GrafOskar schrieb:Hier mal wieder ein neues Video von Valentin Doyen zum Fall. Man beachte in den Kommentaren den festgepinnten Hinweis auf sein Buch ...
Merci
@GrafOskar für das Video vom Journalisten Valentin Doyen (VD), offensichtlich darf man noch weiter mit ihm rechnen. Hier interviewt VD die Wanderin Sadia, die Finderin des Schädels am Ostersamstag 2024.
Beide nehmen jenen Weg zur Fundstelle, so wie ihn Sadia an jenem Ostersamstag 2024 genommen hat. Mindestens zweimal begrüßt Sadia ihr entgegen kommende Menschen mit "Bonjour". So unbekannt kann der Weg also nicht sein. Die Menschen werden im Video nicht gezeigt, auch nicht anonym, auch nicht nur deren Schuhe zum Beispiel. Das Gesicht von Sadia bleibt verspixelt, woran sie VD auch mehrfach erinnert.
Sadia, die im August 2024 nicht mehr über das einzigartige Ereignis öffentlich sprechen wollte, fühlt sich nun durch die kritischen Kommentare über sie in den sozialen Medien ("Schock ihres Lebens") genötigt, sich zu erklären, wie das war, mit der Wanderung, den Plastiksäcken, dem fehlenden Handy, dem Fund, ihrer Entscheidung den Schädel mitzunehmen, Unterstellungen zu berichtigen, etc.
CharliesEngel schrieb am 12.08.2024:Über den sehr besonderen Moment der Entdeckung möchte sie nicht mehr sprechen.
Anfänglich stellt VD seine Fragen manchmal schon etwas hinterlistig, so mein Eindruck, zum Beispiel ob Sadia ihre von der Gendarmerie beschlagnahmten Sachen zurückerhielt. Angelangt bei der Fundstelle entwickelt sich das Interview mehr zu einem persönlichen Gespräch auf Augenhöhe und seiner Stimme ist der Respekt vor dem Ort und dem Ereignis anzumerken.
Wer kommt in seinem Leben in die Situation mitten in der Natur auf den Schädel jenes Kleinkindes zu treffen, das seit acht Monaten vermisst und gesucht wird?
An der Fundstelle - soweit ersichtlich - steht nichts, dass an Émile erinnert, auch kein Holzkreuz. Bei min 17:00 wird in der Natur, links seitlich des Weges etwas Großes verpixelt, vielleicht eine Markierung (?).
Zusammenfassung des Interviews von VD mit der Wanderin Sadia (S):
- S, nun 64 Jahre, entschied sich in jenem Alter für softere sportliche Aktivitäten als sie zuvor ausgeübt hat. Sie wandert gerne querfeldein, wie es ihr gefällt und ist erbost über die Äußerung des Bürgermeisters, dass das nicht der Sinn des Wanderns sei.
- Am Findetag, dem Ostersamstag 2024, fing es bereits bei ihrem Haus an zu regnen. S rief vor der Wanderung ihren Bruder an, dieser ermutigte sie trotz des Wetters dazu.
- S stellt einige Falschinformationen, die in den sozialen Medien kursieren, richtig: Sie besitzt weder Appartements noch Pferde, das sei eine Verwechslung mit einer anderen Frau namens Sadia, Warum geht sie nicht zurück in ihr Land? Frage in den Kommentaren. S ist geborene Pariserin, ihre Eltern kamen aus der Kabylei. (*) "Ich bin hier geboren im Land von Molière, habe zwei Länder." S kannte die Vedovinis nicht. Die Plastiktüten, um ihre Füße in den nicht wasserfesten Schuhen trocken zu halten, das machten selbst Motorradfahrer so. Und in Paris hätte sie sich mal ein Prepaid-Handy am Kiosk gekauft, aber ... ihre Erklärung bleibt da etwas ungenau.
- Es war ihr sofort klar, dass es Émile ist. Sie überlegte nicht lang und sammelte den Schädel ein, für "Mama und Papa von Émile".
- Von der Kleidung hat S nichts gesehen, sie kennt nicht die Fundstellen der (Be-)Kleidung, spricht auch nicht von den Wanderschuhen des Kleinkindes.
- S deponiert den Rucksack auf ihrer Terrasse, er sollte nicht in ihrem Haus verweilen, ist emotional aufgewühlt, möchte einen Kaffee trinken, ruft die Gendarmerie an und sagt ihnen, es sei der Schädel von Émile. Die Gendarmerie sagt, sie rufen in zehn Minuten zurück und legt auf.
- 15 Minuten später Treffen von zwei Gendarmen und S am kommunalen Schwimmbad in Le Bas-Vernet. S wollte nicht, dass die Gendarmerie sie in ihrem Haus aufsucht, um einen Aufruhr zu vermeiden.
- Ein Gendarm schaut sich den Schädel an, eine zweite Polizistin bleibt bei ihr. S soll sie nun zur Fundstelle bringen. Ein Gendarm geht voran, die Polizistin neben S.
- S nennt den oder die Täter "Satan". Ob der Täter aus dem Dorf oder aus der Familie sei, das wisse sie nicht, sonst wäre sie ja ein Medium.
- Ihre Orientierung und sie sind zwei. Sie ist stolz darüber, die Fundstelle wieder gefunden zu haben.
- S vermutet den, die Täter in Le Bas-Vernet, hinterfragt, ob in Le Bas-Vernet ausreichend ermittelt wurde. Von Le Bas-Vernet seien es ca. zehn Minuten bis zur Fundstelle und in Le Bas-Vernet lebten auch seltsame Leute, so wie überall.
- S wird am Ostersonntag, am Tag nach dem Findetag, in der Gendarmerie in Seynes-les-Alpes bis Mitternacht verhört, erzählt ihr ganzes Leben. Einmal habe S während der Vernehmung geweint, weil sie auch Kinder hat, es ihr Kind hätte gewesen sein können (**).
- S: "Im Winter ist hier ein Bächlein, alles voller Wasser. Man ist gezwungen, mit hochgezogenen Beinen zugehen. Auch im März war hier Schnee und Wasser." (bei min 13:00)
- S nimmt an, der Sturm von 120 km/h hat den Schädel dorthin transportiert. Dieser Sturm am Findetag hätte den Schädel auch unauffindbar weiter transportieren können, deshalb hat sie ihn eingesammelt.
VD glaubt nicht, dass alles kurz zuvor dort deponiert wurde, denn der Staatsanwalt hat nie gesagt, dass der Schädel auf dem Weg deponiert wurde.- VD erwähnt: Die Kleidung war nicht acht Monate draußen. Beide diskutieren dann herum, S hofft auf keinen cold case.
- Dieser von S gewählte Weg von Le Bas-Vernet aus sei wilder und deshalb für S interessanter. Der Weg von Le Haut-Vernet aus sei eine "route", also ein richtiger, als solcher gekennzeichneter, offizieller Wanderweg.
- Am Ostersonntag beschlagnahmt die Gendarmerie ihre Wanderschuhe, die sie zurückerhielt, nimmt Abdrücke ihrer Wanderschuhe, ihre Fingerabdrücke und ihre DNA. Ihr Haus wird durchsucht, Sachen werden beschlagnahmt, die sie alle innerhalb einer Woche zurückerhielt.
- Von den Kindseltern erhält S ein Dankesschreiben, "einen schönen Brief", via deren Anwalt Me Triomphe, nebst einem Foto von Émile.
Am darauf folgenden Tag erhält sie einen Anruf vom Anwalt der Kindseltern, ob sie beabsichtige, dem Beerdigungsgottesdienst beizuwohnen. S lehnt vehement ab, sie habe sich selbst nach dem Ableben ihres Mannes schnell der Situation entzogen.
S, ungefähr: Die Person, seine Seele, ist nicht mehr da, was willst du machen außer Weinen.
Der Kontakt zu den Kindseltern ist stets über deren Anwalt, nie direkt.
Seitdem gibt es keinen Kontakt mehr, weder zu den Kindseltern, den Großeltern sowieso nie, zum Anwalt nicht, noch zur Gendarmerie. S erwähnt hier die Träumereien eines einsamen Spaziergängers (***) nach Jean-Jaques Rousseau.
- S, ungefähr: "Ich habe erfahren, einen Schädel gefunden zu haben."
- Beide kommen nun an der Fundstelle an (bei ca. min 18:10). Die umgefallene Tanne, ihre Markierung, ist nun entnadelt, ein Skelett wie S sagt, die Tanne nähme die Entwicklung, die "wir", die jeder Mensch letztendlich mache.
- S: "Mein Körper erinnert die Fundstelle."
- Sofort denkt S, hey, man hat ihn für mich dort hingelegt. Das sind menschliche Gedanken.
- S zeigt mit dem Holzstückchen die Nase und dann die Ausrichtung des Schädels auf dem Erdboden des Weges.
- Sie weiß nicht, wo die Kleidung gefunden wurde und fragt VD. VD: "Da weiter unten, hat man mir gesagt." (bei ca. min 19:36). S: "Du siehst, da sind Spuren eines Baches noch." VD: "Der Schädel könnte durch die Regenfälle, Wind und Bach hinunter gelangt sein." S: "Aber wie erklärst du dir die saubere Kleidung?" VD: "Wenn sie unten sind, erkläre ich es mir nicht." (****)
- Laut S war der Schädel ganz weiß, wie poliert, wie gebürstet, ganz sauber, ohne Fleisch und Blut, nur deshalb konnte sie ihn aufnehmen. S: "Satan ist grausam, ohne Mitleid."
- S demonstriert, wie sie den Schädel in ihre zwei Plastiktüten sammelte und umwickelte, dann in den Rucksack (*****) deponierte, den Rucksack vor ihre Brust drückte und losging, ohne ihn zu berühren. Da fällt ihr ein, sie bräuche vielleicht eine Markierung und entdeckt die umgestürzte Tanne.
- Trauer, Ekel, Zufriedenheit, eine Ambivalenz der Gefühle überwältigt sie. Auch Ekel, sie möchte nicht, dass der Schädel sie berührt (vielleicht meint sie auch, dass sie den Schädel spürt), sie realisiert, dass sie einen Menschen im Rucksack transportiert und hält ab dann den Rucksack am ausgestreckten Arm von sich und geht, läuft in dieser Armhaltung so schnell es geht zurück nach Haus.
Ende des Videos, ziemlich abrupt, ohne Abschied zwischen VD und Sadia.
(*) Kabylei, Region in Algerien, gehörte bis 1962 zu Frankreich.
(**) Theoretisch gemeint, so meine Annahme.
(***)
Les rêveries du promeneur solitaire (Die Träumereien des einsamen Spaziergängers, unvollendet, verfasst zwischen 1776 und 1778), Lausanne 1782.
Quelle:
Wikipedia: Jean-Jacques Rousseau(****) Diesen Satz von VD konnte ich nicht genau lesen, hören, verstehen. Vielleicht gelingt es euch besser.
(*****) S betont, es sei nicht der Rucksack, den sie heute mitführt, den VD wohl gerade trägt. Was mit dem Rucksack vom Findetag geschah, wird nicht erzählt.