Hanna W. tot aus der Prien geborgen
um 00:59Ich glaube, dass man in einigen Fällen viel zu überhastet an den Fall ran geht. So etwas braucht Zeit. Auch die Verteidigung benötigt ausreichend Zeit. Aber ausgerechnet bei Fällen, wo es um viel geht, ist in D die zweite Instanz abgeschafft.rabunsel schrieb:Wenn du es für so schwierig hältst, schon beim ersten Versuch das richtige Urteil zu fällen, kann ich nicht ganz verstehen, weshalb du dann gegen weitere Tatsacheninstanzen bist. Deiner Logik folgend wäre das doch beinahe zwingend notwendig.
Danke @rabunsel, dass Du das Video nochmals eingestellt hast. Da schildert Frau Rick, wie schwierig es war, das Schütz als Ursache zu identifizieren. Erst ein Gutachter schloss auf ein "Werkzeug". Dann erfolgten nochmals weitere Suchen in der Prien nach solchen Möglichkeiten und erst beim zweiten Absuchen wurde man fündig.
Die Verteidigung hat sehr gut die Zeit zwischen den beiden Verfahren genutzt. Sie hat die wahrscheinliche Ursache des Emergency-Calls gefunden, Sie hat dann ein Gutachten bzgl. der Möglichkeit am Schütz erstellen lassen ....
Hier sieht man, wie kritisch es doch ist, die 2. Instanz in solche Fällen nicht zu gewähren. Für einfache Fälle mag die Zeit ausreichend sein, aber solche schwierigen Fälle wie hier ist das in Wirklichkeit leichtsinnig. Dieser Fall macht es auch besonders deutlich, weil es für den Angeklagten normalerweise unmöglich ist, die Fähigkeit der Verteidiger zu beurteilen. Hier in diesem Fall hatte es glücklicherweise die Familie des Freigesprochene früher erkannt und die richtige Auswahl getroffen, eine wirkliche Expertin in ihrem Fach. Ich glaube, wir sind uns hier einig, dass ohne Frau Rick der Angeklagte rechtskräftig verurteilt worden wäre.
Man kennt aus anderen Ländern ähnliche Fälle, welche in der 2. Instanz ganz anders beurteilt wurden. Ich kann mich noch an einen Fall in Frankreich erinnern, wo es um einen Suizid ging. Das Verhältnis zwischen dem Mann des Opfers und den Eltern des Opfers war nicht gerade gut, sie hielten einen Suizid für ausgeschlossen. Der Man wurde im ersten Verfahren verurteilt, weil angeblich der Strick zu kurz gewesen sei (sie wurde erhängt aufgefunden) und er die Frau angeblich hoch gezogen habe. Im Berufungsverfahren konnte die Verteidigung anhand von Bildern und einem entsprechenden Gutachten zeigen, dass die Länge des Seiles in Wirklichkeit länger gewesen sein muss und wohl ein Teil des Seils verloren gegangen war. Der Knoten wurde nicht gelöst, sondern durchtrennt. Ein Teil muss wohl dann verloren gegangen sein. Außerdem sagte der Großvater der Opferfamilie, dass das Opfer sehr wohl Suizid-Gedanken geäußert hatte.
Hier sieht man, die zweite Instanz ist immer eine Chance bei schwierigen Fällen der Wahrheit besser näher zu kommen. Da man jedoch selten nicht weiß, dass ein Fall schwierig ist oder nicht, ist aus meiner Sicht das Strafverfahren in D schlechter als in anderen Ländern. Wie gesagt, es hängt auch viel an den Verteidigern, die aktuelle Verfahrensart macht ein Verteidigerwechsel so gut wie unmöglich. Daher ist es für mich purer Leichtsinn, eine zweite Tatsacheninstanz zu verweigern. Die meisten Fälle sind natürlich auch klarer, weil sie aus dem persönlichen Umfeld meistens erfolgen oder es klare forensische Spuren gibt. Genau solche Fälle wie dieser würden von einer zweiten Tatsacheninstanz massiv profitieren.

