FritzPhantom schrieb:Ich bin ja nun nicht aus der Gegend und kann die Stimmung vor Ort nicht bewerten. In Wien gab es vor einiger Zeit auch einen - mittlerweile gefassten Obdachlosenmörder. Der hatte es auch nur gezielt auf diese Gruppe abgesehen. Trotzdem ging die Angst überall um
Ich war zu der besagten Zeit nicht dort, kann also lider nicht sagen, wie es konkret war. Aber ich kenne die Stadt und das "Mindset" der Einwohner ganz gut.
Und man merkt, dass ein großer Teil der Bevölkerung Beamte oder Behördenangestellte (wahlweise beides im Ruhestand) sind, die sich doch sehr auf ihr "Spießerglück" beschränken und die etwas vor allem dann interessiert, wenn es sie betrifft. Da ist der mit Laub verstopfte Gully vor der eigenen Garage im Zweifelsfalle ein größeres Problem als z. B. die Frage, wieviele Schulden die Stadt hat. Und wehe, da kommt die Stadtreinigung nicht fünf Minuten nachdem man angerufen hat, dass da der Gully verstopft ist. Auf die Idee, einfach mal den Deckel aufzuheben und das Laub selbst rauszuholen kommt man gar nicht, weil a) nicht zuständig und b) nicht der normale, regelkonforme Ablauf. Wo kämen wir da hin, wenn jemand ohne Reinigungsbrechtigungsschein und ohne fachgerechte Absperrung nach STVO irgendwo den Gully reinigt ?
Daher kann ich mir schon vorstellen, dass man a) so eine Situation wie Du sie für Wien beschrieben hast, vermeiden wollte und b) nicht den Eindruck erwecken wollte, man nimmt das nicht ernst, weil es ja "nur" um Obdachlose geht.
Und angesichts der Einstellung der Leute in der Stadt, wäre dieses "die Öffentlichkeit ist nicht gefährdet" eine gute Möglichkeit, um den Oberamtsrat a. D. und seine Frau im Reihenhäuschen zu beruhigen.
Wie gesagt: Ich weiß nicht, ob das die Taktik war, aber es wäre eine Erklärung, warum man sich so geäußert hat ohne direkt und ausdürcklich zu sagen: "Nee, der Mörder hat es nur auf Obdachlose abgesehen, der brave Koblenzer Bürger muss sich keine Sorgen machen!" Denn das würde zu Recht als diskrimiierend empfunden werden.