bemerken, dass er seiner eigenen Phantasie nicht gewachsen ist. kann sein, der hat sich ein Umfeld geschaffen, in dem er kaum Kinder zu Gesicht bekommt. Und sein Aussehen verändert hat.

Der Mann, der die Stricher getötet hat, hat wohl eher mit ihnen getrunken und ihnen einen Schlafplatz angeboten. Er kann ihnen bekannt sein, ohne dass er ihr Kunde gewesen sein muss.


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28.03.2016 um 12:04
Vorsichtfalle schrieb:hinzu kommt eben, dass seine opfer evtl gar nicht richtig vermisst werden.
Einer der Artikel über den ersten Mord in Stangenrod - in dem die Polizei noch über die Identität des Toten rätselt - liest sich wie ein Tipp für das Finden eines idealen Verbrechensopfers. Der Kripo-Chef läßt sich zitieren:
Denn es sei höchst ungewöhnlich, daß ein Bürger der zivilisierten Bundesrepublik verschwinden könne, ohne daß dies der Polizei gemeldet werde. Ausnahmen seien jedoch in Kreisen illegal eingereister Ausländer denkbar, bei alleinstehenden Strafentlassenen oder Patienten psychiatrischer Kliniken sowie bei Vollwaisen, die aus dem Heim entlassen wurden und bei Angehörigen sozialer Randgruppen. Die Autobahnnähe des Fundorts lasse jedoch auch die Vermutung zu, daß es sich bei dem Toten um einen Ausländer gehandelt haben könnte, der auf der Durchreise durch die Bundesrepublik Opfer eines Kapitalverbrechens wurde.
(Gießener Allgemeine 09.12.1976)

Da werden schon fast all die Personengruppen genannt, aus denen die späteren Opfer stammen.
Fiel mir nur grade so auf...
Vorsichtfalle schrieb:ich denke jeder der eine halbwegs geordnete werkstatt hat, kann so ein ding öffnen
Aber das passende Werkzeug musst du trotzdem erstmal dabeihaben. Bevor der Täter loszog, musste er sich das mit dem Kanaldeckel und der Kanalisation schon zumindest mal überlegt haben.
DaScully schrieb:Da sexuelle Sadisten
Ich kann die sexuelle Komponente der Taten noch nicht erkennen. Nur weil vier der Jugendlichen Kontakt zu »Strichjungen« hatten, heißt das ja noch nicht, dass sie als Stricher umgebracht wurden. Ich fürchte, viele männlichen Jugendliche, die eine zeitlang auf der Straße leben, werden mit der Stricher-Szene in Berührung kommen.

Das Sexuelle kam, soweit ich mich erinnere, nur im Kriminalreport vor, und zwar im Zusammenhang mit dem Tatverdächtigen, der wegen "sadistischen Sexspielen" angezeigt wurde. Über diesen Tatverdächtigen hab ich bislang nur das hier gefunden. Offensichtlich war das ein Freier, 40 (?) Jahre alt, homosexuell und sadistsisch veranlagt, wegen seiner Brutalität in der Szene gefürchtet, aber auch beliebt, da er gut bezahlte.

Der Kriminalreport gibt das Alter des Tatverdächtigen mit 51 an. Es könnte also sein, dass dieser Mann verdächtigt wurde, als 40jähriger gemordet zu haben und 11 Jahre später als Tatverdächtiger ins Visier geriet bzw wegen Mißbrauch angezeigt und verurteilt wurde, das wäre dann 93/94 gewesen - und das würde dann darauf hinauslaufen, das seine Taten nicht eskalierten sondern abnahmen: von Mord zu bezahltem Sex extremerer Spielart. Naja, falls er überhaupt was mit den Taten zu tun hat.


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28.03.2016 um 12:41
Hier ein später Bruder des Mörders im Geiste.

Wikipedia: Alexander_Jurjewitsch_Pitschuschkin

@yasumi
Ja, der Verdächtige ist interessant. Wie kann man aus seiner Gartenlaube die Opfer in die Kanalisation verbracht haben? Und waren sie wirklich dort? Hat einen Bezug zu Stangenrod?
Warum konnte der Freier derart gut bezahlen? Hat der Täter in der Nähe der Ablageorts gearbeitet oder gewohnt?

Das mit den Zeitungsartikeln über Mordfälle ist schwierig, einerseits muss die Öffentlichkeit einbezogen werden, andererseits orientieren sich die Täter daran und manchmal richten Sie ihr Handeln daran aus.


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29.03.2016 um 19:56
@yasumi
Zu deinem Artikel zum ersten Mord in Stangenrod, der.Text ist wirklich interessant... In der Nähe des Waldes befindet sich die alte Schule von Stangenrod, seit 1978 ist sie ein Jugendfreizeitenheim. In der Nähe ist auch die Autobahn. Ich denke, der Täter hat sich aus diesen Gründen für den Ablageort im Wald entschieden. Er muss Zeit zum Nachdenken gehabt haben. Vielleicht ist der tote Junge ja tatsächlich aus prekären Verhältnissen davongelaufen und bei einem älteren Bekannten untergekommen, der Wohneigentum und andere Pläne mit ihm hatte. Wenn die Herkunftsfamilie (Krankheit, Alkohol & Gewalt) zerrüttet ist oder er mehrfach von zu Hause weggelaufen ist, dann sucht leider niemand mehr nach ihm. Die haben eher mit sich zu tun.Das "Nicht-Vermissen" spricht eigentlich dafür, dass er irgendwie zwischen 17-18 Jahre alt gewesen sein muss.
Allerdings die Ringelsocken..., das musste "Mann" wohl auch in den Seventies mit Haltung tragen. ;-)
Vielleicht ist der Täter als Jugendlicher selber Teil des Millieus gewesen, aus dem seine späteren Opfer stammen. So dass ihn lediglich das Eigentum
von ihnen unterschied und ihn genau das zum Magnet für die gemacht hat, die Geld und einen Unterschlupf brauchten.
Bär


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29.03.2016 um 20:56
DaScully schrieb:Vielleicht ist der tote Junge ja tatsächlich aus prekären Verhältnissen davongelaufen und bei einem älteren Bekannten untergekommen, der Wohneigentum und andere Pläne mit ihm hatte. Wenn die Herkunftsfamilie (Krankheit, Alkohol & Gewalt) zerrüttet ist oder er mehrfach von zu Hause weggelaufen ist, dann sucht leider niemand mehr nach ihm. Die haben eher mit sich zu tun.Das "Nicht-Vermissen" spricht eigentlich dafür, dass er irgendwie zwischen 17-18 Jahre alt gewesen sein muss.
Leider hab ich nichts mehr zum ersten Opfer gefunden. Noch ist mir nicht klar wo die Ermittler eine Verbindung zu den anderen Morden sehen. Wäre schon interessant zu erfahren, was für ein Leben der junge Mann hatte.
DaScully schrieb:Hier ein später Bruder des Mörders im Geiste.

Wikipedia: Alexander_Jurjewitsch_Pitschuschkin
Da gibt es verblüffende Parallelen. Lange Pause nach dem ersten Mord, dann eine Serie, bei der die Opfer in das Abwassersystem geworfen wurden. Dann eine zweite Serie, bei der er seine Opfer mit einem Hammer erschlug. So eine zweite Serie gab es 1990 in Frankfurt auch, nur dürfte sie von einem anderen verübt worden sein: http://www.mdr.de/tv/programm/sendung647348_ipgctx-false_zc-b528bc81.html
(konnte nicht herausfinden ob Arthur G. schon 1976 bzw 1982/83 im Rhein-Main-Gebiet wohnte, nur dass er sehr früh nach Australien auswanderte, wieder zurück nach Deutschland kam, dann viel auf Montage war und irgendwann in den 80gern seinen Job und Wohnung verlor)


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Mordserie an männlichen Jugendlichen, Rhein-Main-Gebiet 1980er Jahre

30.03.2016 um 11:10
Fundorte nach Yasumi:

A > 07.09 1976 Stangenrod

B > 23.05 1982 Dreieich-Buchschlag

C > 19.09 1982 Darmstadt-Erzhausen
C > 02.07 1983 Darmstadt-Erzhausen

D > 09.09 1983 Frankfurt-Niederrad
D > 11.10 1983 Frankfurt-Niederrad

E > 21.06.1989 Offenbach-Rosenhöhe

Der Ablageort der zweiten Opfer ist, mit ca. 90 km, sehr weit weg vom Ablageort des ersten Toten. Alle weiteren Männer werden im Süden oder südlich von Frankfurt gefunden.
Vermutlich haben alle jungen Männer Verbindung zur Szene im Frankfurter Hauptbahnhof



Auffällig ist, dass alle Opfer (B-C-D-E, außer A) neben der BAB 661 gefunden werden. Wobei man wissen müsste, aus welcher Richtung das Abwasser in die Kanalisation fließt und in welches Klärwerk.


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30.03.2016 um 11:13
"The missing link" is BAB 661. ;-)


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30.03.2016 um 12:04
http://www.autobahn-online.de/a661geschichte.html


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01.04.2016 um 18:26
Stephan Harbort hat in seinem Buch "Mörderisches Profil: Phänomen Serienkiller" sechs Seiten den 'Kläranlagen-Morden' gewidmet. Da er die Fälle immer in anonymisierter und pseudonymisierter Form darstellt (aus "Handschellen am Rücken" wird eine "Paketschnur vor dem Bauch" etc), sind Zeit-, Orts-, Berufs- und sonstige Angaben mit Vorsicht zu genießen. Namen sowieso. Ich habe die erfundenen Namen weggelassen bzw durch die uns bekannten Namen ersetzt.

Da auch einige Angaben denen von 'Aktenzeichen XY' und anderen zeitnahen Berichten widersprechen, gehe ich davon aus, dass auch die Ermittlungsergebnisse und Erkenntnise zu den einzelnen Taten miteinander vermischt werden.


Harbort berichtet zuerst über den Leichenfund im Klärwerk Erzhausen am 2. Juli 1983 und zitiert aus dem
»objektive[n] Tatbefund« der Kripo Frankfurt: »Die Leiche lag hinter dem 'Schneckenzufluß', in einer schrägen Rückenlage mit der linken Schulter an der westlichen Außenseite des Wasserschachts, die rechte Schulter auf dem Rechen. Die Leiche wies erhebliche Zerstörungen auf, der rechte Oberschenkel war abgerissen, das Becken zertrümmert, die Knochen des rechten Oberschenkels lagen frei. Der Schädel war zertrümmert.«
Dann zitiert er aus dem Obduktionsbericht:
»Männlicher Leichnam, etwa 16 bis 24 Jahre alt. (...) Fortgeschrittener Fäulniszustand mit ausgedehnter Fettwachbildung. (...) Die erhebliche Zerstörung der Leiche kann durch die Schneckenpumpe nach dem Tod hervorgerufen worden sein. (...) Keine Hinweise auf Stich- oder Schußverletzung. (...) Die Liegezeit dürfte mehr als sechs Monate betragen haben. (...) Eine Todesursache ist nicht objektivierbar.«
Da Fingerabdrücke nicht mehr genommen werden konnten - die Leiche lag zu lange im Wasser - konnte der Tote erst nach der "Aktenzeichen XY"-Sendung anhand seiner Kleidung als Markus Hildebrandt identifiziert werden, einem
18-jährigen Lehrling aus Frankfurt. [...] [Markus Hildebrandt] hatte ein unstetes Leben geführt. Als Kind war er mehrfach in Erziehungsheime gesteckt worden, hatte kleinere Gaunereien begangen. Er war immer wieder bei verschiedenen Bekannten untergekommen, hatte sich schließlich im Rotlicht-Milieu gelegentlich als »Stricher« angeboten. Zeugen berichteten, ihn »Ende Januar 1983« letztmals lebend gesehen zu haben. Er habe sich in Begleitung von drei Personen befunden und »nach Saarbrücken« gewollt.
Die drei Personen konnten nicht ermittelt werden, auch in Saarbrücken ergab sich nichts. Aber die Ermittler zogen eine Verbindung zu fünf anderen Tötungsdelikten,
begangen in den Jahren 1976 bis 1983. In Gießen, Rodenbach, Frankfurt, Offenbach, Hanau. Alle Opfer waren im Bereich einer Kläranlage gefunden worden und hatten sich regelmäßig oder gelegentlich prostituiert. Lediglich in einem Fall war die Todesursache festgestellt worden: »erhebliche stumpfe Gewalt auf den Schädel«. Aufgrund der »Übereinstimmungen des jeweiligen Tatbefundes sowie des sozialen Umfeldes der Opfer« wurde die Hypothese favorisiert, »alle Straftaten dürften von demselben Täter begangen worden sein«
Das führte die Ermittler ins entsprechende "Milieu":
Intensive Befragungen insbesondere in Offenbach und Frankfurt erbrachten einen ersten »ernst zu nehmenden« Hinweis. Der führte zu [XX], einem »alten Bekannten«. Der 40-Jährige war zweiundzwanzigmal verurteilt worden, mehrfach hatte man ihn hinter Gitter geschickt. Unter anderem wegen »homosexueller Handlungen in zwei Fällen« und »Vornahme sexueller Handlungen an einem Minderjährigen«. Dann wurden die Ermittler hellhörig. Mehrere Zeugen wussten Bemerkenswertes über den Lageristen aus Offenbach zu berichten: »Der hat die Jungs schon mal geschlagen, wenn sie nicht wollten.« Oder: »Er ist auch brutal geworden, hat die jungen Burschen gefesselt.« Schließlich wurden die Strafakten wegen »sexueller Nötigung« ausgewertet, mehr als 100 Zeugen aus dem Milieu vernommen. Das Ergebnis war wenig schmeichelhaft, es entlarvte den 1,95-Meter-Hünen als brutalen Schläger, der seine sexuellen Obsessionen gewaltsam durchsetzte: Er malträtierte seine Opfer mit Fäusten, einem Schlagring, fesselte und bedrohte sie mit dem Tode (»Sonst mach' ich dich platt!«).
[XX] war nun »verdächtig«. Mittlerweile hatten vier Zeugen übereinstimmend ausgesagt, dass er und [Markus Hildebrandt] in denselben einschlägigen Lokalen gesehen worden seien, allerdings nie gemeinsam.
Daraufhin wurden
»Tatrelevante Objekte« in denen [XX] sich kurz- oder längerfristig aufgehalten hatte, [...] »nach möglichen Beweismitteln« durchsucht und kriminaltechnisch untersucht [...].
Und die Ermittler wurden fündig:
Ein Bekannter [XXs], der 45-jährige [YY] besaß eine Gartenlaube. Dort waren von dem Verdächtigen drei Jungen missbraucht worden. In der Hütte konnten die Beamten mehrere Fingerspuren sichern. Und rötlich-bräunliche Substanzen, möglicherweise Blut: an einem Bettpfosten, an einer Tischkante. Die Fingerspuren wurden mit den Fingerabdrücken von [XX], [YY] und denen des Opfers verglichen. Die Spuren konnten zweifelsfrei [XX] und [YY] zugeordnet werden - bis auf eine Handflächenspur.
Diese Spur passte jedoch nicht zu Markus Hildebrandt.

Das serologische Gutachten ergab folgendes:
Zu der am Bettpfosten gesicherten Anhaftung konnte lediglich festgestellt werden: »Es handelt sich um menschliches Blut« Für konkretere Aussagen war die Menge »zu gering« gewesen. Die Auswertung der Spuren an der Tischkante hingegen hatte ergeben »(...) Blutspuren stammen von mindestens drei verschiedenen Personen.« Die Blutgruppen konnten ebenfalls mitgeteilt werden. Bei den Blutspuren handelte es sich überwiegend um Spritzer, wie sie üblicherweise beim Schlagen in blutende Wunden beziehungsweise beim Abschleudern von Tatwerkzeugen entstehen.
Von welchen Personen die Spritzer stammten konnte anscheinend nicht ermittelt werden. (Leider wird auch nicht verraten, ob sich die Blutgruppen mit einigen der Opfer decken.)

In den Wohnungen von [XX] und [YY] fand man:
eine Gaspistole, Handschellen, ein Schlachtermesser. In einer Türverkleidung hatte man sieben Einschüsse festgestellt, ein Projektil sichern können. Nach Auskunft des Bundeskriminalamts war jedoch »eine Identifizierung nicht möglich«. Zwei weitere Wohnungen, [XX] war dort für einige Zeit untergekrochen, waren durchsucht worden. Fehlanzeige. Der mutmaßliche Mörder wurde schließlich vernommen. Sein Kommentar: »Ich sage nichts.«
Die Ermittler folgerten:
»Aufgrund der Gesamtumstände kann davon ausgegangen werden, daß [XX] mit hoher Wahrscheinlichkeit als Täter für die Sache [Hildebrandt] infrage kommt. Ein Beweis läßt sich derzeit nicht führen.«
Alle genannten Tötungsdelikte wurden nun zentral durch das Hessische Landeskriminalamt bearbeitet.
Die »Arbeitsgruppe (AG) 229« wurde ins Leben gerufen. Vier Kriminalisten hatten von nun an die Aufgabe, den mutmaßlichen Serienmörder zu überführen. Im Fahdenkreuz der Ermittler: [XX]
Um dem Verdächtigen näherzukommen, um Anhaltspunkte zu möglichen psychischen Störungen, sexuellen Perversionen oder andere tatrelevante Hinweise zu finden, zogen die Ermittler auch ein Urteil heran, das im Dezember 1978 durch das Landgericht Frankfurt verkündet worden war:
[XX] stammte aus der ehemaligen DDR, wurde in Chemnitz geboren, wuchs in »geordneten Verhältnissen« auf, besuchte die Volksschule. Bis zur 8. Klasse. Dann begann er eine Lehre als Dachdecker, übte diesen Beruf auch drei Jahre aus. 1960 kam er in die Bundesrepublik, arbeitete auch hier. Zunächst in einem Kraftwerk, später in einem Verlag. 1961 erfolgte die erste Verurteilung - wegen Diebstahls. Danach immer wieder. Nach mehreren Haftstrafen kam er im März 1975 frei, arbeitete einige Zeit als Lagerist. Danach nicht mehr. Er blieb arbeitslos. Während dieser Zeit knüpfte er enge Kontakte zum Prostituierten- und Zuhältermilieu in Frankfurt. Zeitweilig hatte er eine ganze Clique im Milieu verhafteter, überwiegend junger Männer um sich herum. [XX] zeigte sich »großzügig«, gab sich als »starker Mann«. Das Gericht stellte dem Angeklagten jedoch ein außerordentlich schlechtes Zeugnis aus: »Seine soziale Prognose ist denkbar ungünstig. Er lebt enthemmt, ziellos, dem 'Milieu' verhaftet und ohne jeglichen Ansatz einer positiven Lebensgestaltung.«
Das Ermittlungsergebnis lag im August 1985 vor:
Es hatte sich herauskristallisiert, dass [XX] einerseits »von Strichern gemieden« wurde, andererseits jedoch »beliebt« war. Der Grund: Er bezahlte seine Sexualpartner - ausnahmslos junge Männer, die in ihrer Not oder um den nächsten »Schuss« finanzieren zu können, ihren Körper feilboten - »überdurchschnittlich gut«. [...] Einige seiner Freier [?] hatten ihn angezeigt - Wegen seiner »perversen Methoden«
Die Ermittler kommen in dem Bericht zu dem Schluß:
»Ermittlungen bzgl. eines möglichen Tatmotives erbrachten den durch verschiedene Zeugenaussagen belegten Nachweis, daß alle Getöteten sich als ‘Stricher' betätigt und im Strichergebiet in Frankfurt aufgehalten haben. Es dürfte sich somit mit hoher Wahrscheinlichkeit um sexuell motivierte Taten handeln, wobei der Täter bei Würdigung der Erkenntnisse aus allen Verfahren im Homo- bzw. Strichjungenmilieu im Raum Frankfurt/Offenbach zu suchen sein dürfte.«
Da Todesursachen beziehungsweise Tötungsarten nicht festgestellt werden konnten, Sachbeweise fehlten und auch die Tatzeiten nur sehr vage eingegrenzt werden konnten, sprachen für eine Täterschaft von XX lediglich Indizien:
Er hatte sich seit Mitte 1975 »nachweislich« im Rhein-Main-Gebiet aufgehalten, war dort in der Grauzone menschlicher Begierden und Perversionen »bekannt«. [...] Zudem konnte ermittelt werden, dass er »drei Opfer gekannt» hatte. In einem weiteren Fall »musste dies vermutet werden». Alibi-Überprüfungen waren kaum durchzuführen. Man musste sich damit begnügen zu recherchieren, ob [XX] zu den fraglichen Tatzeiträumen inhaftiert oder im Rhein-Main-Gebiet gewesen war.
Er hätte die Möglichkeit zu den Taten gehabt, mehr konnte man aber nicht festestellen, was der Ermittlungsbericht so zusammenfasst:
»Der anfängliche Tatverdacht gegen [XX] hat sich im Verlaufe der Ermittlungen erhärtet. Insbesondere wegen fehlender Sachbeweise kann eine Täterschaft jedoch beim derzeitigen Sachstand nicht nachgewiesen werden.«
Nach dem Auffinden der Leiche von Daniel Schaub am 21. Juni 1989, der bereits am 25. Januar 1983 vermisst gemeldet worden war, und sich ebenfalls gelegentlich prostituiert hatte, wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen.


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01.04.2016 um 18:29
Für mich klingt das so, als ob die Ermittler sich schon früh auf einen Tatverdächtigen eingeschossen hätten, und recht bald nicht mehr ergebnisoffen ermittelten. Im Fokus ein Mann, der szenebekannt war, rücksichtslos und jede Menge zwielichtiger Leute kannte. Vermutlich deswegen die recht hohe Belohnung, die - erstaunlicherweise - dennoch keinen entscheidenden Hinweis brachte.

Die Folgerung, weil alle Getöteten sich als ‘Stricher' betätigt und im Strichergebiet in Frankfurt aufgehalten haben dürfte es sich somit mit hoher Wahrscheinlichkeit um sexuell motivierte Taten handeln, finde ich schwach.

Für mich klingt es so, als ob die Ermittler jemanden mit besonderen sexuellen Vorlieben grundsätzlich für verdächtig hielten, und wenn dieser jemand auch noch rücksichtslos und brutal ist, fast zwingend auch für Mord in Frage kommt.

War aber auch eine andere Zeit, wie man an der Veruteilung wegen »homosexueller Handlungen in zwei Fällen« ablesen kann. §175 läßt grüßen. Die beeindruckende Strafakte des Tatverdächtigen läßt sich vielleicht auch dadurch erklären.

Letztlich bleibt es bei einem: Er verkehrte an den selben Orten wie die Opfer, war brutal (und womöglich zu solchen Taten fähig) und vermutlich während den Tatzeiten nicht verreist oder inhaftiert.

So richtig überzeugt mich das nicht.


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01.04.2016 um 18:53
@yasumi
Vielen Dank für all Deine Mühe.
Ich habe es jetzt erst einmal überflogen und werde es jetzt aber mal mit Ruhe durch lesen.

Auch wenn einiges gegen einen Tristan-Täter spricht, erschreckt mich dennoch das Alter und die Aufenthaltsorte der Jungs.


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02.04.2016 um 20:11
@yasumi
Noch mal, tolle Recherchearbeit!

Mir fällt es eher schwer, mit meinem zusammengelesen Wissen, die Arbeit von Menschen vor 20 Jahren zu beurteilen. Ich bin sicher, dass alles nach bestem Wissen und Gewissen gelaufen ist. Das Allermeiste wurde auch aufgeklärt. Es bleiben aber Dinge, deren Zusammenhang man erst jetzt erkennt.

Ich bin nicht sicher, ob der Verdächtige auch der Serienmörder ist. Oder ob es ein Bekannter war oder sogar Teamwork.

Aber nun das, was für mich auffällig ist. Der Mörder wirft alle, bis auf einen Jungen, in die Kanalisation.

Menschen morden dort, wo sie sich auskennen. Unser Mörder hat einen Bezug zu der Umgebung von Stangenrod, Dreieich, Erzhausen, Niederrad und Rosenhöhe. Und zu Frankfurt, von wo die Opfer stammen.

Mir scheint, als würde sich der Arbeits- oder Wohnort des Täters mit den Jahren ändern, aber Frankfurt bleibt als Angelpunkt gleich, von hier stammen die Opfer.

Es ist gibt in den Orten, an dem die Opfer gefunden wurden keine Homosexuellen-Szene, die wahrscheinlich so groß nun auch wieder nicht war.

Wie hat unser Verdächtiger die Opfer aus der Großstadt in die Umgebung der Ablageorte gebracht? Private Besäufnisse, ein Schlafplatz, ein Auto?


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02.04.2016 um 23:35
@Feelee
Bei Tristans Mörder drängt sich der Verdacht auf, dass der Mann das Land verlassen hat und sich vielleicht auf Kinder "verlegt" hat, die niemand sucht. Vielleicht Knaben vom Straßenstrich in einem Nachbarland, in dem deutsche Freier nicht auffallen. Vielleicht hat der Täter Grundbesitz, der schwer zu betreten ist. So teuer ist es nicht, in osteuropäischen Ländern ein Haus zu kaufen. Der Mann hat so "spezielle Bedürfnisse".


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03.04.2016 um 08:43
@DaScully
Alleine bei dem Gedanken wird mir übel. Aber es stimmt. Er kann sich ein Grundstück im Ausland gekauft haben und werkelt dort seinen Trieben nach.

Mich irritiert eben die Nähe zu Frankfurt in allen Fällen.


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03.04.2016 um 09:40
@Feelee @DaScully
Danke. Gern geschehen. ;-)
DaScully schrieb:Mir fällt es eher schwer, mit meinem zusammengelesen Wissen, die Arbeit von Menschen vor 20 Jahren zu beurteilen. Ich bin sicher, dass alles nach bestem Wissen und Gewissen gelaufen ist.
Die haben ja auch einiges versucht. Aber die Zeiten ändern sich, und auch das gehört bei einer Rekonstruktion des Falles dazu.
1965 durfte ein Kriminalrat öffentlich solche Jugendliche als "schwer Kriminelle" bezeichenen (und ein TV-Reporter von "asozialen Elementen", "Grundrechtsneurotikern" und "unverbesserlichen Parasiten der Gesellschaft" faseln), im Kriminalreport 50 Jahre später sind es dann "junge homosexuelle Männer", die "auf der Suche nach einem glücklichen Leben waren".


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Mordserie an männlichen Jugendlichen, Rhein-Main-Gebiet 1980er Jahre

03.04.2016 um 11:13
@yasumi
Also *Grundrechtsneurotiker*, ist neben all dem Verächtlichem schon kreativ. :-S Trotzdem haben sie, Gottseidank, nach ihren Mördern gesucht.

Mal gesponnen:

#Täter wohnt in Frankfurt, arbeitet aber auf wechselnden Baustellen an der Ostumgehung. Wohnt für die Zeit des Baus in diesen Städten, wo man die Opfer gefunden hat. Er ist nicht als homosexuell bekannt und würde alles dafür tun, das dies auch so bleibt.

#Täter wohnt in den Kleinstädten, wo die Opfer gefunden wurden und pendelt an den Wochenenden nach Frankfurt in die Szene, denn die gibt es so auf dem Lande nicht. Er nimmt die Opfer in Kleinstadt mit und lässt sie am Wochenende jeweils verschwinden, denn er ist nicht als homosexuell bekannt und das soll so bleiben.

#Täter wohnt in Frankfurt und sein Arbeitgeber hat den Sitz in Frankfurt, aber der Arbeitsort ist die Ostumgehung und etwas Stadtautobahn. Er findet die Opfer in der Szene und damit nicht bekannt wird, dass... Egal.

Überall hätte es Zeugen geben können, aber sie hätten sich als homosexuell outen müssen.

#Stangenrod: Wenn der Täter dort nicht (mehr) gewohnt hat, dann vielleicht Verwandte (Großeltern, Eltern)?
Es gibt auf dem Land eine Menge Feste zu feiern. Feuerwehrfeste, Schützenfeste, Kirchlich... alles Feste, an denen sich ggf. die gesamte Verwandtschaft trifft.

Was, wenn sich hier 2 junge Männer aus der Szene wiedererkannt haben und der eine den anderen, am Reden gehindert hat? Um den Preis seines Lebens?


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Mordserie an männlichen Jugendlichen, Rhein-Main-Gebiet 1980er Jahre

03.04.2016 um 12:17
Es wurden um Frankfurt auch Tunnel und Brücken für S- und U-Bahn gebaut.

September 1983 wurde in Frankfurt-Niederrad der City-Tunnel gebaut und man fand in der Kläranlage Niederrad 2 neue Opfer.


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03.04.2016 um 12:18
@DaScully
An deinen Ausführungen anschließend: ich hatte früher über einen Bekannten etwas Einblick in die Frankfurter Stricherszene. Das war rund 5 Jahre nach dem Ereignissen. Viele Stricher machten das nur wegen des Geldes und waren nicht mal schwul. Die Freier sowie Leute in der Szene führen leicht 100 Kilometer, da es vergleichbare Möglichkeiten weit und breit nicht gab. Die Häufung von Fundorten kann man auch so interpretieren, dass er selbst aus dem Norden kommt und den Verdacht auf südlich von Frankfurt lenken wollte.


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03.04.2016 um 12:32
@DaScully
Ich stell mir das so vor:

Wenn jemand vorhat, junge Männer bzw männliche Jugendliche zu töten, dann wird er durch die Gegend "cruisen", mit einem Auto, einem Motorrad, und nach solchen jungen Männern Ausschau halten, die dafür als "geeignet" in Frage kommen: er wird einen Blick dafür entwickelt haben, anhand der Kleidung, anhand der Umstände (allein unterwegs während der Schul- bzw Arbeitszeit) zu erkennen, wer von den Jugendlichen "anfällig" ist. Wenn es sich einen ausgeguckt hat, wird er ihn ansprechen. Wenn er sich nicht getäuscht hat, dann wird der Jugendliche mitkommen. Er wird eine bestimmte Masche gehabt haben, die entweder Vertrauen erweckte, Neugierig machte oder Furcht einflöste (er könnte beispielsweise auf Polizist gemacht haben - da würden die Handschellen passen).

Und da so ein Täter nicht erwischt werden will, "entsorgt" er die Leichen so, dass seine Spuren verwischt werden, was dem Täter in diesen Fällen gelungen ist.

Das kann im Prinzip jeder gewesen sein, ein Familienvater, ein alleinstehender, szenebekannter Schwuler, ein unauffälliger Single, der noch im Haus bei seinen Eltern lebte.

Ich geh momentan schon davon aus, dass er einen Bezug zum Großraum Frankfurt hatte, aber er müsste nicht mehrmals umgezogen sein oder beruflich mit den unterschiedlichen Orten in Verbindung gestanden haben. Und auch den Szene-Bezug sehe ich nicht als zwingend an. Er muss nicht als Freier in Erscheinung getreten sein. Es kann sogar jemand gewesen sein, der sich auffällig abfällig über diese "asozialen Elemente" geäußert hat. Faszination und Abscheu schließen sich ja nicht zwangsläufig aus.

Vielleicht war die erste - möglicherweise eher ungeplante - Tat eine Art "Erweckungserlebnis", welches in ihm etwas ausgelöst hat, das sich dann über die Jahre zu einer Art "Mordlust" entwickelt hat.

Dann war diese Phase vorbei, das Thema durch, oder er ist weitergezogen, und machte woanders weiter (falls nicht verstorben oder sonstwo gelandet, wo er nicht mehr konnte was er wollte).
Bandini schrieb:Die Freier sowie Leute in der Szene führen leicht 100 Kilometer, da es vergleichbare Möglichkeiten weit und breit nicht gab.
Dann könnte der Täter seine späteren Opfer vielleicht auch als Anhalter mitgenommen haben.


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