SirLouis schrieb:Dieses Rückführungskonzept ist der größte Humbug, den ich jemals gehört habe. Erlaube ich mir aus fachlicher Sicht mal so zu sagen. Auch der Rest, den dieser "Experte" da vertritt, sorry, das ist mehr als grenzwertig. Vernünftige Rückführungskonzepte sehen anders aus und die zeichnen sich durch ein gewichtiges Merkmal aus: sie beziehen nämlich die Kinder ein. (...) Und diese "Entfremdungstheorie" ist ebenfalls völlig daneben. Mir ist wirklich schleierhaft, wie ein studierter Psychologe auf so einen Blödsinn kommen kann und das auch noch unter die Menschheit bringt.
Eine akademische Ausbildung bewahrt nicht davor, Blödsinn von sich zu geben. Das haben wir während Corona bei nicht wenigen Ärzten und Wissenschaftlern beobachten können. Und auch der promovierte Verteidiger von Frau Block glänzt jetzt nicht mit fachlichen Weisheiten.
Das Problem bei der "Entfremdung" ist (ich meine nicht die fachwissenschaftlich weitgehend abgelehnte entsprechende "Theorie"), dass es sie gibt. Und den Entfremdungsvorwurf, der vor Ämtern und Gerichten auch entsprechend oft erhoben werden dürfte, wo der Kontakt zu einem Elternteil abgebrochen oder verweigert wird. Dann wird der andere Elternteil für die Entfremdung verantwortlich gemacht. Das dürfte in solchen Fällen schon fast reflexhaft erfolgen, den Kindern kann man ja nicht die Schuld dafür geben, dass sie keinen Kontakt wollen. Zugleich wird dann verlangt, der betreuende Elternteil solle es unterlassen, in negativer Weise auf die Kinder einzuwirken.
Dabei ist es ein in meinen Augen ziemlich normale kindliche Reaktion, sich von dem Elternteil abzuwenden, der z.B. wenig emphatisch ist oder hohen Leistungsdruck aufbaut. Oder gar rüde oder gewalttätige Erziehungsmethoden hat, den Kindern (unbewusst) Angst macht oder was auch immer. Und sich dem Elternteil zuwenden, der ihnen mehr Freiheit für Entwicklung gibt, wo sie sich sicherer fühlen. Gibt es dann zwischen den getrennten Elternteilen aggressive Konflikte, weiter Verletzungen und Vorwürfe, dann spiegelt das der betreuende Elternteil natürlich auch gegenüber den Kindern. Die bekommen natürlich mit, wie am Mittagstisch über den "unmöglichen" Vater oder Mutter gesprochen wird, welche Emotionen das auslöst. Und das kann dann zu einer "Wagenburgmentalität" führen. Das lässt sich meiner Meinung nach auch nicht verhindern, das ist eine normale Reaktion gegen den vermeintlich oder wirklich aggressiven "Angreifer".
Über den Fall hier will ich da noch gar nichts sagen. Aber die Entwicklung ab dem Zeitpunkt, wo die Kinder in Dänemark verblieben, die ist nach meiner Erfahrung kein verwunderliches Phänomen.
Mein Eindruck vom Herrn Entfremdungspsychologen Dr. R.: Sein Rückführungskonzept baut auf Manipulation der Kinder auf. Er setzt Entfremdung gegen Entfremdung. Und das ist ziemlich widerlich. Weil er die Not und Verzweiflung der Elternteile ausnützt, zu denen Kinder den Kontakt abbrechen. Anstatt ihnen zu helfen, konstruktive Wege zu finden, den abgerissenen Faden mit Geduld und Demut wieder aufzugreifen, eigen Verhaltensweisen zu hinterfragen und vom Schuldvorwurf gegen den betreuenden Elternteil abzulassen, verstärkt er den Konflikt. Und das ist auch ziemlich unverantwortlich.