ottercat schrieb:Andre Agassi hatte z.B. bei Boris Becker beobachtet, dass er bei einem bestimmten Aufschlag immer schon beim Ballwurf seine Zunge in die Richtung streckt. Da gibt es ein unterhaltsames Video zu. Das macht die Richerin natürlich nicht, aber vielleicht macht Sie etwas dezenteres unterbewusst. Ich meine das macht Sie, wenn Sie etwas entweder nicht versteht oder anzweifelt.
Genau, auch das Gericht kann die Emotionen nicht ganz unterdrücken. An dem Verhandlungstag, als die Opening Statements abgehalten wurden, hatte ein Journalist vergleichend in etwa geschrieben: Kury sprach zu der Kammer und der Blick von Bott war in das „Publikum“ gerichtet. Er fand Bott wesentlich überzeugender, moderner usw.. Aber darauf kommt es nicht an, da die „Öffentlickeit“ nicht das Urteil spricht.
Das Strafrecht ist das Rechtsgebiet, das die sog. Öffentlickeit am spannendsten findet. Sie ist auch der Auffassung „mitreden“ zu können, das traut sie sich im Zivilrecht nicht zu. Daher dort auch leere Gesichtssäle. Keiner setzt sich den ganzen Tag in einen Gerichtssaal, in dem Mietsachen entschieden werden. Diese Öffentlichkeit fördert natürlich auch Strafverteidiger, die vermeintlich „herausragend“ agieren (wollen), sich selbst wichtig finden und sich gerne mit der Presse unterhalten. Das bringt das Rechtsgebiet Strafrecht einfach mit sich. Die „Öffentlichkeit“ und teilweise auch die Presse wollen genau das sehen. Eigentlich geht es aber darum, einem Menschen, der mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, den bestmöglichen Beistand zu gewähren und das bestmögliche Ergebnis für ihn zu erzielen.
Daher halte ich den Blick, der zur Kammer gerichtet ist, für den (insbesondere für den Mandanten) besseren.