calligraphie schrieb:Was denkst Du ( bzw Ihr), warum die ( ehemalige) Lady vom Jugendamt so derartig emotional auf die Ladung in den Zeugenstand, reagiert hat?
Ehrlich gesagt, kann ich das durchaus verstehen.
Das ist ein Riesenprozess mit einer enormen Öffentlichkeit und alles wird sofort live nach draußen getickert.
Das ist ja sowieso schon krass für jemanden der oder die ansonsten nicht in der Öffentlichkeit steht.
Dazu kommt aus meiner Sicht zumindest, dass sie ihre Aufgabe komplett vermasselt hat.
Ich habe das ja schon mal geschrieben. Im Grunde hätte man in der Situation eine Kindeswohlgefährdung prüfen müssen und dafür gibt es bestimmte Vorschriften oder Regeln. Mit den Kindern muss eigentlich gesprochen werden.
Und aus meiner Sicht hätte sie den Zustand der Kinder gar nicht selber vollumfänglich bewerten können und hätte deshalb das Childhoodhouse einschalten müssen. Das ist eine forensische Abteilung des UKE speziell für Kinder die dann tätig werden, wenn Kinder von Gewalt betroffen sind.
Da wird dann wirklich alles untersucht und dokumentiert. Und natürlich wird mit den Kindern gesprochen.
Dort hätte man z.b auch die Schürfwunden dokumentieren müssen, die Klebeband Spuren auf der Haut und in den Haaren etc
Also aus meiner Sicht hat sie da ziemlich versagt, vor allem auch, wenn das stimmen sollte, das Klara ihr signalisiert hat, dass sie Hilfe braucht.
Damit möchte sicherlich niemand vor Gericht stehen und auseinander genommen werden.
Aber ich verstehe tatsächlich auch nicht, warum sie sich nicht auf ihr aussageverweigerungsrecht berufen hat. Es wurde schließlich im Vorfeld gegen sie ermittelt und ihre Aussagen könnten ja im schlimmsten Fall dazu führen, dass erneut Ermittlungen aufgenommen werden.
calligraphie schrieb:Ich frage auch mal gerne @Zaunkönigin
welche Erfahrungen Du hast, können Mitarbeiterinnen, in so einer Situation im Haus, überhaupt unbeeinflusst begutachten
Wie gesagt, ich arbeite nicht direkt beim Jugendamt. Ich kann dir die Frage aber trotzdem beantworten.
Es liegt an der einzelnen Mitarbeiterin. Grundsätzlich ist das natürlich möglich, dort ganz normal zu arbeiten. Man darf sich eben nicht blenden lassen davon dass dort eine millionenerben steht und im Wohnzimmer noch irgendein Sportfuzzi aus dem Fernsehen auf dem Sofa sitzt.
Aus meiner Sicht empfiehlt es sich bei so einer heiklen Situation, es war ja klar, dass eine Entführung im Raum stand, sich ganz streng an die Regeln zu halten und einfach die Aufgaben abzuarbeiten und vor allen Dingen absolut akribisch zu dokumentieren.
Je professioneller man in so einer Situation handelt, umso einfacher ist es.
Aber man muss es natürlich aushalten können, dass das eventuell den Personen, die dort anwesend sind nicht passt.
Tatsächlich ist es aber so, dass man damit immer konfrontiert ist, wenn man in dem berufsfeld tätig ist, indem man mit hochstrittigen Paaren zu tun hat.
Die versuchen immer das gesamte umgebende System auf ihre Seite zu ziehen. Auf unterschiedliche Art und Weise und wenn das nicht gelingt, hagelt es Beschwerden.