ringelnatz schrieb:Ich glaube fest daran, dass wenn die Kinder direkt am 2.1. aus der "Gewalt" der Mutter geholt worden wären (ob Kinderheim, Pflegefamilie, Wohngruppe oder Childhouse - auch da gibt es mittlerweile viele verschiedene Möglichkeiten), wäre ihnen einiges an psychischer belatung erspart geblieben.
Die Traumatisierung hatte zwar bereits stattgefunden, aber dann bei der offensichtlich beteiligten Person bleiben zu müssen, ist höchst retraumatisierend!
Nochmals: im Falle einer spontanen Inobhutnahme kommen die Kinder/Jugendlichen als allererstes in eine Krisengruppe, hier in Berlin entweder das oder je nach Alter in den Kindernotdienst bzw den Jugendnotdienst.
Niemals direkt in eine reguläre Wohngruppe, Pflegefamilie oder ähnliches. Die Unterbringung in einer Krisengruppe dient als allererstes zur akuten Gefahrenabwehr. Wie es da so zugeht habe ich weiter oben beschrieben, ich möchte mich ungern wiederholen. Außerdem sind da Menschen im Schichtdienst, die die Aufgabe haben, als diese Kinder zunächst in Verwahrung zu nehmen und ihnen Schutz zu bieten. Natürlich ist das auch eine pädagogische Aufgabe, aber es ist weit davon entfernt, wie Pädagogen in Regelgruppen arbeiten, wo Kinder/Jugendliche länger untergebracht sind. Die Pädagogen in den Krisenstellen haben die Aufgabe, die Kinder/Jugendlichen mit dem nötigsten zu versorgen (Bett, Schrank, Tisch, Essen) , und eben erstmal einen sicheren Ort zu bieten. Die gehen also keine intensive Bindung zu den Kindern ein, da die Unterbringung dort nur für kurze Zeit vorgesehen ist, nämlich bis geklärt ist, wohin die Kinder/Jugendlichen dann gehen können. Sobald dort, muss das Jugendamt als zweiten Schritt das Familiengericht anrufen, um (wenn eine Rückkehr aus Sicht des Jugendamtes eine weitere akute Gefahr durch die Sorgeberechtigten sieht), das Sorgerecht entziehen und einen Amtsvormund einzusetzen (dieser erhält mindestens für die Dauer der Inobhutnahme das Sorgerecht). Wenn sich abzeichnet, dass eine Rückkehr in den elterlichen Haushalt aus o.g. Gründen nicht möglich erscheint, wird nach längerfristigen Unterbringungen geschaut, also z.B. Kinderwohngruppe, Regelgruppe, Pflegefamilie etc. Da wird natürlich geschaut, was passt. Manche Kinder haben den Bedarf der Unterbringung in einer therapeutischen Wohngruppe, manche kommen ins betreute Einzelwohnen, eine Jugendwohngruppe oder oder oder. Also alles Unterbringungen, die längerfristig angedacht sind. Manchmal gibt es auch Verwandte, die als perspektivischer Wohnort der Kinder in Frage kommen (Onkel, Tanten, Oma, Opa usw.). Das zu prüfen, dauert allerdings seine Zeit, und es ist manchmal nicht ganz einfach, einen passenden Platz zu finden, der den Bedarfen der Kinder/Jugendlichen gerecht wird.
Nochmal zurück zum Block-Fall: es klingt jetzt vielleicht für den ein oder anderen seltsam, aber das Kindeswohl war bei CB in HH nicht AKUT gefährdet, so dass man eine sofortige Inobhutnahme hätte veranlassen können oder müssen. Und nochmal: die Unterbringung in einer Krisenstelle ist wirklich kein Zuckerschlecken, und in der Rückschau kann ich nur sagen: gut, dass die kids dort erstmal verblieben sind, denn die Maßnahme der Inobhutnahme wäre für die kids mit ziemlicher Sicherheit nicht toll gewesen. Wieder wildfremde Menschen, viele andere Kinder/Jugendliche mit unterschiedlichen Biografien und Gründen, die zur Inobhutnahme geführt haben usw. und so fort. Ich bezweifle, dass das wirklich eine gute Lösung für die Kinder gewesen wäre. Greta hätte man konsequenterweise ebenfalls mitnehhmen müssen. Die hätte das doch gar nicht verstanden! Von der Villa in eine Krisengruppe? Na schönen Dank auch!
Da die Entführung ja schon gelaufen war (die selbstverständlich das KWG gefährdet hat, keine Frage!!), aber die Kinder nun im Haushalt von CB waren, lässt sich tatsächlich sagen, dass es keine AKUTE KWG mehr gab. Sie hatten dort alles, was sie brauchten: Bett, Verpflegung usw.
Ob das LANGFRISTIG ein guter Ort wäre, das wäre zu überprüfen gewesen, und das meinte ich ja auch schon die ganze Zeit: es fehlte der zweite Schritt, um die LATENTE KWG abzuklären.
Die Unterscheidung von akuter und latenter KWG ist wichtig, wird hier aber in der Diskussion manchmal nicht vorgenommen.
Und nein: ich will damit nicht das Vorgehen des Jugendamtes rechtfertigen. Ich möchte nur, dass das nicht in einen Topf geworfen wird. Und nochmal darauf hinweisen: aus meiner Sicht wäre eine Inobhutnahme eventuell nochmal traumatisierend gewesen. Es war das "kleinere" Übel, die kids erstmal bei CB zu belassen.
Versäumt hat man, wie jetzt schon x mal gesagt wurde, dass die Entführung nicht thematisiert wurde, nicht hinterfragt wurde, wie die Kids von a nach b gekommen waren. Ja, das wirft Fragen auf, selbstverständlich.
Aber in dem Punkt, dass einige hier fordern, dass eine Inobhutnahme für die kids "besser" gewesen sei, muss ich klar widersprechen. So blöd es nun mal klingt.
Dass CB auf Dauer kein guter Ort ist: auch völlig d'accord.